Montag, 22. November 2010

Ruhm und Ehre - oder Geld?

In meinem Blogbeitrag über den Piratenprozess in Hamburg fragt der Kollege Hoenig neckisch, ob nicht doch ein klein wenig Neid auf den tollen Prozess vorhanden sei, und stellt fest, dass eine OWI-Sache wesentlich lukrativer ist.

Das stimmt.

Spannende Prozesse mit Mandanten in Haft sind in aller Regel wirtschaftlich gesehen ein Desaster. Die wenigsten Mandanten haben die finanziellen Mittel, Besuche in der Haftanstalt, Telefonate mit Angehörigen etc. angemessen zu entlohnen und man arbeitet sich an solchen Mandaten fast arm.

Im Fachanwaltskurs war ich die einzige Teilnehmerin, die gerne und häufiger Verkehrsstrafsachen oder gar Ordnungswidrigkeiten bearbeitet. Dabei kann man in diesen Bereichen oft den Mandanten schnell glücklich machen, hat meist keine Probleme mit der Bezahlung und verdient meist ganz gut. Seinen Enkelkindern erzählen kann man von den Heldentaten in Harburg und anderswo aber nicht. ;-)

Kommentare:

  1. Verkehrsstraftaten sind bisweilen doch auch recht spannend :)

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  2. Verkehrststraftaten und OWi-Geschichten haben vor allem den unschätzbaren Vorteil, dass man es gerne auch mit "Wiederholungstätern" zu tun hat, so dass Folgeumsätze nicht ausgeschlossen sind. Bei Piraten ist das wahrscheinlich nicht der Fall. Der gute alte Störtebecker hat - unfreiwillig - seinen Kopf verloren und die Jungs, die da jetzt in Hamburg abgeurteilt werden, werden allenfalls später noch im Asylverfahren als potenzielle Mandanten wahrnehmbar sein

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  3. Ein Teufelskreis: Pflichtverteidigung wird nicht anständig bezahlt. Deshalb sind als Pflichtverteidiger oftmals Leute tätig, die keine Ahnung oder keine Lust haben, jedenfalls keine qualitativ hochwertige Arbeit abliefern (können). Der Pflichtverteidiger ist also schlecht, weil inkompetent und/oder unvorbereitet und unmotiviert. Das veranlaßt die anderen Verfahrensbeteiligten zu der Feststellung, daß die Pfeife auch keinen Cent mehr verdient habe. Folge: Pflichtverteidiger werden schlecht bezahlt.

    Man muß zwar nicht für jeden Fall der Pflichtverteidigung (bspw.: Strafgefangener erhält Anklage wegen Beleidigung) einen "Starverteidiger" zu Spitzenhonoraren beiordnen. Ein Rechtsstaat, der Interesse an einer seriösen und ernsthaften Verteidigung hat, und nicht vor der Boulevardpresse kuscht, würde aber dafür sorgen, daß bei schwerwiegenden Vorwürfen oder schwierigen Verfahren ein entsprechend erfahrener und kompetenter Verteidiger beigeordnet wird, der eine entsprechende Vergütung erhält, um sich in den Fall "reinknien" zu können.

    In den USA wird beklagt, daß Pflichtverteidiger in Kapitalstrafsachen "nur" 25.000 bis 30.000 Dollar erhalten. Davon kann ein deutscher Pflichtverteidiger nur träumen.

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  4. Genau. Am besten sind aber Serientäter. 10 zunächst getrennt laufende Einbruchserverfahren. Überall bestellt (ich mache direkt immer eine Abfrage in der Zentraldatei), dann die Verbindung der Verfahren, ein termin von 30 Min und 10 mal abrechnen.
    DAS lohnt sich. Da kann kein Schwurgerichtsverfahren mithalten.

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  5. Geht das denn überein mit dem Verbot der Mehrfachverteidigung bzw. Verteidigung mehrerer Mittäter ? (mal als Nicht-Strafrechtlerin gefragt)?

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  6. &anoynm
    Wenn es derselbe Täter ist, der die 10 Einbrüche begangen hat, dann geht es. Die gleichzeitige Verteidigung mehrerer Mittäter geht nicht.

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