Montag, 15. August 2011

Wer nicht fragt...

Die Mandantin beauftragt mich in der letzten Woche mit ihrer Verteidigung in einer Strafsache. Der Vorfall, der dem Strafverfahren zugrundeliegt, war im Januar diesen Jahres.

Ich nehme das Mandat an, beantrage Akteneinsicht und übersende - wie in Strafsachen üblich - eine Vorschussrechnung über die voraussichtlich anfallenden Gebühren.

Ups, denkt sich die Mandantin. Und dann denkt sich vermutlich auch, dass das ja ganz schön teuer sei. Aber, sie hat eine tolle Idee und schließt eine Rechtsschutzversicherung ab und verweist mich an diese. Natürlich lehnt die Versicherung die Gewährung von Rechtsschutz ab.

Eine kurze Frage vorher wäre sinnvoll gewesen. In einer Minute hätten wir klären können, dass der Abschluss einer Rechtsschutzversicherung zumindest für diesen Fall nicht mehr sinnvoll ist..

Kommentare:

  1. Die Dame hat das wohl mit der Zahnersatzversicherung aus dem TV verwechselt :-)

    (Die in Wirklichkeit ziemlich teuer ist)

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  2. Rechtschutzversicherungen sind ja durchaus sinnvoll. Nur übernimmt der Anwalt mit Annahme des mandats ganz sicher nicht auch noch die verantwortung oder Haftung dafür, dass für das konkrete Mandat auch Versicherungsschutz besteht!

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  3. Mal davon abgesehen, dass die wenigsten Rechtsschutzversicherungen in Strafsachen zahlen, ist es schön, dass es hier im Blog mal wieder was neues gibt; von dubiosen rumänischen Telefonanrufen einmal abgesehen :-)

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  4. @Anonym
    Ich bemühe mich, eine Schreibblockade zu überwinden.
    :)

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  5. Stellen sie sich einfach vor, sie dürften sich für jeden Blogeintrag Kuchen mit Schlagsahne gönnen.

    Dann werden sie die fleißigste Blogschreiberin :-)

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  6. Wenn eine Rechtsschutzversicherung bei Mandat besteht, würde ich es als Verbraucher begrüßen, wenn der Anwalt den Deckungsschutz prüft und dann den Streit mit der Versicherung über Gebühren ausfechte z.b durch Abtretung der Ansprüche, ohne mich zu belasten. Als Anwalt würde ich sowas machen, weil guter Service die beste Werbung ist. Mandanten mit Rechtsschutz wären mir auch, da immerhin zahlungsfähig, lieb.

    Da offenbar kaum ein Anwalt das bieten, verzichte ich trotz Deckungszusage bei Bussgeldverfahren oder anderen unwichtigen Sachen lieber auf einen Anwalt und nehme das Bussgeld oder Fahrverbot hin, was meist billiger und weniger aufreibend ist, als der Gebührenstreit danach.

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  7. @kj

    Sie haben Recht, das wäre ein prima Service. Die Auseinandersetzung mit der Rechtsschutzversicherung stellt aber eine grundsätzlich kostenpflichtige Tätigkeit dar, für die weitere Anwaltsgebühren anfallen. Trotzdem führen die meisten Anwälte die oftmals sehr aufwändige Korrespondenz mit der RS-Versicherung kostenlos. Den Mandanten auf eigenes Risiko jedoch völlig von den Gebühren freizustellen, ist mir dann aber doch etwas zu viel "Service".

    Vielleicht wäre es auch ein prima Service von Ihnen, wenn Sie Ihrem Arbeitgeber anbieten, montags immer kostenlos zu arbeiten...

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  8. @kj
    warum sollte der Anwalt das Inkassorisiko bei der Rechtsschutzversicherung des Mandanten noch zusätzlich übernehmen ? Schließlich hat der Mandant sich diesen Vertragspartner ausgesucht - und oftmals dabei nicht besonderes viel Geschick bei der Partnerwahl bewiesen. Es gibt Versicherer, da "funzt" es, - leider nicht viele - es gibt Versicherer, da ist alle Schreiberei schon vergebliche Liebesmühe - leider viele -.
    Warum soll der Anwalt dafür in eigenes Risiko gehen, wenn der Mandant sich bei der Partnerwahl vertut ?

    Und: wenn der Mandant nicht bei seinem Partner bezahlt hat - dann zahlt auch keine RSV dieser Welt !

    und: wenn der Mandant ein Mandat in einem nicht versicherten Bereich hat - was z.B. Bussgeldsachen NIE sind, weil das eine vorsätzliche Handlung ist -, zahlt auch keine RSV dieser Welt. Auch nicht, wenn gegen den Mandanten ermittelt wird wegen eines vorsätzlich begehbaren Deliktes - was nun mal die meisten sind, weiß selbst eine Nicht-Strafverteidigerin, die in anderen Gebieten unterwegs ist.

    Oder: wenn in dem Rechtsgebiet Stundenhonorar üblich ist, muß der Mandant auch mit seinem Versicherer selbst die Erstattung der anteiligen Kosten nach RVG hierzu betreiben.

    Desweiteren: würden Sie für Ihren Arbeitgeber das Risiko der Kundenaufträge übernehmen ? Sprich: sie rechnen Ihr Gehalt direkt beim Kunden Ihres Arbeitgebers ab - dafür bekommen Sie dann vom Arbeitgeber eine Abtretungserklärung. Was, wenn dieser Auftraggeber aber nicht zahlt ? Streiten Sie sich dann mit ihm vor Gericht darüber ? Aber arbeiten für den Arbeitgeber selbstverständlich vor und weiter, und das umsonst ?
    Zahlen Sie für Ihren Arbeitgeber dessen Büromiete und Bürokosten ? Nein ? Warum soll es dann Ihr Anwalt tun, und seine Bürokosten für Sie auf der STrasse suchen, wo der Mandant doch nicht bereit ist, seinen Auftrag bei ihm selbst zu bezahlen ?

    Anwälte sind keine Institutionen, die von staatlichen Stellen bezahlt werden, sondern wie jeder Selbständige von ihren Auftraggeber, und DER kann sich das von seinem Rück-Finanzier (Rechtsschutzversicherer, Ehegatte, ...... - bitte hier nach Wahl einsetzen), freihalten lassen.

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  9. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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