Mittwoch, 27. Oktober 2010

Die war´s!

Wahllichtbildvorlage bei der Polizei. Der Zeuge hat die Beschuldigte als sehr gepflegte, elegante Frau beschrieben.

Es werden dem Zeugen neun Bilder gezeigt, ein Foto der Beschuldigten (mit Bluse und Blazer, dies ist zu erkennen) und acht andere Bilder von Frauen etwa gleichen Alters. Alle anderen acht Damen sehen aus, als ob sie in der Mülltonne übernachtet hätten. Mindestens zwei machen den Eindruck, als ob sie der Drogenszene zuzurechnen sein.


Ich freue mich schon auf die Verhandlung.

Sehr Lesenswertes zur Wahllichtbildvorlage und Wahlgegenüberstellung vom Kollegen Siebers gibt es hier.

Dienstag, 26. Oktober 2010

Kurz und knapp

Die Leser strafrechtlicher Blawgs dürften mittlerweile wissen, dass man als Zeuge bei der Polizei keine Aussage machen muss. Zudem könnte sich herumgesprochen haben, dass man als Zeuge das Zeugnis verweigern kann, wenn man sich selbst in die Gefahr der Strafverfolgung bringen würde oder mit dem Beschuldigten verwandt ist.

Darüber ist ein Zeuge - natürlich - zu belehren. Der Kollege Vetter hat hier einen Anhörungsbogen gebloggt, bei dem die Belehrung in der Tat etwas holprig ist.

Die Polizei in Hamburg denkt sich da wohl: "Besser nicht lang schnacken, macht man auch nix verkehrt."

Die Belehrung auf dem Anhörungsbogen, der vor mir liegt, lautet kurz und prägnant:

Beachten Sie bitte die Vorschriften der §§ 52, 55 StPO.


Fein, da kann der Empfänger erst einmal google bemühen und nachschauen, was da drin steht. Vielleicht schreibt der Zeuge dann auch gleich zurück, dass er sich nicht selbst belasten wolle und daher nichts sage.

Montag, 25. Oktober 2010

Erschwerte Arbeit

Meine Mandantin schweigt auf meinen Rat hin. Kein Ton kommt über ihre Lippen. Zumindest nicht, bevor wir nicht den Akteninhalt kennen. Ein anderes Verhalten wäre dumm und schädlich.

Leider befindet sich die Akte noch bei der Polizei und nicht einmal das Protokoll der Vernehmung des Anzeigenerstatters ist schon geschrieben. Es heißt also warten. Für mich ist das weniger nervig als für die Mandantin. Ich rufe also bei der Polizei an und frage freundlich, wann denn mit einer Abgabe an die Staatsanwaltschaft zu rechnen sei.

Das kann man mir nicht mitteilen. Wohl aber kann man mir sagen, dass das "unkooperative Verhalten" meiner Mandantin die Ermittlungen erschwere.

Ja, verstehe ich. Mit einem feinen Geständnis - so ohne konkrete Kenntnis der Vorwürfe - wäre alles viel einfacher.

Montage

Montage haben bekanntlich ihre Tücken:

Zum dritten Male habe ich statt "Fristablauf" den schönen Begriff "Frustablauf" getippt. Vielleicht bessert sich das im Laufe des Tages noch. Ansonsten verlege ich mich besser auf das Lesen von Ermittlungsakten und gehe Psychoanalytikern für heute aus dem Weg.

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Rein statt raus

Von einem Einbruch in das Gefängnis Hamburg Glasmoor berichtet die Hamburger Morgenpost
hier.

Eigentlich wird in der Regel ja eher versucht, aus dem Knast auszubrechen, aber umgekehrt scheint es einfacher zu gehen.

Großartige Beute wurde in den Zellen von den Einbrechern übrigens nicht gefunden. Genau genommen wurde gar nichts entwendet. Ich bezweifle auch stark, dass sich in den Zellen viel Stehlenswertes befindet.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Keine Polizeigewalt, sondern Alltag

In der Hamburger Morgenpost von heute findet sich eine Mitteilung über den Ausgang eines Verfahrens vor dem Amtsgericht St. Georg, die ich recht bemerkenswert fand:

Eine Polizisten hatte Strafanzeige erstattet, weil ihr Kollege einen Dealer im Gewahrsam misshandelt haben soll. Laut Mopo hat die Beamtin ausgesagt, dass es keinen Grund gegeben habe, den Mann zu schlagen.

Das Verfahren wurde gegen Zahlung einer Geldauflage von 750,00 Euro eingestellt. Die Mopo berichtet weiter, dass der Staatsanwalt gesagt haben soll, "es handele sich nicht um einen Fall von Polizeigewalt, sondern eher um etwas Alltägliches."

Tja, wie wohl der Alltag des Staatsanwaltes aussehen mag? Der Arbeitsalltag der Polizistin dürfte wohl in Zukunft etwas unschöner sein.

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Formen der Kontaktaufnahme

Normalerweise erfolgt - zumindest hier in der Kanzlei - der Erstkontakt zu einem neuen Mandanten telefonisch. Der Anwaltssuchende teilt mit, was er für ein Anliegen hat, fragt nach etwaigen Kosten und vereinbart einen Termin. Manchmal kommt auch eine kurze Anfrage mit der Bitte um einen Termin per Mail oder jemand steht plötzlich im Büro. Alles nicht sonderlich ungewöhnlich.

Alle paar Monate bekomme ich aber dicke Umschläge von mir komplett unbekannten Menschen. Gerne lautet die Anrede "Sehr geehrte Damen und Herren Anwälte" und das beigefügte Schreiben ist seitenlang und kopiert.

Gerade liegt ein mehrere Zentimeter hoher Stapel Unterlagen vor mir. Das anonym gehaltene Schreiben enthält den Hinweis, dass man sich keinen Anwalt leisten könne, aber dringend Hilfe brauche.

Da es sich bei dem Anliegen um ein Rechtsgebiet handelt, welches ich nicht bearbeite, habe ich dem Anfragenden dies freundlich mitgeteilt. Per Post, eine andere Möglichkeit der Kontaktaufnahme gab es nicht. Berufsrechtliche Pflichten (z.B. aus § 44 BRAO) habe ich damit nahezu überobligatorisch erfüllt. Ich gehe davon aus, dass über 80% der Kollegen die Unterlagen in die Tonne geworfen hätten.

Echte Profis schreiben übrigens oben auf den Briefbogen: Das Lesen dieser Unterlagen löst keinen Gebührenanspruch aus. Da kann man dann überlegen, ob man 34 Seiten lesen möchte oder besser nicht.

Ob Ärzte auch manchmal einen dicken Umschlag bekommen? Vielleicht mit Fotos der Symptome?

Sollten Sie einmal einen Anwalt suchen und nicht wissen, wie sie Kontakt aufnehmen sollen, rufen Sie ihn doch einfach an. Am Telefon müssen Sie auch nichts unterschreiben. ;-)

Dienstag, 12. Oktober 2010

Mandantentypologie Teil I - Der Vollmachtsleser

Welcher der werten Leser und Nichtjuristen war schon einmal beim Anwalt? Ja, doch einige, schön. Wer hat da eine Vollmacht unterschrieben? Ja, habe ich mir gedacht. Wer hat die genau vorher gelesen? Ah, interessant.

Meist droht Ungemach, wenn ein Mandant die zu unterschreibende Vollmacht von vorne bis hinten liest. Komisch eigentlich, ist aber ein Erfahrungswert. Wer die Vollmacht liest oder gar eine Kopie möchte, mit dem gibt es in der Regel Ärger, meist mit der Bezahlung.

Dabei wollen wir Anwälte mit der Vollmacht doch nichts Böses. Weder einen Staubsauger verkaufen, noch uns als Alleinerben bestellen. Im Zweifel dient sie allein dazu, die Beauftragung nachweisen zu können. Meist bleibt sie bei der Akte und kein anderer Mensch bekommt sie je zu Gesicht.

Wissenswertes zur Vollmacht findet sich übrigens hier.

Montag, 11. Oktober 2010

Kühe unter dem Eis

Der Anrufer teilt mit, er habe einen Strafbefehl bekommen. Im Juli. Er habe sich da nicht so drum gekümmert und den jetzt erst aufgemacht. Wie man denn nun die Kuh vom Eis bekomme, möchte er wissen.

Tja, diese Kuh liegt bereits verwest auf dem Grunde des Sees.

(Zur Einspruchsfrist beim Strafbefehl siehe hier.

Merke: Post aufmachen, auch wenn man dazu so gar keine Lust hat. Post besonders schnell öffnen, wenn sie in einem grellen, gelben Umschlag daherkommt.

Dienstag, 5. Oktober 2010

Chronisch unterbezahlt

Der Gegner hat Probleme. Sehr viele Probleme. Einige davon groß, andere eher klein. Unter anderem wollen viele Gläubiger Geld, der Staat will Geld, alles sehr ungenehm.

Bezahlt werden sollen die Schulden nicht. Er könne das alles nicht bezahlen, sagt er, denn er sei chronisch unterbezahlt.

Durchaus eine zutreffende Bezeichnung für Arbeitslosengeld II, leider aber nicht hilfreich.

Montag, 4. Oktober 2010

Dolles Angebot?

Ein Anruf einer Kollegin. Ob ich an einer Kooperation interessiert sei. Sie bearbeite kein Strafrecht, habe da aber häufig Anfragen und schicke die Leute dann weg. Gerne würde sie die Mandanten zu mir schicken.

Klingt grundsätzlich erst einmal gut, hat aber einen Haken. Ich soll nämlich 50 % der eingenommen Gebühren abgeben - an die Kollegin. Noch mal zum Mitschreiben: Kollegin macht kein Strafrecht, ich kann diese Mandate bekommen und bearbeite sie dann. Dafür gebe ich dann 50 % der Einnahmen an die vermittelnde Kollegin ab.

Aha. Den Vorschlag finde ich irgendwie doof - nicht nur wegen des Verstoßes gegen berufsrechtliche Vorschriften.

Freitag, 1. Oktober 2010

Ja, watt denn nun?

Der Kollege hat am Nachmittag eine längere Besprechung und ist daher nicht zu sprechen. Ein Mandant möchte ihn erreichen und versucht es auf vielen Wegen: Telefon, Fax und Mail. Gefehlt hat nur das persönliche Erscheinen und das singende Telegramm.

Aus dem leichten Stöhnen des Kollegen und der Frage: "Ja, was denn nun?" kann man einen Merksatz ableiten: Viele Köche verderben den Brei bzw. alles auf einmal ist nicht unbedingt nötig. Umgehend zurückgerufen wurde der Mandant aber trotzdem.