Montag, 31. Mai 2010

Und dafür hab´ ich studiert

Die Erwartungshaltung von Mandanten ist gelegentlich erstaunlich und wird immer wieder in den juristischen Blogs thematisiert. Ein wunderbares Beispiel dafür, was Anwälte können sollen, habe ich mit einer lieben Verwandten gerade erlebt. Die Frage war folgende:

"Wieviel Unterhalt muss denn der Bernd zahlen?!"


Nachdem wir geklärt hatten, wer Bernd ist (nämlich ein entfernter Cousin 3. Grades) fragte ich einige Dinge. Interessant ist die Frage, wer Unterhalt bekommen soll (Ehefrau oder Kinder), wie alt die Kinder sind und was der Bernd verdient. Um zwei Kinder ginge es und der Bernd sei Bäcker, hieß es. Man wusste weder das Alter der Kinder, noch den Verdienst von Bernd.

Ich konnte daher letztlich keine fundierte Auskunft darüber treffen, wieviel Unterhalt Bernd nun zahlen müsse und habe zu einem Gang zum Fachanwalt für Familienrecht geraten. Es folgte ein tiefer Seufzer und ein resigniertes:

"Und dafür hast Du jahrelang studiert!!"

Rosa?

Die Polizei sucht die Wohnanschrift eines Beschuldigten auf, um diesen zu verhaften. Angetroffen wird die Mutter, die dann -auf Bitte der Polizei- den Beschuldigten auf dessen Handy anruft. Die Mutter teilt dem Sohn mit, dass die Polizei mit irgendeinem Schriftstück da sei und ihn dringend sprechen wolle.

In der Akte findet sich dann ein Vermerk über das weitere Gespräch, bei dem der Beschuldigte seine Mutter fragte, "ob es rosa sei". Diese Frage wird mit "Ja, is rosa." bejaht, worauf der Beschuldigte ein Eintreffen zu Hause ablehnte.

Da weiß man mal wieder, warum Haftbefehle auf so lustig pinkes Papier gedruckt werden.

Sonntag, 30. Mai 2010

Das zustimmende Tja

Es ist erstaunlich, was von Polizisten und Richtern so alles als Zustimmung des Beschuldigten gewertet wird. Nehmen wir mal an, Sie fahren betrunken Auto und werden von zwei freundlichen Beamten angehalten. Die Herren in blau sagen dann ganz euphorisch zu Ihnen:

"So, da müssen wir jetzt eine Blutprobe machen!"


Sie sagen dann etwas wie "Yo?" oder "Tja..." oder "Hm." und schon haben Sie nach Meinung diverser Polizisten freiwillig in eine Blutprobenentnahme eingewilligt. Das Einzige was mir noch nicht begegnet ist, ist das beredte Schulterzucken nebst Schweigen. Ich warte.

Ertappt!

Der Sonntag ist im Büro ein ausgesprochen angenehmer Tag. Keine Telefonate, keine Zwischenfragen von irgendwem, kein Posteingang, kein unerwarteter Besuch. An solchen Tagen kümmere ich mich um besonders unliebsame Akten, lese Zeitschriften (nein, nicht Gala und co.)und mache Buchhaltung.

Gerade eben ertappte mich aber unsere Reinigungskraft beim Verzehr eines riesigen Stückes Orangentorte. Es lief laute Musik und ich hatte meine Schuhe in eine Ecke gepfeffert und die Füße auf dem Tisch. Ich fühle mich ertappt. ;-)

Samstag, 29. Mai 2010

Anwaltswitz XI (zum Wochenende)

Der junge Anwalt, Berufsanfänger, schreibt an das Gericht:
"Hiermit zeige ich an, dass mich der Angeklagte mit seiner Verteidigung beauftragt hat.
Ich beantrage, ihn auf seinen Geisteszustand hin untersuchen zu lassen."

Donnerstag, 27. Mai 2010

Wie man keinen anonymen Tipp gibt...

Sollten Sie jemals planen, der Polizei einen anonymen Hinweis zu geben, beachten Sie bitte folgende Grundregeln.

1. Rufen Sie nicht von Ihrem Haustelefon an.

2. Auch wenn es unhöflich ist: Nennen Sie nicht Ihren Namen!


Beide Punkte nicht beherzigt hat ein Anrufer, der über die 110 der Polizei einen Hinweis geben wollte. Anonym. Dumm nur, dass er das Gespräch mit Nennung des -realen- Namens begonnen hat. Der Gesprächsaufzeichnung in der Ermittlungsakte ist die Verblüffung des Polizeibeamten deutlich herauszulesen.

Murmeltiertag?

In Hamburg gibt es mittlerweile deutlich über 9000 Rechtsanwälte. Ein Ratsuchender hat also reichlich Auswahl und in den Zeiten von Flatrates kann man einige Anwälte anrufen. Vielleicht auch alle?

Ein Kollege berichtete eben telefonisch von einem seltsamen Anruf ("Der wollte Schadensersatz...man hat ihm Kameras in die Augen eingesetzt.") und unmittelbar nach dem Auflegen die Anfrage bei mir landet. Der Kollege ist nicht verdächtig, meine Nummer weitergegeben zu haben - wir sind nicht verfeindet.

Ich setzte mich also mit dem Anrufer, der eindeutig KEIN rechtliches Problem hatte, auseinander. Es gelang mir nach nur wenigen Minuten, das Gespräch zu beenden.

Im Nebenzimmer bei meinem Bürogemeinschaftskollegen klingelt das Telefon..

Mittwoch, 26. Mai 2010

Überfordert..

Nun fragen der Kollege Nebgen und ich uns die ganze Zeit: welche Konsumform dieser Pflanze ist die beste?

Pech gehabt

Dumm gelaufen ist es kürzlich für einen jungen Mann, der an der Haustür meiner Eltern klingelte. Meine Eltern und Großeltern leben in Hessen auf dem Dorf in einer Straße, in der fast nur Rentner leben. Der junge Mann wollte Zeitschriftenabos verkaufen und begann das Verkaufsgespräch mit mir etwa so.

"Ich bin in ehemaliger Strafgefangener und habe in der Haft zu Gott gefunden. Nun versuche ich, Geld zu verdienen."

Meine Nachfrage, wo er denn in Haft gewesen sei, beantwortet er mit:

"In Hamburg-Wilhelmsdorf."

Tja, voll daneben. Es gibt es diesen Stadtteil nicht und ergo gibt es da auch keine JVA. Meine Oma hätte das nicht gewusst und sicher die "Goldene Frau" oder ähnliches abonniert.

Elterlicher Maßnahmenkatalog

In Jugendstrafsachen haben die jugendlichen Beschuldigten oft mehr Angst vor den eigenen Eltern als vor dem Termin bei Gericht. Sicherlich in vielen Fällen zu recht.

Häufig sind auch die Reaktionen der Eltern auf eine Straftat wesentlich "krasser" als die von einem Gericht zu erwartende Strafe.

Eine jugendliche Mandantin kürzlich wurde wegen eines Diebstahls (Lippenstift und Lidschatten) von den Eltern wie folgt bestraft:

- Wegnahme des Handys
- Absage der Geburtstagsfeier
- Absage des Urlaubs
- Taschengeldsperre
- Wegnahme des Computers
- Ausgehverbot für vier Wochen
- Kontaktverbot zu den Freundinnen

Von dieser Schwemme an Maßnahmen war der Jugendrichter so beeindruckt, dass er das Verfahren wegen einer bereits durchgeführten erzieherischen Maßnahme (§ 47 Abs. 1 Nr. 2 JGG) eingestellt hat.

Mit der Ergebnis waren alle zufrieden. Ich hoffe nur, dass die Mandantin keine Straftaten mehr begeht. Bei einer Körperverletzung oder einem ähnlichen Vorwurf, da droht doch dann schon fast eine Strafe wie das Einschläfern des Haustiers, oder?

Dienstag, 25. Mai 2010

Wenn´s doch stimmt

Ich konnte dem Mandanten heute Vormittag in der Besprechung ausreden, sich vor Gericht äußern zu wollen.

Es hätte noch in Ordnung sein können, den Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung (Tritt mit beschuhtem Fuß in den Hintern) zu bestreiten.
Keinesfalls sinnvoll wäre gegenüber der recht stabilen Vorsitzenden aber die Äußerung:

"Ja, fette Kuh hab´ ich schon gesagt, das stimmt ja nun aber auch"


Mir fehlt zu den Maßen der Anzeigenerstatterin zwar jegliches Wissen. Vorhanden ist aber die Erkenntnis, dass mit der Einlassung kein Blumentopf zu gewinnen ist.

Sonntag, 23. Mai 2010

Aus der Versenkung aufgetaucht....

Ich habe in der letzten Woche wieder neue Freunde gefunden. Vielleicht auch alte Freunde wiedergefunden.

Toll, wenn Menschen, die man seit der Grundschule nicht mehr gesehen hat, auf einmal aus der Versenkung auftauchen. Aus der Versenkung bringen die auch gleich was mit: eine Vorladung, einen Erbrechtsfall, einen Scheidungsantrag der Ehefrau oder eine Klageschrift.

Und ich soll nun -kostenlos, um der alten Freundschaft willen- da "mal draufgucken". Bösartig und innerlich von Missgunst zerfressen (die zwei Prädikatsexamen, Sie wissen schon) schicke ich weitgehend kommentarlos eine Vollmacht und eine Vergütungsvereinbarung. Mit dem eingenommenen Geld kaufe ich mir dann neue, andere Freunde.

Samstag, 22. Mai 2010

Weltfremd

Die Kollegen Siebers, Flauaus und Vetter schreiben in ihren Blogs über den weltfremden Prädikatsjuristen als Richter.

Das erinnert mich an einen Prozess wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln, bei dem ich als "Öffentlichkeit" hinten saß und die blutjunge Richterin zu der Referendarin während einer kurzen Pause sagte:


"Ich weiß gar nicht, wie man dieses Zeug konsumiert. Raucht man die ganze Pflanze?"


Autsch. Nicht, dass ich denke, dass jeder Richter mal besoffen Auto gefahren sein sollte, gekifft haben sollte und sich mindestens einmal geprügelt haben sollte, das ginge doch zu weit. Die ganzen Richterinnen mit Abitur mit 1,2 auf dem humanistischen Gymnasium, Studium und Referendariat in Rekordzeit, die machen mir aber irgendwie Sorgen. Besonders, wenn sie Perlenkette und Haarreifen aus Samt tragen.

Im nächsten Leben: Ärztin?

Bei der Entscheidung "Was tun?" nach dem Abitur schwankte ich sehr zwischen dem Studium der Rechtswissenschafen und der Medizin. Letztlich wurde es -bekanntlich- das Jurastudium und das ist auch absolut ok so. Trotzdem gibt es Gründe, im nächsten Leben vielleicht Ärztin zu werden. Und das sind:

1. Die Arbeitskleidung ist cooler. Taillierte Kittel mit schickem Namensschild gegen sackartigen schwarzen Umhang...

2. Als Rechtsanwalt wird man nie hören:"Sollte sich unter den Reisenden ein Anwalt befinden, so wird er gebeten sich auf Gleis 3 einzufinden."

3. Die Arztserien. Dr. House ist so viel besser als der ganze Anwaltsmist.

4. Ärztekongress auf den Kapverdischen Inseln (das Pharmaunternehmen zahlt) statt Anwaltstag in Aachen.

5. Fragen von entfernten Bekannten nach kostenloser Hilfe kann man auf Parties recht schnell abbügeln. "Klar, Herr Müller, das Furunkel kann ich Ihnen gleich hier entfernen. Skalpell habe ich dabei. Betäuben kann ich Sie leider nicht, aber es wird kaum wehtun.."

6. "Mensch, damit wären Sie mal besser früher gekommen!" nehmen sich Patienten mehr zu Herzen als Mandanten.

7. Die Wahrscheinlichkeit, von einem reichen Patienten im Testament bedacht zu werden.

8. Arzt ist ein angesehener Beruf. Rechtsanwälte kommen im Ranking nach Polizisten und Lehrern. Herrjeh!

9. Viel mehr Raum für schwarzen Humor. "Herr Müller, Besuch für Sie. Er hat nicht gesagt, wer er ist - aber er hat eine Sense dabei."

10. Ich muss mir wegen der Rückenbeschwerden nix von "mehr Sport!" anhören, sondern kann mir einfach selbst was relativ Giftiges spritzen.

Freitag, 21. Mai 2010

Dumm gelaufen

In Hamburg wurde ein per Haftbefehl gesuchter Mann bei einer S-Bahn Schwarzfahrt erwischt. Mit 3,41 Promille.

Quelle: Hamburger Morgenpost


Merke: Wenn man gesucht wird, dann besser das Fahrrad nehmen. Nüchtern.

Der Wille das Mandanten geschehe...

Die Kollegen Vetter, Hoenig und Burhoff sind sich hier, da und hier darüber einig, dass bei der Frage, ob Revision eingelegt wird, letztlich der Mandant entscheidet. Absolut richtig.

Entscheidend ist das Mandanteninteresse etwa auch dann, wenn es um die Frage geht, ob beispielsweise eine Befangenheitsantrag oder Aussetzungsantrag gestellt werden soll. Viele Mandanten möchten die Sache schnell abschließen: aus Kostengründen, um es hinter sich zu haben, weitermachen zu können etc. Den meisten Mandanten ist es wichtig, mit einem blauen Auge davonzukommen, die Strafprozessordnung interessiert sie eher nur am Rande. Überhaupt nicht

Als Verteidiger steht man dann da: in voller Kriegsmontur, das Messer zwischen den Zähnen und die Streitaxt in der Hand und dann sagt der Mandant:"Och, vielleicht doch lieber die Wattebäuschen?" Der gedanklich vielleicht schon entworfene Befangenheitsantrag bleibt also im Kopf und es wird weiterverhandelt.

Häufig ist das Ergebnis dann für den Mandanten ok - es kam zu einem als gerecht empfunden Urteil, einer Einstellung oder gar einem Freispruch. Der Mandant ist zufrieden und ich sollte es dann auch sein. Immer bin ich das nicht. Gelegentlich -wenn es sich bei dem Richter um Reinhard Rechtsbeuger handelte- ist da ein gewisser Gram. Aber es ist eben nicht mein Prozess, sondern der das Mandanten.

Donnerstag, 20. Mai 2010

Statt Keksen

Für Mandanten im Pferderecht gibt es nun statt Konferenzgebäck das hier:

Mittwoch, 19. Mai 2010

Der unwirtschaftliche Mops

Anruf einer potentiellen Mandantin, ein Problem mit dem gekauften Hund. Ihr Mops habe eine Krankheit, die Sir Johnny (Name von der Redaktion geändert) auch gehabt habe.

Aha, sage ich, wer ist denn das? Anruferin erklärt mir, dass dies ein bekannter Mops einer noch bekannteren PR-Dame sei. Diese Dame habe einen sensationellen Prozess gegen einen Züchter von Möpsen geführt und auf ganz Linie gesiegt. Das wolle sie nun auch, aber hallo!

Meine Anmerkung, dass jeder Fall anders liege und jeder Prozess anders verlaufe, wurde nicht so recht zur Kenntnis genommen. Sie habe schon zwei Aktenordner an Unterlagen, die müsse ich alle lesen.

Gerne mache ich das. Bei einem Streitwert von unter 600,00 Euro allerdings nicht zu gesetzlichen Gebühren (58,50 Euro netto). Dies wollte die -rechtschutzversicherte- Anruferin nicht. Das ist nachvollziehbar.

Es ist aber ebenso nachvollziehbar, dass alle Rechtsanwälte wirtschaftlich denken und handeln müssen.

Redaktionelles

Liebe Leser, leider muss ich dieses Blog inhaltlich umstellen. In der Zeitschrift "Mach mal Pause" heißt es nämlich über mich:

Ein Tipp für Tierfreunde: Unter www.rainbraun.blogspot.com führt sie tierisch Tagebuch.


An dieser Stelle demnächst also nichts mehr über Kevin, Justin und co., sondern über Mietzi, Welli, Hamsti und co. Ok, das war ein Witz.

Aber: wer errät, wie mein erstes Pony hieß, dem schicke ich ein Exemplar der "Mach mal Pause" und ein Packung Sticker mit niedlichen Tiermotiven.

Dienstag, 18. Mai 2010

Geniale Werbestrategie?

Im Alltag ist die Frage, ob man sich als Anwältin "outet" oder nicht eine Gratwanderung. Im erweiterten Bekanntenkreis ist es vielleicht sinnvoll, den Beruf zu verschweigen. Es ist aber auch wiederum albern -wenn alle von ihrem Job erzählen- verschämt auf den Boden zu gucken oder zu sagen, man sei Tierpräparatorin. Will man überall Mandate baggern, oder möchte man "auch mal Mensch sein"? Fragen, die jeder für sich selbst beantworten muss.

Ein Ausbilder im Referendariat hat mir geraten, jeden Tag mindestens einem Menschen (am besten Geschäftsleuten in Kanzleinähe) zu erzählen, dass ich Anwältin sei. Das könne man ganz zwanglos machen. Ein Beispiel gefällig?

Anwalt beim Bäcker.
"Ich hätte gerne drei Nussecken."
"Oh, die sind aus."
"Hahaha, da könnte ich Sie jetzt ja verklagen, hihi."
"Ach, Sie sind Anwalt?"
"Ja, und stellen Sie sich vor, ich bin Experte für´s Backwarenrecht..."


Solches Verhalten hilft garantiert. Binnen Wochenfrist werden einen alle Menschen, mit den man Kontakt hatte, für einen Vollpfosten halten.

Habe ich eigentlich eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Heute Vormittag hat mich die Optikerin höchst besorgt an einen Augenarzt verwiesen. So seltsame Sehschwächen beim Sehtest habe sie noch nie erlebt, sagte sie. Als die Dame zum wiederholten Male meinte, dass sei ja alles sehr, sehr beunruhigend, da wurde auch mir etwas mulmig. Offenbar sehe ich nur mit Linsen, nicht mit Brille. Bei -8,5 Dioptrien etwas nervig.

Einen Schäferhund möchte ich dann doch nicht mit den Gerichtssaal nehmen und auch wenn Justitia blind ist - ich hänge sehr an meinem Augenlicht. Mal sehen, was der Augenarzt sagt. Bei dem war ich drei Jahre nicht...am 29.05 haben wir nun ein Date.

Das kostet extra

Gestern war ich mit dem Bus auf dem Weg nach Hause, als drei Jugendliche (nennen wir sie Kevin, Justin und Marvin) und fingen an, etwas rumzupöbeln. Sie hatten eine Flasche Wodka dabei und riefen:"Ihr kommt von Eurer Scheißarbeit und wir gehen feiern."

Nach einiger Zeit plauderten Sie über die begangenen und geplanten Straftaten. Besonders gefallen hat mit die Äußerung über einen Kumpel:

"Der Robin, der hat vielleicht seine Ex und den einen Typen zusammengeschlagen uns so, Digga. Zu mir war der aber immer voll korrekt, ich schwör. Der hat mir ein Bier ausgegeben, Digga."


Das spricht natürlich echt für den Robin.

Mittlerweile war ich im hinteren Bereich der einzige Fahrgast und einer der jungen Herren suchte Kontakt mit den Worten:"Willst Du mit uns feiern, Du Pussy?"

Ich habe ihm eine meiner Postkarten überlassen(bald hat er sicher zumindest mal ein Verfahren wegen Beleidigung) und den Hinweis, dass in meinem Büro die Anrede aber "Frau Braun" lautet.

Montag, 17. Mai 2010

Lustige Anwaltswechsel

Wahrscheinlich ist es nicht nur in Hamburg Usus, dass ein Untersuchungshäftling den Anwalt häufiger wechselt als die Hemden.

Meistens läuft es so, dass der Häftling zunächst Anwalt Ehrlich beauftragt. Dann begegnet ihm Anwalt Raffzahn, der ihm -dem Untersuchungshäftling- in die Hand verspricht, dass er ihn noch diese Woche rausholen könne, wenn er nur 3000,00 Euro bekäme und er ihm eine Vollmacht unterschreibe.

Anwalt Raffzahn kündigt dann Anwalt Ehrlich das Mandat - wobei Raffzahn das meist nicht mal richtig macht und unwirksam kündigt.

Möglicherweise kommen dem Untersuchungshäftling dann doch wieder Zweifel und er hält an Anwalt Ehrlich fest. Ehrlich und Raffzahn schicken sich dann munter Mandatskündigungen hin und her. Unter Umständen taucht auch noch Rechtsanwalt Schmierlapp auf, der besonders gute Beziehungen zu dem Personal der Haftanstalt hat und so in Kontakt mit den "Neuen" in der UHA kommt. Dann gibt es natürlich auch noch die Anwaltsempfehlungen von Mithäftlingen, denen der "Neuling" gerne Glauben schenkt ("Rechtsanwalt Wadenbeißer hat den Ede nach zwei Tagen draußen gehabt und später gab es nen Freispruch.")

Es ist abolut nachvollziehbar, dass ein Untersuchungshäftling sich in einem psychischen Ausnahmezustand befindet und unsicher ist - das macht anfällig für Versprechungen. Sinnvoll sind die häufigen Anwaltswechsel wohl nicht. Und mit den Änderungen hinsichtlich der Pflichtverteidigerbeiordnung bei U-Haft dürfte der Anwaltswechsel auch schwieriger geworden sein.

Bis zum Erbrechen

Es gibt Dinge, die kein Mensch erleben möchte. Wenn ich mal unzufrieden bin und denke, dass ich besser, böser, bedeutender und brillanter hätte plädieren können, dann denke ich an eine Bekannte, der im Gerichtssaal einmal folgendes passierte:

Referendariat, Sitzungsvertretung für die Staatsanwaltschaft. Alles ist furchtbar aufregend und der Magen spielt verrückt. Nach Verlesung der Anklageschrift plötzliche starke Übelkeit, Erbrechen in den Papierkorb.


Das rückt für mich dann immer Einiges zurecht.

Sonntag, 16. Mai 2010

Wie sieht die denn aus?

Die Kollegin Rüber hat kürzlich über das Erkennen oder Nichterkennen von Anwälten gebloggt.

Vor einigen Tagen musste ich auf einer Abendveranstaltung harte Geschütze auffahren, um zu beweisen, dass ich ernsthaft und "ganz in echt" Rechtsanwältin bin. Eine leicht angeheiterte Dame, die beruflich Geschmeide verkauft, wollte so überhaupt und gar nicht glauben, dass ich Juristin sei. Es hat nicht mal ausgereicht, dass meine Begleitung dies quasi eidesstattlich versicherte. Mein Anwaltsausweis reichte auch nicht als Vollbeweis.

Wie sieht denn nun ein Rechtsanwalt oder eine Rechtsanwältin aus? Ich kenne Kollegen, die man als Koberer auf der Reeperbahn vermuten würde oder als Besitzer eines Sonnenstudios - glaubt man denen auch nicht?

Morgen ergreife ich aber Präventivmaßnahmen - eine neue Hornbrille wird gekauft. So. Ich bin´s leid.

P.S. Später habe ich erfahren, dass es an meiner Handtasche lag. Für eine Anwältin war die zu billig. Mal sehen, was die bloggenden Kolleginnen so für Handtaschen haben. ;-)

Witz zum Sonntag

Der Bewährungshelfer fragt den Häftling:
"Haben Sie denn schon Pläne für die Zeit, wenn Sie wieder draußen sind?"
"Na klar! Von drei Sparkassen und einem Juwelier!!"


Muah....

Besorgter Richter?

Kürzlich bin ich von einem Richter zur Pflichtverteidigerin eines mir unbekannten Mandanten beigeordnet worden. Sämtliche Versuche der Kontaktaufnahme zu dem Mandanten schlugen fehl, er meldete sich nicht und erwartungsgemäß saß ich bei dem Verhandlungstermin allein da. Der Richter konnte sich auch ohne Angaben von mir denken, dass es wohl keinen Besprechungstermin gegeben hat.

Der Richter teilt dann mit, dass er einen Haftbefehl erlassen müsse und meint dann erleichtert: "Hach, da bin ich froh, wenn Sie mit dem in der Haftanstalt und reden. Der hat ja einiges an Vorstrafen, da macht man sich ja Sorgen um eine junge und zarte Frau wie Sie."

Hm. Solche Sorgen macht sich nicht mal meine Mutti - und die neigt wirklich zum Sorgen machen. Das habe ich dem väterlichen Richter dann auch so gesagt.

Freitag, 14. Mai 2010

Die Kaffeepause ist am Brückentag irgendwie ausgedehnter..

Klasse Angebot?

Stellenanzeigen bzw. Angebote für Bürogemeinschaften machen mir immer wieder viel Freude. Gerade las ich eine Anzeige, in der ein junger Kollege mit eigenem Mandantenstamm zur Festanstellung gesucht wurde.

Aha. Wenn der Kollege jung ist, dann hat er nicht unbedingt einen eigenen Mandantenstamm. Und warum braucht er den, wenn er doch als angestellter Anwalt arbeiten soll? Klingt für mich wieder nach einem Angebot, bei dem eine Seite alle Vorteile und die andere Seite alle Nachteile hat.

Im Gespräch erfährt der junge Kollege dann vielleicht auch, dass der am Wochenende den Rasen vor der Kanzlei mähen muss, dass sein Zimmer kein Fenster und kein Licht hat und er als Einziger die Kanzleiküche nicht nutzen darf.

Luxusproblem

Eine Veranstaltung in Hamburg, bei der sich zahlreiche Anwälte treffen. Man redet so über dies und das: die tollen Mandate, den geplanten Urlaub, Rechtspolitik, notwendige Reformen etc.

Ein reizender Kollege guckt sinnierend in der Gegend herum und sagt folgenden Satz:"Das ist schon dumm, dass die Gebühren im Rechtsanwaltsvergütungsgesetz ab einem Streitwert von ein paar Millionen gedeckelt worden sind. Ich hab´ doch nun das erste Mal ein Mandat mit einem Streitwert von einer Milliarde."

Mittwoch, 12. Mai 2010

1a Entlastungszeuge

Einige Male ist es im Laufe meiner bisherigen Tätigkeit vorgekommen, dass der Mandant von einem total tollen Entlastungszeugen berichtete, den er in der Hauptverhandlung "mitbringen" wolle.

"Hm.", sagt die Rechtsanwältin dann und teilt mit, dass sie den Zeugen gerne selbst zunächst vernehmen wolle.

"Hm.", sagt der Mandant dann. Das sei schlecht, der habe doch immer so viel zu tun/eine weite Anreise/eine Anwaltsphobie oder sei gerade im Urlaub. Aber das gehe schon in Ordnung so, der schulde ihm ja noch einen Gefallen.

Nach umfangreichen Erklärungen zu den Risiken eines solchen Vorgehens haben bisher alle Mandanten Abstand von dem "Entlastungszeugen" genommen. Einmal bekam ich allerdings von dem vermeintlichen Zeugen einen Brief (ohne Absender) mit etwa folgendem Inhalt.

Frau Braun, der Kalle war das nicht, das ist auch gar nicht seine Art. Der Kalle klaut keine Autos der bricht ein. Gruß, Ede


In der Hauptverhandlung hatte Ede allerdings auch keinen Auftritt.

Sätze, die man zwei Minuten vor Beginn der Hauptverhandlung nicht hören will...

1) Hm, ich hatte Ihnen noch vergessen zu sagen...

2) Ach, das Geld hab´ ich jetzt nicht dabei.

3) Ich habe letze Woche mal an das Gericht geschrieben und denen ordentlich die Meinung gesagt.

4) Das ist Kalle, mein Entlastungszeuge. Der haut mich jetzt raus.

5) In der Zwischenzeit ist noch was vorgefallen...

6) Ich hab´ mir das nochmal überlegt und will doch nicht schweigen. Ich habe da eine tolle Idee gehabt...

7) Können Sie meine Katze nehmen, wenn ich einfahre?


..to be continued..

Dienstag, 11. Mai 2010

Die hartnäckige Geschäftsstelle

Heute Vormittag bekam ich den vierten Anruf einer Geschäftsstelle der hiesigen Staatsanwaltschaft. Mir wurde -zum vierten Mal- Akteneinsicht angeboten. Ich hatte schon vor geraumer Zeit mitgeteilt, dass das Mandat beendet sei. Zunächst per Gerichtspost, dann -beim zweiten Anruf- telefonisch und -beim dritten Anruf- nochmals per Fax.

Eigentlich klasse, dass man die Sache mit der Akteneinsicht dort sehr erst nimmt. Sollte die nette Dame aber nächste Woche wieder anrufen, dann schicke ich ein singendes Telegramm. Gibt´s das noch?

Als ich einmal in einem Polizeifahrzeug saß..

Meine persönlichen Erfahrungen mit der Polizei sind nicht durchweg schlecht. Einmal wurde ich angehalten und hatte meinen Führerschein nicht dabei, das andere Mal fuhr ich in falscher Richtung durch eine Einbahnstraße. Ein Polizeiwagen kam mir entgegen. Die angewendete Verhaltensweise (unschuldig gucken, dumm stellen, betroffen wirken) ist unter der Bezeichnung "blond gucken" in meinen Sprachgebrauch übergegangen. Bußgelder musste ich nicht zahlen.

Im Referendariat nahm ich während der Station bei der Staatsanwaltschaft an einer Nachschicht zweier Polizeibeamter teil. Lange dauerte die Schicht nicht. Nach ca. 2 Stunden kam es zu einem schweren Unfall. Ein Fahrer eines PKW hatte das Polizeifahrzeug trotz Sondersignalen übersehen und es kam zum Unfall. Fünf Verletzte (zum Glück keine bleibenden Folgen), zwei PKW mit Totalschaden.

Und an meinem kleinen Ausbildungsgericht bis zum Ende des Referendariats der Scherz:"Na, die hätten besser doch nicht Sie an´s Steuer gelassen, hm?"
Ein echter Schenkelklopfer.

Mandantentypologie - Teil 2



Das Strafrechtsmandat.
;-)

Montag, 10. Mai 2010

Guter Rat, unbefriedigender Rat - Geld kosten sie alle

Ich treibe gerade für einen Kollegen eine Forderung gegen dessen ehemaligen Mandanten ein und muss dazu folgendes anmerken:

Auch wenn einem Mandanten der Rat des Rechtsanwaltes nicht passt bzw. er gerne etwas anderes gehört hätte, so muss er dennoch die Kostennote begleichen.
Es ist auch keine gute Idee, die Zahlung zu verweigern, weil der Rechtsanwalt den Namen des Mandanten in einem Schriftsatz einmal falsch geschrieben hat.

Ich freue mich schon auf den Klageerwiderungsschriftsatz. Ein mehrseitiges Schreiben des Sohnes der früheren Mandanten - eines Jurastudenten - welcher darzulegen versucht, warum die Beratung nicht zu bezahlen sei und den Unsinn "mit freundlichen kollegialen Grüßen" unterzeichnet, lässt schon Großartiges erwarten.

Rent a witness?

Gerade erhielt ich eine Werbemail einer Detektei. Man verspricht mir, dass ich durch Zusammenarbeit mit ihnen pro Auftrag bis zu 600,00 Euro mehr verdienen könne. Wie, das erklärt man mir nicht.

Aber, so die Mail, mit Hilfe von ihnen könne ich meine Mandanten mit beweiskräftigen Fakten besser verteidigen. Aha. Möchte Matula mir oder meinem Mandanten einen Zeugen besorgen? Und dafür kann ich meinem Mandanten dann 600,00 Euro mehr in Rechnung stellen? Ist ja doll.

Ich glaube, ich habe kein Interesse an einem "persönlichen Individualgespräch".

Ob lang oder kurz, richtig sollte es sein

In den juristischen "Bloggerszene" findet gerade hier, hier, dort und hier eine Diskussion zur Länge von Revisionsbegründungen statt. Schmerzlich erinnerte mich der Kollege Siebers mit seinem Beitrag, in dem die Urteilsabsetungsfrist erwähnt wird, an die Fachanwaltsklausur.

Beim Thema Revision teilen viele Kollegen freudig mit, dass sie nie mehr als einen Satz zu Papier brächten. "Gerügt wird die Verletzung materiellen Rechts." So viele Gebühren für so wenig Worte, das schafft man sonst selten.

Was passieren kann, wenn reine Zivilrechtler eine Revision fertigen (und sich offenbar nicht einlesen), wurde neulich auf einer Fortbildung erörtert. Ein unbekannter Kollege soll für die Revisionsbegründung einen Fristverlängerungsantrag gestellt haben (Anmerkung für Nichtjuristen: das ist unzulässig).

Wenn dann noch ein ehemaliger Zivilrichter die Akte mit der Bitte um Stellungnahme zum Fristverlängerungsantrag an die Staatsanwaltschaft schickt, dann läuft alles schief. ;-)

Sonntag, 9. Mai 2010

Anwaltswitz VIII

Der Angeklagte fragte seinen Anwalt, wie lange die ganze Angelegenheit wohl dauern werde.
Anwalt: "Für mich drei Stunden und für Sie etwa drei Jahre."

Samstag, 8. Mai 2010

Mandantentypologie - Teil 1




Das Tierrechtsmandat..
;-)

Ach Du Schreck

Nun ist mir der Kollege Nebgen bei Jurablogs dicht auf den Fersen. Von Null auf 10, das ist mal ein Aufstieg!
Herzlichen Glückwunsch, lieber Christoph. Das hast Du verdient, wo Dein HSV heute die Europa League nicht retten konnte!

Freitag, 7. Mai 2010

Sonntag ist Muttertag

Mandatsanfrage. Anrufer hatte nach Einnahme von Antibiotika Magenprobleme, Erbrechen und Durchfall und fragt, was es da an Schmerzensgeld gäbe. Eine Zehntelsekunde später folgt die Frage:

"Wie schnell bekomme ich denn das Geld??"


Hm. So ein Arzthaftungsding ist nicht unbedingt die beste Idee zur kurzfristigen Behebung von Liquiditätsengpässen.

Werbung

Die Visitenkarten, Homepages, Flyer und Briefbögen von Kollegen bieten -manchmal- Anlass zur allerlei Erheiterung. Der Großteil ist absolut in Ordnung, teilweise extrem gut. Ab und an gibt es aber ausgemachte Scheußlichkeiten.

Muss man sein Gesicht auf Briefpapier und Visitenkarten drucken? Muss man damit werben "fast alle Richter" persönlich zu kennen? Muss man Sprüche wie "Alles aus einer Hand" auf seinem Briefbogen stehen haben? Oder potentiellen Mandanten berichten, dass man schon im Kindergarten Anwalt werden wollte? Wegen des Sinns für Gerechtigkeit?

Ich denke nun auch über einen werbewirksamen Spruch nach. So was wie "Werden Sie gern rausgehau´n, geh´n Sie zu Rechtsanwältin Braun" oder "Braun - wenn Sie mal die Frau verhau´n." Falls es auch deftig sein darf: "Die blonde Braun kann Sie aus der Scheiße hau´n."

Anwaltswitz VII

Richter zum Angeklagten: "Sollen wir Ihnen Pflichtverteidiger bestellen?"
Angeklagter: "Lieber wäre mir ein guter Entlastungszeuge."

Zivilrecht versus Strafrecht

Meine letzten Zivilverhandlungen haben mich irgendwie fast ein wenig traumatisiert. Bei allen Verhandlungen gab es nahezu keinerlei Verhandlungsführung. Ach was, es gab überhaupt keine Verhandlungsführung.

Parteien plappern wild durcheinander, alle fallen sich in´s Wort, Zeugenvernehmungen haben nur am Rande mit dem Beweisthema zu tun und vorne sitzt eine junge Richterin oder ein junger Richter und ist erkennbar überfordert. Die Überforderung wechselt schnell zu Ungehaltensein, wenn man um etwas mehr Verhandlungsleitung bittet.

Die Atmosphäre mit Jasmintee, Duftkerzen, Walgesängen vom Band und Plauderei ohne konkreten Bezug zu dem Rechtsstreit, die finde ich sehr seltsam. Da ist mir ein despotischer Richter oder ein brüllender Staatsanwalt in Strafsachen lieber.

Ein klares Feindbild, und schon hat die Verhandlung Struktur! ;-)

Donnerstag, 6. Mai 2010

Zugfahrt zurück vom Gerichtstermin


..geht doch nix über einen feinen Auftragskillerkrimi. ;-)

Politisch korrekt

Der Kollege Siebers bloggt hier über die politisch nicht ganz korrekte Bezeichnung eines Streichkäses. Prompt fällt mir wieder ein Polizist ein, der als Zeuge sachte mit seiner möglichen Xenophobie konfroniert wurde.

"Nein", sagte er. Er sei doch nicht fremden- oder ausländerfeindlich. Schließlich komme er "sogar mit den Zigeunern im Haus" gut aus.

Da wird wohl mal ein Auffrischungskurs political correctness fällig.

Lustige Vergleiche

Ich war heute in einer Zivilsache unterwegs. Hintergrund war etwas sehr Beliebtes: Streit unter Nachbarn, der nach Tötung einer Katze eskalierte.
Die Richterin war wirklich rührend bemüht, einen Vergleich zu erreichen und nach insgesamt ca. 2 (!!!) Stunden Verhandlung inkl. Zeugenvernehmung war es dann soweit: beide Parteien waren zu einem Vergleich bereit.

Unter Punkt 2. sollte der Vergleich dann lauten:

Die Parteien werden ein zumindest neutrales nachbarschaftliches Verhältnis pflegen.


Die Frage, wie man dies denn vollstrecken wolle, konnte die Vorsitzende nicht beantworten. Vielleicht sagt dann der Gerichtsvollzieher im Wege der Ersatzvornahme "Guten Tag"?

Begehrte Beute II

Gestern las ich, dass Grills mittlerweile extrem begehrtes Diebesgut seien. Mittlerweile werden wohl fast mehr Grills als Fahrräder gestohlen.

Ob das etwas mit Dorade oder anderen hier schon diskutierten kulinarischen Höhepunkten zu tun hat, ist unklar.

Mittwoch, 5. Mai 2010

Am Nebentisch....

ließen die Richter das nahen Amtsgerichts es sich so richtig gut gehen...
;-)

Ganovenehre?

In einer Jugendstrafsache werde ich nach Anklageerhebung - 8 Tage vor der Hauptverhandlung - mandatiert. Es verteidigt ein älterer Kollege, so um die 70 Jahre alt, eine der Mitangeklagten.

Besorgt wendet sich der Kollege vor dem Termin an mich und sagt: "Ich mache sonst nur Zivilrecht und kenne mich nicht so aus. Ihre und meine Mandantin haben ja eine Aussage bei der Polizei gemacht und das dritte Mädchen stark belastet. Sonst wäre das Fräulein ja vielleicht gar nicht angeklagt. Vielleicht findet der Richter das schlecht. Es gibt doch Werte mit Freundschaft und Ehre..jemanden verraten, das kann das Gericht doch sehr schlimm finden.

Keine Sorge, lieber Kollege, sagte ich. Bei Strafrichtern ist dieses Verhalten beliebt und begehrt und läuft unter der Bezeichnung "über den eigenen Tatbeitrag hinaus aufgeklärt".

Das Verfahren wurde übrigens gegen alle drei Angeklagten eingestellt.

So viele Frauen, so wenig Zeit

Dem Mandanten wurde Stalking vorgeworfen. Gerne wollte er selbst zur Polizei und sich rechtfertigen. Es sei doch alles ganz klar, er habe die Susi nicht gestalkt, alles sei nur dumm gelaufen. Ja, vielleicht sei es doof gewesen, der Susi so viele SMS zu schicken und das mit den Bildern, das hätte auch nicht sein müssen. Trotzdem übertreibe die Susi jetzt mit der Anzeige. Zuerst habe sie doch mitgemacht.

Mit Mühe konnte ich dem Mandanten ausreden, sich selbst bei der Polizei zu erklären. Ich ließ mir die Akte kommen und es gab eine Überraschung. Anzeigenerstatterin war nicht Susi, sondern Babsi.

"Ach, das hatte ich vergessen", sagte der Mandant. Es stellte sich dann heraus, dass es neben Susi und Babsi auch noch ein paar andere Frauen geben könnte, die eine Anzeige erstattet haben könnten.

Gut, dass er keine Aussage gemacht hat - das wäre nicht gut ausgegangen. Über das Verfahren mit Babsi habe ich heute die Einstellungsmitteilung in der Post gehabt. Von weiteren Verfahren ist bisher nichts bekannt.

Dienstag, 4. Mai 2010

Begehrte Beute

Der Shopblogger schreibt hier, dass er vegane Produkte in einer verschlossenen Vitrine feibietet. Offenbar handelt es sich bei Tofu, Tempeh, Seitan und co. um Artikel, die gerne geklaut werden.

Irre. Da bin ich Vegetarierin und Strafverteidigerin und hatte noch nie einen Tofu-Dieb zum Mandanten.

Wie kann ich das ändern? Die Domain www.fleischlose-Strafverteidigung.de sichern?

Naja, der erste Mandant mit einem Strafanzeige wegen Diebstahls veganer Produkte, dem schmiere ich ein veganes Schmalzbrötchen.

Bücher, die nicht in jeder Anwaltskanzlei zu finden sind, Teil 1




ohne Worte..
;-)

Steter Tropfen höhlt den Stein?

Ich sitze gerade an der Begründung einer in der Hauptverhandlung eingelegten Beschwerde gegen einen Gerichtsbeschluss. Es ging und geht mal wieder um die Sitzordnung im Gerichtssaal. Siehe auch hier und hier und eigentlich überall.

Irgendwann wird sich die Situation doch mal ändern. Es sind allerdings nicht nur ältere Richter, die den Angeklagten auf dem "Arme Sünder Stühlchen" sitzen sehen wollen, sondern zahlreiche junge Richter und Richterinnen. Letzere sagen dann gerne mal Dinge wie, dass das mit der Sitzordnung "nicht böse" gemeint sei.

Ich halte mich nicht an die StPO, aber ich mein´s ja nur gut. Na klasse.

Montag, 3. Mai 2010

Nicht technikaffin

Der Kollege Hoenig hat mir hier den Kauf eines Notebooks und eines LegalPad empfohlen - damit ich nicht mehr so schwere Koffer schleppen muss.
Ok, Notebook, klar, kenne ich, habe ich. Sogar zwei.

LegalPad?

Hm. Wenn ich das durch google jage und die Ergebnisse ansehe, dann frage ich mich:

Gelbe Notizblöcke soll ich mir kaufen?? Obwohl die so schwer zu finden sind?
Naja, gut. Kosten ja sicher auch nicht die Welt.

Berufsfolgen

Der Mandant fragt, ob meine Tätigkeit mir nicht auf´s Gemüt schlage und ich zwangsläufig alle Menschen für Kriminelle hielte.

Ich kann das verneinen. Allerdings denke ich bei Polizisten nicht mehr an freundliche Menschen, die Omas über die Straße helfen und Kindern Verkehrsunterricht geben. Mir fällt eher so etwas ein. Und die Fortbildung zum Thema "Berufszeugen" im September.

Anwaltswitz VI

Wenn man von dem Kollegen Burhoff so freundlich um einen Witz gebeten wird und dann der Kollege Munzinger auch noch eine Auswahl von Witzen bereit stellt, dann...

Im Knast unterhalten sich zwei schwere Jungs:
"Ach, mein liebes, gutes Mütterlein, hätte ich doch nur auf dich gehört!"
"Was hat sie denn gesagt?", fragt der andere.
"Da kommen zwei Bullen und wollen dich verhaften. Knall Ihnen einen vor den Latz und
hau durch die Hintertüre ab."


Am Montag brauchen wir schließlich alle eine kleine Aufmunterung. ;-)

Übrigens

Aus der Kategorie Anwaltsweisheiten:

Freispruch ist nur dann ein Erfolg, wenn die Staatsanwalt eine Verurteilung beantragt hat.

Der Dank für diese Weisheit geht an den Kollegen Patrick.

Mandant mit Humor

Der Mandant am heutigen Vormittag ist mit dem Ergebnis der Hauptverhandlung zufrieden und lädt mich nach dem Termin noch zum einem Kaffee ein. Ich trinke einen Milchkaffee.

Er fragt, ob ich noch ein zweites Getränk möchte. Ich verneine, da ich langsam in´s Büro möchte.
Mandant:"Ach ja, Sie müssen ja noch meine Rechnung schreiben. Also, vielen Dank und ganz unumwunden: Hoffentlich sehen wir uns nie wieder."
;-)

Hase des Grauens


Gestern warf ich in dem Restaurant meines Vertrauens einen Blick in die "Bild am Sonntag" und fand einen Artikel zum Thema "Recht".

In Vechta, so die "Bild am Sonntag" verklage eine Lehrerin mit Hasenphobie eine Schülerin (14 Jahre), die einen Hasen an die Tafel gemalt habe. Die Lehrerin habe sich gemobbt gefühlt. An einer anderen Schule sei so etwas schon einmal passiert, damals habe ihr das Gericht 2000,00 Euro Schmerzensgeld zugesprochen.

Meine Güte. Wir haben unseren Lehrern echt üblere Streiche gespielt. Gut, dass Mobbing damals noch nicht bekannt war. Ich würde wohl heute noch Raten auf die titulierten Forderungen meiner Lehrer zahlen.