Freitag, 30. Juli 2010

Kurz und schmerzbefreit?

Die Qualitätsdebatte und kein Ende? Heute hat sich der Kartellblog von (oder aus?) Jurablogs verabschiedet und in den Kommentaren findet eine interessante Diskussion statt.

Die im Strafrecht tätigen Kollegen, wir seien ein Mikrokosmos, so heißt es da. Naja, es ist doch allgemein bekannt, dass Strafrechtler gerne unter sich bleiben und den Kontakt zum restlichen Anwaltsvolk vermeiden. Wir drängen uns halt gerne zusammen wie die Schafe bei Regen, so sagt man zumindest.

Zudem wird die besorgte Frage aufgeworfen, ob die Strafrechtler denn alle unterbeschäftigt seien.

Nein, sage ich und ich bin mir recht sicher, dass auch die Kollegen Nebgen, Siebers, Hoenig, Rueber und Burhoff, Dieler, Feltus, Vetter und alle anderen Strafrechtler nicht den ganzen Tag über traurig die Wand anstarren und die Büropflanzen streicheln. Strafrecht eignet sich nur ganz besonders für schnelle Blogeinträge, die im Wesentlichen unterhalten. Schnelle Schüsse aus der Hüfte sozusagen oder "quick and dirty". Zumindest manchmal, wenn Verteidigungsstrategien für den Exhibitionisten oder ähnliches erörtert werden.

Aber wo ist der viel zitierte Mehrwert? Für mich liegt er darin, dass ich - allein über das Bloggen - einige Kollegen kennengelernt habe, mit denen ich fachliche Diskussionen führen kann, denen ich bei einem Problem vielleicht eine Anregung geben kann und die mir ebenfalls breitwillig bei Fragen als Diskussionspartner zur Verfügung stehen. Zudem stolpere ich über Entscheidungen, die mir ohne bloggen wahrscheinlich (noch) nicht begegnet wären.

Und - das Wichtigste zuletzt - mir macht bloggen Freude. So, das war mein Wort zum Wochenende. Nettoschreibzeit acht Minuten. Es bleibt also genug Zeit, mich Mandanten und Akten zu widmen. Selbst die Büropflanze kann ich noch gießen.

Schokoriegel gefällig?

Über Xing erreichte mich heute eine persönliche Nachricht. Jemand fragte, ob er mir Fragen zum deutschen Strafrecht stellen könne, wenn dazu Bedarf bestünde.

Zitat: Dafür bezahl ich sehr gerne mit Schweizer Schokolade. Ist das nen Deal???

Nun ja, es gibt ja sehr teure Schokolade. Die kann man sicher auch in nicht haushaltüblichen Mengen erwerben, nicht wahr? Auf der anderen Seite drohen Fettleibigkeit und schlechte Zähne.

Fazit: Ich nehm lieber Fränkli! So sind sie eben, die Anwälte.

Donnerstag, 29. Juli 2010

Trolle bitte in den Wald!

Hier, hier und hier und dort hat sich in den letzten zwei Tagen eine Diskussion über die Blogkultur und den gesellschaftlichen Diskurs entwickelt. Spannend zu lesen und für mich interessant zu sehen, wie ernst man das Thema angehen kann. Ich persönlich blogge, weil ich gerne in dem von mir verwendeten Stil schreibe und mich das Schreiben zwischendurch entspannt. Aus die Maus.

Unentspannt werde ich allerdings, wenn Dinge wie gestern passieren. Am gestrigen Abend klingelte in der Kanzlei mein Telefon und ich wurde unter Bezugnahme auf mein Blog von einem Menschen bepöbelt. Über die Einschätzung des Herren kann ich noch amüsiert lächeln, das geht schon in Ordnung.

Nicht in Ordnung ist, dass am selben Abend jemand - der offensichtlich niemnals Mandant des Kollegen war - dem Kollegen Nebgen über ein Suchportal für Anwälte eine Bewertung gegeben hat, die schon nahezu strafrechtlich relevanten Inhalt hatte. Auch dort erfolgte eine Bezugnahme zu dem Blog und es ist auszuschließen, dass der geschilderte Sachverhalt zutrifft. Fast möchte ich Dinge murmeln wie: Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein und so.

Es gibt also offenbar Menschen, die Zeit dafür solchen pubertären Unsinn aufwenden. Erstaunlich. Meines Wissens wird keine Person gezwungen, irgendein Blog zu lesen. Die Blogs erscheinen auch nicht plötzlich auf wundersame Weise auf dem Bildschirm und brennen sich dann ins Auge.

Meine Oma hätte früher gesagt: "Die sind nur neidisch." Hm. Ich halte mich lieber an die Aussage eines mir bekannten Neurologen und Psychiaters: "Das erleichtert die Diagnose."

Mittwoch, 28. Juli 2010

Besser ein ehrlicher Mord, als eine Scheidung!

Bei einem Telefonat mit einer im Familienrecht tätigen Freundin ist mir mal wieder deutlich bewusst geworden, warum ich eine Aversion gegen Familienrecht habe. Zu viele Tränen, zu viele alte Geschichten, zu viele traurig guckende Kinder, zu viele Emotionen, zu viele Packungen mit Taschentüchern im Besprechungsraum.

Ich bin mir nur noch nicht sicher, ob Erbrecht nicht noch schlimmer ist.

Dienstag, 27. Juli 2010

Mulder, übernehmen Sie!

Erstaunlich, was bei einem Kanzleiumzug so alles mit der Post schiefgehen kann. Seit über einem Jahr bin ich nun in den neuen Räumen. In dieser Zeit habe ich mit dem Nachsendeauftrag mal tagelang keine Post bekommen, dann einmal die gesamte Post der Damen aus der früheren Bürogemeinschaft. Manchmal kamen auch Briefe, die für ganz andere Menschen bestimmt waren.

Das Amtsgericht Barmbek schafft es heute, mir in einer Sache ein Schreiben an die alte Anschrift zu schicken. Seltsam nur, wie die jetzt noch auf die Idee kommen. Klage habe ich unter der neuen Anschrift erhoben, erwidert unter der neuen Anschrift und das Protokoll der Verhandlung hat man mir auch an die richtige Anschrift geschickt. Hat nun der Vorsitzende in sein Anwaltsadressbüchlein geguckt? "Hach, die Braun, die kenne ich doch aus dieser Strafsache von vor zwei Jahren..? Da isse ja, die Adresse."
Dieses Anwaltsleben ist doch immer wieder voll Mysterien.

Voll mies drauf gewesen

Der Kollege Nebgen regt sich hier über die Frage: "Warum haben Sie das denn gemacht?" im Prozess auf.

Eine Frage, die ich noch - fast - nie einen geständigen Angeklagten so habe beantworten hören, dass dies strafmildernd gewertet wurde.

Klassische Antworten sind - nach meiner Erfahrung - folgende:
- Ich war voll mies drauf.
- Ich war irgendwie total blöd drauf.
- Ich hatte einen total schlechten Tag.
- Weiß ich auch nicht so genau, ist blöd gelaufen.

Alles nicht unbedingt Antworten, die für die Verfahrensbeteiligten nachvollziehbar sind. Im schlimmsten Fall heißt es dann im Urteil so oder so ähnlich: Strafschärfend wirkt sich dass, dass die Tat aus nichtigem Anlass begangen wurde.

Wie heißt es doch: wenn man keine Ahnung hat, Klappe halten. Oder so ähnlich.

Montag, 26. Juli 2010

Wer isn mein Anwalt, Mann?

Gerade klingelte eine junge Dame an der Tür, die der festen Überzeugung was, dass ich ihre Anwältin sei und sie - genau jetzt - einen Termin mit mir habe. Den Namen hatte ich noch nie gehört, es war kein Termin eingetragen, niemand hatte von der Dame je gehört, alles sehr verwunderlich.

Die junge Dame kramte dann einen Zettel hervor, einen Beschluss eines Hamburger Amtsgerichts: Ihr war eine Kollegin am anderen Ende der Stadt als Plichtverteidigerin bestellt worden. Namensähnlichkeit mit mir bestand nicht, die Kollegin hieß nicht Alexandra Schwarz oder ähnlich.

Ich habe die junge Dame mit einer Wegbeschreibung auf den Weg zu ihrer Anwältin geschickt und hoffe für sie, dass sie am Tag der Hauptverhandlung besser organisiert ist. Eine Entpflichtung wegen "göttlicher Fügung" oder so hätte sich wohl nicht hinbiegen lassen.

Wenn ich bedenke, dass mich schon mehrfach Menschen angerufen haben, die fälschlicherweise dachten, ich sei ihre Anwältin, dann ist das erstaunlich. Naja, Braun, Müller, Meier, da kann man schon durcheinander kommen.

Freitag, 23. Juli 2010

Lange Eckzähne?

Was ist der Unterschied zwischen Graf Dracula und einem
Anwalt?

Der eine ist durch und durch böse, lebt in einem
Schloss und saugt die Menschen in seiner Umgebung komplett aus.
Und der andere war im Mittelalter Wojwode der Walachei.


Schönes Wochenende!
:-)

Nichtzahler - Modell Elite

Jaja, liebe Leser, da müssen Sie jetzt durch. Es gibt wieder einen Nörgelartikel. Im Zweifel lesen sie nicht weiter.

Die Kollegen Hoenig und Siebers meckerten ja auch schon über Schnorrer und zumindest der Anfrage bei Herrn Hoenig hätte einen Anwalt wohl bezahlen können. Er wollte wohl nicht. Warum Mandanten nicht zahlen WOLLEN, hat verschiedene Gründe: Unzufriedenheit mit dem Ergebnis, Prioritäten (der Golfurlaub ist gerade wichtiger) und so weiter.

Eine Spezies will generell nicht bezahlen: hanseatische Kaufleute. Einen Anwalt bezahlen, das ist irgendwie unanständig (achten Sie jetzt bitte darauf, dass "st" auszusprechen wie einst Heidi Kabel). Wenn man als Angehöriger dieser Gruppe Ärger hat, dann kennt man einen Anwalt, der das Problem diskret löst. Bei dem wird sich überschwänglich bedankt, und wenn er sich das Honorar bei den Gegnern - z.B. diesen unverschämten Mietern des Hauses auf Sylt - holt, dann ist alles in Ordnung.

Wenn man aber beispielsweise den missratenen Sohn vor dem Jugendarrest bewahrt, dann wird die Kostennote ignoriert und nur höchst widerstrebend, nach einigen Erinnerungen und Mahnungen, bezahlt. Beauftragt wird man nie wieder und auf dem Poloplatz nur noch säuerlich angelächelt. Nicht mal einen Champagner will man mehr mit dem einst hofierten Anwalt trinken.

Merken: auch von Mandanten, die aussehen wie Ole von Beust im eleganten blauen Anzug mit Goldknöpfen einen dicken Vorschuss verlangen. Zwar sind die dann auch weg, man hat aber wenigstens nicht gearbeitet.

Donnerstag, 22. Juli 2010

Vergewaltiger und Schmuddelkram wollen wir hier aber nicht!

Völlig zu Unrecht (jaja) bekommen in den Blogs immer nur Richter, Staatsanwälte und Polizisten ihr Fett weg. Allein die Suche nach einer Bürogemeinschaft lässt mich für alle Zeiten glauben, dass viele Kollegen psychische Auffälligkeiten haben, die zumindest mit Bachblüten behandelt werden sollten. Übrigens waren da selten Strafrechtler darunter, aber in Einzelfällen mag es auch komische Strafverteidiger geben. Blogger waren wohl auch keine dabei.

Eines der absonderlichste war die Besichtigung einer Kanzlei, die gerne eine Strafverteidigerin aufgenommen hätte - der so genannten Synergieeffekte wegen. Deren Mandanten hätte ich gerne wegen Trunkenheit am Steuer oder Steuerhinterziehung verteidigen können, meinen "Schmudelkram" wollte man aber nicht im Wartebereich sitzen haben.

Verständlich, da ist einem ja der Tag verdorben, wenn man morgens schon einem echten Straftäter über den Weg läuft. Nachher klaut der einem noch die Kaffeetassen oder so. Mit mir und den Kollegen wurde es dann nichts. (Ja, liebe Zivilrechtler, das ist nachvollziehbar. Dann soll man aber nicht nach einem Strafrechtler suchen, bzw. explizit nach einem Wirtschaftsstrafrechtler).

Mit meinem Kollegen in der Bürogemeinschaft jetzt bin ich glücklich und zufrieden. Sicher würde er mich auch nie irgendwelcher Gemeinheiten verdächtigen, wie z.B. des Diebstahls von Fleischsalat aus dem Kühlschrank. Ist mir - der krassen Vegetarierin - schon passiert.

Berufsrisiken

Anwalt ist an sich ja ein eher ungefährlich Beruf. Trotz der Sorgen von Mama und Oma hat mich z.B. noch nie ein Mandant ausgeraubt, geschlagen, ja nicht einmal beschimpft. Pöbelenden Zeugen auf Gerichtsfluren konnte ich immer weiträumig ausweichen und noch nie hat ein Richter mit einem Aktenordner nach mir geworfen. Tja, bei dem Job als Reitlehrerin früher habe ich mir den Finger gebrochen. Welcher Beruf ist da wohl - auf den ersten Blick - risikoreicher?

Nun hat mich ein schlimmes Schicksal ereilt, zwei typische Berufsrisken haben sich realisiert. Nach einer zweitstündigen Besprechung mit einem Mandanten ist meine Stimme so gut wie weg und dann habe ich mir in die Hand getackert.

Vielleicht suche ich mir einen riskoloseren Job, Rodeoreiterin oder so. Aua.

Mittwoch, 21. Juli 2010

Coach mich mal - oder besser nicht

Gestern erledigte ich die Gerichtspost und konnte daher einen feinen Ausflug in das Ziviljustizgebäude machen und einen Blick auf die Aushänge werfen. Das ist schon auch irgendwie wichtig, da erfährt man so viel. Warum z.B. sucht der Kollege Muffelmann schon wieder einen neuen Bürogemeinschaftler? Hat der nicht erst vor einem halben Jahr..?

Besonders aufgefallen ist mir Werbung, die sich an mich - an uns alle - richtete. An "den Juristen als Profi und Mensch". Als Mensch? Aha. Bei genauererm Hinsehen stellte sich heraus, dass es sich um Coaching für Rechtsanwälte handelte. Insbesondere sollten Anwälte in der Gesprächsführung gecoacht werden. Anlass gibt es dafür sicher, sind Missverständnisse zwischen Mandant und Anwalt doch an der Tagesordnung.

Aber: Wie soll das laufen? Bitte ich den Serieneinbrecher Ede darum, dass unser Gespräch auf Video aufgezeichnet werden kann? Sitzt der Coach daneben? Alles berufsrechtlich doch mehr als bedenklich.

Vielleicht spielt man Gespräche mit dem Coach nach, keine Ahnung. Realistisch dürfte das dann auch nicht sein.

Für mich scheidet das Gesprächscoaching daher aus und ich wende mich bei Diskussionsbedarf zur Frage "Wie sage ich es meinem Mandanten?" lieber an einen alten Hasen.

Dienstag, 20. Juli 2010

Sag doch mal einen Paragraphen!

Dieser Wunsch wurde gestern in der aktuellen Folge von "Danni Lowinski" von einer Mandantin an Danni herangetragen. Erfüllen konnte Danni den Wunsch nicht.

Es ist aber eine Bitte, die mir SEHR bekannt vorkommt. Insbesondere von Verwandten und Freunden, die mal eben eine kurze "Info" haben wollen und den bösen Vermieter/Arbeitgeber/Autoverkäufer/Nachbarn mal mit so einem ordentlichen Paragraphen richtig erschrecken wollen. Kostet nix und macht wirklich Eindruck.

Ich nehm dann immer § 242 BGB. Passt immer, kann man gar nichts mit falsch machen.

Das Leiden der Nebenklagemausis

Heute war ich nebenklagend in einer Berufungsstrafsache unterwegs (quasi ein Ausflug), es ging um § 176 StGB. In der ersten Instanz war der Angeklagte geständig und bekam ein recht mildes Urteil, Berufung wurde nur durch den Angeklagten eingelegt, ein Verteidigerwechsel fand statt.

Zu Beginn der Verhandlung ein Paukenschlag: Geständniswiderruf. Ich erwartete spannungsvoll etwaige Anträge der Verteidigung. In der ersten Instanz sei er - der Angeklagte - von dem Verteidiger zu einem Geständnis gedrängt worden, sagte er. Hm, mag sein, vielleicht war der Rat des sehr erfahrenen Kollegen aber auch durchaus sinnvoll. Naja, ich wartete und der Angeklagte redete. Und redete. Und es war furchtbar.

Wie man als Verteidigerin in der Berufungsinstanz den Angeklagten dann - nach dem Geständniswiderruf - seine Angaben aus der ersten Instanz wiederholen lassen kann, das ist mir unerklärlich. Ich fing an, auf meinem Stühlchen neben der Staatsanwältin unruhig zu werden, mir kribbelte es in den Fingern und ich wollte nichts lieber als die Plätze mit der..ähm..Verteidigerin tauschen.

Berufung wurde dann irgendwann nach einer kurzen Unterbrechung zurückgenommen. Kollegin lächelt lieb und fragt die Vorsitzende:"Hm, kann mein Mandant vielleicht ein halbes Jahr mehr bekommen und dafür fällt die Bewährungsauflage weg?" Weia. Die Kollegin sah offene Münder - und einen leidenden Gesichtsausdruck. Meinen.

Montag, 19. Juli 2010

Grüner statt roter Karte


Wenn mal wieder jemand sagt: "Ja, aber der Schwager des Bruders des Freundes meines Bekannten, der hat sich damals selbst verteidigt und gesagt..."
Dann zücke ich die:

Freitag, 16. Juli 2010

Heidnische Strafverteidigung?

Kürzlich wurde ich telefonisch gefragt, ob ich auch "christliche Strafverteidigung" anböte. Mein Erstaunen und meine etwas verwirrte Nachfrage haben dem Anrufer wohl vermittelt, dass ich nicht die richtige Anwältin für ihn bin. Die Frage, was der Anrufer erwartet hat, bleibt daher leider für immer unbeantwortet. Ein Kruzifix im Besprechungszimmer? Ein gemeinsames Gebet vor der Verhandlung? Eine Bibel im Wartebereich? Ich habe keine Ahnung. Und was biete ich an? Heidnische Strafverteidigung? Verteidigung für Atheisten und Agnostiker? Ich weiß es nicht.

Das Telefonat brachte mich aber auf den Gedanken - da ich einige buddhistische Freunde und Bekannte habe - kurz über buddhistische Verteidigung nachzudenken. Ich war immerhin mal beim Dalai Lama.

In einem Plädoyer könnte man wunderbar über die schweren Folgen der Tat für das Karma des Angeklagte sprechen ("Herr Vorsitzender, mein Mandant wird nun viele Male als Fliege wiedergeboren werden, das ist schlimm genug."). Vielleicht hagelt es da massenhaft Einstellungen, bei den außerstrafrechtlichen Folgen.

Der Plan wurde wegen der wenigen zu erwarteten Straftaten des Klientels wieder verworfen. Schade, dass hätte ein Heidenspass werden können.

Burn out

Puh, ich kann mit diesem Leistungsdruck nicht mehr umgehen. Jeden Morgen diese Anspannung, dieser Stress, diese Angst, diese Nervosität. Diese Phasen der Hoffnung, des Resignation. Das drohende Burnout Syndrom.

Mit zitternden Händen schalte ich morgens den Rechner ein, um einen Blick auf das Ranking bei Jurablogs zu werfen. Heute liegt der Kollege Nebgen wieder einen Hauch vor mir. Hach, Mensch. Wie heißt es doch: der Zweite ist der erste Verlierer.

Naja, ich sehe das jetzt sportlich. Wer vorne liegt, der bezahlt das Mittagessen.

Donnerstag, 15. Juli 2010

Vorsorge ist alles!

In der letzten Woche haben zwei meiner Freundinnen entbunden und ich stehe vor der Frage eines Geschenks. Tja, was soll man einem kleinen Schreihals schenken?
Silberner Löffel mit Initialien? Irgendwie spießig.
Kucheltier? Da kriegen die so viele, da könnte man das Baby drunter begraben.
Sparbuch? Nee, das ist auch nix.
Strampler mit albernen Aufdruck? Auch irgendwie abgegriffen.
Bilderbuch, Kinderbibel? Lass mal.

Ich dachte mir nun, ich schenke was für die Zukunft und schreibe den Kleinen einen Brief nebst Gutschein für eine Verteidigung im Jugendstrafrecht. Das kann das Kind später wenigstens gebrauchen!

Liebe Leonie-Marie,

Du weißt es vielleicht noch nicht, aber Jugendkriminalität ist ubiquitär. Das heißt, dass Du - obwohl Deine Eltern Neurochirugin und Atomphysiker sind - trotzdem mal einen Lippenstift oder ein Shirt klauen wirst. Deine Eltern werden kreischen, Dir das Taschengeld kürzen oder streichen und Dir furchtbar Angst einjagen. Vielleicht sagen sie auch was von Gefängnis. Mach Dir aber keine Sorgen, ich hol´ Dich da raus und erkläre Dir dann ein neues Fremdwort: Diversion. Und nach der Verhandlung lade ich Dich zu einem Eis ein, aber nicht in der Gerichtskantine.
Deine Tante Alexandra

Freundlicher Zerberus

Früher hatte bei der Generalstaatsanwaltschaft noch alles seine Ordnung. Wollte man Zugang zu dem sehr hässlichen Innenbereich, so musste man an einem sehr grimmigen Pförtner vorbei. Manche Kollegen sollen sich vor dem Kontakt mit dem Pförtner mittels Bachblüten zu sedieren versucht haben, aber das sind alles nur Gerüchte.

Ich hatte mich gestern innerlich schon auf eine unangenehme Begegnung vorbeireitet und war völlig baff von der Kundenfreundlichkeit. "Ah, zur Abteilung 0815 wollen Sie, Frau Braun. Da gehen Sie bitte 20 Meter den Flur entlang, dann rechts um die Ecke und dann die siebte Tür auf der linken Seite."

Ok, sehr nett. Nachdem ich meine Akten hatte und einen Beweismittelordner eingesehen hatte, wollte ich wieder raus aus dem Gebäude.

"Oh, Frau Braun, haben Sie alles bekommen, was Sie gesucht haben?", fragte da der höfliche Herr. Mich erinnerte die Frage an Supermarktkasse und ich wollte schon mitteilen, dass ich kein Bestellmagazin mitnehmen möchte, habe es dann aber gelassen und mich höflich bedankt.

"Schön", sagt der Pförtner, "möchten Sie vielleicht ein Eis?" Naja, ok, das stimmt nicht, das habe ich mir ausgedacht. Er wünschte mir aber einen sehr schönen Tag im hoffentlich nicht zu heißen Büro. Wirklich ganz reizend, aber ich muss mich an die geänderten Verhältnisse erst etwas gewöhnen. Zerberus stelle ich mir doch anders vor.

Mittwoch, 14. Juli 2010

Leben am Limit

Einige der Kollegen haben Hobbies, die gemeinhein als eher gefährlich eingeschätzt werden. Der Kollege Siebers fährt recht flott Motorrad, der Kollege Feltus fliegt. Das ist aber alles nichts gegen meine Beschäftigung am heutigen Mittag - der Besuch der Gerichtskantine mit zwei lieben Kollegen und das Einnehmen einer Mahlzeit dort.

Zunächst fährt man mit dem Aufzug in den 4. Stock des Ziviljustizgebäudes. Die Kantine liegt mehr oder weniger direkt unter dem Dach. Es ist angenehm warm, gefühlte 50 Grad und kein Luftzug stört den Besucher. Das Angebot ist gigantisch und ich wähle aus den drei angebotenen Gerichten die "Andalusische Tortilla mit Tomaten, Oliven, Paprika und Pepperoni". Eine gelb-gräuliche Masse in der Größe eines DIN A4 Blattes wird liebevoll auf meinen Teller geknallt.

Das Gericht hat eine plastikartige Konsistenz, die durch schleimige Gemüsestücke etwas aufgelockert wird. Gekrönt wird das ganze durch eine Schicht Analogkäse, der die Masse am Auseinanderfallen hindert. Köstlich.

Für knapp zwei Euro mehr gibt es wenige Meter entfernt die Tagespasta in Bioqualität. Beim nächsten Treffen drücke ich den beiden Kollegen je zwei Euro in die Hand und beantrage eine Verlegung des Sitzungsortes. Guten Appetit!

Ende der Zensur

Zahlreiche Leser beschwerten sich, dass Kommentare erst durch mich freigeschaltet werden müssten. Klar, eine Strafverteidigerin, die zensiert, das geht gar nicht. Stand ich gar im Verdacht, Unliebsames zu löschen und nur mir Genehmes zuzulassen? Und das mir!

Grund für dieses Vorgehen war allerdings weniger der Wunsch nach Kontrolle, als technisches Unverständnis. Ich ging davon aus, über Kommentare sonst nichts zu erfahren.

Nachdem ich nun gelernt habe, dass ich mich bei neuen Kommentaren per Mail informieren lassen kann, habe ich die Einstellung geändert.

Hochachtungsvoll

Dem Mandanten bin ich bezüglich der Zahlung meiner Rechnung entgegenkommen. Es wurde Ratenzahlung vereinbart und bis zur Hauptverhandlung klappte das mit den Raten auch ganz gut. Das Verfahren wegen Trunkenheit im Verkehr wurde eingestellt.

Voller Dankbarkeit nahm der Mandant in der Verhandlung seinen Führerschein in die Hände und war der glücklichste Mensch auf Erden. Selbstverständlich wolle er nun umgehend den noch offenen Betrag in einer Summe begleichen, notfalls werde er sich das Geld leihen.

Tja, dieser Vorsatz war schnell vergessen und seit dem erinnere ich, mahne ich, schreibe ich böse Mails und Briefe. Eine Rate kam, die Restzahlung wurde für den 01.07.10 angekündigt.

Eine Woche später sprach ich auf seine Mailbox, schickte eine Mail, keine Reaktion. Heute dann eine Antwort, man werde sich um Zahlung bemühen. Unterzeichnet war das Schreiben mit "Hochachtungsvoll".

Nun überlege ich, ob ich noch ein paar warme Worte erwidere oder in der Zeit in Eis essen gehe.

Dienstag, 13. Juli 2010

Ich atomisier Dich!

Der Kollege Burhoff - der Strafrichter steckt noch irgendwo in ihm - hat gerade Widersprüche in den Blogbeiträgen des Kollegen Nebgen und mir herausgearbeitet und mich damit konfrontiert. Immerhin hat er nichts von "Schutzbehauptungen" und Ähnlichem gesagt.

Bei mir musste ich neulich feststellen, dass auch ich gelegentlich (naja, ok, oft) im Gespräch zu vernehmungsähnlichen Methoden greife. Will die Freundin die Affäre mit dem verheirateten Mann, den Betrug des Freundes oder sonstiges Fehlverhalten nicht freiwillig offenbaren, dann greife ich schon mal zu Vernehmungsmethoden wie dem Fragenkreisel, der Atomisierung oder der konfrontativen Befragung. Mein sehr gutes Gedächtnis ist dabei hilfreich ("Wie? Montag? Du hast doch vor zwei Wochen gesagt, dass Du am Montag nach dem Yoga direkt..."). Das Fragerecht lasse ich mir dabei nur selten entziehen.

Der Kursleiter im Fachanwaltslehrgang hat - nach seinen Erzählungen - mal seine kleine Tochter zum Weinen gebracht. So weit habe ich es noch nicht geschafft, aber ich arbeite daran. Komisch nur, dass meine Sozialkontakte irgendwie weniger geworden sind. Wirklich seltsam.

Miss Mausis Chauffeur

Heute hatte ich Verhandlungstermin in der Einöde in Niedersachsen. Ich war mit dem Zug angereist, zwei Stunden in stickigen Bimmelbahnen. Nach dem Termin fragte der Mandant dann freundlich, ob er mich mit zurück nach Hamburg nehmen solle.

Normalerweise vermeide ich es, mich von Mandanten mitnehmen zu lassen. Insbesondere dann, wenn gerade das Verfahren wegen Trunkenheit am Steuer wegen eines Beweisverwertungsverbotes eingestellt wurde. Wer weiß, vielleicht trinkt der Mandant auf den Erfolg auf der Gerichtstoilette erst mal einen kleinen Schnaps. Oder im Auto hängen 20 Duftbäume Vanille. Oder ich muss stundenlang DJ Ötzi oder Xavier Naidoo hören. Außerdem fahre ich ungern als Beifahrer, da ist mir unwohl.

Auf Befragen versicherte der Mandant aber, keinen Punkt in Flensburg zu haben und ein verkehrssicheres Fahrzeug zu haben. So war es auch und ich war 1,5 Stunden früher als erwartet zurück im Büro. Nett unterhalten wurde ich auch noch.

Vielen Dank!

Montag, 12. Juli 2010

Die Methoden der Danni L.

In einer Fernsehserie um eine junge Anwältin gewinnt selbige die Fälle gerne mal mit etwas ungewöhnlichen Methoden, z.B. eigener Detektivarbeit. Ähnliche Arbeit habe ich in einem Rechtsstreit an den Tag gelegt, in dem es um die Frage geht, ob die Verkäuferin eines Pferdes Unternehmerin ist oder nicht.

Der gegnerische Anwalt schrieb, es bliebe mein Geheimnis, wie ich darauf käme. Naja, nicht ganz: Zum einen haben meine Mandanten die Vermutung geäußert und dann habe ich recherchiert. In der mir vorliegenden Verkaufsanzeige war eine sehr prägnante Formulierung, die ich mal bei google eingegeben habe. Treffer, massenhaft Pferde, Hunde und andere Tiere wurden zum Verkauf angeboten. Selbst noch einmal angerufen und die Beklagte am Telefon gehabt.

Bei dem Streitwert ist der Einsatz unwirtschaftlich, aber ich freue mich auf die mündliche Verhandlung. Vielleicht bildet Fernsehen ja doch?

Ich als Frau und Strafverteidigerin

Gestern im klimatisierten ICE las ich in der Frankfurter Rundschau eine Kolumne, in der die Juristen nicht gut wegkamen. Mir fallen viele Gründe ein, Juristen nicht zu mögen: Burberryjacken, Siegelringe, ach, es gibt so vieles. Was ist eigentlich aus den Leuten im ersten Semester geworden, die schon am ersten Tag des Studiums eine Aktentasche dabei hatten und sagte: "Ich will ja mal Diplomat werden!"?

Die Autorin der Kolumne meckerte allerdings über etwas, dass ich noch nie erlebt habe. Sie schrieb, dass Juristen jeden Satz mit "Ich als Jurist.." anfingen. So wollten sie wohl Distanz zum Gesagten schaffen. Aha. Kennt jemand Anwälte, Verwaltungsjuristen, Richter oder sonstige Juristen, die so sprechen? Vielleicht teste ich - so als Anwältin und Frau - das mal eine Woche lang.

Heute Abend beim Essen fange ich an:
"Ich als Mensch bin mit Ihrem Tiramisu ganz zufrieden. Als Strafverteidigerin muss ich Ihnen aber sagen, dass es den Tatbestand der Körperverletzung erfüllen könnte."

Sonntag, 11. Juli 2010

Verbrannte Erde

Momentan bin ich für einige Tage in Hessen bei meiner Familie. Vielleicht hätte ich mich doch hier selbstständig machen sollen, hier scheint mehr zu pasieren - also Straftaten jetzt.

Freimütig erzählen flüchtige Bekannte vom letzten Versicherungsbetrug und dem Herren aus Polen, der gerade das Haus baut - schwarz. Naja, so Naturvölker haben eben ein ganz besonderes Verhältnis zum Recht.

Beeindrucken fand ich die Pflegeleiterin des Heims, in dem ein Verwandter untergebracht wird. Die Dame fragte mich, ob ich in freiheitsenziehende Maßnahmen einwillige, das könne ich doch als Beteuerin. Der Dame fehlte jegliches Problembewusstsein, was sie dann aber plötzlich im Gespräch mit mir erlangt hat.

Eine ähnlich lustige Einstellung zum Thema Rechte und Pflichten hatte der Vermieter des betreuten Verwandten. Wir hatten ein nettes über Endrenovierungsklauseln in Mietverträgen.

Freunde gemacht habe ich mir in den Tagen hier jedenfalls nicht. Aber, naja, in 400 km Entfernung fühle ich mich sicher und geborgen.

Donnerstag, 8. Juli 2010

Ausfallhonorar

Der Anrufer will zuerst eine wichtige Frage stellen. "Haben Sie den Mut, gegen einen Richter vorzugehen?"

Diese Frage gehört, die ich früher arglos mit "Ja" beantwortet hätte, ist mittlerweile zu einem Trigger geworden. Besonders aufmerksam werde ich, wenn mir erklärt wird, dass die Anwälte im Ort des Anrufers alle für diesen Fall nicht gebrauchen seien, weil sie alle in das Geschehen involviert sein.

Ich frage also nach, um was es denn genau gehe und biete dann einen Termin an. Zu dem Termin, so sage ich, soll bitte ein Vorschuss mitgebracht werden. Jetzt raten Sie mal, wer um 12:00 Uhr nicht erschienen ist.

Mein Augenarzt hat auf seinem Terminzetteln einen Hinweis, dass er bei Terminen, die nicht mindestens 24 Stunden vorher abgesagt werden, ein Ausfallhonorar in Rechnung stellt. Das wäre mal was.

Mittwoch, 7. Juli 2010

Wehmütiger Blick zurück

Hach, da sehnt man sich doch richtig zurück an die Uni. Sogar rauchen durfte man da noch - in gemütlicher Umgebung.

Dienstag, 6. Juli 2010

Da gehn Sie mal zum Arzt mit

Der Anrufer teilt mit, dass er gegen den Staat vorgehen wolle. Die Regierung - vermutlich Westerwelle selbst - habe ihm Kameras in die Augen eingesetzt.

Ok. Sicher hat er genau recherchiert und herausgefunden, dass ich Strafrecht und Arzthaftungsrecht mache. Klar, ich hätte mich bei einem solchen Problem auch angerufen. Das weitere Telefongespräch verlief eher konfus und wurde von mir nach wenigen Minuten beendet. Der Herr hatte wohl schon erfolglos einige Anwälte angerufen und war unter anderem an einen Augenarzt verwiesen worden.


Sehr bösen Humor hat der Kollege. Muss man nicht machen.

Voll krass HighTech

Mein Vater ruft mich an. Folgender Dialog entsteht.

Vater: "Hier, Du benutzt doch so einen Laptop oder wie das heißt. Da habe ich noch einen für Dich."
Ich: "Laptop? Wo hast Du das denn her? Vom Laster gefallen?"
Vater: "Gekauft. Ich habe jetzt auch so einen anderen Computer, der hat auch dieses Internet, der hat alles. Ich weiß nur noch nicht, wie ich das Internet anschalte."

Anmerkung: Die Telefonnummer meiner Eltern hat noch vier Stellen. Sie haben einen analogen Telefonanschluss.

Ich: "Ok, Du hast also einen Computer und ein Laptop gekauft. Wie teuer war es denn?"
Vater: "Der Laptop war total billig, 299,00 Euro. Beim Aldi."
Ich: "Ist das vielleicht ein NETBOOK???"
Vater: "Ja, genau, so heißt das. Das hat auch Internet und das alles. Das ist da alles drin."

Nun lasse ich mich beim Heimatbesuch überraschen, was da tatsächlich steht. Vor ca. acht Jahren kaufte mein Vater einen Monitor, eine Tastatur und einen Drucker. Die Freude über den Kauf hielt nicht lange an, denn irgendwie gab es mit dem
"Rechner"
nur Probleme. Das hat alles nicht so geklappt, wie es sollte.
Langsam ist wohl mal der Computerkurs für Senioren fällig.

Mit etwas Glück habe ich nun also ab dem Wochenende ein Netbook. Fein.

Montag, 5. Juli 2010

Einleuchtende Erklärung

Der Mandant hat - vor meiner Beauftragung - den ihm übersandten Anhörungsbogen ausgefüllt und an die Polizei geschickt. Sehr pflichtbewusst. Er hat "Ich gebe die Tat zu" angekreuzt. Bei dem Feld "Wie kam es zu der Tat" schrieb er dann "war voll daneben".

Ich kann mir in etwa vorstellen, in was für einem Zustand der Mandant sich befand. Den Staatsanwalt hat die Einlassung des Mandanten komischerweise nicht zu einer Einstellung des Verfahrens gebracht.

Jetzt ist es passiert...

Heute war es so weit. Ein Brief des Amtsgerichts. Spannung. Und, was ist es? Eine Beiordnung als Pflichtverteidigerin.

Mensch, da hat mich erstmals ein Richter von sich aus beigeordnet. Und den kenne ich nicht mal. Mir war das zunächst sehr unheimlich und ich stellte mir viele Fragen. Hat der "Geständnisberater" gegoggelt und ist hier im Blog gelandet?

Die Lösung drängte sich dann aber auf. Der Richter hat einen Blick in der Pflichtverteidigerliste der Rechtsanwaltskammer geworfen. Da stehen auch reine Zivilrechtler drauf, wie mir auffiel. Da hat der Mandant direkt Glück gehabt.

Sonntag, 4. Juli 2010

Kein Fußballfan?

"Die is´ nich´ am Platz"

Bis man sich als Junganwalt eigenes Personal leisten kann, vergeht in der Regel eine Weile. Keine Schande, wie ich finde.

Das Fehlen einer Rechtsanwaltsfachangestellten wird von einigen Kollegen auf höchst unterschiedlich kompensiert.

Einige - vorwiegend männliche Kollegen - setzen die bereits verrentete Mutti ans Telefon und lassen Mama auch Mahnanrufe machen. Ob es bei einem renitenten Nichtzahler allerdings hilfreich ist, wenn Mutti darauf hinweist, dass "der Junge auch was essen müsse", das sei dahin gestellt. Bisweilen bekommt man als Kollegin dann tiefe Einblicke in´s Private und weiß genau, darum der Kollege nicht da ist (entzündeter Zahn, schwangere Freundin, Beerdigung von Onkel Franz etc. pp.).

Ein Praktikant oder eine Praktikantin ist auch nicht immer die beste Lösung. So verkündete mir die Praktikantin einer Kollegin neulich vertraulich, dass "die Frau Anwältin gerade aufm Klo sei". Aha. Ich hoffe, es war nichts Ernstes.

Eine Kollegin hat den Vogel abgeschossen, indem sie sich am Telefon regelmäßig für ihre eigene Sekretärin ausgegeben hat und dann zu sich "verbunden" hat. Dumm nur, dass er Hörer einfach neben das Telefon gelegt wurde und jeder Anrufer deutlich bemerkte, dass er mit ein und derselben Person sprach. Die meisten Anrufer dürften das irritierend gefunden haben. ;-)

Freitag, 2. Juli 2010

Stille Treppe

Wenn es in der Hauptverhandlung darum geht, ob das Verfahren eingestellt werden soll, dann murmeln einige Vorsitzende mysteriös: "Wir können ja mal ein Rechtsgespräch führen, Ihr Mandant soll mal vor die Tür gehen."

In der Regel schaffe ich es gerade noch, den Mandanten am Hemdzipfel zu packen, ihn auf seinem Platz zu halten und dem Vorsitzenden zeitgleich zu erläutern, warum mein Mandant nicht den Saal verlassen wird. Allein das Bild, das dadurch entsteht, möchte ich meinen Mandanten nicht vermitteln. Er steht wie ein kleines Kind, das Mist gebaut hat, vor der Tür, während die Erwachsenen reden. Erinnert an die Supernanny und die stille Treppe. Nee.
Von der StPO ganz zu schweigen.

Meist sind die Richter sehr einsichtig und es gibt keine Probleme. Warum man es dann erst mal fordert, das verstehe ich nicht.