Dienstag, 9. November 2010

Mein schönster Fall

Sollte ich jemals einen Aufsatz "Mein schönster Fall" schreiben müssen, dann wird es - trotz aller Liebe zum Strafrecht - etwas Zivilrechtliches.

Im Referendariat ging es um einen Menschen, der in ein früheres Leben zurückreisen wollte. Ein Mann komischerweise, so etwas Esoterisches ist doch sonst eher Frauensache. Jedenfalls hat das nicht geklappt und er wollte nun sein Geld zurück. Verständlich. Wer etwas Tolles erwartet ("Ich war mal Julius Caesar!") und dann passiert nichts, der ist zurecht enttäuscht.

Der Richter in Hessen auf dem Lande war sehr bodenständig und hat der Klage stattgegeben. Verlassen würde ich mich auf so einen Ausgang aber auch nicht immer. Bei der Antfaltencreme wird man mit "Ich habe ein Wunder erwartet." nicht unbedingt eine Klage gewinnen.

Kommentare:

  1. Ameisenfaltencreme?

    Die muss wirken, oder haben Sie schon einmal ein faltiges Ameisengesicht gesehen?

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  2. Huch - der Mann hat Recht bekommen ?
    Damit dürfte die ganze Esoterikbranche arbeitslos werden.
    Das dürften ein paar tausend Jobs sein.

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  3. @Tourix
    Fand ich damals auch erstaunlich.

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  4. Welche Variante der Ungerechtfertigten Bereicherung hat denn der Richter als Anspruchsgrundlage herangezogen?

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  5. Nach jetziger Rechtslage dürfte das doch keinen mehr erstaunen, oder? § 311a II 1 BGB.

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  6. @fernetpunker
    311a? Eine sog. "Rückreise" hat meines Wissens etwas mit Hypnose zu tun. Inwiefern soll da das anfängliche (zu vertretenmüssende) Leistungshindernis bestehen?

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  7. Vermutlich wurde nach §§ 651a ff. BGB entschieden, da ist für den Veranstalter auch bei absurdem Klägervorbringen oftmals nichts zu gewinnen ;-)

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  8. @Anon:
    ja, § 651a klingt gut :-))
    Zukünftig auch in den Reismängellisten zu finden: Rückreise ohne Zielankunft = 100%

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  9. Wieso, klarer Fall des § 138 BGB, da hat jemand die Geistesschwäche eines anderes ausgenutzt um sich zu bereichern.

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  10. das sind bloß doch ausgedachte Geschichten, wieso dabei dann noch nach Anspruchsgrundlagen rumrätseln ?

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  11. Die schönste Klage, die ich je gelesen habe, begann mit den Worten: "Am 22. Oktober 1943 wurde das Haus der Klägerin in Kassel von einer Fliegerbombe getroffen."

    Da konnte man nur interessiert weiterlesen und sich fragen: "Was in aller Welt könnte dieses Ereignis mit einem Klageanspruch zu tun haben?".

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  12. @Günter
    In dem Fall scheint die Anspruchsgrundlage ein wenig einfacher zu sein, wenn es um die Sachbeschädigung des Hauses geht, allerdings würde ich u.a. Verjährung in Betracht ziehen ;-)

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  13. Erinnert mich an die polizeirechtliche Klausur vor Jahren: Fliegerbombenfund auf dem Grundstück der 45jährigen Frau A. Sie soll polizeirechtlich als Zustandsstörerin in Anspruch genommen werden.
    Man schlägt vor, besser den "Engländer" als Handlungsstörer in Anspruch zu nehmen. Andere wollen die Bundesrepublik als Rechtsnachfolger des Deutschen Reichs in Anspruch nehmen - Stichwort: Adolf Hitler war Zweckveranlasser.

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