Donnerstag, 30. September 2010

Doch kein Zeuge deluxe

Ein gewisser Prozentsatz von Mandanten redet bei der ersten Besprechung selbstbewusst davon, dass ihnen gar nichts passieren könne. Man habe da einen super Zeugen, echt. Ein Premiumzeugen sozusagen. Der könne ganz toll für einen aussagen.

Es ist sinnvoll, den Mandanten zu dem vermeintlichen Zeugen genau zu befragen. Unter Umständen sollte man den Zeugen auch selbst vernehmen - sonst kann es in der Hauptverhandlung sehr unangenehm werden.

Bei einem Verfahren wegen mehrerer Einbruchsdiebstähle wurde mir ein mysteriöser Zeuge angedient wie trockenes Brot. Der könne total entlastende Sachen sagen, wirklich. Was das für entlastende Dinge sein sollten, das konnte der Mandant nicht sagen. Er war da sehr unkonkret. Besorgniserregend unkonkret.

Ich bekomme die Akte, schaue auf den Aktendeckel und werde überrascht. Der Name eines Mitbeschuldigten kommt mir sehr bekannt vor. Der Akteninhalt spricht dann dafür, dass der potentielle Zeuge sich auch einen Anwalt nehmen sollte - einen Verteidiger.

Mittwoch, 29. September 2010

Arbeitsmotivation

Der Mandant hat keine Erfahrung mit Strafverfahren und hat das erste Mal in seinem Leben ein Ermittlungsverfahren am Hals.

Ich erläutere ausführlich das Vorgehen und die Kostenfrage. Die Zahlung eines Vorschusses ist dem Mandanten augenscheinlich sehr suspekt und schließlich sagt er auch, warum.

"Wenn Sie vorher das Geld haben, dann haben Sie doch keine Lust mehr, sich anzustrengen."


Ich konnte ihm versichern, dass genau das Gegenteil der Fall ist.

Montag, 27. September 2010

Anwalt für Strafrecht - brauch ich doch nicht!

Wenn Menschen erfahren, was ich beruflich mache, dann heißt es meistens:

"Ich brauche Sie/Dich nie!"

In den meisten Fällen ist das auch so und das ist in Ordnung - zumindest wenn es sich um gute Bekannte oder gar Freunde handelt. Ich möchte ja iregendwie doch nicht, dass eine Freundin den Ehemann erschlägt, nur damit ich ein schönes Mandat habe. Ab und dann benötigt aber doch jemand Hilfe, das ist bisweilen ganz amüsant.

Apropos erschlagen: Bei Strafverteidiger denkt offenbar jeder Mensch sofort an Mord, Totschlag und Banküberfälle. Die Überraschung ist dann groß, dass die Kollegen und ich auch weniger spektakuläre Fälle bearbeiten wie Unfallflucht und co.

So schnell ist der vermeintlich hochspannende Beruf weniger spektakulär. Macht aber nichts.

Freitag, 24. September 2010

Sieht aus wie immer

Zeugenvernehmungen können mitunter sehr amüsant verlaufen. Über das Modell "leicht unwilliger Klassenclown" berichtete der Kollegen Hoenig kürzlich hier. In ungeahnte Höhen des schlechten Humors können sicht Vernehmungen hochschaukeln, wenn Richter, Staatsanwaltschaft und Anwalt auch mal etwas Leben in die Bude bringen wollen.

Die Geschichte, die mir ein Kollege neulich erzählt hat, die dürfte er allerdings aus einem Witzebuch für Anwälte haben, halbwegs nett ist sie trotzdem.

Richter: "Wie lang war das Auto?"
Zeuge: "Na, so drei Meter."
Richter: "Und wie breit."
Zeuge: "Auch drei Meter."
Richter (diktiert): "Ich habe ein quadratisches Auto gesehen."

Meine Lieblingsantwort eines Zeugen auf die Frage des Richters, ob er den Angeklagten wiedererkenne, lautet übrigens:
"Er sieht so aus, wie er heute aussieht."
Ahhh ja.

Donnerstag, 23. September 2010

Weisheit des Donnerstags

Laufkundschaft heißt so, weil sie in der Regel ohne Geld dazulassen schnell wieder wegläuft.

Mittwoch, 22. September 2010

Saubere Verträge

Ordentliche Verträge mit Hand und Fuß sind wichtig, das stellen die Kollegen Reuter und Göhle zufreffend fest. Leider sind solche Verträge teuer und daher nicht für jeden Mandanten von Interesse. Der Ärger kommt dann oft später.

Ein beeindruckendes Telefonat hatte ich vor einigen Tagen:

Anrufer: "Guten Tag, ich suche einen Anwalt, der mir einen Vertrag erstellt. Ich will eine Tierwaschanlage betreiben und AGB und so erstellen. Machen Sie das?"

Ich: "Wasch..was?"

Anrufer: "Eine Tierwaschanlage, in der Tiere sanft mit einer milden Seifenlösung schonend gewaschen werden. Sie machen doch auch Pferderecht?!"

Ich: "Hm, ich kann Ihnen einen Kollegen empfehlen, der schwerpunktmäßig in diesem Bereich tätig ist. Der erstellt AGB für Firmen."

Anrufer: "Ach, so Anwälte die AGB erstellen, so Vertragsanwälte und so, das ist mir zu teuer. Kann man da nicht was aus dem Internet laden und Sie schauen mal drüber?"

Wir haben nicht zueinander gefunden. Ich wünsche dem Anrufer aber viel Glück. Tierwaschanlagen kenne ich bisher nur aus Schlachthöfen.

Und immer wieder: Aktenversendungspauschale

Die Staatsanwaltschaft Pusemuckel Süd übersendet mir zwei Ermittlungsakten des Mandanten Ede Langfinger. Zwei Ermittlungsverfahren, zwei Akten, in einem Umschlag. In dem Päckchen sind dann zwei Kostenrechnungen über je 12,00 Euro.

Hm. Über das spannende Thema "Aktenversendungspauschale" weiß ich mittlerweile so einige Dinge. Die Aktenversendungspauschale deckt Hin- und Rücksendung der Akte, der Kostenschuldner ist nicht immer der Anwalt und die Aktenversendungpauschale fällt nicht an, wenn die Akte in das Gerichtsfach gelegt wird und mit der Umsatzssteuer war da auch was.

Aber: Fallen die 12,00 Euro nun pro Akte oder pro Sendung an? Sind zwei Akten in einem Umschlag eine Sendung? Spannung pur! Herr Burhoff, übernehmen Sie. :-)

Typische Straftaten in Hamburg

Zwei junge Herren aus dem Allgäu haben die Erfahrung machen müssen, dass so ein Besuch in einer Tabledance-Bar teuer werden kann. 15.300,00 Euro sollten die Jungs für den Besuch auf dem Kiez zahlen, 50,00 Euro gab es zuvor als Zuschuss von Mama.

Die Hamburger Morgenpost berichtet hier über das nun gegen den Betreiber der Bar laufende Strafverfahren.

Das Problem ist mir - aus beruflichen - also, Anwältin jetzt- Gründen - nicht unbekannt. Jede Gegend hat eben ihre regionalspezifischen Strafraten. Im Allgäu werden dafür vielleicht mehr Kühe geklaut oder so.

Und merke: Beim Bummel auf dem Kiez Geld in den ledernen Brustbeutel und gut drauf aufgepasst. Wie im Italienurlaub. ;-)

Montag, 20. September 2010

Versuchen kann man es ja mal

Das Telefon klingelt. Mensch, das wird ein Mörder sein, ein Totschläger oder zumindest ein HSV oder St. Pauli Fan, der gestern Ärger mit der Polizei hatte.

Weit gefehlt.

Ein zartes Stimmchen sagt: "Guten Tag, ich habe Sie auf einer Homepage für kostenlose Rechtsanwälte gefunden."

Na klar. Versuch macht kluch, oder wie heißt das. Ich suche gerade noch nach der Homepage "kostenlose Einkommenssteuer", die finde ich leider nicht.

Freitag, 17. September 2010

Ungesunde Gescheke

Hm. Es gibt Mandantengeschenke, die gemahnen zur Vorsicht. Allein des Gesundheit wegen.

Als Strafverteidiger bekommt man immer Alkohol. Wein, Wodka und andere hochprozentige Sachen. Kürzlich bekam ich einen selbst gebackenen Kuchen. Zwar habe ich den Mandanten weder in einem Betäubungsmittelverfahren, noch wegen Verstoßes gegen lebensmittelrechtliche Vorschriften vertreten, trotzdem war mir komisch. Ob die Küche des Mandanten so ordenlich ist wie bei Muttern? Ich weiß nicht. Und dann meine Laktoseallergie, die Glutenunverträglichkeit und die Eier waren sicher auch nicht bio. Wer also gerne ein Stück Marmorkuchen hätte, kommen Sie vorbei.

Mein Ausbilder im Referendariat bekam übrigens einmal eine Flasche mit einer trüben, leicht bräunlichen Flüssigkeit überreicht. Der Mandant sagte dazu, es handele sich um "Zauberwasser", welches er selbst gebraut habe. Müsse man unbedingt probieren. Dann bot der Mandant mir eine Zigarette und eine 0,5 Liter Dose Bier an. Beides habe ich dankend abgelehnt, es war ja gerade mal 10 Uhr am Vormittag. Der freundliche Herr meinte dann:

"Willst gesund verrecken, hm?"


So isses. Und deswegen wird Alkohol weiter verschenkt und Kuchen an die Enten verfüttert. So eine Gemüsekiste, die nehme ich aber gern.

Montag, 13. September 2010

Nicht mal ein Snickers

Über Kollegen, die fachlichen Rat brauchen und zum Dank Wein, teure Pralinen oder Geschmeide versprechen schreibt der Kollege Göhle hier. Gegen Austausch unter Kollegen ist natürlich rein gar nichts zu sagen und ich z.B. diskutiere gerne mal und bin froh jemandem weiterhelfen zu können. Es gibt aber auch Leute, die in schöner Regelmäßigkeit andere für sich arbeiten lassen wollen und zum Dank nicht einmal eine Packung Kekse oder ein Pfund Kaffee anbieten.

Manche Kollegen treiben es aber echt auf die Spitze. Wer vor einem Anruf noch nicht einmal ins Gesetz - von Kommentar wollen wir ja gar nicht reden - guckt, dem sollte man mit der Schippe kräftig auf den Kopf hauen. Da nützt es auch nichts, das Gespräch schleimig mit einem: "Da weißt Du ja ganz sicher, und bevor ich jetzt lange selbstnachdenke.." zu beginnen.

Mein Gegenanruf wird in wenigen Tagen erfolgen: "Du, das weißt Du ganz sicher überhaupt nicht, aber Du hast mich in den letzten Wochen zu Tode genervt und da dachte ich...!"

Wieder da

So, ich bin heil wieder zurück am Schreibtisch. Nachdem ich keine Fotos aus dem Urlaub gepostet habe, hier nun ein kleines Bild NACH dem Urlaub.

Freitag, 3. September 2010

Keine Fotos...

..wird es aus meinem am morgigen Tage beginnenden Urlaub in Wien geben.

Es werden keine bildlichen Dokumente von mir beim Essen von Palatschinken, Sachertorte, Kaiserschmarrn, Germknödeln, Topfenstrudel und co. angefertigt werden.

Hier werde ich erst wieder ab dem 14. September wieder zu lesen sein. Seien Sie schön brav hier, bleiben Sie mir gewogen.

P.S. Gute Tipps gegen Flugangst werden noch bis 15 Uhr entgegengenommen.

P.P.S. Während meines Urlaubs ist die Moderationsfunktion aktiviert. So rein aus anwaltlicher Vorsicht. ;-)

Mittwoch, 1. September 2010

Leichte Anwaltsauswahl?

Der Kollege Nebgen gibt in seinem Blog einen kurzen Abriss über die Geschichte der Fachanwaltschaften. Ein Kommentator meint, dass es dem Bürger doch in der Regel gelinge, sich den richtigen Anwalt zu suchen. Das trifft nicht immer zu, wie mir kürzlich ein Anruf zeigte.

Anrufer: "Hallo, Sie kennen sich doch mit Pferderecht aus, sind Sie da Fachanwältin?"

Ich: "Einen Fachanwalt für Pferderecht gibt es nicht, als Reiterin kenne ich mich mit Pferden aber sehr gut aus und bearbeite auch Mandate im Pferderecht. Was ist denn ihr Problem?"

Der Anrufer schildert recht ausufernd eine hoch komplizierte Geschichte, in der es im Wesentlichen um Insolvenzrecht, Gesellschaftsrecht und am Rande Steuerrecht ging. Er gehörte in die Hände eines Kollegen, der im Insolvenzrecht fit ist und an einen solchen habe ich ihn verwiesen. Ein bisschen besorgt war der Anrufer, ging es doch um Pferde und mit denen hat der empfohlene nichts am Hut.

Eine andere Anruferin mit einem pferdischen Problem fragte besorgt, ob ich mich auch mit gescheckten Pferden auskenne.

Solche Fehleinschätzungen des eigenen Problems gibt es häufiger. Vielleicht wird ein Fachanwalt für Medienrecht auch angerufen, wenn der gekaufte Fernseher mangelhaft ist?

Heyho, Cowboy

Heute wurde ich wieder mit dem für mich vorgesehenen Brufsbild konfrontiert: Berittene Polizistin.

Ein Kollege und Follower schickte mir dann den Link zu einer Seite der Polizei Sachsen, die allerlei Infomationen über die Aufgaben berittener Polizisten bietet. So habe ich gelernt, dass das Dienstpferd "Hilfsmittel der körperlichen Gewalt im Sinne des sächsischen Polizeigesetzes" ist.

Wow. Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu. Apropos Kuh. Auf der Seite findet sich auch noch folgende Frage:

"Was tun, wenn ein entlaufener Bulle eine Gefahr für den öffentliche Sicherheit wird?"
Quelle: http://www.polizei.sachsen.de/lpdzd/2101.htm

Das habe ich mich auch schon manches Mal gefragt. Jetzt weiß ich: Eingefangen wird der. Ob mit oder ohne Lasso, davon steht da nichts. Heyho!