Montag, 20. September 2010

Versuchen kann man es ja mal

Das Telefon klingelt. Mensch, das wird ein Mörder sein, ein Totschläger oder zumindest ein HSV oder St. Pauli Fan, der gestern Ärger mit der Polizei hatte.

Weit gefehlt.

Ein zartes Stimmchen sagt: "Guten Tag, ich habe Sie auf einer Homepage für kostenlose Rechtsanwälte gefunden."

Na klar. Versuch macht kluch, oder wie heißt das. Ich suche gerade noch nach der Homepage "kostenlose Einkommenssteuer", die finde ich leider nicht.

Kommentare:

  1. Die Seite "kostenlose Rechtsanwälte" hätte ich auch gerne mal gehabt, gibt´s einen Link?
    Ich schau mal bei "umsonst.de"............
    Find ich aber gut, Frau Anwältin, das Sie auch "nur so" verteidigen!

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  2. @ Anonym: Das Schauen ist da wohl wirklich umsonst...

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  3. Vermutlich verleitet "ehrenamtlich im Jugendrechtshaus Hamburg" zur Annahme, dass es dann auch woanders etwas kostenlos gibt.

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  4. Was uns passiert ist: Mandant wird ausführlich zivilrechtlich beraten, woraufhin ihm von unserer Kanzlei eine Rechnung über ca 50,-- € netto gesandt wurde. Er hat nun bezahlt-im Verwendungszweck stand "unverschämt" !

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  5. sowas kann einen auf Dauer ziemlich nerven langsam. Die Masse der Leute, die versuchen, Beratung und gar aussergerichtliche Vertretung umsonst zu erhalten, nimmt proportional stark zu. Darauf kann es nur stetig ein klares "Nein" geben. Ich finde auch noch immer keine Krankenkasse, für umsonst, keine Mietwohnung und kein Büro, für umsonst, und auch keinen Rürup-Vertrag für die Altersvorsorge, für umsonst (das gut ausgestattete Versorgungswerk mit den hohen Renten später ist bei mir leider nicht).

    Ich hatte letztes Jahr einen Mandanten, der nach zwei Mahnungen (wer bezahlt einem eigentlich diese ganze Zeit dafür ??) für 2 Beratungen im Versicherungs- und Erbrecht von 250,- auf die Überweisung dann schrieb "unter Vorbehalt". Was soll das denn ? Unter dem Vorbehalt, dass er androht, wieder zu kommen ? noch ne Beratung mit Mahnständen zu wollen ? Der Unwillen bei der Bezahlung lag wohl darin, dass die Beratung 1 Versicherungsrecht mit Abraten zum Prozess ausging, da der Mandant leider beweisbaren Versicherungsbetrugsversuch gemacht hatte und ich diesen vermeintlichen Anspruch nicht einzuklagen bereit war; die Testamtenskurzberatung hatte ihm soweit gefallen mit seiner Frau, nur verärgern tat ihn, dass ich für die Testamtentsgestaltung und sein Haus mit 400.000,- Wert noch Geld haben wollte, wo er doch sooo wenig verdiente mit netto nur 12.000,- im Monat.

    Eine andere Mandantin in 06, die von meinem damaligen Bürogemeinschaftskollegen (Steuerberater) hereingeschneit kam, um sich insolvenz/schuldenrechtlich gegen drängende Gläubiger 40 Minuten beraten und mit ihren Gläubigern telefonieren zu lassen, notierte bei der Überweisung nach der 2. Mahnung "für Beratung ohne Auftrag". Sie meinte, keinen Auftrag gegeben zu haben, weil der Vermieter/Bürogemeinschaftspartner, ihr StB, ihr sagte, gehen Sie mal rüber, das macht die so, ist schließlich meine Mieterin.

    Mieter zahlen nicht nur - damals enorm überhöhte - Miete, sondern arbeiten auch noch umsonst zudem ?

    Unglaubliche Sitten ! Vielleicht macht ja mein Rollofachmann am Mittwoch auch am 3,50 Meter Fenster ein Verdunkelungsrollo "nur so" an, weil ich seiner Frau arbeitsrechtlich schon mal schnell und gut geholfen habe und weil doch alle umsonst ihre Leistungen anzubieten haben ?

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  6. sowas kann einen auf Dauer ziemlich nerven langsam. Ich hatte letztes Jahr einen Mandanten, der nach zwei Mahnungen (wer bezahlt einem eigentlich diese ganze Zeit dafür ??) für 2 Beratungen im Versicherungs- und Erbrecht von 250,- auf die Überweisung dann schrieb "unter Vorbehalt". Was soll das denn ? Unter dem Vorbehalt, dass er androht, wieder zu kommen ? noch ne Beratung mit Mahnständen zu wollen ? Der Unwillen bei der Bezahlung lag wohl darin, dass die Beratung 1 Versicherungsrecht mit Abraten zum Prozess ausging, da der Mandant leider beweisbaren Versicherungsbetrugsversuch gemacht hatte und ich diesen vermeintlichen Anspruch nicht einzuklagen bereit war; die Testamtenskurzberatung hatte ihm soweit gefallen mit seiner Frau, nur verärgern tat ihn, dass ich für die Testamtentsgestaltung und sein Haus mit 400.000,- Wert noch Geld haben wollte, wo er doch sooo wenig verdiente mit netto nur 12.000,- im Monat.

    Eine andere Mandantin in 06, die von meinem damaligen Bürogemeinschaftskollegen (Steuerberater) hereingeschneit kam, um sich insolvenz/schuldenrechtlich gegen drängende Gläubiger 40 Minuten beraten und mit ihren Gläubigern telefonieren zu lassen, notierte bei der Überweisung nach der 2. Mahnung "für Beratung ohne Auftrag". Sie meinte, keinen Auftrag gegeben zu haben, weil der Vermieter/Bürogemeinschaftspartner, ihr StB, ihr sagte, gehen Sie mal rüber, das macht die so, ist schließlich meine Mieterin.

    Mieter zahlen nicht nur - damals enorm überhöhte - Miete, sondern arbeiten auch noch umsonst zudem ?

    Unglaubliche Sitten ! Was sind das alles für Nassauer.

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  7. Nuja - seit wir amoklaufende RechtsanwältInnen haben könnte sich das Aufgabengebiet auch unter KollegInnen erweitern ;-)

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  8. @RA Schleicher
    Tz, Sie sind aber auch ein Halsabschneider. ;-)

    @verwickeltes
    Das war auch eine meiner Vermutungen.

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  9. Gestern rief eine Dame an, sie habe ein mietrechtliches Problem, irgendwas mit Schimmel, ob man da als Mieter was machen könne oder ob das aussichtslos sei. Als ich auf die Kosten zu sprechen kam, meinte sie, das fände sie nun aber komisch, ein Kollege hätte sie in einer anderen Sache ebenfalls beraten und zwar kostenlos! Als ich erwiderte, dann sei es wohl schlau, wenn sie sich auch in dieser Sache an den Kollegen Kostenlos wende, legte sie auf. Eigenartig.

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  10. Vielleicht sollten sich alle Anwälte auf eine gemeinsame Grußformel für neue Mandantschaft entscheiden (ähnlich wie die amerikanischen Fernsehpolizisten immer sagen: "Sie haben das Recht zu schweigen" usw.).

    Diese würde dann vielleicht wie folgt lauten: "Schönen guten Tag! Vielen Dank, dass Sie Sich für eine Beratung durch unsere Kanzlei entschieden haben. Ich weise Sie hiermit ausdrücklich hin, dass eine Beratung durch einen Rechtsanwalt grundsätzlich kostenpflichtig ist. Unser Stundensatz beträgt XYZ Euro/Std. Wenn Sie Sich keinen Anwalt leisten können, besteht unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, Gerichtskostenbeihilfe zu beantragen. ..."

    Oder so ähnlich.

    Übrigens könnte ich mir vorstellen, dass die Anruferin möglicherweise so etwas wie Gerichtskostenbeihilfe meinte. Und "Homepage für kostenlose Anwälte" könnte möglicherweise eine im Internet verfügbare Liste von Anwälten, die schon mal als Pflichtverteidiger tätig waren, sein. Manche Leute kennen sich nicht so aus und können sich nicht ausdrücken. Also wird bei ihnen nur die Quintessenz des ganzen gespeichert: "Ich brauch einen Anwalt, kann aber nix zahlen."

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  11. @Alleswisser
    Das habe ich dann natürlich auch erfragt. Man war aber außergerichtlich unterwegs, da gibt es in Hamburg eben nur kostenlose Rechtsberatung nur bei der Öffentlichen Rechtsauskunft. Da habe ich die Dame hin verwiesen. Fand sie aber doof, da muss man immer so lange warten. Aha.

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  12. Na gut, dann kann man der Dame dann auch nicht weiterhelfen. *lach*

    Über die Grußformel sollten sie aber mal nachdenken. :-)

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  13. Und am Besten ist noch die Begründung, die oft zugefügt wird: das ist doch Ihr Fach, Sie kennen sich damit aus und Sie brauchen dafür nur paar Minuten :(

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  14. Unter IT-Fachleuten gibt es die eiserne Grundregel, dass wenn man in seiner Freizeit von jemandem gefragt wird, ob man sich mit Computern auskenne, man grundsätzlich und ohne Ausnahme mit "Nein!" antwortet. Alles andere führt nur zu einem Verlust von Nerven und Lebenszeit.

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  15. Als Referendar war ich bei einem Anwalt, der sofort mit der Übersendung des Schriftsatzentwurfs sämtliche Prozeßkosten als Vorschuß abrechnete, also auch die Terminsgebühr und die Fahrtkosten. Wurde nicht gezahlt, wurde auch nichts weiter gemacht. Fand ich damals recht frech. Heute nicht mehr. Empfiehlt sich insbesondere auch gegenüber Rechtsschutzversicherungen. Ist die Leistung erst erbracht, versuchen sie munter zu kürzen oder einen zu nötigen, jede Cent einzeln durch Vorlage von Schriftverkehr zu rechtfertigen. Schreibt man hingegen eine Vorschußrechnung und kündigt an, dem Versicherungsnehmer die Leistung solange zu verweigern, bis gezahlt wurde, wird zumeist anstandslos beglichen.

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  16. Wenn mir der nächste Anwalt seinen Laptop in die Hand drückt "Du kennst dich doch damit aus", werde ich wieder an Sie denken.

    Komischerweise will dann au niemand an eine Bezahlung denken.

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  17. @Alphan
    Also, ich habe für das Einrichten eines Netzwerkes etc. bezahlt. Ehrlich.

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  18. Das erklärt warum Sie immer noch eins haben. ;)

    Ich hab mir inzwischen leider angewöhnt die PWs erst rauszugeben, wenn ich mein Geld hab.

    Sonst zocken diese Gauner einen richtig ab. Ehrlich.

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  19. Nun ja, ich durfte vor kurzem freitags in der S-bahn einem lautstark geführten 30 minütigen Telefonat einer Mandantin mit dem Kanzleikollegen ihres Anwalts beiwohnen. Er tat mir leid.
    Offenbar handelte es sich um eine Mietnomadin, der die Räumungsklage ins Haus geflattert war . Sie hatte eine Nachbarin mit der Leerung des Briefkastens beauftragt und im weiteren Verlauf wohl die Zustellung der Klageschrift nicht bemerkt.
    Der Verhandlungstermin am Dienstag sollte verlegt werden. Jeder zweite Satz mit Anweisungen an den RA begann mit "Und das ist jetzt auch noch ganz, ganz wichtig...". Zudem war offenbar durch "Rashid" aus Paris eine Rechtsberatung erfolgt, die in entsprechender lautstarker Kritik am bisherigen anwaltlichen Vorgehen mündete, von wegen Zustellung unwirksam, Minderung versäumt, etc.
    Und der Knaller nach dem Telefonat : "Der hat sein Examen wohl auch im Lotto gewonnen" sowie die Äußerung des marokkanischen Begleiters der Dame: "Der ist bestimmt von der Vermieterin bestochen, dass er nichts macht. Das ist hier schlimmer als in Marokko, die sind alle korrupt hier."

    Ich vermute, dass es sich um ein äußerst unlukratives PKH_Mandat handelte.......

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