Mittwoch, 1. September 2010

Leichte Anwaltsauswahl?

Der Kollege Nebgen gibt in seinem Blog einen kurzen Abriss über die Geschichte der Fachanwaltschaften. Ein Kommentator meint, dass es dem Bürger doch in der Regel gelinge, sich den richtigen Anwalt zu suchen. Das trifft nicht immer zu, wie mir kürzlich ein Anruf zeigte.

Anrufer: "Hallo, Sie kennen sich doch mit Pferderecht aus, sind Sie da Fachanwältin?"

Ich: "Einen Fachanwalt für Pferderecht gibt es nicht, als Reiterin kenne ich mich mit Pferden aber sehr gut aus und bearbeite auch Mandate im Pferderecht. Was ist denn ihr Problem?"

Der Anrufer schildert recht ausufernd eine hoch komplizierte Geschichte, in der es im Wesentlichen um Insolvenzrecht, Gesellschaftsrecht und am Rande Steuerrecht ging. Er gehörte in die Hände eines Kollegen, der im Insolvenzrecht fit ist und an einen solchen habe ich ihn verwiesen. Ein bisschen besorgt war der Anrufer, ging es doch um Pferde und mit denen hat der empfohlene nichts am Hut.

Eine andere Anruferin mit einem pferdischen Problem fragte besorgt, ob ich mich auch mit gescheckten Pferden auskenne.

Solche Fehleinschätzungen des eigenen Problems gibt es häufiger. Vielleicht wird ein Fachanwalt für Medienrecht auch angerufen, wenn der gekaufte Fernseher mangelhaft ist?

Kommentare:

  1. Herrlich :-) Pferderecht!!!

    Erinnert mich an folgendes berühmte Zitat zum Thema "Law of the Horse":

    "[...] the best way to learn the law applicable to specialized endeavors is to study general rules. Lots of cases deal with sales of horses; others deal with people kicked by horses; still more deal with the licensing and racing of horses, or with the care veterinarians give to horses, or with prizes at horse shows. Any effort to collect these strands into a course on 'The Law of the Horse' is doomed to be shallow and to miss unifying principles."
    Dean Gerhard Casper, quoted by Frank H. Easterbrook, Cyberspace and the Law of the Horse, 1996 Univ. of Chicago Legal Forum 207.

    AntwortenLöschen
  2. Jaja, hohe Streitwerte, solvente Mandanten. Oder heulende junge Mädchen, die anrufen, weil der Reitlehrer "Schneeflocke" zum Schlachter geben will. :-)

    AntwortenLöschen
  3. Hatten wir schon in der Kanzlei: "Sie machen doch Gesellschaftsrecht, ich bin von einer Gesellschaft verklagt worden"

    AntwortenLöschen
  4. @Brandau
    Wahrscheinlich die Telekom. ;-)

    AntwortenLöschen
  5. OK, Ausnahmen bestätigen die Regel. Es fällt mir aber schwer zu glauben, dass es solche Ausreißer in bedeutender Anzahl gibt.

    Vielleicht wird ein Fachanwalt für Medienrecht auch angerufen, wenn der gekaufte Fernseher mangelhaft ist?

    Kommt darauf an, was genau mangelhaft ist: Der Fernseher, oder das Programm, das er zeigt... ;-)

    AntwortenLöschen
  6. Solche Fehleinschätzungen gibt es unter Mandanten zuhauf, unabhängig von Fachanwaltstiteln. Viele als familienrechtlicher Fall angekündigte - und dem entsprechenden Kollegen zugewiesene Termine - stellen sich sodann als erbrechtliche Fälle heraus und umgekehrt. Mandanten, die eine Beratung im "Internetrecht" wünschen, haben in der Regel kauf-, urheber- oder wettbewerbsrechtliche Probleme.

    Auch hier gilt die Regel: je dringender ein Mandant für sein 08/15-Problem einen ausgewiesenen Spezialisten und "Staranwalt" sucht, desto anstrengender wird die Mandatsbearbeitung, desto kleiner ist der Streitwert, desto geringer ausgeprägt ist die Zahlungsbereitschaft des Mandanten.

    AntwortenLöschen
  7. @Heini
    Na, wenn doch der Opa tot ist...Was soll das denn sein? Familienrecht natürlich. ;-)

    AntwortenLöschen
  8. Menschen stecken andere Menschen gerne in Schubladen, müssen das aber tun, weil sie sonst mit ihrem assoziativen Gedächtnis (hier riecht's nach Zimt, das erinnert mich an den BMW den ich damals hatte ....) noch schlechter zurechtkämen.

    AntwortenLöschen