Montag, 2. April 2012

Rollenprobleme

Zurzeit bin ich in einem Verfahren als Nebenklagevertreterin tätig. Damit halte ich den Schnitt "eine Nebenklage im Jahr" aufrecht. In dieser Sache werden endlich wenige Minuten Pause gemacht, draußen lauert die Pressemeute und die sehr interessierte Öffentlichkeit.

Ich muss schnell zur Toilette und dränge mich durch die Menge, als mich eine Dame am Ärmel zupft und sagt: "Sie sind doch die Staatsanwältin?" Wie aus der Pistole geschossen antworte ich: "Nein, ich bin die Verteidigerin."

Pause.

Äh, nein, Mist, zurück auf Anfang. Bin ich nicht. Nicht heute. Bei den nächsten Verhandlungstagen werde ich mir zur Erinnerung ein "Achtung, Du bist Nebenklage" auf die Hand malen. Das hat mit Hausabgaben etc. früher auch gut geklappt.

Kommentare:

  1. Rollenprobleme auf dem Weg zum Klo können auch wirklich blöd sein ;-)

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  2. Wieso eigentlich "Rollenprobleme"? Befragt, wie sie nur so ein Schwein verteidigen können, sagen Strafverteidiger doch immer, es gehe ihnen nur um die Sicherstellung eines rechtsstaatlichen Verfahrens. So gesehen ist es doch unerheblich, in welcher Rolle man am Verfahren teilnimt.

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  3. Guter Punkt. Die Abneigung kommt wohl eher daher, dass viele Nebenklagevertreterinnen ihre Rolle mit etwas mehr Drama und Emotionen versehen.

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  4. Hab mein Jahressoll von einem Nebenklagemandat auch grad angetreten.

    Wie meinte letztlich ein brandenburgischer Kollege zum Staatsanwalt, der sehr komisch schaute, als der sonst so harte Strafverteidiger mal neben ihm Platz nahm: "Ich weiß Herr Staatsanwalt, hier drüben bin ich ein Störkörper. Aber einmal im Jahr muss das sein!"

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