Freitag, 17. September 2010

Ungesunde Gescheke

Hm. Es gibt Mandantengeschenke, die gemahnen zur Vorsicht. Allein des Gesundheit wegen.

Als Strafverteidiger bekommt man immer Alkohol. Wein, Wodka und andere hochprozentige Sachen. Kürzlich bekam ich einen selbst gebackenen Kuchen. Zwar habe ich den Mandanten weder in einem Betäubungsmittelverfahren, noch wegen Verstoßes gegen lebensmittelrechtliche Vorschriften vertreten, trotzdem war mir komisch. Ob die Küche des Mandanten so ordenlich ist wie bei Muttern? Ich weiß nicht. Und dann meine Laktoseallergie, die Glutenunverträglichkeit und die Eier waren sicher auch nicht bio. Wer also gerne ein Stück Marmorkuchen hätte, kommen Sie vorbei.

Mein Ausbilder im Referendariat bekam übrigens einmal eine Flasche mit einer trüben, leicht bräunlichen Flüssigkeit überreicht. Der Mandant sagte dazu, es handele sich um "Zauberwasser", welches er selbst gebraut habe. Müsse man unbedingt probieren. Dann bot der Mandant mir eine Zigarette und eine 0,5 Liter Dose Bier an. Beides habe ich dankend abgelehnt, es war ja gerade mal 10 Uhr am Vormittag. Der freundliche Herr meinte dann:

"Willst gesund verrecken, hm?"


So isses. Und deswegen wird Alkohol weiter verschenkt und Kuchen an die Enten verfüttert. So eine Gemüsekiste, die nehme ich aber gern.

Kommentare:

  1. Ist zwar alles nett gemeint, wandert aber, wenn nicht luftdicht verpackt, sofort in den Müll. Und da wandert auch die Handakte des Mandanten hin, wenn er es wagt, mich zu duzen. Von wegen: "Willste"... Den feinen Herrn schon mit § 9 RVG vertraut gemacht? Luftverpester lernen den bei mir gleich als erstes kennen.

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  2. das ist ja noch keine "Strafe". Den lernen bei mir ohnehin ausnahmslos alle Mandanten als erste kennen, auch gute und auch anständig erzogene Mandanten. Schließlich bin ich keine Bank, die für die Dauer eines Verfahrens Kosten vorfinanzieren kann, noch dazu zinsfrei. Das ist also Standard sowieso, dafür stehts ja auch im Gesetz und ist üblich (kennt auch kein zu einem selbst wechselnder Mandant anders). Eine Antwort auf plumpes Geduze (hatte ich gottseidank noch nie), wäre meinerseits der Hinweis, dass man sich doch einen Kollegen/Kollegin aus dem privaten Bekanntenkreis suchen sollte, die man schon duzt, und bei mir an der falschen Adresse wohl sei. Sache damit hier nicht angenommen und fertig. Einen Niederlegungsgrund würd ich allerdings darin nicht finden können, dann eben auf extreme Distanz und den Hinweis gehen, dass man Privates und Berufliches selbst bei großer Sympathie kategorisch trennt und daher beim Siezen bleiben will.

    ;)

    Wenn geduzt wird, ergibt sich das im Laufe einer längeren vertrauensvollen Mandantenbeziehung und wird von mir maximal dann angeboten.

    Geschenke bisher nur luftdicht verpackte erhalten, wie Merci-Großtafelpakete; verschweißte Marzipantorten von Niederegger, und oft eben Dankeskarten und - am allerbesten - die Weiterempfehlungen.

    Iris

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  3. Wie geht es den Enten?
    Und bei dem Gemüse wäre ich noch vorsichtiger. Wer weiß schon, wo das herkommt und womit es behandelt wurde...

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  4. Hallo Frau Kollegin!

    Mir ist mal etwas ähnliches passiert. Nachzulesen unter www.isarbote.de, Kolumne "Mein gutes Recht".

    Herzliche Grüsse aus München und vom Oktoberfest!

    Danica Stanojevic

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  5. "Wer also gerne ein Stück Marmorkuchen hätte, kommen Sie vorbei."

    ".... Kuchen an die Enten verfüttert."

    So gehts einem. Erst wird man eingeladen und dann muss man sich mit den Enten um den Kuchen prügeln :(

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