Mittwoch, 30. Juni 2010

Kaltakquise an der Tür

Gerade stehe ich auf dem Weg zum Kühlschrank im Flur, als es an der Tür klingelt. Vor mir steht ein junger Mann, den ich optisch den Deliktsbereichen Betrug, Untreue oder Unterschlagung zugeordnet hätte und sagt: "Ich wollte einen Termin bei Frau Braun und den mit ihr abstimmen."

Da hier durchaus manchmal Laufkundschaft auftaucht, habe ich den Herren in mein Zimmer gebeten und ihn gefragt, was ich für ihn tun könne. "Ha," sagt der junge Mann, "ich will was für Sie tun. Ich will Ihnen helfen, Steuern und Geld zu sparen!" Dabei reicht er mir seine Visitenkarte. Ein Versicherungswicht.

Seine Verweildauer in der Kanzlei betrug dann noch ca. 54 Sekunden. Da ich grundsätzlich ja ein freundlicher Mensch bin, habe ich ihm von einem solchen Besuch bei meinem Kollegen abgeraten und ihm den Tipp gegeben, bei unserer Kanzleiadresse besser mal einen Totenkopf hinter die Daten zu zeichnen.

Besser ist das.

Dienstag, 29. Juni 2010

Leichte Geburt

So, nach ganz kurzer Zeit ist meine neue Homepage unter www.verteidigerin-braun.de bzw. www.alexandra-braun.de online.

Mein herzlicher Dank geht an die Webdesignerin Ania Groß von www.gross-im-netz.com. Sie hat super schnell gearbeitet und die Zusammenarbeit hat großartig geklappt. Insbesondere das Foto-Shooting war sehr amüsant!

Danke, liebe Ania!

Rechtsrat von den Strafverfolgern

Ein Mandant von mir kommt mit einem Anhörungsbogen vorbei und fragt, was er nun tun soll. Es folgt mein Rat, keine Aussage zu machen und das weitere Vorgehen nach erfolgter Akteneinsicht zu besprechen.

Das wundert den Mandanten etwas. Hatten ihm doch zwei Polizisten - die die vermeintliche Straftat beobachtet hatten - genau erklärt, was er in einen solchen Anhörunsgbogen schreiben solle. Wenn er ihrem Rat folgte, so sollen die Polizisten gesagt haben, dann könne gar nichts passieren.

Das fand der Mandant auch ganz überzeugend und wollte eigentlich auch so vorgehen. Ihn machten dann aber bestimmte Fragen in dem Anhörungsbogen stutzig, z.B. ob er mit dem Strafbefehlsverfahren einverstanden sei. Der Gang zum Anwalt wurde also schließlich doch angetreten.

Gute Idee.

Montag, 28. Juni 2010

Frauengespräche im Gerichtssaal

In einer Zivilsache bin ich für eine Kollegin in Untervollmacht tätig. Der Beklagte erscheint nicht und die Vorsitzende und ich müssen 15 Minuten warten. Da ich die Gerichtspost schon geholt habe, die Kantine nichts zu bieten hat und ich auch nicht rauche, bleibe ich im Saal sitzen.

Die Vorsitzende - eine sportliche Frau um die 50 - hat offenbar modischen Gesprächsbedarf und fängt ein Gespräch über Hüftjeans und die darunter passenden Slips an. Zur Verdeutlichung der Problematik zieht sich die Dame erst mal im Stehen die Hose wieder hoch.

Ähm, ja. Vielleicht bin ich zu alt für den Job - ich habe keine Hüftjeans.

Sonntag, 27. Juni 2010

Die 10 besten Fussballersprüche

Passend zum heutigen Spiel Deutschland gegen England eine - subjektive - Liste der besten Fussballersprüche.

Platz 10:
Ein Drittel? Nee, ich will mindestens ein Viertel.


Mathematisches Können beweist Horst Szymaniak

Platz 9:
"Mailand oder Madrid - Hauptsache Italien!"


Geografie vom Feinsten von Andreas Möller

Platz 8:
"Ich hab gleich gemerkt, das ist ein Druckschmerz, wenn man drauf drueckt."


Knallharte medizinsche Diagnose von Lothar Matthäus

Platz 7:
"Die Sanitäter haben mir sofort eine Invasion gelegt."


Noch mehr Medizinisches von Fritz Walter jun.

Platz 6:
"Ich habe ihn nur ganz leicht retuschiert."


Mit dem Duden unterm Kopfkissen hat Olaf Thon geschlafen.

Platz 5:
"Wenn wir hier nicht gewinnen, dann treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt."


Verbrannte Erde hinterließ Rolf Rüssmann

Platz 4:
"Die Schweden sind keine Holländer - das hat man ganz genau gesehen."


Ethnologie mit Franz Beckenbauer

Platz 3:
"Die Situation ist aussichtslos, aber nicht kritisch."


Positives Denken mit Stefan Effenberg

Platz 2:
"Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben... Den Rest habe ich einfach verprasst."


Finanztipps von George Best

Platz 1:

"Zuerst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu."


Tief philosophisch wurde da Jürgen Wegmann.

Freitag, 25. Juni 2010

Beehren Sie uns bald wieder!

Gestern bekam ich -über Xing- eine Mail, in der eine tolle Dienstleistung angeboten wurde. Man bietet mir an, meine Mandanten nach ihrer Zufriedenheit mit mir und meiner Kanzlei zu befragen. So könne ich kleine Details, die unzufrieden machten, abstellen und Mandanten dauerhaft an mich binden. Viele Mandanten seinen froh, einmal ihre Meinung sagen zu können.

Eine hübsche Idee. Ich sehe den Fragebogen bildlich vor mir:
"Lieber Räuber X, vor einigen Monaten haben Sie die Dienste von Frau Rechtsanwältin Braun in Anspruch genommen. Wir möchten Sie nun bitten, den anliegenden Fragebogen auszufüllen und an uns zurückzusenden. Sollten Sie keine Briefmarke zur Hand haben, so holen wir den Brief gerne an der Gefängnismauer ab."


Mir erscheint das Konzept - von der Durchführbarkeit wegen anwaltlicher Schweigepflicht mal ganz abgesehen - nicht sehr erfolgversprechend. Vielleicht schicke ich ein Gegenangebot - für die Durchführung eines Insolvenzverfahrens oder so.

Donnerstag, 24. Juni 2010

Die Zahl des Tieres ist 32,50

..und zwar netto!

Der Kollege Burhoff berichtet in seinem Blog über einen voreilig kastrierten Kater. Der geschilderte Fall wird sicher auch einen sensationellen Streitwert haben und hat mich inspiriert, mal alle Mandate im Tierrecht hinsichtlich der Einnahmen Revue passieren zu lassen.

Ja, da gab es auch mal schöne Streitwerte, die einen vernünftigen Verdienst brachten. Leider haben aber viele Tiere und deren Halter rechtliche Probleme, die sich streitwertmäßig unterhalb der 300,00 Euro bewegen. Wenn Herrchen oder Frauchen dann erhöhten Betreuungsbedarf haben, dann kann man sich als Anwalt an solchen Mandaten arm arbeiten. Es sei denn, man schließt eine Vergütungsvereinbarung ab und hört sich dann für 150,00 Euro die Stunde in epischer Breite an, dass Fifi seit der Behandlung bei dem unfähigen Tierarzt irgendwie komisch sei.

So viel Geld möchten die Besitzer für ihr geliebtes Haustier dann aber auch nicht ausgeben. Der wird doch der Hund in der Pfanne verrückt.

Was ich mich am Rande noch frage: Dürfte ich in dem hier geschilderten Fall alle 1510 Ratten verteidigen, oder gibt es berufsrechtliche Probleme?

Mittwoch, 23. Juni 2010

Wir müssen mehr Schwarzgeld machen!

Liebes Finanzamt, plant ihr schon eine Betriebsprüfung bei mir?


Einsicht in die Lebensakte??

Eine Dame ruft an und möchte als Nebenklägerin vertreten werden. Ok, mir geht es wie der Kollegin Rueber, ich mache in der Regel keine Nebenklage.
Allerdings kam ich gar nicht dazu, das zu sagen, die Anruferin redete und redete über das Leid, das ihr ein Arzt vor einigen Jahren angetan habe. Sie wolle vor allem umfassende Akteneinsicht, betonte die Dame deutlich.

Ich wurde bei den Erzählungen stutzig und fragte, in welchem Stadium denn das Verfahren gegen den Arzt sei. Und siehe da, es gibt kein Verfahren, da niemals Strafanzeige erstattet wurde. Etwas erstaunt sage ich, dass es doch gar keine Ermittlungsakte gebe und ich demnach keine Einsicht nehmen könnte.

Da sagt die Dame: "Vielleicht gibt es ja eine andere Akte über den Arzt, in die Sie Einsicht nehmen können??!!"

Gute Idee. Vielleicht wäre es auch sinnvoll, mal in die Akte irgendeines anderen Arztes zu gucken? Vielleicht findet man ja was..

Dienstag, 22. Juni 2010

Mehr Drama!

In der Regel werden Mandanten die Qualität eines Anwaltes nicht sicher beurteilen können. Es werden dann Kriterien herangezogen wie die Größe des Büros, die Qualität der Heißgetränke und das, was die Unternehmensberater "Performance" nennen. An irgendwas muss der Mandant sich ja orientieren. Das kann dann so aussehen:

Ein Mandant neulich war erschüttert, dass der Mitverteidiger die Ermittlungsakte zwei Tage früher als ich bekam. Die einfache Erklärung, dass der Kollege früher beauftragt wurde und früher Akteneinsicht beantragt wurde, hat den Mandanten nicht voll zufriedengestellt. Irgendwie fand er es komisch, dass seine Anwältin - also ich - auf die Akte warten musste. Auch nach Einstellung des Verfahrens fragte er noch mal nach, woran das mit der Akte denn gelegen haben könnte.

An dem Punkt "Performance" muss ich also unbedingt arbeiten, da ich wohl unter typischer weiblicher Bescheidenheit leide. Wo ich dem Mandanten schlicht mitteile, dass die Rechtsschutzversicherung Deckungszusage erteilt habe, schreiben andere Kollegen beispielsweise:

"Wir haben einen ersten großen Erfolg erzielt! Ihre Rechtsschutzversicherung hat nunmehr Deckungszusage erteilt."

Wow, denkt da der Mandant und ist von dem Teufelkerl von Anwalt echt beeindruckt. Weiß doch jeder, dass die RSV eigentlich nie zahlen will.

Auch die Einsichtnahme in die Ermittlungsakte könnte man besser verkaufen. Ich spreche meist davon, zunächst Akteneinsicht zu nehmen und dann das weitere Vorgehen zu besprechen. In Zukunft werde ich schreiben:

"Gegen erbitterste Widerstände ist es mir nun gelungen, die Akte in meinen Besitz zu bringen und ich werde nun die für Sie maßgeschneiderte Verteidigungsstrategie entwerfen!"

Im persönlichen Gespräch könnte ich noch erwähnen, dass es mir "über Kontakte" gelungen ist, die Akte so schnell zu bekommen. "Ja, ich hab´ da jemanden sitzen.."

Ich werde darüber nachdenken.

Donnerstag, 17. Juni 2010

Abschiedsgeschenk

Kurz vor der Urlaubsabreise habe ich noch - endlich - erfahren, dass ich auch die dritte Klausur des Fachanwaltslehrgangs Strafrecht bestanden habe.
Da durchaus nicht alle Teilnehmer erfolgreich waren, freue ich mich sehr. Ein feiner Einstieg in den Urlaub!

Nach Diktat verreist

Lieber Leser und Leserinnen dieses Blogs,

leider muss ich Ihnen die traurige Mitteilung machen, dass dieses Blog bis Dienstag verwaist sein wird. Ich bin - wie das im Anwaltssprech heißt - urlaubsbedingt abwesend.
Nicht auf Malle übrigens.

Bis bald!

Mittwoch, 16. Juni 2010

Kaltes Frühstücksfleisch am Telefon?

Ich bin schon ein wenig betrübt. Mich will offenbar weder der Verband der deutschen Strafrechtsanwälte, noch der Bund der Steuerzahler zu seinen Kunden zählen. Naja, wenigstens ein tolles Angebot hat man mir gestern gemacht: eine App fürs iPhone, die mir großartige Strafrechtsmandate verschafft. Toll.

Potenzieller Mandant M nimmt also im Fall der Fälle - kurz vor dem Zuschnappen der Handschellen - sein iPhone aus der Hülle, klickt auf die App und findet - mich. Klasse.

Nicht so klasse fand ich, dass der Werbeanruf von einer Rechtsanwaltskanzlei aus dem Süddeutschen getätigt wurde und bei mir - und da bin ich nicht allein - zunächst der Eindruck entstand, es handele sich entweder um Gegenanwälte oder um Kollegen, die einen Terminsvertreter suchen. Aber, nein, es handelt sich offenbar um eine Kanzlei, die die App für den Erfolg vertreibt.

Tja, vielleicht werden die Zeiten sogar auch in Süddeutschland härter und ein zweites Standbein kann nie schaden. In meiner Blogroll finden sich übrigens viele Kollegen, die sich auch ganz doll über Werbeanrufe freuen. RUFT SIE AN! Oder, naja, vielleicht besser doch nicht. ;-)

Dienstag, 15. Juni 2010

Redewendung des Tages

"Darüber hinaus habe ich Sie aufzufordern, sich bezüglich eines Abnahmetermins mit dem Berichterstatter unverzüglichst ins Benehmen zu setzen."

Aus anwaltlicher Vorsicht weise ich Sie in dieser Angelegenheit darauf hin, dass der eloquente Verfasser der obigen Zeilen kein (!!!!) Jurist war.


Alexandra Braun, nach Diktat verreist

Montag, 14. Juni 2010

Es muss auch solche geben....

Gerade hatte ich ein Telefonat mit einer Dame, die im Auftrag irgendeiner Behörde eine Broschüre für Frauen, die Rat und Hilfe in Notsituationen suchen, herausgeben wollte. Die Dame hat in einer Anwaltssuchmaschine "Stalking" und "Hamburg" eingegeben und kam unter anderem auf mich.

Es war ein etwas zähes Telefonat, indem sich ergab, dass ein reiner Opferanwalt gesucht wird und ich nicht die geeignete Person bin (und auch nicht in der Broschüre auftauchen möchte).

Zur Verabschiedung meinte die Dame: "Das ist ja sehr, sehr schade. Naja, es muss auch solche Anwälte geben, die Täter vertreten."

Ganz genau.

Wollen wir wetten?

Es ist wieder WM. Die Zeit, wo im Büro Fernsehen geschaut wird, wo Flaggen an Autos geklemmt werden, Menschen sich mit Wachsmalstiften mit zweifelhafter Hautverträglichkeit Flaggen ins Gesicht malen und komische Tröten für einen Tinnitus sorgen...und..die Zeit des Glücksspiels!

Ansonsten harmlose Menschen treffen sich in dunkeln, schlecht belüfteten Hinterzimmern und schieben Beträge in horrender Höhe -zwischen 2,50 € und 10,00 €- über den Tisch. Wer nicht rechtzeitig zahlt, der muss damit rechnen, das Knie mittels eines Baseballschlägers zertrümmert zu bekommen - oder zumindest aus der Tipprunde ausgeschlossen zu werden.

Wer sich Sorgen um eine eventuelle Strafbarkeit des Tippspieles macht und beispielsweise bei kicktipp nachfragt, dem wird mitgeteilt, das sei nach ihrer Ansicht schon alles in Ordnung.

Zumindest dann, wenn es eine geschlossene, private Gruppe sei und die Wetteinsätze komplett ausgeschüttet würden.

Das erinnert mich wieder an einen Bericht im Hamburger Abendblatt, in dem über ein Ermittlungsverfahren gegen Häftlinge einer JVA berichtet wurde, die auf die Ergebnisse der Bundesliga gewettet hatten - um Schokolade. Es dürfte kaum eine Gruppe geben, die geschlossener ist als Insassen einer JVA, oder? Der Ausgang des Ermittlungsverfahrens ist mir nicht bekannt.

Ob es auch Tippgruppen bei Staatsanwaltschaft und Gericht gibt? Vielleicht wettet man da gar um Perlenketten. ;-)

Freitag, 11. Juni 2010

Strafrecht - praktische Übungen

Wer sich Tag für Tag mit Strafrecht beschäftigt, der sollte auch hin und wieder Praxisübungen durchführen. Mindestens ein Strafverfahren in eigener Sache muss man durchhaben, sonst nimmt einen als Strafverteidiger doch keiner ernst. Natürlich kann man Steuer hinterziehen, aber das macht doch irgendwie jeder.

Neulich bin ich schon mit einem ungültigen Fahrschein gefahren und wurde aus der Bahn komplimentiert. Meine Monatskarte enthielt kein Foto. Die Mitteilungen, dass die nunmehr erforderlich sei, habe ich nicht mitbekommen. Fernsehen und Radio habe ich nicht, die örtlichen Käseblätter lese ich nicht und an Bushaltestellen war ich nicht. Meine Argumentation hat dann auch zu einem grandiosen "Freispruch" geführt, ich musste keine Bearbeitungsgebühr zahlen. Mist, keine Strafanzeige, keine Hauptverhandlung, kein Ruhm, keine Ehre. Voll die Straftat für Mausis.

Eben habe ich einen neuen Versuch unternommen. Ein blöder Volldepp ist mir an der Ampel -ich hatte grün- beinah über die Pumps und den Fuß gefahren. Ich wette, der hat nicht gedacht, dass aus dieser kleinen Frau so böse Schimpfworte kommen können. Gegen seinen Reifen habe ich auch noch getreten. Beim nächsten Mal werde ich den Rat des Kollegen Siebers befolgen und durch die offene Scheibe spucken. Vielleicht klappt es dann mit der Strafanzeige - der Herr eben war recht emotionslos. Wieder nix...Hach.

Zweites Frühstück

Ruhen der Rechtspflege?

So, heute fängt sie nun an, die WM. Beim Betreten des Büros überraschte mich liebevoll Deko, die der Kollege angebracht hat. Meine mangelnden Kenntnisse zum Thema Flaggenkunde habe ich gleich mit der Frage: "Waren die Hollandflaggen aus? Oder ist das eine?" unter Beweis gestellt.

Sekunden später erhielt ich eine Einladung zur Tipprunde der Bürogemeinschaft.

Im Minutentakt treffen Einladungen von Freunden, Bekannten und Kollegen ein, die Fußball gucken wollen. Der Kollege Schwartmann hat gar den ehrgeizigen Plan, ALLE Spiele zu gucken.

Ganz so "verrückt" bin ich nicht. ;-)
Sicherheitshalber werde ich aber mal Verlegungsanträge für Termine an Tagen, an denen gespielt wird, stellen...

Donnerstag, 10. Juni 2010

Ödniszuschlag?

Ich dachte immer, auf dem platten Land wären die Stundensätze für Rechtsanwälte billiger als in den Metropolen. Gerade ruft mich aber ein Freund meines Vaters an und berichtet, dass er eine Räumungsklage gegen den säumigen Mieter erheben wolle. Streitwert sind 4800,00 Euro.

Der Kollege im Hessischen teilte dann mit, das koste alles in allem so ca. 8000,00 bis 10.000,00 Euro. Allein die Gerichtskosten, so soll der Kollege gesagt haben, betrügen 6000,00 Euro.

Huch. Entweder fehlt mir eine wesentliche Information oder der hessische Kollege schließt üppige Honorarvereinbarungen ab. Spätestens bei den Gerichtskosten hakt es dann aber gewaltig.

Mittwoch, 9. Juni 2010

Vielleicht...

sollte mal über einen Kanzleigärtner nachgedacht werden...

Eier legende Wollmilchsau?

Für einen Fernsehbeitrag suchte ein Sender einen Hamburger Anwalt oder eine Hamburger Anwältin. Derjenige sollte bestenfalls Strafverteidiger sein, aber auch viele Opfer vertreten. Er sollte sich mit Kriminologie und Psychologie auskennen und spontan Zeit haben. Gut wäre auch, wenn er oder sie als Verfahrenspfleger tätig sei, aber nicht ausschließlich.

Ein Opfer, welches im TV auftreten mag, sollte er oder sie auch zur Hand haben. Das Opfer sollte ebenfalls spontan Zeit haben.

Ob zwischenzeitlich jemand gefunden wurde?

Keine Tricks

Dem Mandanten wird eine Trunkenheitsfahrt vorgeworfen, die Fahrerlaubnis wurde vorläufig entzogen. Beim Besprechungstermin erkläre ich geduldig, dass ein Unterschied zwischen Fahrverbot und Entzug der Fahrerlaubnis besteht. Er ging nämlich zunächst davon aus, dass er nur eine höhere Strafe bezahlen müsse und dann sei "das mit dem Führerschein" aus der Welt.

Nach dem ich erläutert hatte, dass ich zunächst einmal die Ermittlungsakte benötige und wir alles Weitere dann besprechen, sagt der Herr: "Eins sage ich Ihnen, ich will keine Tricks!"

Meine Nachfrage, was den "Tricks" sein, wurde so beantwortet:"Naja, was die Anwälte immer so machen..das sogar Kinderschänder raus kommen. Mit so was will ich nichts zu tun haben."

Aha. Der Mandant wollte aber doch gerne irgendwann seine Fahrerlaubnis wieder bekommen und erlaubte dann die Anwendung aller "Tricks", die die Strafprozessordnung bietet.

Dienstag, 8. Juni 2010

Sach´ ruhig Mausi zu mir, ne!

Heute ruft eine mir unbekannte Person an und möchte einen Termin vereinbaren. Das Gespräch beginnt mit "Hey Alex, ich bin ein Bekannter vom Martin und ich wollte mal einen Termin bei Dir wegen so einer Sache."

Aha. Ich kenne ca. 10 Martins und nur einen davon gut. Der schickt allerdings eher niemanden als Mandanten zu mir, denn er ist ebenfalls Anwalt. Ich habe den unbekannten Herren dann gesiezt. Außerdem: "Alex" können meinetwegen meine Eltern sagen - wobei die seit über 35 Jahren "Mausi" bevorzugen und davon nur schwer abzubringen sind.

Generell vermeide ich es, mich mit Mandanten zu duzen. "Du, Kevin, was ist denn mit meiner Rechnung, Alder?" klingt irgendwie weniger ernst als "Herr Pleitegeier, wollen Sie nicht mal bald bezahlen?"

Demokratisch abgestimmt über Du oder Sie wurde übrigens im Fachanwaltskurs. Das Hamburger Du (Vorname und "Sie") erfreut sich hier offenbar großer Beliebtheit. Immerhin besser als die Variante mit der Kombination von Nachname und Sie ("Frau Müller, kannst Du mir mal eben helfen?).

Und jetzt, Du Leser, Du, jetzt geht´s weiter mit Schriftsätzen, in denen streng gesiezt wird.

Montag, 7. Juni 2010

So klappt es auch mit der Selbstständigkeit - todsicher

Der Kollege Nebgen hat hier einen Tipp veröffentlicht, der jedem Referendar, der sich selbstständig machen möchte, weiterhelfen wird. Der Post des Kollegen hat mich schmerzlich an die Ratschläge erinnert, die ich zu Beginn meiner Tätigkeit bekommen habe. Die schönsten möchte ich meinen Lesern natürlich nicht vorenthalten:

1. Du brauchst jeden Tag ein neues Mandat.

Super. Und in flauen Zeiten (Weihnachten, Sommer, Schweinegrippe, Fußball-Weltmeisterschaft) zerre ich einen arglosen Passanten in die Kanzlei und nötige ihn, eine Vollmacht zu unterzeichnen. Irgendein Rechtsproblem hat schließlich jeder!


2. Du musst jeden Tag mindestens eine Rechnung schreiben.


Gut. Sollte gerade nichts abzurechnen sein, dann rutscht man leicht in den kriminellen Bereich. Aber sind nicht alle Anwälte leicht kriminell?


3. Zur Sicherheit brauchst Du ein zweites Standbein.


Genau. Damit das Sekretariat den Leuten mitteilen kann: "Frau Braun ist heute nicht im Haus. Heute ist doch Dienstag, da arbeitet sie immer als Hundepsychotherapeutin."


Muss ich noch erwähnen, dass keiner der Ratgeber selbstständig war?

Sonntag, 6. Juni 2010

Willst Du kooperieren, oder was?

Offensichtlich sind die Zeiten schlechter geworden, jeder muss sehen, wo er bleibt. Unternehmer suchen neue Aufträge überall und jeder will diese mysteriösen Synergieeffekte nutzen.

Ich bekomme in den letzten Monaten immer seltsamere Werbung und Kooperationsangebote. Privatdetektiv, ok, das kennt man noch aus dem Fernsehen. Warum ich aber mit Menschen mit folgenden Berufen kooperieren sollte, ist mir bisweilen unklar:

- Traumatherapeutin
- Pferdeheilpraktikerin
- Frau, die Kinesik anbietet
- Coach

Die Bewerbung eines ehemaligen Sträflings als Gutachter finde ich dagegen nahezu charmant.

Vielleicht wollen diese Menschen aber auch gar nicht spammen, sondern mich glücklich machen? Ich weiß es nicht. Sollte aber jemand dringend eine Pferdeheilpraktikerin suchen, dann rufe er mich an.

Das musste doch mal gesagt werden...

Die Schlussvorträge der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung sind von extrem unterschiedlicher Qualität. Viele Staatsanwälte halten wirklich hervorragende Plädoyers, viele Verteidiger ebenso. Im Referendariat habe ich einigen Anwälten und Staatsanwälten aus Interesse zugehört. Ob ein Schlussvortrag allerdings noch mal alles ändert und das Gericht urplötzlich alles ganz anders sieht, das wage ich zu bezweifeln.

Vor einigen Tagen hatte ich die große Freude, einem besonders schrecklichen Plädoyer (Anklage wegen Körperverletzung) zu lauschen. Die Staatsanwältin konnte mal richtig alles loswerden, was ihr offensichtlich so auf der Seele lag. Dass man früher noch auf die Straße gehen konnte und heute nicht mehr, dass die alten Leute sich nicht mehr in die U-Bahn trauen und dass dies nicht sein könne, dass es ja so nicht weitergehen könne mit der Gewalt im öffentlichen Raum und dass da was gemacht werden müsse.

Jaja, es geht den Menschen wie den Leuten und wir müssen alle den Gürtel enger schnallen.

Was der hoch emotionale Schlussvortrag mit der Anklage gegen meinen Mandanten zu tun hatte, das hat auch der Vorsitzende wohl nicht so genau verstanden. Das Ergebnis war dann sehr erfreulich für fast alle - nur nicht für die Staatsanwältin.

Samstag, 5. Juni 2010

Strafrecht? Zivilrecht? Who cares!

Ich vertrete gerade zivilrechtlich einen Menschen, der bei einer Prügelei massiv verletzt wurde und bleibende Schäden davon getragen hat. Ein Schmerzensgeldanspruch bewegt sich im Bereich von etwa 10.000,00 Euro.

Im Strafverfahren gegen den Schädiger war ich nicht tätig, es wurde also kein Adhäsionsantrag gestellt. Dies wäre auch nicht möglich gewesen, da es sich um ein Verfahren gegen einen Jugendlichen handelte.

In dem Strafurteil finde ich nun die Formulierung "Dem Angeklagten wird auferlegt, dem Geschädigten ein Schmerzensgeld in Höhe von 1500,00 Euro zu zahlen. Diese Geldauflage kann in monatlichen Raten zu je 150,00 Euro gezahlt werden."

Der gegnerische Rechtsanwalt hat auf mein Aufforderungsschreiben erstaunt reagiert. Wie, Schmerzensgeld? Was? Und gleich so viel? Das Gericht hat doch entschieden, in welcher Höhe ein Schmerzensgeld angemessen ist, oder?

Eine interessante Auffassung, die ich nicht teile. Allerdings wäre es hübsch gewesen, wenn der Strafrichter im Strafurteil nicht abwechselnd von Schmerzensgeld und Geldauflage spräche. Wobei der Unterschied zwischen ausgesprochener Strafe und zivilrechtlichen Ansprüchen auch dann keinem der Naturalparteien klarer sein dürfte. Ich wette, dass der Schädiger bei Erhalt der Klage zu seinem Anwalt sagen wird:"Hä, ich bin doch schon verurteilt!"

Freitag, 4. Juni 2010

Der Richter, das unbekannte Wesen

Der Kollege Nebgen bloggt hier über Richter, denen anwaltliche Gebühren (und wohl auch Anwälte) sehr fremd sind. Aus den Kommentaren geht hervor, dass Richter und Richterinnen möglicherweise diverse Vorurteile gegen Anwälte haben (fahren alle Porsche, gehen zur Akquise auf den Golfplatz etc.).

In Hamburg versucht man, Rechtsanwälte und Richter irgendwie zueinander zu bringen und Verständnis füreinander zu schaffen. Dafür hat man eigens einen "Kommunikationsverein" gegründet und es findet regelmäßig ein Stammtisch statt. "Wandel durch Annäherung", so etwas soll da wohl stattfinden. Wäre ich Richter, so nähme ich allerdings bei diesen Begegnungen die Beine in die Hand und flüchtete. Schnell. Weit.

Zahlenmäßig kommen an solchen Abenden ca. 28 Anwälte auf einen Richter und viele der Kollegen hoffen, nach der Veranstaltung oft von irgendwem beigeordnet zu werden. Wird ein Richter gesichtet, so murmelt irgendwer "Da, das ist einer!" und der Schwarzkittel wird gejagt wie Rotwild nach der Schonzeit.

So wird das nichts mit dem Ausräumen von gegenseitigen Missverständnissen. Vielleicht ist das auch gut so, sonst fielen viele Themen für das Blog weg. ;-)

Am Nebentisch aufgeschnappt..

"Die Einzigen, die wieder etwas davon haben, sind die Anwälte."


Leider haben meinen beiden Kollegen und ich nicht mitbekommen, wovon die Anwaltschaft was hat. Scheidung? Abmahnungen? Steuersenkungen? Rücktritt von Horst Köhler?

Egal. Wird schon stimmen.

Donnerstag, 3. Juni 2010

A No is a No is a No

Irgendwo habe ich mal gehört, dass Verkaufen erst dann anfange, wenn der Kunde "Nein" gesagt habe.

Ernst zu meinen scheint dies ein Herr, mit dem ich kürzlich eine Unterhaltung wegen des Abschlusses einer Versicherung hatte. Ich habe mich gegen das großartige Angebot entschieden und nun dies telefonisch - ich wurde angerufen- mitgeteilt. Sicher war ich kurz angebunden, denn im Besprechungszimmer wartete der Mandant. Nun telefoniert man mir nach, was ich wirklich abgrundtief hasse. Insbesondere dann, wenn ich mitgeteilt habe, dass ich keine weiteren Anrufe wünsche.

Sollte ein Mandant sagen, dass ihm die Verteidigung durch mich zu teuer sei, dann rufe ich denjenigen auch nicht an und sage:"Och, ich wollte nochmal mit Ihnen über mein Angebot sprechen. Haben Sie sich das vielleicht anders überlegt?" (Ja, ich weiß, dass der Vergleich hinkt)

Also, Du Wicht, wenn ich hier noch eine Rückrufbitte vorfinde oder mein Telefon klingelt, dann mahn isch Disch ab! Oder was Ähnliches.

Mittwoch, 2. Juni 2010

Auslegware?

Schon Goethe hat geraten "Im Auslegen seid frisch und munter. Legt ihr´s nicht aus, so legt was unter." (Goethe, aus den Zahmen Xenien II).

Sich als Rechtsanwalt mit der Auslegung von Verträgen, die von Laien formuliert und geschlossen wurden, ist immer wieder eine große Freude. Auch Verträge aus dem Internet sind nicht unbedingt besser.

Die Frage, was denn vereinbart wurde bzw. was gewollt war, vermag im Nachhinein kaum ein Mandant zu beantworten. Insbesondere dann nicht, wennn alle Vereinbarungen mündlich erfolgten. Eines ist aber jedenfalls klar: So, wie es jetzt ist, so sollte es nicht sein.

Ich wette, dass die Akte vor mir ein klassischer Fall für einen Vergleichsvorschlag eines Richters ist. "Na, wie wäre es mit 50/50?"

Dienstag, 1. Juni 2010

Fachanwalt für kleine Streitwerte?

In der heutigen Ausgabe der Mitteilungen des Hanseatischen Rechtsanwaltskammer findet sich ein Aufruf an die Anwaltschaft. Es sollen sich diejenigen Anwälte melden, die bereit sind, Mandante mit niedrigen Streitwerten und Mandate auf PKH-Basis ohne Berechnung zusätzlicher Gebühren zu übernehmen.
In der Anwaltssuche der Rechtsanwaltskammer sollen diese Anwälte mit einem speziellen Suchkriterium auffindbar sein.

Nach etwas Grübeln sind drei Kollegen und ich zu der Meinung gelangt, dass mit den zusätzlichen Gebühren bei der Prozesskostenhilfe nur die Gebühren für das PKH-Prüfverfahren gemeint sein können. Offensichtlich sollen sich also Anwälte in eine Liste aufnehmen lassen, die für lau eine Klage fertigen und mal abwarten, ob denn Prozesskostenhilfe bewilligt wird oder nicht.

Der Aufruf unserer geheiligten Kammer steht etwas im Gegensatz zu deren Hinweis, man müsse als Anwalt - um wirtschaftlich zu arbeiten - mindestens 150,- Euro/Stunde abrechnen. Aufgenommen wurde das Kriterium des Experten für kleine Streitwerte in die Suchmaske aber noch nicht.

Alles aus einer Hand?

Der Kollege Siebers stellt hier zutreffend fest, dass Zivilisten einem einen gehörigen Schrecken einjagen können. Ich wurde kürzlich von einer befreundeten Kollegin -einer Zivilistin- angerufen und mit der Frage konfrontiert, wie sie denn um die Wahrnehmung eines Hauptverhandlungstermins herumkomme. Sie sei da beigeordnet und es ginge um Vergewaltigung oder so.

Von meiner Seite kam erstmal langes Schweigen, ich atmete tief ein und stellte dann die Frage, ob es denn wirklich tunlich sei, als erstes Mandat der offenbar beginnenden Strafverteidigerkarriere ein solches Delikt zu bearbeiten. Da lachte die Kollegin fröhlich und meinte, es sei doch nur eine Nebenklage und eigentlich könne man da ja nichts falsch machen.

Meine ermahnenden Worte verhallten ungehört. Naja, besser ein reiner Zivilrechtlerin als Nebenklagemaus und nicht als Verteidigerin.