Montag, 28. November 2011

Kollege von Betrugsmasche betroffen

Über meine Erfahrungen mit Gewinnspielbetrügereien hatte ich im August hier berichtet. Zum Glück hörte der Spuk irgendwann auf. Meine schlimmsten Befürchtungen (Hausdurchsuchung, Konto dicht, ich werde in Handschellen abgeführt) haben sich alle nicht realisiert.

Heute rief mich der Kollege Lauck aus Potsdam an (Homepage). Er ist sozusagen mein Nachfolger und nun steht bei ihm das Telefon nicht still. Auch der Kollege hat mit den Gewinnspielanrufen nichts zu tun. Er hat eine Erklärung auf seiner Homepage veröffentlicht und Strafanzeige erstattet.

Ich wünsche dem Kollegen gute Nerven und alles Gute!

Montag, 29. August 2011

Die Staatsanwaltschaft und google

Wer vor einer Zeit die Adresse der Hamburger Staatsanwaltschaft suchte, der fand bei Google einen Link zu einer Schmähseite. Diese trug den bezeichnenden Titel "vor-verurteilung", und ist nun gesperrt.

Google hat sich nun bei der Hamburger Staatsanwaltschaft freundlich entschuldigt, das Hamburger Abendblatt berichtet hier. Grund sei wohl ein Computerfehler gewesen, so heißt es.

Herr Möllers, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Hamburg, weist im Interview darauf hin, dass durch diese Verlinkung eine Prangerwirkung entstehe, der man entgegentreten müsse.

Recht hat er. Wo kämen wir denn da hin, wenn die neutralste Behörde der Welt in Zusammenhang mit Vorverteilungen genannt würde.

Mittwoch, 17. August 2011

Über die Relativität von Erfolg

Wird einem Menschen die Fahrerlaubnis vorläufig entzogen (§ 111a StPO), so kann man gegen diese Entscheidung Beschwerde einlegen.

Statistische Daten sind mir keine bekannt, aber natürlich hat längst nicht jede Beschwerde Erfolg. Umso mehr freut man sich als Verteidigerin, wenn eine Beschwerde erfolgreich ist. Schließlich hat man zuvor gegrübelt, sich Mühe gegeben, an Formulierungen gefeilt...

Meine Freude über erfolgreiche Beschwerden wird nun in Zukunft nicht mehr so hoch sein.

Habe ich doch gerade eine Akte in den Händen, in der der Mandant (vor meine Beauftragung) selbst Beschwerde gegen die vorläufige Entziehung der Fahrerlaubnis eingelegt hat. Mit dünnen Worten ("Ich brauche aber mein Auto") und siehe da, das Landgericht gibt der Beschwerde statt und hebt den Beschluss des Amtsgerichts auf. Natürlich nicht, weil der Mandant sein Auto braucht, sondern mit einer anderen -zutreffenden - Begründung.

Für die mündliche Verhandlung sind das aber schöne Voraussetzungen.

Montag, 15. August 2011

Wer nicht fragt...

Die Mandantin beauftragt mich in der letzten Woche mit ihrer Verteidigung in einer Strafsache. Der Vorfall, der dem Strafverfahren zugrundeliegt, war im Januar diesen Jahres.

Ich nehme das Mandat an, beantrage Akteneinsicht und übersende - wie in Strafsachen üblich - eine Vorschussrechnung über die voraussichtlich anfallenden Gebühren.

Ups, denkt sich die Mandantin. Und dann denkt sich vermutlich auch, dass das ja ganz schön teuer sei. Aber, sie hat eine tolle Idee und schließt eine Rechtsschutzversicherung ab und verweist mich an diese. Natürlich lehnt die Versicherung die Gewährung von Rechtsschutz ab.

Eine kurze Frage vorher wäre sinnvoll gewesen. In einer Minute hätten wir klären können, dass der Abschluss einer Rechtsschutzversicherung zumindest für diesen Fall nicht mehr sinnvoll ist..

Dienstag, 2. August 2011

Die rumänische Nummer

Bei meiner Sachverhaltsschilderung gestern habe ich ein Detail vergessen. Die angeblichen Gewinner wurden aus Rumänien angerufen (die Rufnummer wurde nämlich übertragen). Rückrufe funktionieren wohl nicht, dann piept es nur.
Die ominöse Nummer rief nun eben im Minutentakt auf der Leitung meines lieben Bürogemeinschaftskollegen an. Es wurde immer aufgelegt, sobald sich eine der Sekretärinnen meldete.

Klar, zwei genervte Anwälte ist besser als einer.

Vielleicht ist man aber auch schon auf der Suche nach einer Verteidigerin, wer weiß. Leider muss ich aber auf Vorkasse bestehen. Sicher ist sicher.

Montag, 1. August 2011

Erklärung

In den letzten Tagen sind bei der Rechtsanwaltskanzlei Alexandra Braun in Hamburg zahlreiche Anrufe von Personen eingegangen, die bei einem Gewinnspiel gewonnen haben sollen.

Die Anrufer teilten mit, dass sie von einer „Frau Schmidt“ angerufen worden sein. Diese habe sich als Mitarbeiterin der Rechtsanwaltskanzlei Alexandra Braun in Hamburg ausgegeben. Die Kanzlei Alexandra Braun sei damit beauftragt worden, das Gewinnspiel abzuwickeln.

Den Angerufenen wurde mitgeteilt, dass sie einen Betrag von 48.000,00 Euro gewonnen hätten. Um diesen Betrag zu erhalten, seien Anwalts- und Notarkosten in Höhe von 250,00 Euro mittels einer sogenannten Ukash-Karte zu zahlen. Diese Karte erhalte man an Tankstellen und man solle bei einem erneuten Anruf durch „Frau Schmidt“ den auf der Ukash-Karte abgedruckten Code mitteilen.

Frau Rechtsanwältin Alexandra Braun hat mit der Abwicklung eines solchen Gewinnspiels nichts zu tun, eine Frau Schmidt ist in der Rechtsanwaltskanzlei Alexandra Braun nicht bekannt. Der Name von Frau Rechtsanwältin Alexandra Braun wird ohne ihr Wissen und ihr Einverständnis verwendet.

Es ist davon auszugehen, dass es sich um eine Betrugsmasche handelt. Angerufene Personen sollten auf keinen Fall den Anweisungen folgen und insbesondere keine Ukash-Karte erwerben.

Donnerstag, 9. Juni 2011

Nicht ganz so dringende Haftsache

Ein Anrufer ruft aufgeregt an, es sei jemand in U-Haft. Es eile, alles sei ganz dringend.

Wenn das Wort Untersuchungshaft fällt, dann rattert der Strafverteidiger eine Liste an Fragen runter. Zu den ersten Informationen, die man braucht, gehören Zeit und Ort der Verhaftung. Und - natürlich - Name und bestenfalls Geburtsdatum des Menschen in Haft.

Der Anrufer sagt: "Tja, das war wohl so im März. Wo, das weiß ich nicht. Es ist ja eigentlich nur der Bekannte eines Freundes, der da wohl in Haft ist. Den Nachnamen weiß ich auch nicht. Ich würde aber gerne mal wissen, wie es ihm so geht."

Tja. Eine niedliche Vorstellung, mal alle Untersuchungshaftanstalten anzurufen und herauszufinden, wie es dem Emil (Name aus Datenschutzgründen geändert) so geht.

Donnerstag, 21. April 2011

Strafrechtliche Nebengebiete im Alltag

Im Studium habe ich mich wegen des strafrechtlichen Schwerpunktes auch mit dem ein oder anderen Nebengebiet beschäftigt. Unter anderem waren da einige Seminare zum Thema Gerichtsmedizin, inklusive einigen Besuchen im Institut der Rechtsmedizin.

Der dort kennengelernte Geruch kam mir nach Urlaubsrückkehr im Treppenhaus des von mir bewohnten Hauses entgegen. Er verstärkte sich, je näher ich meiner Wohnung kam und das polizeiliche Siegel an der Tür des Nachbarn schaffte endgültige Klarheit. Es musste jemand das Zeitliche gesegnet haben und einige Zeit in der Wohnung gelegen haben.

Im Treppenhaus darf ich dann die Rentnerin von unten, die berichtete, dass man wegen des Geruchs am Vortag die Polizei gerufen habe und diese meinen Nachbarn gefunden habe. Die Dame war sichtlich geschockt, fragte dann aber: "Sie kennen sich doch da sicher aus: Bilden sich in so Leichen dann nicht Würmer??" Meine Antwort mit den Fliegen, die ihre Eier in Augen, Mund, Nase und Wunden ablegen und denn schlüpfenden Maden hat ihr dann aber den Rest gegeben. Sie wurde ungesund bleich und schwankte etwas. Ich habe einen Schnaps mit ihr getrunken.

Mittwoch, 20. April 2011

Mandat mit päpstlichem Segen - quasi

Vor wenigen Tagen war ich im Urlaub - in Rom. Was muss man da gesehen haben? Genau - den Petersdom. Als ich diesen aufsuchen wollte, da war auf dem Petersplatz eine größere Menschenmenge und ein ältere Herr schaute aus einem Fenster und sprach mit starkem deutschen Akzent allerlei fromme Sachen. Rein zufällig habe ich auf diese Weise einen päpstlichen Segen abbekommen.

Beim Verlassen des Petersplatzes schalte ich das Handy ein und es klingelt sofort. Ein Anrufer aus Deuschland, der mich um seine Verteidigung bittet. Na, das muss mit dem Teufel zugehen, wenn sich da kein Erfolg erzielen lässt.

Donnerstag, 24. Februar 2011

Die Sexualisierung des Rechts

Diese Woche war Woche der Geschlechtsteile. Man glaubt gar nicht, mit wievielen Fällen man es zu tun haben kann, in denen es irgendwie um Intimes geht. Beleidigung mit sexuellem Hintergrund; Brustvergrößerungen, die schiefgegangen sind; pikante Mails in der Akte in einer Zivilsache; Exhibitionismus, versendete Nacktbilder der Exfreundin.

Da wird immer gegen die Sexualisierung in den Medien gewettert und hier tut keiner was. Ich wünsche mir mal wieder ein schönes Tierrechtsmandat. Und wer jetzt was von Möpsen sagt, der fliegt raus.

Donnerstag, 17. Februar 2011

Beweismittel in Tüten

Gestern im Ziviljustizgebäude. Ein junges Paar, bepackt mit diversen Taschen und Tüten, steht an der gemeinsamen Annahmestelle.
Zunächst fragen sie nach, in welchem Zimmer eine bestimmte Geschäftsstelle ihren Sitz hat.

Dann fragt er: "Nehmen Sie aich Beweismittel an?" und zeigt auf Tüten und Taschen. Der freundliche Herr an der Annahmestellte erklärte dann, dass die Annahmestelle nicht Annahmestelle heißt, weil alles angenommen wird. Das Paar ging seiner Wege.

Im Strafjustizgebäude hätte mich die Szene etwas beunruhigt, in die Taschen hätten einige Leichenteile reingepasst.

Dienstag, 25. Januar 2011

Moralisches Eigentum

Dem Mandanten wird Diebstahl vorgeworfen. Diebstahl eines Tieres. Das ist nicht zum Lachen, sondern eine ernste Sache. Es gab Zeiten, da wurde ein Pferdedieb gehenkt, nicht wahr.

Hier ist es aber kein Pferd, sondern ein Hund und die Verhältnisse rund um das Tier sind wegen einer Trennung etwas unerfreulich. Meine Frage: "Wem gehört das Tier denn?" konnte daher auch nicht so einfach beantwortet werden.

Die Antwort begann mit: "Also, moralisch gehört der Hund mir." Eine spannende Verteidigungsstrategie.

Dienstag, 11. Januar 2011

Kriterien bei der Anwaltswahl

Eben meldete sich ein potenzieller Mandant. Er sagt:"Ehrlich gesagt habe ich Sie nach Foto ausgesucht."

Ich stutze einen Moment, der Anrufer spricht weiter:

"Sie sehen so aus, als könnten Sie echt unangenehm werden und so, als hätten Sie im Studium immer gut aufgepasst."


Es handelte sich bei seinem Problem um eines aus einem Rechtsgebiet, das ich nicht bearbeite. Ich habe den Anrufer an einen Kollegen verwiesen, der auch aussieht, als ob er sehr zickig werden könne.

...mit gefletschten Zähnen ab zum Essen...

Donnerstag, 6. Januar 2011

Meditieren im LKA?

Heute war ich bei einer Vernehmung im LKA, Abteilung Sexualdelikte, anwesend. Im Warteraum ein Bild: Bank im Sonnenschein, Blümchen in Kübeln daneben, niedliche Katze auf der Bank liegend. Unter dem Motiv die Aufforderung:

"Verweile und entspanne!!

Hm. Verweilen will da kein Mensch länger als nötig und entspannen wird sich auch niemand. Kein Zeuge und erst recht kein Beschuldigter. Aber ich will nicht nörgeln. Eine Collage "Deutschlands schönste Gefängnisse" hätte ich auch nicht gut gefunden.

Sonntag, 2. Januar 2011

Guter Vorsatz

Nach der Besprechung am 30.12.2010 fragt der Mandant, ob ich denn auch gute Vorsätze für das neue Jahr habe. "Naja", sage ich, "vielleicht mehr Sport, Blogbeiträge ohne Rechtschreibfehler und besseren Kaffee in der Kanzlei. Und Sie?"

Klar habe er einen guten Vorsatz gefasst, sagt der Mandant. Er wolle sich nicht mehr beim Klauen erwischen lassen.

Dann mal viel Erfolg und alles Gute für 2011. :)