Mittwoch, 29. September 2010

Arbeitsmotivation

Der Mandant hat keine Erfahrung mit Strafverfahren und hat das erste Mal in seinem Leben ein Ermittlungsverfahren am Hals.

Ich erläutere ausführlich das Vorgehen und die Kostenfrage. Die Zahlung eines Vorschusses ist dem Mandanten augenscheinlich sehr suspekt und schließlich sagt er auch, warum.

"Wenn Sie vorher das Geld haben, dann haben Sie doch keine Lust mehr, sich anzustrengen."


Ich konnte ihm versichern, dass genau das Gegenteil der Fall ist.

Kommentare:

  1. Wunderbar. Der Mann hat erkannt, worum es geht. Der Anwalt ist so eine Art scharfer Hund, der umso besser gehorcht, wenn man ihm die Wurst erst einmal nur vor die Nase hält.

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  2. Oder es passiert das hier:

    http://kunden.ausderhoelle.de/?p=527

    Man versucht es halt überall. ;-)

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  3. Und dann war da noch der Strafverteidiger,
    der einen Betrüger vertrat und sich wunderte, weshalb alle lachten, als er sich darüber beklagte, kein Honorar bekommen zu haben.

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  4. Da hatte der Mandat Recht. Aber schade...er haette hart bleiben muessen.. Erst die Ware/Leistung, dann das Geld! Anwaelte, die einen "Vorschuss" wollen kriegen von mir gleich mal den §467 ASE zu spüren.

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  5. @Anonym 10:53 Uhr

    Sie bekämpfen, was § 9 RVG aus gutem Grunde ausdrücklich vorsieht. Erst das Geld, dann die "Ware".

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  6. Tja, das liebe Geld. Immer wieder ein Stein des Anstoßes. Die vermeintlich raffgierigen Anwälte.

    Vergleichen wir es einmal mit einem Automechaniker. Ein echtes Ärgernis, wenn man für einen vermeintlich kleinen Mangel 1.000,- Euro für die Autoreparatur auf den Tisch blättern muß. Aber man nimmt es hin. Der Handwerker, zumal der einer modernen Fachwerkstatt, hat ja auch "richtig" gearbeitet. Und jeder Arbeitnehmer weiß, daß 40-50 Euro Brutto-Stundensatz keineswegs zu viel sind (wenngleich beim Mechaniker natürlich nicht soviel ankommt). Die eigene Arbeitskraft schätzt man eben sehr.

    Nun hat der Automechaniker oftmals mit 15 die Schule verlassen, eine dreijährige Lehre gemacht und verbringt seine üppige Freizeit (39-Stundenwoche) auf dem Fußballplatz und vor dem Fernseher. Natürlich ist Handwerker ein ehrenwerter Beruf, zu dem ich meinen Sohn jederzeit raten würde (er wird enterbt, falls er Jura studieren möchte). Aber der Anwalt hat Abi gemacht, auf eigene Kosten studiert, auf eigene Kosten eine Kanzlei eingerichtet, usw., und beginnt meistens erst mit 30 Jahren Geld zu verdienen, wobei der Verdienst zunächst äußerst überschaubar und mit den Gehalt jener, die "nur" eine Lehre gemacht haben und schon seit 15 Jahren Geld verdienen, nicht zu vergleichen ist.

    Prozesse dauern lange, manchmal mehrere Jahre. Dafür kann der Anwalt nichts. Während dieser langen Zeit investiert der Anwalt viel mehr Arbeitsstunden als der Automechaniker für die Autoreparatur. Eine Anwaltsrechnung von 1.000,- Euro gilt vielen dann trotzdem als unverschämt und ungerechtfertigt.

    Ich beklage mich nicht. Man kann sich darauf einstellen. Es sind ja immer dieselben, die über Anwaltsrechnungen meckern. Meistens Beamte... :-)

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