Montag, 29. November 2010

Eisberg voraus

Offenbar habe ich zu viel über Piraten und Verletzungen gepostet, das muss sich ausgewirkt haben.

Am Freitag war die Weihnachtsfeier der Kanzlei, an der ich verletzungsbedingt nicht teilgenommen habe. Ein paar Stunden auf einem Schiff, das erschien mir unklug. Als Hessin bin ich eh nicht so richtig seetüchtig. Gute Entscheidung, wie sich heute zeigte.

Heute Vormittag kam ich ins Büro und sah eine Sekretärin mit schmerzverzerrtem Gesicht, die etwas von "Titanic" murmelte. Die Auszubildende fehlte.

Was ist passiert? Das Schiff mit Anwälten und anderen Gästen an Bord hat eine Kaimauer gerammt, einige Leute sind gestürzt und haben sich verletzt. Sehr unerfreulich und bedauerlich.

Ob der Kapitän eine Verteidigerin braucht, das ist bisher unklar.


P.S. Die hessische Landratte erkannte mein Kollege - ein Segler - gleich im Gespräch mit mir.
Kollege: "Hm, welches Recht da wohl anwendbar ist?"
Ich: "Ähm..Du meinst so mit Zwölf-Seemeilen-Zone, oder so was??"

Freitag, 26. November 2010

Mitleidsbonus....

Ob das bei Richtern und Staatsanwälten für milde Urteile für meine Mandanten sorgt???
Naja, es gibt immerhin kurzen Small Talk vor der Verhandlung, das kann die Atmosphäre verbessern. Hält aber oft nicht lange an....


Mittwoch, 24. November 2010

Home, sweet Homeoffice

Während an anderen Orten Anwälte bis um Mitternacht an ihrem Schreibtisch sitzen und dann das Sparetimejackett über der Stuhllehne hängen lassen, bin ich seit zehn Tagen im "Homeoffice". Nach einem kleinen Unfall kann ich nicht so recht laufen und insbesondere nicht meine Wohnung im vierten Stock verlassen. Es klappt ganz gut, Internet und Sekretariat sei Dank.

Eine Bekannte fragte mich kürzlich, ob man denn wirklich ein Büro brauche und die Antwort ist ein klares JA.

Auch wenn es nett sein kann, sich im Schlafanzug an einen Schriftsatz zu setzen - Besprechungen in der eigenen Wohnung scheiden aus. Außerdem ist die Arbeit immer da und der Rechner läuft 24 Stunden am Tag. Und es ist doof, wenn man mit einem Staatsanwalt telefoniert und währenddessen die Pizza im Ofen verbrennt.

Montag, 22. November 2010

Ruhm und Ehre - oder Geld?

In meinem Blogbeitrag über den Piratenprozess in Hamburg fragt der Kollege Hoenig neckisch, ob nicht doch ein klein wenig Neid auf den tollen Prozess vorhanden sei, und stellt fest, dass eine OWI-Sache wesentlich lukrativer ist.

Das stimmt.

Spannende Prozesse mit Mandanten in Haft sind in aller Regel wirtschaftlich gesehen ein Desaster. Die wenigsten Mandanten haben die finanziellen Mittel, Besuche in der Haftanstalt, Telefonate mit Angehörigen etc. angemessen zu entlohnen und man arbeitet sich an solchen Mandaten fast arm.

Im Fachanwaltskurs war ich die einzige Teilnehmerin, die gerne und häufiger Verkehrsstrafsachen oder gar Ordnungswidrigkeiten bearbeitet. Dabei kann man in diesen Bereichen oft den Mandanten schnell glücklich machen, hat meist keine Probleme mit der Bezahlung und verdient meist ganz gut. Seinen Enkelkindern erzählen kann man von den Heldentaten in Harburg und anderswo aber nicht. ;-)

Ahoi, ihr Landratten

Heute hat in Hamburg der Prozess gegen zehn somalische Piraten begonnen. Das erste Mal seit 400 Jahren findet wieder ein Verfahren gegen Seeräuber in Hamburg statt.

Das Verfahren sorgt für Aufmerksamkeit, die FAZ berichtet hier ziemlich ausfühlich.

Piratenprozess, das klingt irgendwie nach Totenkopf, nach Jack Sparrow, nach Störtebecker, nach Papageien und Abenteuer.

Vielleicht gab es deshalb eine regelrechten Kampf - wenn wohl auch unbewaffnet - um die Mandate. Man murmelt von regelrechten Bewerbungen von Anwälten, die gerne einen Piraten verteidigen wollten. Verständlich, das ist ja mal ein Highlight und irgendwie cooler als Insolvenzverschleppung oder Ebay-Betrug.

Ob es neben den Pflichtverteidigergebühren allerdings noch eine Entlohung der Anwälte in Gold gibt, das bezweifele ich stark.

Donnerstag, 18. November 2010

Zweite Meinung

Ein dringlicher Anruf, alles ganz eilig. Nach kurzem Zuhören wird mir auch das Anliegen des Anrufers klar: er hat einen Anwalt, hat den schon bezahlt und ist nicht zufrieden. Das dauert alles so lange, die Ermittlungsakte ist noch nicht da und der Anwalt meldet sich nicht, um mitzuteilen, dass die Ermittlungsakte noch nicht da ist.

Diese bohrende Gefühl des Zweifels möchte man nun bekämpfen und zwar durch Einholung einer zweiten Meinung - meiner Meinung. Bezahlen möchte man dafür aber nicht, denn der erste Anwalt hat ja schon genug Geld gekostet.

Einen kostenlosen Rat habe ich dem Anrufer aber geben können: Bei Unzufriedenheit sollte man erst einmal den eigenen Anwalt ansprechen.

Dienstag, 9. November 2010

Mein schönster Fall

Sollte ich jemals einen Aufsatz "Mein schönster Fall" schreiben müssen, dann wird es - trotz aller Liebe zum Strafrecht - etwas Zivilrechtliches.

Im Referendariat ging es um einen Menschen, der in ein früheres Leben zurückreisen wollte. Ein Mann komischerweise, so etwas Esoterisches ist doch sonst eher Frauensache. Jedenfalls hat das nicht geklappt und er wollte nun sein Geld zurück. Verständlich. Wer etwas Tolles erwartet ("Ich war mal Julius Caesar!") und dann passiert nichts, der ist zurecht enttäuscht.

Der Richter in Hessen auf dem Lande war sehr bodenständig und hat der Klage stattgegeben. Verlassen würde ich mich auf so einen Ausgang aber auch nicht immer. Bei der Antfaltencreme wird man mit "Ich habe ein Wunder erwartet." nicht unbedingt eine Klage gewinnen.

Donnerstag, 4. November 2010

Wer zuerst kommt...

Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Das Sprichwort stimmt zumindest häufig bei der Erstattung einer Strafanzeige. Wer bei einer Auseinandersetzung zuerst zur Polizei rennt und den Kontrahenten anzeigt, der hat erst einmal die besseren Karten. Frei nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung.

Mein Mandant hat bei einem Streit, der zu gegenseitigen Beleidigungen und Verletzungen führte, auf eine Strafanzeige verzichtet. Er war in dem Glauben, das bringe nichts. Schließlich gebe es keine neutralen Zeugen, alles also Quatsch. Eine ganz vernünftige Einstellung eigentlich.

Der andere Beteiligte, der jetzt Geschädigter heißt, sah das anders. Direkt nach dem Vorfall wurde von ihm Anzeige erstattet und nun hat mein Mandant - zu seinem großen Erstaunen - eine Anklageschrift bekommen.

In Zukunft wird er wohl - sobald ihn jemand schief anguckt - Strafanzeige erstatten. Sicher ist sicher.

Dienstag, 2. November 2010

Untauglicher Versuch?

Ob darauf echt noch Menschen reinfallen?

Hallo Gast Visa Europe,

Ihre Kreditkarte wurde ausgesetzt, weil wir ein Problem festgestellt, auf Ihrem Konto.

Wir haben zu bestimmen,dass jemand Ihre Karte ohne Ihre Erlaubnis verwendet haben. Für Ihren Schutz haben wir Ihre Kreditkarte aufgehangen. Um diese Suspension aufzuheben Klicken Sie hier und folgen Sie den Staat zur Aktualisierung der Informationen in Ihrer Kreditkarte.

Vermerk: Wenn diese nicht vollständig ist , werden wir gezwungen sein, Ihre Karte aussetzen

Wir bedanken uns fur Ihre Zusammenarbeit in dieser Angelegenheit.

Wes Brot ich ess..

Die geschätzte Kollegin Rueber überprüft in ihrem Blog gelegentlich Sprichwörter auf ihren Wahrheitsgehalt. Die Besprechung heute hat mich zu einer Überprüfung des Sprichwortes "Wes Brot ich ess, des Lied ich sing" inspiriert.

Manchmal möchte der Mandant unbedingt, dass in einem Schriftsatz etwas Bestimmtes steht. Gerne sind das dann Sätze wie: "Der Zeuge lügt sowieso, alle aus dessen Familie sind Drecksäcke."

Ich versuche in der Regel, dem Mandanten Dinge auszureden, die sich für ihn nur nachteilig auswirken würden. Wenn man in dem Punkt gar nicht zueinanderfindet, dann muss man sich eventuell trennen. Ein "Mietmaul" möchten die wenigstens Anwälte sein.

Also: Das Sprichwort stimmt nicht.