Donnerstag, 5. April 2012

Der superdreiste Nichtzahler

Der geschätzte Kollege Munzinger hat in seinem Artikel "Schuldnertypen" sehr schön die verschiedenen Typen von Nichtzahler beschrieben. Weitgehend decken sich seine Erfahrungen mit meinen.

Ein besonders dreistes Exemplar habe ich aber in den letzten Wochen erlebt: Beauftragung durch den Mandanten, Vorschussrechnung, Anruf des Mandanten und Bitte um Ratenzahlung. Ich übersende - mit leichten Bauchschmerzen - Ratenzahlungsvereinbarung, Raten kommen nicht. Erinnerung, Mahnung, schließlich Abrechnung und Kündigung des Mandats. Dann Ruhe. Schweigen im Wald.

Schließlich vor 14 Tagen ein aufgeregter Anruf des Exmandanten, er habe nun eine Ladung zur Hauptverhandlung erhalten. Er habe eben auch bereits 200,00 Euro überwiesen. Überweisungbeleg habe er gefaxt. Tatsächlich flattert auch ein solches Fax eins Haus. Fein, sage ich und weise darauf hin, dass für die Wahrnehmung des auswärtigen Termins erhebliche Fahrtkosten anfallen werden und dass ich nach dem bisherigen Zahlungsverhalten den Termin nur wahrnehmen werden, wenn alle Gebühren und Auslagen bezahlt sein.

Der Mandant murrt und grübelt. Naja, das ginge alles nicht. Das überwiesene Geld, ob er das zurückbekommen könne.

Jetzt raten Sie mal, was bisher nicht auf meinem Konto eingegangen ist und welche Straftat dem Mandanten vorgeworfen wird? Na???

Kommentare:

  1. Das Geld, und "Betrug"?

    Washabichgewonnen? ;-)

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  2. Ein anerkennendes Nicken! Hier ist es! ;-)

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  3. Liebe Frau Braun,
    hätten Sie die 200 €, wenn sie denn gekommen wären, zurückbezahlt. Lassen sie mich raten!

    Liebe kollegiale Grüße aus Mönchengladbach

    Gerd Meister

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  4. Lieber Kollege Meister, natürlich nicht! Und ich hätte mich auf die geistigen Mangelerscheinungen durch Tofu berufen!
    :-)

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  5. Habe noch Schlimmeres erlebt. Mandantin war beim AG Bamberg wegen Eingehungsbetrug und Urkundenfälschung angeklagt (Hat Urlaub gebucht, sich erholt und später nicht gezahlt). Ich fahre nach Bamberg mit einem Überweisungsbeleg (von Mandantin per Fax erhalten) für den Vorschuss in der Hand. Mandantin wird frei gesprochen. Vorschuss geht nie ein, Überweisungsbeleg war gefälscht. Staatsanwaltschaft geht in Berufung. Ich lege Mandat nieder und habe mein Geld bis heute nicht (trotz Kontopfändung usw.). Die Frau war aus heutiger Sicht offenbar schon lange eine Eingehungsbetrügerin und ich bin selbst darauf reingefallen. Pech gehabt.

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    1. Kinder, ein Überweisungsbeleg ist für die Tonne. Der Kontoauszug sagt da schon etwas mehr.

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    2. Und, Ihr Lieben, bei einem Scheck sieht man den Betrag oft sehr schnell auf dem Konto. Auch das ist nutzlos, da man erst nach i.d.R. 8-10 Bankarbeitstagen über das Geld verfügen kann; vorher kann der Scheck durchaus noch platzen. Also bei der annehmenden Bank erkundigen!

      So, und nun seid Ihr Lieben hoffentlich ein wenig besser gerüstet für das Leben draußen.

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  6. Ich habe gelernt, dass es im Leben drei eiserne Regeln gibt:

    1. Niemals Bücher verleihen.

    2. Draußen nur Kännchen.

    3. Bei Betrugsvorwurf Tätigkeit nur gegen Vorkasse.

    Okay, bei 1. und 2. bin ich mir nicht sicher.

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  7. @Christian
    Wie verträgt sich denn 3. mit der Unschuldsvermutung?
    Wie schlecht ist denn die justizielle Welt, wenn man schon mit einem befangenen Verteidiger zu tun hat?

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  8. Vertrauen ist gut- Kontrolle aber noch besser. Ich hate ein sehr bewegende Erlebnis mit einem aktenfüllenden Ordner.2003 verstarb meine Schwiegermutter und hinterliess für meine Frau ein Erbe u.a.von über 100000€. Ein Rechtsanwalt aus Würzburg sollte das Testament vollstrecken. Am Ende war nich mehr ein Cent vorhanden. Der Herr Anwalt wurde von mir angezeigt in langen Verhandlungen schließlich mit 3,4 Jahren Haft bedacht. Auch eine Anwaltskammer aus Bamberg konnte oder wollte mir nicht weiterhelfen. Ich habe schließlich das Vertrauen in die Organe der Rechtspflege gründlichst verloren.
    F:Z:

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  9. @Matthias

    Die Unschuldsvermutung gilt für den Staat im Strafprozess. Für den Rechtsanwalt gilt die Zahlung eines kostendeckenden Vorschusses, die der Gesetzgeber in § 9 RVG vorgesehen hat. Beide Prinzipien ergänzen sich wunderbar.

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  10. Mit dem Vorschuss ist das so eine Sache. Mit Mandant X (Inso und EV)führe ich seit 1 1/2 Jahren ein Verfahren vor dem Sozialgericht. PKH ist beantragt, aber noch nicht bewilligt. Zwischendurch brauchte er meine Dienste als Strafverteidiger. Hab mich breitschlagen lassen ohne Vorschuss zu arbeiten. Schöne Bescherung. Warte seit über 1/2 Jahr auf die Kohle und möchte Titulieren lassen. Geht denn dass bei laufendem Mandat vor Sozialgericht ? Wenn ich dann wg. gestörtem Vertrauenverhältnis Mandat niederlegen müsste habe ich die Sozialgerichtssache auch umsonst gemacht. Bei Mandant ist sowieso nichts zu holen.

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