Mittwoch, 31. März 2010

Weiße Schimmel

Die Spezialisierung bei Rechtsanwälten treibt mittlerweile recht seltsame Blüten. Es gibt Rechtsanwälte für nahezu jedes existente -und nicht existente- Rechtsgebiet. Ich darf aber nicht lästern, denn ich bearbeite ebenfalls Mandate in so einem nicht existenten Gebiet - im Pferderecht.

Von Kollegen gibt das schon mal den ein oder anderen Lacher oder einen Artikel wie hier: http://www.anwalt.de/rechtstipps/warum-es-kein-pferderecht-gibt_004173.html.

Mandanten freuen sich allerdings, wenn ich als Reiterin weiß, wo beim Pferd vorne und hinten ist und wir auf einer Ebene kommunizieren können. Zudem sind die Streitwerte bisweilen recht attraktiv und die Mandantschaft solvent.

Lustig wird es aber, wenn Anrufe wie eben kommen: "Kennen Sie sich auch mit Norwegern (gemeint sind die Pferde) aus?" Da es noch kein spezielles Recht für Norweger gibt habe ich mal ja gesagt.

Mandate, in denen es um Schimmel geht, die bearbeite ich allerdings nicht. Schecken nur manchmal. Pferde mit sehr breiter Blesse, die nehm ich auch nicht. Und keine Lipizzaner, da hat mich mal einer gebissen. Und.. ;-)

Dienstag, 30. März 2010

Entwertet

Ich habe gerade mit krakeliger Schrift einen Kostenfestsetzungsbeschluss durchgestrichen und "bezahlt" daruf gemalt. Auf Schreiben des Gerichts rumzuschmieren ist immer ein gutes Gefühl.

Nur zu schade, dass man Strafurteile nicht mit einem "entwertet" aus dem Verkehr ziehen kann.

Hollywood ruft?

In Hamburg sitzen derzeit zahlreiche Menschen im Gefängnis, die Ihre Geldstrafe nicht bezahlt haben und daher eine Ersatzfreiheitsstrafe verbüßen. Das Thema ging durch sämtliche Hamburger Zeitungen und wurde heiß diskutiert. Ein Fernsehsender wollte einen Bericht darüber machen und mich und einen "echten" Mandanten zu der Thematik befragen. Das fände ich sensationell - wo ich doch seit Jahren keinen Fernseher mehr habe.

Leider ist es gar nicht so einfach, einen Mandanten zu finden, der zu einem Fernsehauftritt bereit ist und -viel wichtiger- der auch auf freiem Fuß und erreichbar ist. Aber..ähm..die Auszubildende..oder der Referendar? ;-)

Montag, 29. März 2010

Anwaltswitz der Woche I

Eine Schlange und ein Hase waren auf dem Weg durch den Wald, als sie auf einer Kreuzung zusammenstiessen. Beide begannen sofort, einander die Schuld am Unfall zuzuschieben. Als die Schlange argumentierte, sie sei seit ihrer Geburt blind, und hätte daher immer Vortritt, stellte sich heraus, dass auch der Hase seit seiner Geburt blind war.

Die beiden vergassen den Zusammenstoss, und sprachen miteinander über ihre Erfahrungen, blind zu sein. Die Schlange erzählte mit Bedauern, dass ihr grösstes Problem war, dass sie keine Identität besass. Sie hatte niemals ihr Spiegelbild gesehen, ja sie wusste nicht einmal, was für ein Tier sie war. Der Hase hatte genau das gleiche Problem. So beschlossen die beiden, sich gegenseitig abzutasten, und zu erzählen, was der andere war, und wie er aussah.

Die Schlange wand sich darauf um den Hasen und sagte nach kurzer Zeit: "Du hast einen sehr weichen, wuscheligen Pelz, lange Ohren, lange Hinterbeine und einen kleinen wuscheligen Schwanz. Ich glaube, du bist ein Hase!"

Der Hase war erleichtert, endlich zu wissen, was er war, und fühlte nun den Körper der Schlange. Nach ein paar Minuten sagte er: "Du bist schuppig, schleimig, hast kleine Augen, du windest dich und kriechst die ganze Zeit, und du hast eine gespaltene Zunge. Ich glaube, du bist ein Anwalt!"

Strafjustiz zum Anfassen

Hamburg hat seit geraumer Zeit einen "offenen Gerichtssaal". Es handelt sich um ein Projekt von Richtern und Richterinnen des Hamburger Amts- und Landgerichts, welches Schülern vermitteln soll, wie ein Strafprozess abläuft. Für Jugendliche, die Action wie bei Salesch und ca. erwarten, sicher eine sinnvolle Sachen.

Unter anderem können Schüler Interviews mit Beteiligten eines Strafprozesses lesen. Bei nächsten Gerichtstermin werde ich mal schauen, ob auch ein Strafverteidiger zu Wort kommt und wie die Frage "Wie finden Richter die richtige Strafe?" beantwortet wird.


Nachtrag: Den Bildern, die ich im Internet gesehen habe, nach zu urteilen sitzt der Angeklagte im "offenen Gerichtssaal" auf der Anklagebank und nicht neben dem Verteidiger. Hmpf.

Nicht nur Mord und Totschlag

Über die Tätigkeit einer Strafverteidigerin herrschen offenbar teilweise lustige Ansichten. Kürzlich erzählte mir eine Dame, bei einer Unfallflucht oder Trunkenheit am Steuer ginge man doch nicht zu einem Strafrechtler. Die würden sich doch wohl ausschließlich mit Mord und Totschlag beschäftigen und nicht mit "so Kleinkram". Ich habe der Dame versichert, dass sie bei derartigen Vorwürfen auch bei mir richtig sei.

Mir wurde dann schlagartig klar, warum so viele strafrechtliche Mandante bei Kollegen mit anderen Schwerpunkten landen. Bei einem Verkehrsrechtler ist man als Unfallflüchtiger noch in guten Händen. Ob man allerdings bei dem Vorwurf, den Ehemann verprügelt zu haben, zum Familienrechtler gegen sollte oder beim Vorwurf des Internetbetruges zum Fachanwalt für IT-Recht? Ich weiß nicht.

Strafbefehl im Wald

Der im Wald lebende Öff Öff hat laut BILD einen Strafbefehl wegen Verbreitung pornografischer Schriften in Höhe von 666,- Euro erhalten. Ich frage mich, wie dem Herren Öff Öff der Strafbefehl wohl zugestellt wurde? In einem Astloch? In der hohlen Eiche?

Sonntag, 28. März 2010

Blumen unnötig

Mandant kommt mit einer Anklageschrift (Körperverletzung und Beleidigung) zu mir. In der Hauptverhandlung, die gut läuft, wird das Verfahren gem. § 153 StPO eingestellt. Vor dem Gericht fragt der Mandant: "Wie läuft das denn jetzt so? Muss ich mich bei Ihnen bedanken?"
Ich (leicht schmunzelnd): "Sie müssen nicht, Sie dürfen aber. Ansonsten reicht es völlig aus, meine Rechnung pünktlich zu bezahlen."

Samstag, 27. März 2010

Samstags im Büro

Es ist absolut erstrebenswert für Selbstständige an einem Samstag NICHT ins´s Büro zu gehen - außer in Notfällen oder ganz extremen Arbeitsanfall. Auf Neudeutsch heißt das workl life balance.

Wenn Sie sich fragen, warum ich hier bin: Mein Verantwortungsgefühl zwingt mich dazu, auch am Samstag das im Kanzleigarten lebende Eichhörnchen mit etwas Obst und Nüssen zu füttern.
Außerdem gibt es im Café um die Ecke sensationellen Schokoladenkuchen.

Freitag, 26. März 2010

Draußen nur Kännchen

Hier (http://tinyurl.com/yf6bop9) bietet ein Kollege Scheidungsberatung mit Kaffee und Pflaumenkuchen an. Ich springe auf den Zug auf: ab Montag gibt es hier strafrechtliche Beratung mit Bier und Mettbrötchen.

Das wird einschlagen wie eine Bombe, wetten?

Schnäppchen

Dauernd stolpere ich bei Xing und anderswo über Sonderangebote. Da gibt es Frühjahrspreise bei der Stilberatung und satte Reduzierungen beim Coach wegen der Wirtschaftskrise. Von den ganzen "unverbindlich testen" Geschichten mal ganz abgesehen.

Was soll ich denn da machen? "Zwei Raubüberfälle zum Preis von einem" oder "Bei der 11. Trunkenheitsfahrt verteidige ich Sie umsonst"? Da kommt doch dann gleich die Rechtsanwaltskammer und führt ein ernstes Gespräch mit mir.

Ich finde das voll unfair, jawoll!

Wenn der Mediator zweimal klingelt...

Als Strafrechtlerin macht man die Erfahrung, dass Richter ja durchaus in der Lage sind, einen Telefonhörer abzunehmen und ein Gespräch zu führen. Ich bedauere immer, dass das in Zivilsachen nicht üblich ist.

Gerade rief mich aber eine Richterin eines Gerichts von "auswärts" an und wollte mit mir über die Abelehnung der gerichtlichen Mediation in einer Sache reden..Sie habe so den Eindruck, dass man bei den Hamburger Anwälten noch Überzeugungsarbeit leisten müsse und wolle mal wissen, ob ich grundsätzlich gegen Mediation sei...

"Mädchen, ich bin Strafverteidigerin", das mochte ich da ins Telefon grunzen. Habe dann aber freundlich erklärt, dass in diesem konkreten Fall die harte Realität einer bösen, streitigen Verhandlung gebraucht wird. Und erschreckt bemerkt, dass meine Stimme viel flauschiger klingt als sonst...

Fragen über Fragen

Es ist verständlich, dass man als Mandant wissen möchte, ob der gewählte Anwalt kompetent ist. Allerdings gibt es Fragen, die zur Beurteilung der Qualität des Rechtsvertreters nur bedingt geeignet sind. Dazu gehört meiner Meinung nach eindeutig die Frage: "Wie alt sind Sie eigentlich?"
(Falls Sie sich das auch gefragt haben - 35).

Meine liebste Frage ist und bleibt für alle Zeiten aber: "Wieviele Fälle mit Pferden mit amputiertem Schweif hatten Sie denn schon?"

Tja. Die abgearbeiteten Akten zu der Thematik werden gerade mit dem Tieflader ins ´s Archiv gebracht.

An den nervigen Anrufer

Lieber Mandatsanfrager von eben:

Ja, es ist gemein, dass gegen Sie einfach so ein Ermittlunsgverfahren geführt wird. Ihre
Rechtsschutzversicherung zahlt fieserweise nicht, PKH gibt es auch nicht, die Staatsanwaltschaft will mit Ihnen nicht reden (voll gemein!) und alle Kollegen, die Sie bisher angerufen haben, erwähnten auch das böse Wort VORSCHUSS. Das Leben ist eben ungerecht.

Ich wünsche Ihnen noch viel Erfolg auf der Suche nach einem kostenlosen Anwalt.

Düfte im Gerichtssaal

Das Arbeitsgericht in Köln hatte gestern über die Klage eines Architekten gegen seine Kündigung zu entscheiden. Dem Herren war wegen seines Schweißgeruchs gekündigt worden. Diese Begründung hielt der Kläger für eine Verletzung seiner Menschenwürde.

Das Gericht kam nun dazu, dass die Kündigung wirksam sei. Allerdings befand sich der Kläger noch in der Probezeit, in der eine Kündigung auch ohne Begründung möglich ist. Das Gericht musste sich also mit der Frage, ob eine Kündigung wegen Körpergeruchs zulässig ist, nicht auseinandersetzen. Es ist nicht überliefert, ob der Gerichtssaal nach der Verhandlung lange gelüftet wurde.

Der Arbeitgeber des Architekten hätte wohl besser daran getan, dem Herren ohne jede Begründung zu kündigen.

Donnerstag, 25. März 2010

Nicht geringe Menge, hm?

In NRW wurden 310 Kilo Kokain in Bananenkartons gefunden:
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,685639,00.html

Hier dürfe es schwer werden, das Vorliegen einer geringen Menge hinzukriegen. Wobei, ein Transporter voller Khat kann doch unter Umständen auch eine geringe Menge sein?!

"Juristisches Prekariat"

Letzte Woche erschien in dem Nachrichtenmagazin "Focus" ein Artikel über die Macht von Rechtsanwälten. Man sah Fotos von elegant gekleideten Herren vor holzgetäfelten Wänden, die -je nach Persönlichkeitstyp- ernst oder freundlich in die Kamera blickten.

Es heißt in dem Artikel, dass zum "juristischen Prekariat" gehöre, wer weder spezialisiert sei noch einen festen Mandantenstamm habe. Als Beispiel für das "juristische Prekariat" wurde über eine Kollegin berichtet, die eine so genannte "Wohnzimmerkanzlei" betreibe und sich um Nachbarschaftsstreits und Hartz IV Bescheide kümmere.

Glücklicherweise ist mein Büro nicht in meiner Wohnung und mit Absolvieren des Fachanwaltslehrgangs habe ich mich noch einen Schritt weiter vom "Prekariat" entfernt.

Und nächst Woche, lieber "Focus", da lasse ich meine Wand mit Teakholz vertäfeln!

"Ich habe kein Geld, da kriege ich doch einen Pflichtverteidiger!"

Regelmäßig bekomme ich Anrufe von Menschen, die einen Pflichtverteidiger suchen. Das Telefonat beginngt meistens mit den Worten:"Ich verdiene nichts und da kriege ich ja einen Pflichtverteidiger!"

Wenn ich den Anrufern dann erkläre, dass die Frage vielmehr sei, ob ein Fall der "notwendigen Verteidigung" vorliege und dass dies bei dem geschilderten Sachverhalt (Vorwurf des Diebstahls, keine Vorstrafen, keine offenen Bewährungen etc.) wohl nicht der Fall sei, dann herrscht großes Befremden.

"Bekomme ich dann denn wenigstens Prozesskostenhilfe??!!" lautet in aller Regel die nächste Frage, die ich auch verneinen muss. Nun ist der Anrufer recht unzufrieden und ein Mandatsverhältnis wird eher nicht zustande kommen. Bei der geschilderten Lage bestehe ich nämlich auf einen Vorschuss, den der Anrufer -meistens- nicht zahlen will und dann das tut, was "selbst verteidigen" genannt wird. Leider wird dies nicht unbedingt von Erfolg gekrönt sein.

Mittwoch, 24. März 2010

Und einen Aal kriegen Sie auch noch dazu...

Eben ruft ein potentieller Mandant an, dem Unfallflucht vorgeworfen wird. Er berichtet, dass er zunächst gedacht habe, das erledige sich alles von selbst. Irgendwann seien ihm dann aber doch Zweifel gekommen (zu Recht!) und er habe seinen früheren Anwalt angerufen. Der habe ihm mitgeteilt, dass Akteneinsicht und eine Erklärung an die Staatsanwaltschaft 400,00 Euro kosteten.

Die Leser ahnen es. Nach dem Motto "Geiz ist geil" wollte der junge Mann nun Preise vergleichen und wissen, ob ich denn billiger (oder besser günstiger) sei. Nach kurzer Erläuterung des Begriffs "Rahmengebühren" und der Erkenntnis des Anrufers, dass ich nicht zum Feilschen aufgelegt bin, endete das Gespräch in gegenseitigem Einvernehmenen. Ich nehme an, der Mandant in spe telefoniert die Hamburger Anwaltschaft nun ab und findet irgendeinen Kollegen, der für 300,00 Euro tätig wird.

Der nächste Anrufer bekommt von mir neben der Verteidigung noch einen geräucherten Aal, eine Topfpflanze und einen 10% Gutschein für´s nächste Strafmandat bei mir. Na, wär´das was?

Kachelmann bleibt in U-Haft

Bei der momentanen Berichterstattung über das Ermittlunsgverfahren gegen Herrn K. aus der Schweiz kann ich mich nur wundern. Der Leiter der JVA plaudert fröhlich drauf los und in der BILD werden von Rechtsexperten Fragen beantwortet.

Besonders gefallen hat mir die Frage: Ist man schuldig, wenn man in U-Haft sitzt?
Nein, liebe Leser, das ist man nicht. Die Untersuchungshaft heißt ja Untersuchungshaft weil man eben noch "untersucht" bzw. ermittelt.