Montag, 25. Oktober 2010

Erschwerte Arbeit

Meine Mandantin schweigt auf meinen Rat hin. Kein Ton kommt über ihre Lippen. Zumindest nicht, bevor wir nicht den Akteninhalt kennen. Ein anderes Verhalten wäre dumm und schädlich.

Leider befindet sich die Akte noch bei der Polizei und nicht einmal das Protokoll der Vernehmung des Anzeigenerstatters ist schon geschrieben. Es heißt also warten. Für mich ist das weniger nervig als für die Mandantin. Ich rufe also bei der Polizei an und frage freundlich, wann denn mit einer Abgabe an die Staatsanwaltschaft zu rechnen sei.

Das kann man mir nicht mitteilen. Wohl aber kann man mir sagen, dass das "unkooperative Verhalten" meiner Mandantin die Ermittlungen erschwere.

Ja, verstehe ich. Mit einem feinen Geständnis - so ohne konkrete Kenntnis der Vorwürfe - wäre alles viel einfacher.

Kommentare:

  1. ich hoffe ehrlich gesagt idR immer, dass das Verhalten meines Mandanten die Ermittlungen erschwert...

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  2. @Anonym
    Genau. :-)
    Erleichtern wäre doof.

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  3. Hmm... also manchmal kann das Verhalten des Mandanten auch die Ermittlungen erleichtern, ohne dass es blöd sein muss. Die sollen schließlich gemäß ihrem gesetzlichen Auftrag auch alle Gesichtspunkte ausermitteln, die den Beschuldigten entlasten. ;-)

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  4. Gibt´s den gesetzlichen Auftrag wirklich?
    Ich habe noch nie erlebt, das entlastende Indizien von der Polizei wirklich vorgebracht wurde, solche Dinge werden doch auch gerne mal "übersehen".........
    Leider habe ich vielmehr den Eindruck gewonnen, das seitens der Polizei, gerne mal die U-Haft zur Geständniserzwingungshaft umfunktioniert werden soll.

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  5. @Anonym 17:23: Das Problem ist doch, dass Otto Normalbürger aus Unkenntnis der tatsächlichen Rechtslage zu jeder Zeit mit einem Bein im Knast steht.

    Selbst, wenn man sich für halbwegs intelligent hält und bestimmte Themen oder Sachverhalte gar nicht anspricht, kann doch schon aus einem "normalen Plausch mit dem netten Herrn Polizeibeamten" nicht unerheblicher Ärger mit der Justitz entstehen:

    - Können Sie Sich sicher sein, dass Sie Sich wirklich an alle Verkehrsregeln gehalten haben - also wirklich alle und nicht nur die, an die Sie Sich noch zu erinnern glauben?
    - Haben Sie auf Ihrem Steuerformular alles richtig angegeben - wirklich und tatsächlich alles und nicht nur nach Ihrem besten Gewissen?
    - Haben Sie wirklich immer alle Fundsachen immer brav zum Fundbüro getragen?
    - Haben Sie neimals jemanden beleidigt?
    - Haben Sie niemals etwas über jemanden gesagt, dass Ihnen bei ungünstiger Auslegung auch als üble Nachrede oder Rufschädigung vorgehalten werden könnte?
    - Haben Sie die für Sie geltenden berufsrechtlichen Vorschriften immer zu 100% eingehalten?

    Sollten Sie auf alle Fragen mit JA geantwortet haben und tatsächlich unfehlbar sein, geben Sie mir bitte unbedingt Ihre Kontaktdaten, denn JESUS, ENDLICH HABE ICH DICH GEFUNDEN! HALLELUJA!

    (Zugegeben, die meisten Beispiele haben wenig mit Strafrecht zu tun, aber Mangels eigener einschlägiger Erfahrung, habe ich mich auf das beschränkt, was wohl auf jeden zutrifft.)

    Zumindest seit ich dieses Blog (und andere "Blawgs") lese, habe ich mir fest vorgenommen, dass, sollte ich je in die Situation kommen, ich denen ohne meinen Anwalt nicht mal die Uhrzeit sage!

    Und da soll noch einer sagen, im Internet lernt man nichts... ;-)

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  6. @Alleswisser:
    Ich bin auch nur Leser von Blawgs und habe mit Jura sonst nichts zu tun.
    Aber es gibt für mich persönlich inzwischen eine "Pflichteinstiegslektüre" und das ist immer noch dieses Video:
    http://video.google.com/videoplay?docid=-7214778419504779593#

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  7. Ab Eintritt der Verjährung erleichtert das beharrliche Schweigen dann das Verfahren idR ungemein.

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  8. Ich war ein unbescholtener Bürger, Punkt!
    Schon beim ersten aus vier gewalttätigen Übergriffen in 20 Stunden wurde ich nachhaltig verletzt. Beim 4. Angriff habe ich mich instinktiv und reflexartig gewehrt und den xxx-vorbestraften 95 Kilo Frustschläger gestoppt. Mehr habe ich nicht getan, deshalb habe ich auch in Geständniserzwingungshaft ausgesagt.
    Als jemand der mit dem Strafrecht nix zu tun hatte, erschien das nur logisch. Wie daraus über den Umweg des § 64 StGB ein Revisionssicheres Urteil gebastelt (gebeugt) wurde, sehen Sie auf meiner HP. Viel Spass, ich habe die 30 Monate abgesessen und hätte die beinahe nicht überlebt........
    Allerdings hatte ich nicht RA'in Braun als Pflichtverteidiger, leider - anstelle hatte ich einen vom Gericht bestellten Plichtverteidiger (Urteilsbegleiter?).

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