Dienstag, 3. April 2012

Plauderstündchen bei der Polizei

Gegen den Mandanten wird wegen Verbreitung von Kinderpornografie ermittelt. Beim Abholen von nicht inkriminierten Datenträgern hat ihn die Polizistin angesprochen und ihn ein - sehr nettes - Gespräch verwickelt.

Einen wichtigen Rat gab sie dem Mandanten: Ich solle mit dem Staatsanwalt eine Geldstrafe aushandeln. Dumm, dass der Strafrahmen von § 184 b Abs. 1 lediglich Freiheitsstrafe vorsieht. Vielleicht meinte sie aber auch eine Geldauflage, wer weiß.

Richtig dumm aber der Vermerk der Polizistin, dass man doch wegen des Sohnes des Mandanten das Jugendamt informieren solle. Es bestünde eine latente Gefahr für das Kind, zumindest könne man diese latente Gefahr nicht ausschließen.

Der Mandant war betroffen, da die Polizistin doch so nett war. So nett und verständnisvoll, dass er meinen Rat, nichts zu sagen, mal eben ignoriert hat. Schade.

Kommentare:

  1. Sehr geehrte Frau Rechtsanwältin Braun, so ist das eben mit dem gefühlten Recht. Es gibt ja auch Richter, die für Straftatbestände, die nur mit Haft ohne Bewährung geahndet werden dürfen, Geldstrafen aussprechen. So geschieht es ständig und manchmal werden Straftatbestände, wie z.B. die Aussageabsprachen zw. Drogenhändler und Drogenfahnder einfach vergessen. Solche Fälle finden Sie bei www.dirtycop.de, damit der Leser nicht meint, das wären Ausnahmen.

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  2. "Dumm, dass der Strafrahmen von § 184 b Abs. 1 lediglich Freiheitsstrafe vorsieht."

    § 47 Abs. 2 StGB?

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  3. Deshalb lasse ich gerade die Kinderpornomandanten nie selbst ihre Sachen bei der Polizei abholen.

    Ein dummer Rat ist das Eine, das Entlocken von weiteren Angaben eine andere Sache, was leider auch oft vorkommt.

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  4. @Thomas
    So mache ich es auch und hole die Sache oft selbst. Allerdings wären es hier für mich 500 km Fahrt. Und jemand anderen schicken wollte der Mandant nicht..

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