Donnerstag, 4. November 2010

Wer zuerst kommt...

Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Das Sprichwort stimmt zumindest häufig bei der Erstattung einer Strafanzeige. Wer bei einer Auseinandersetzung zuerst zur Polizei rennt und den Kontrahenten anzeigt, der hat erst einmal die besseren Karten. Frei nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung.

Mein Mandant hat bei einem Streit, der zu gegenseitigen Beleidigungen und Verletzungen führte, auf eine Strafanzeige verzichtet. Er war in dem Glauben, das bringe nichts. Schließlich gebe es keine neutralen Zeugen, alles also Quatsch. Eine ganz vernünftige Einstellung eigentlich.

Der andere Beteiligte, der jetzt Geschädigter heißt, sah das anders. Direkt nach dem Vorfall wurde von ihm Anzeige erstattet und nun hat mein Mandant - zu seinem großen Erstaunen - eine Anklageschrift bekommen.

In Zukunft wird er wohl - sobald ihn jemand schief anguckt - Strafanzeige erstatten. Sicher ist sicher.

Kommentare:

  1. schlimm daß man mit manchen Menschen () nur mit solchem Aufwand kommunizieren kann/muss :(

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  2. Hat die Staatsanwaltschaft in solchen Fällen so wenig Spielraum oder zu wenig zu tun?

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  3. Warum stellt der Mandant nicht jetzt noch einen
    (ergänzenden) Strafantrag (Frist?) oder eine Strafanzeige????

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  4. Anzeigen kann aber auch zur Identifizierung führen. Hier geriten mal ein Radfahrer und ein Autofahrer aneinander. Der Radler trat dabei gegen die Autotür und verschwand. Der Autofahrer zeigte den Radfahrer wegen Sachbeschädigung an, wusste aber nicht wer es war. Wenig später erstattete der Radfahrer Anzeige gegen den Autofahrer wegen wegen Nötigung.

    Und so kamen die beiden vor Gericht zusammen - der Radfahrer verlor, weil der Richter meinte, er hätte den Radweg benutzen müssen.

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  5. Na ja, ich nehme an, dass er vor der "überraschenden" Anklage auch noch eine Ladung zur Beschuldigtenvernehmung bekommen hat, § 163 a I StPO?

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