Sonntag, 5. Dezember 2010

Nice try

Mandatsanfrage. Der Anfragende möchte wissen, wie ernst es ist und berichtet freimütig über seine Vorstrafen - darunter einige wegen Betruges. Alle völlig zu unrecht, aber leider rechtskräftig.

Nun sucht er einen Verteidiger für eine in wenigen Tagen stattfindende Hauptverhandlung. Tatvorwurf ist...Betrug. Er möchte in Raten zahlen.

Hm. "Betrug" ist ein Signalwort für extensivee Awendung des § 9 RVG. Es dürfte schwer werden einen Kollegen zu finden, der einer Ratenzahlung zustimmt.

Kommentare:

  1. Es gibt auch Menschen, die ihr Mitgefühl für andere Mitmenschen nicht während ihres Jura-Studiums verloren haben. Bei Ihnen zeichnet sich immer wieder ihre Verachtung für minderbemittelte Mitbürger ab. Sie haben Ihren Beruf sicherlich nicht aus Berufung gewählt und Sie sind das beste Beispiel dafür, warum Rechtsanwälte so einen schlechten Ruf haben.

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  2. Um nicht selbst letztlich minderbemittelt zu enden, sollte man schon vorausschauend handeln und entsprechend verhandeln.
    Was spricht gegen den Wunsch bezahlt zu werden ?

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  3. Dagegen spricht garnichts. Es geht um die Art und Weise und ich denke es sollte einem auch klar sein, dass es Menschen gibt, die eben nicht mal kurz ein paar hundert Euro über haben. Am besten wir lassen alle Menschen die nur in Raten zahlen können gleich einsperren, denn eine Verteidigung scheinen sie ja nicht verdient zu haben.

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  4. Sicher kann nicht jeder mal eben "aus der Portokasse" eine Anwaltsrechnung zahlen. Nur wer offenbar mehrfach wegen Betrugs angeklagt und tlw verurteilt wurde, darf sich nicht wundern wenn seine Kreditwürdigkeit ramponiert ist und muss dann halt mit den Konsequenzen leben.

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  5. Sich aus Menschenfreundlichkeit sehenden Auges bescheißen lassen? Wohl kaum.

    Ich bin bereit eine Flasche Wein darauf zu wetten, dass der obige Kommentator Lehrer ist. Meine Lieblingsmandanten...

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  6. wo ist denn das Mitgefühl für die bisher betrogenen Menschen?

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  7. Es geht mir um die grundsätzliche Einstellung der Autorin hier, nicht um den speziellen Mandanten, aber ich sehe schon, hier schwimmen die gleichen Fische rum. Achja, Lehrer bin ich nicht, sondern Student. Bye bye

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  8. Soso, Student.
    Mein lieber Herr Student, spätestens wenn sie das dritte mal ihrem Geld hinterherlaufen mussten, eventuell umsonst, wird sich auch ihre Einstellung dazu grundlegend ändern.

    Mein Mitgefühl hebe ich für die Betrogenen auf.

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  9. Ich warte jetzt eigentlich nur noch auf jemanden, der in diesem Vorgehen einen Verstoß gegen die Unschuldsvermutung sieht...

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  10. Ich finde die Einstellung der Autorin ganz gut. Ich würde mich an ihrer Stelle nämlich selber auch ungerne betrügen lassen...

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  11. Vielleicht hat der Mandant aufgrund der Verhaltensweisen gewisser Anwälte auf Sympathiepunkte gehofft. Quasi eine Kuschelei von Tankbetrüger mit Tank-Betrüger.

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  12. "Es gibt auch Menschen, die ihr Mitgefühl für andere Mitmenschen nicht während ihres Jura-Studiums verloren haben."

    Vom Mitgefühl wird man weder satt noch kann man davon die Miete für's Büro aufbringen oder die anzuschaffenden Bücher bezahlen.

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  13. Sorry aber wie die Autorin selbst geschrieben hat wurde der Herr völlig zu Unrecht wegen Betruges verurteilt

    "Alle völlig zu unrecht, aber leider rechtskräftig"

    Also Ball flach halten ihr armen am Hungertuch nagenden Anwälte! Zeitverschwendung mit solchen Menschen wie euch zu diskutieren. Tschüß

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  14. Das "Alle völlig zu unrecht, aber leider rechtskräftig" lese ich als Wahrnehmung des möglichen Mandanten. Was nicht unbedingt der Realität entsprechen muss und völlig aus der Luft gegriffen werden die entsprechenden Begründungen auch nicht sein.

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  15. Auch ich würde mich bei einem mehrfach wegen Betrugs verurteilen Menschen ebenfalls nicht wissentlich auf eine Ratenzahlung einlassen. Bin nur leider kein RA und erfahre solche wichtigen Details meist erst hinterher.
    Dennoch habe ich den subjektiven Eindruck, dass in diesem lesenswerten Blog der Themenbereich "Geld, Bezahlung, Gebühren, Vorschuss" auffallend oft vorkommt. Allein in den letzten 10 Beiträgen 4 mal. Ich hoffe doch sehr, dass das nicht repräsentativ für das Tagesgeschäft ist.

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  16. @Anonym 22:05
    Genau so ist es.

    @Stefan
    Naja, es ist bald Weihnachten. Der Urlaub steht vor der Tür, die Familie will große Geschenke..
    ;-)

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  17. @ Stefan: Ich sag´s mal so...ich persönlich rechne mittlerweile nur noch mit Geld aus der Staatskasse. Wenn was von Selbstzahlern kommt, ist es schön, aber ich gehe einfach von Anfang an davon aus, dass außer dem Vorschuss nichts mehr kommt. So werde ich nicht entäuscht;-)
    Man lernt mit den Jahren;-)

    Übrigens besitze ich mittlerweile auch so viel Menschenkenntnis, dass ich nach dem Erstgespräch recht zuverlässig sagen kann, ob jemand bezahlt oder nicht. Dann muss ich mit mir selbst ausmachen, ob ich ein Mandat trotzdem übernehme oder nicht.
    Gerade letzte Woche hatte ich ein Mandat, bei dem mein Vorgänger nicht beigeordnet wurde und dann einen - für den Mandanten viel zu hohen - Vorschuß wollte. Daraufhin kam er zu mir.Ich wollte keinen Vorschuß.Denn nicht nur, dass ich mit anständiger Begründung beigeordnet wurde, nein, es gab auch noch einen Freispruch und somit die Wahlverteidigergebühren.

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  18. jaja, das liebe Geld. und die Gerechtigkeit. der sollte man schon kostenlos zum Sieg verhalfen. aber mein Arzt will Geld, mein Tankwart will Geld, meine Hypothekenbank will Geld.
    der normale Angestellte soll dieses Jahr endlich mal wieder 3-5 % mehr bekommen. ich hatte auch mal Gebührenerhöhung, das war 2004.

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  19. Wenn ich eines gelernt habe in 7 Jahren Anwaltstaetigkeit, ist es das: Ohne Vorschusszahlung und regelmaessige Zwischenzahlungen gibt es ueberhaput nichts. Wenn das Geld ausgeht, hoere ich auf zu arbeiten. Radikal.

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  20. Genau: Das war der erste Satz, den mir schon im Anwaltspraktikum während des Studiums mein Ausbilder beigebracht hat: Ohne `Schuss kein jus!

    Und die örtliche Staatsanwalttschaft hat ihn dann sehr viel später in einem Strafverfahren gegen einen besonders perfiden und dreisten Mandanten (sonst hätt ich mir die Mühe nicht gemacht) bestätigt. Die Einstellung der Ermittluungen wurde damit begründet, dass der Anwalt ja selbst Schuld sei, wenn er keine Vorschüsse nimmt.

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  21. Praktikum bei einer gerade kapitalistisch gewordenen Anwaltskanzlei in Dresden - Sommer 1990. Mandant (hat bereits ein florierendes Unternehmen, trotz aller bürokratischen Hürden) soll dem Anwalt 125 DM/Stunde für seine Beratung zahlen und fällt fast vom Stuhl. "Aber...", stammelt er, "...Sie stellen mir doch bloß ihr Wissen zur Verfügung...". Ja, es ist eine Grundsatzfrage.

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  22. Wirklich unverschämt, diese Anwälte, die Geld für ihre Dienstleistung wollen.

    Das ist noch schlimmer als die Supermärkte, die Geld für ihre Waren wollen. Aber da hat man ja wenigstens was in der Hand. Bei Anwälten hingegen nicht.

    Das einzige was noch mehr nervt, sind ÖPNV-Anbieter, die Fahrtickets verkaufen wollen. Dabei fahren die Busse doch eh da lang. Kann man doch auch so einsteigen.

    Achso, für die Arbeit, die ich mit diesem Beitrag hatte, gibt es übrigens ne gesalzene Rechnung. Ich mach das ja nicht umsonst.

    *Ironiemodus off*

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  23. Man ist ja kein Unmensch. Aber vom Ermittlungsverfahren bis zur Hauptverhandlung ist in der Regel ein langer Weg, auf dem man auch mit kleinen Beträgen ein stattliches Honorar in Raten abstottern kann. Wer erst drei Tage vor der Hauptverhandlung kommt, wegen Betruges angeklagt ist und dann auch noch Ratenzahlung begehrt, führt nichts Gutes im Schilde.

    Und wenn kein Fall der Pflichtverteidigung vorliegt, braucht er (oder bei Betrug auch gerne: sie) nach dem Willen des Gesetzgebers keinen Anwalt. Betrüger schlagen gerne bei Berufsanfängern auf. Und obwohl der Berufsanfänger für seine Leistung nicht bezahlt werden wird, erfüllen Betrüger doch ihren Zweck bei der Anwaltsausbildung. Zumindest gewinnt der Anfänger Berufs- und Lebenserfahrung. Da muß jeder junge Anwalt durch. Trotz nicht bezahlter Rechnungen erinnere ich mich eigentlich ganz gerne an diese Schlitzohren.

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  24. @Denny Crane
    Kurz nach der Zulassung habe ich eine Verteidigung wahrgenommen, wo das Honorar (abzüglich eines kleinen Teils, der schon gezahlt war) zur HV mitgebracht werden sollte. Pustekuchen. Mandant murmelte was und versprach hoch und heilig Zahlung. Ich habe verhandelt und kürztlich überlegt, ob ich schnell einen Mahnbescheid beantrage (Verjährung am 31.12). Mache ich nicht, zuviel Arbeit bei ungewissem Ergebnis.
    Heute würde ich dem Mandanten sagen: "Zack, ab zur Bank, Sie haben noch 15 Minuten bis zum Vehandlungsbeginn" und bei Nichterhalt der Kohle den Abflug machen.

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  25. Oberamtsrat Becker7. Dezember 2010 um 04:37

    @RAinBraun:
    Haben Sie zumindest Strafanzeige wegen Verdachts auf Eingehungsbetrug erstattet und einen Adhäsionsantrag gestellt? Das ist die Mindestpflicht, um der verarmten Anwaltschaft neue lukrative Umsatzchancen zu geben.

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  26. Na, ich bin gespannt in welcher Branche der "Student anonym" dann bemitleidenswerten Mitmenschen dauerhaft und ausgiebig (und dabei kostenlos) zur Verfügung steht.

    Andererseits: Wenn man viele gut zahlende Kunden hat, warum nicht mal jemanden kostenlos helfen, wenn man der Meinung ist, der hat es wirklich nötig? Sozusagen ein gutes Verfahren im Monat statt eine gute Tat ?

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  27. @ Anonym - "Die Einstellung der Ermittluungen wurde damit begründet, dass der Anwalt ja selbst Schuld sei, wenn er keine Vorschüsse nimmt"

    Eben das ist auch mir passiert. Ich hatte spät abends das Büro noch für die Beratung einer verprügelten und aus der Wohnung gejagten Ehefrau geöffnet. Der hätte ich nach Auffassung der StA sagen müssen: natürlich helfe ich Ihnen gerne, aber erst mal 200 EUR Vorschuss her!

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  28. Also wenn ich im Nachhinein erfahren würde, daß ich durch einen Anwalt vertreten werde, der mit einem mehrfachen Betrüger kurzfristig Ratenzahlung vereinbarte..
    Da würde ich aber ganz plötzlich mächtig Muffensausen kriegen! (ôô)

    Nicht wegen der dadurch bewiesenen hohen Intelligenz - nein, nein, keinesfalls!

    Ich müsste Sorge haben, daß der mir auf halber Strecke verhungert!
    ;o))

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  29. 11 RVG mit Vereinbarung über Mittelgebühren ist deutlich billiger als Mahnbescheid (gegen den Mr. Pay-Not gerne mal Widerspruch einlegt...) und natürlich: Vorschuss.

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  30. Man Man Man.

    Am schlimmsten sind nicht die Supermaerkte , "die Geld für ihre Waren wollen", sonderns die Supermaerkte, die beim Bezahlen fragen lassen: "So und naechste Woche wollen sie wieder einkaufen, dann lassen sie mal 100 Euro Vorschuss hier. Sonst nix Einkauf!" ...Aso, solche SUpermaerkte gibts ja nicht...ist ja komisch!!!!

    Oder der Friseur, der beim Terminausmachen bittet "Tja, sie wollen einen Termin ? Dann mal ratz fatz 30 Euro Vorschuss her!!! Sonst nix Termin!!"
    Aso, solche Friseure gibts ja gar nicht...ist ja komisch.

    Son Scheiss koennen sich naemlich nur Monopole oder vom Staat gefoerderte leisten.
    Es wird Zeit das zu aendern! Klar sollen Anwaelte fuer ihre Arbeit bezahlt werden, aber so wie wir anderen auch...naemlich nach der Leistung!

    Und diese Doppelmoral: Der boese boese Betrueger will die arme RAIN betruegen!!! So ein boeser Mensch, aber wenn er bezahlt...man ist das ein guter Mensch , dem wir zu recht helfen muessen!! Alles Recht den Angeklagten,aber nur denen, die bezahlen! ...Widerlich, diese Doppelmoral

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  31. @Anonym: was is´n Leistung eigentlich? und Monopol. Darf ich vermuten, dass Sie zu jenen gehören, die es ganz normal finden, dass für nicht-zur-Arbeit-kommen-weil-krank Geld überwiesen wird? Und für war-im-Urlaub auch? Oder für Weihnachtsgeld-weil-Tarifvertrag?
    aber wenn Sie mal nicht mehr anonym sind, dann erklären Sie mir mal "Leistung".

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