Montag, 4. Oktober 2010

Dolles Angebot?

Ein Anruf einer Kollegin. Ob ich an einer Kooperation interessiert sei. Sie bearbeite kein Strafrecht, habe da aber häufig Anfragen und schicke die Leute dann weg. Gerne würde sie die Mandanten zu mir schicken.

Klingt grundsätzlich erst einmal gut, hat aber einen Haken. Ich soll nämlich 50 % der eingenommen Gebühren abgeben - an die Kollegin. Noch mal zum Mitschreiben: Kollegin macht kein Strafrecht, ich kann diese Mandate bekommen und bearbeite sie dann. Dafür gebe ich dann 50 % der Einnahmen an die vermittelnde Kollegin ab.

Aha. Den Vorschlag finde ich irgendwie doof - nicht nur wegen des Verstoßes gegen berufsrechtliche Vorschriften.

Kommentare:

  1. Und auf dieses aussergewöhnlich gute und finanziell lohnende Angebot sind sie nicht eingegangen ??? ;-)
    Das ganze wäre ja so noch ganz lustig, aber die scheint das ja ernst zu meinen.Wer ist denn jetzt schlimmer dran, die Kollegin oder ihre Mandanten ?

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  2. in vielen Sozietäten in Hannover und Düsseldorf z.B. ist das üblich, wenn sie neuen Examinierten anbieten, einen Raum in Untermiete/Bürogemeinschaft zu mieten nebst Personalservice etc, um als Junganwälte sich erste Erfahrungen sammeln zu können, auf freiberuflicher Basis, und die die Mandate der Kanzlei, die ihnen übertragen werden, dann gegen 50 % Beteiligung zugeführt bekommen, um sie dann bearbeiten zu können. Das wird vertraglich so gestaltet, dass es kein Berufsverstoß ist. Die jungen Kollegen haben ihren Vorteil darin, dass sie ohne dies schlicht gar keine Mandate hätten und erst nach und nach sind in den Folgejahren einen Namen und Ruf und Erfahrung aufzubauen, und so von diesen Mandanten der Kanzlei erst mal profitieren, und davon ihre Kosten ihres Büros und ihrer Krankenkasse etc. bezahlen können.
    Üblich sind dabei immer 50 % an dem konkreten Mandat und 45-50 % an sämtlichen Folgemandaten des Mandanten und dessen Empfehlungen. Ich persönlich würde sowas auch nie annehmen, und habe meine Kanzlei aus dem freien Stand aufgebaut allein, aber es wird mit freiberuflichen Anwälten in Bürogemeinschaft gemacht gerade bei jungen Anwälten unter 35 Jahren mit noch wenig Lebenserfahrung und Überzeugungskraft bei Mandanten aufgrund sehr jungen Alters noch.

    Übel finde ich, wenn Gewerbetreibende (Versicherungsmakler etc.) einem auf Partys etc solche Mandatszuführungen gegen 80 % (!!) Provision anbieten - absolut schamlos.

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  3. @Anonym 23:21
    Das kenne ich auch, ist in HH auch durchaus üblich. Und die "Partyangebote" sind sensationell.

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  4. @ Anonym: Das kann man vertraglich nicht so gestalten, dass es kein Berufsrechtsverstoß ist. Die Vereinbarung von Vermittlungsgebühren verstößt immer gegen § 49b Abs. 3 BRAO mit der Folge, dass entsprechende Verträge in der Regel nichtig sein dürften.

    Richtig allerdings ist, das gerade größere Rechtsanwaltskanzleien das erfahrungsgemäß nicht wissen, nicht wissen wollen oder sich jedenfalls um die Rechtslage nicht kümmern.

    Da wären die Rechtsanwaltskammern gefragt, aber die können nur einschreiten, wenn ihnen solche Fälle krasser Berufsrechtsverstöße gerade gegen junge Kollegen bekannt werden, was selten der Fall ist.

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  5. Provisionen für die Vermittlung von Mandaten an junge Anwälte sind anscheinend allgemein üblich. § 49b Abs. 3 BRAO will offenbar niemand kennen. Warum auch? Der ältere Kollege, oftmals der ehemalige Ausbilder, der unlukrative oder solche Mandate, die er aus irgendwelchen Gründen selbst nicht führen kann, an den jungen Kollegen vermittelt, hat ein Interesse daran; der junge Kollege ebenfalls. Bekannt und verfolgt wird es nie. Viele sind auch erstaunt, daß das überhaupt berufsrechtlich problematisch sein könnte. Der diese Variante anbietende ältere Kollege kennt die Norm oftmals nicht, der Junganwalt verläßt sich auf den älteren und erkennt kein Problem.

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  6. @Gerd
    Bei meiner "Geschichte" bin ich übrigens bei weitem länger Anwältin als die Kollegin. Aber: Wirtschaftliches Denken hat sie offenbar früh gelernt.
    ;-)

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  7. @nebgen: ich glaube allerdings, dass die RA-Kammern eher gegen die jungen Kollegen mit Rügeverfahren eincshreiten würden als gegen die Sozietäten, denn die freiberuflichen Kollegen versprechen dann ja die - vertraglich geschickt verdeckte - Provision und begehen den Berufsverstoß. Oder beide, mindestens aber hauptsächlich der Provision/Beteiligung abgebende Kollege, meine ich

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  8. naja, die hat halt die Einstellung, bevor Sie gar kein Mandat zu bearbeitgen haben, können sie auch eines gegen 50 % Honorar machen. Ganz falsch ist der Gedanke ja nicht, allerdings würde ich mich dann immer für Ablage erledigen, Büroaufräumen, Laufengehen, NJWs lesen, entscheiden statt unterbezahlt zu arbeiten.

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  9. Katja-Olafine G. Öltank6. Oktober 2010 um 14:23

    Man könnte ja die Mandate annehmen, später die 50 % Provision dann aber mit Hinweis auf den offensichtlichen Berufsrechtsverstoß nicht abgeben. Wäre das nicht sehr angemessen im Sinne des heutigen anwaltlichen Berufsethos?

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  10. Genau. An bei Gemaule eine Eingabe bei der Kammer machen.
    ;-)

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  11. 50% sind oft die Kosten, die bei der Mandatsbearbeitung anfallen.
    Also: Trag Du die Kosten des Mandats, Du bearbeitest es ja auch.
    Und gib mir den Gewinn.

    Dreistigkeit ist kein passender Begriff mehr...

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  12. Aber mal ernsthaft: gib es eine legale Art, Mandate zwischen Anwaltskanzleien auszutauschen ? Ich geb Dir Strafrecht, Du gibst mir Insolvenzrecht, Steuerrecht kriegt der KOllege XY...
    Gibt es irgend wien legale (!) Methode, Mehrverdienste einzelner "Nehmer" in solchen Netzen finanziell an andere abzugeben ?

    Ich wäre sehr neugierig...

    Harald Brennecke
    brennecke@brennecke-partner.de

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  13. ja klar gibt es eine legale Mglk der Zusammenarbeit alles was hier gesagt wurde gilt für die "Kooperation" aber es gibt auch andere Formen der Zusammenarbeit

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