Montag, 22. November 2010

Ahoi, ihr Landratten

Heute hat in Hamburg der Prozess gegen zehn somalische Piraten begonnen. Das erste Mal seit 400 Jahren findet wieder ein Verfahren gegen Seeräuber in Hamburg statt.

Das Verfahren sorgt für Aufmerksamkeit, die FAZ berichtet hier ziemlich ausfühlich.

Piratenprozess, das klingt irgendwie nach Totenkopf, nach Jack Sparrow, nach Störtebecker, nach Papageien und Abenteuer.

Vielleicht gab es deshalb eine regelrechten Kampf - wenn wohl auch unbewaffnet - um die Mandate. Man murmelt von regelrechten Bewerbungen von Anwälten, die gerne einen Piraten verteidigen wollten. Verständlich, das ist ja mal ein Highlight und irgendwie cooler als Insolvenzverschleppung oder Ebay-Betrug.

Ob es neben den Pflichtverteidigergebühren allerdings noch eine Entlohung der Anwälte in Gold gibt, das bezweifele ich stark.

Kommentare:

  1. Wäre wohl auch nicht schlau, das Gold dieser Mandanten als Entlohnung zu nehmen, oder darf der ebay-Betrüger am Ende in Laptops und Handies abrechnen, die er zuuuufällig noch hat? ;-)

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  2. Das könnte problematisch sein, sollte man nochmal genau zu dem Thema nachlesen. ;-)

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  3. Vielleicht gibt es als Belohnung eine Kompass, der nicht nach Norden zeigt.

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  4. Ein Glück, dass die Todesstrafe durch Erhängen mittlerweile in Hamburg auch für Piraten abgeschafft ist. :-)

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  5. Bringt Pro7 aus diesem Grunde jetzt Sonntags die "Fluch-der-Karibik"-Reihe? Wie politisch, dieser Sender...

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  6. Höre ich da etwas einen neidischen Unterton aus den Zwischenzeilen, ganz von tief unten? ;-)

    Ich kann Dir versichern: Bei spektakulären Mandaten zahlt man drauf, wenn der Mandant nicht finanzkräftig genug ist. Eine rechtsschutzversicherte OWi in HH-Harburg bringt Dir mehr als einen HV-Tag vor der Kammer.

    Also: Nicht traurig sein. ;-)

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  7. @Carsten R. Hoenig
    Neid?? Neee.
    Obwohl - wenn man vielleicht auf der Alster die Sache mit der Taipan nachgespielt hätte und dazu das Lied von der Seeräuber Jenny...
    ;-)

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  8. Alle Kielholen,
    oder von der Planke springen lassen,
    mitsamt Richter und Juristen
    und nicht vergessen ...
    Die Haie vorher gut anfüttern !
    ;-)

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  9. Jemand sollte den Richtern das NEUE LEXIKON DER POPULÄREN IRRTÜMER schenken.

    Räumen Sie ein für alle mal Behauptungen wie "Piraten waren grausam und verschlagen." oder "Bei Nasenbluten hilft es, den Kopf in den Nacken zu legen." aus dem Weg. In diesem Lexikon lesen Sie, wie sozial die Piratengemeinschaft war und das eine blutige Nase "im Nacken" durchaus sehr ungesund ist!
    http://www.amazon.de/Das-neue-Lexikon-popul%C3%A4ren-Irrt%C3%BCmer/dp/349222797X/ref=cm_cr_pr_product_top

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  10. Wenn der Pflichtverteidiger sich hinterher noch einen ordentlichen Pauschgebühr-Nachschlag holt, lohnt es sich aber doch etwas mehr als die OWi-Sache in Harburg oder Schwerin ;-)

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  11. @ Rostocker: Pauschgebühr? Was ist das? Ach ja, ich glaube da steht rein theoretisch irgendwo, dass man mehr bekommt, wenn die Sache umfangreich war...
    da ich aber schon erlebt habe, dass es in einem 3 Jahre andauernden Schwurgerichtsverfahren keine Pauschgebühr gab und das Bundesverfassungsgericht sogar die Verfassungsbeschwerden abgeschmettert hat, wird es wohl für die Piraten-Verteidiger nix geben.

    Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass sich die Medienpräsenz, die man durch spektakuläre Mandate genießt, nicht in mehr Neumandaten niederschlägt.

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  12. Was verdient denn ein Pflichtverteidiger bei so einer Sache pauschal bzw pro Verhandlungstag?
    Grob geschätzt? Liege ich da mit 600 Euro pro Verhandlungstag ohne MWSt richtig?

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  13. in der 1. Instanz vor dem Landgericht bekommt er mit inhaftierten Mandanten und längerer Verhandlung (die 4 - 8 Stunden) dauert sagenhafte EUR 371,00.

    vor dem Amtsgericht und dem Mandanten auf freien Fuß bei gleicher Dauer sensationelle EUR 276,00.

    Da kann mal ja aus Spaß den super Stundenlohn ausrechnen, bei 8 h: EUR 34,50. Davon zahlt er dann Kanzleimiete, Lohn der Sekretärin, Versorgungswerk, Krankenvers., sonstige Kanzleikosten und Steuer. Eine hoch lukrative Sache!! Eine Stunde Klempner in einer westdeutschen Großstadt ist deutlich teurer.

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  14. Ich hatte dieses Jahr eine recht große Sache, die auch in den Medien viel Aufmerksamkeit fand.

    6000 Seiten Ermittlungsakte, viele GB TKÜ. Angedachte 40 Verhandlungstage - alles reserviert, andere Sachen verlegt, an Kollegen weitergereicht etc. - es fanden jedoch "nur" 15 statt.

    Alles am Amtsgericht, Mandantin auf freiem Fuß. Die Pflichtverteidigergebühren waren weniger als ein Tropfen auf dem heißen Stein...

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  15. @ anonym: zur Verhandlungsdauer sollte aber noch gesagt werden, dass Pausen bgezogen werden. D.h. wenn das gericht sich berät etc., ich auf dem Flur sitze und warte, wird die Uhr Stoppuhr abgeschaltet.

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  16. Hatte gedacht, das das mehr ist. Kenne mich da gar nicht aus. Denke die meisten Verhandlungen werden eher 4 als 8 Stunden dauern. Gibt es da auch so eine Art Grundgebühr für den Fall an sich, da das Akten lesen und die Recherche und das Gespräch mit dem Mandanten ja auch Zeit in Anspruch nimmt.
    Ist Amtsgericht lukrativer, zwar weniger Geld aber dafür nicht so zeitraubend?

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  17. @Anonym 00:28
    Ja, eine Grundgebühr, die die Einarbeitung in den Fall abdeckt, gibt es. Bei einer Pflichtverteidigung sind das sensationelle 132,00 Euro (Mandant auf freiem Fuß) oder 162,00 Euro (Mandant in Haft).

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