Mittwoch, 13. Oktober 2010

Formen der Kontaktaufnahme

Normalerweise erfolgt - zumindest hier in der Kanzlei - der Erstkontakt zu einem neuen Mandanten telefonisch. Der Anwaltssuchende teilt mit, was er für ein Anliegen hat, fragt nach etwaigen Kosten und vereinbart einen Termin. Manchmal kommt auch eine kurze Anfrage mit der Bitte um einen Termin per Mail oder jemand steht plötzlich im Büro. Alles nicht sonderlich ungewöhnlich.

Alle paar Monate bekomme ich aber dicke Umschläge von mir komplett unbekannten Menschen. Gerne lautet die Anrede "Sehr geehrte Damen und Herren Anwälte" und das beigefügte Schreiben ist seitenlang und kopiert.

Gerade liegt ein mehrere Zentimeter hoher Stapel Unterlagen vor mir. Das anonym gehaltene Schreiben enthält den Hinweis, dass man sich keinen Anwalt leisten könne, aber dringend Hilfe brauche.

Da es sich bei dem Anliegen um ein Rechtsgebiet handelt, welches ich nicht bearbeite, habe ich dem Anfragenden dies freundlich mitgeteilt. Per Post, eine andere Möglichkeit der Kontaktaufnahme gab es nicht. Berufsrechtliche Pflichten (z.B. aus § 44 BRAO) habe ich damit nahezu überobligatorisch erfüllt. Ich gehe davon aus, dass über 80% der Kollegen die Unterlagen in die Tonne geworfen hätten.

Echte Profis schreiben übrigens oben auf den Briefbogen: Das Lesen dieser Unterlagen löst keinen Gebührenanspruch aus. Da kann man dann überlegen, ob man 34 Seiten lesen möchte oder besser nicht.

Ob Ärzte auch manchmal einen dicken Umschlag bekommen? Vielleicht mit Fotos der Symptome?

Sollten Sie einmal einen Anwalt suchen und nicht wissen, wie sie Kontakt aufnehmen sollen, rufen Sie ihn doch einfach an. Am Telefon müssen Sie auch nichts unterschreiben. ;-)

Kommentare:

  1. *lach* Das muss ein Schriftsteller gewesen sein. Die sind das gewohnt, unverlangt dicke Papierstapel an jeden zu schicken, der nicht bei Drei auf den Bäumen ist, und in 99 % aller Fälle nix oder ein Standardschreiben zurückzubekommen, wenn der Telefonbuchverlag mal wieder vollkommen unverständlicherweise keine selbst bebilderten Krimithrillerliebesschnulzen verlegen will. Anrufen und vorab informieren ist sicher allgemein eine gute Idee, auch beim Rechtsanwalt. ;-)

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  2. Solche anonymen Anfragen mit ellenlangen und wirren Sachverhaltsschilderungen habe ich auch oft, per Post und beliebt auch per email. Meist wirre Geschichten mir Scheidungsurteilen, die 1976 ergingen, von denen man nichts wusste, nun aber dagegen vorgehen möchte, natürlich gegen den Staat, der so ein Urteil gesprochen hat, da dahinter ja noch Nazistrukturen stehen und dergleichen, und mit meiner Hilfe als Verwaltungsrechtlerin. So geht das seitenweise weiter. Natürlich kann man sich einen Anwalt nicht leisten, natürlich ist es aber brandwichtig. etcetc. Meine Antwort darauf immer: 1. nicht mein Rechtsgebiet (keine Ahnung von Scheidungen), 2. Arbeitsüberlastung, 3. Fristen nicht geprüft, anliegend originalschriftlich wieder zu meiner Entlastung zurück, und 4. denke ich mir - nämlich einer der verbreiteten "Zechpreller", die eh nicht zahlen wollen und Bedarf für einen Psychiater, statt eines Anwalts.

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  3. Sorry für das OT:
    Aber hier lesen ja auch einige juristisch bewanderte Leute mit. Und nach Stunden des Googlens frag ich nochnmal hier nach.
    Ich suche Hilfe für einen Sorgerechts-Fall. Eher ungewöhnlich, weil diesmal der Vater das alleinige Sorgerecht für das Kind haben will. Mit - wie ich denke - sehr guten Argumenten.
    Nachteil für den Anwalt: Er ist Harz4-Empfänger, darum Bezahlung eher Mau.
    Mandant sitzt im Raum Schleswig-Holstein. Würd mich über Interessenten sehr freuen. Dürfte sicher eine langwierige Geschichte sein. Vor allem Freu ich mich sehr, wenn denn mal eine Aussage darüber getroffen werden könnte wie aussichtsreich die Sache denn ist.
    Kontakt: lucifer@sexload.org

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  4. @Andreas: WIr arbeiten nur fuer Vorschuss!! Nicht dass wir Mandanten misstrauen wuerden, aber ist Prinzip bei uns.. Wir sind ja auch so arm, dass wir uns das nicht leisten koennten, mal eine Rechnung nicht bezahlt zu bekommen. Zumal... so ein Handwerker, wenn de rnicht bezahlt wird, der koennte schnell ne Klage einreichen.. ABer wir ? Von Recht und so haben wir ja keine Ahnung!

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  5. wie luschtig. Über solche Scherzanfragen freut sich sicher jedes Jugendamt. Ab mit Ihnen in die Ecke: Kindesmissbrauch und raus hier.

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