Montag, 27. September 2010

Anwalt für Strafrecht - brauch ich doch nicht!

Wenn Menschen erfahren, was ich beruflich mache, dann heißt es meistens:

"Ich brauche Sie/Dich nie!"

In den meisten Fällen ist das auch so und das ist in Ordnung - zumindest wenn es sich um gute Bekannte oder gar Freunde handelt. Ich möchte ja iregendwie doch nicht, dass eine Freundin den Ehemann erschlägt, nur damit ich ein schönes Mandat habe. Ab und dann benötigt aber doch jemand Hilfe, das ist bisweilen ganz amüsant.

Apropos erschlagen: Bei Strafverteidiger denkt offenbar jeder Mensch sofort an Mord, Totschlag und Banküberfälle. Die Überraschung ist dann groß, dass die Kollegen und ich auch weniger spektakuläre Fälle bearbeiten wie Unfallflucht und co.

So schnell ist der vermeintlich hochspannende Beruf weniger spektakulär. Macht aber nichts.

Kommentare:

  1. Unfallflucht ist ja auch eher Kavaliersdelikt, so wie zB Steuerhinterziehung/Steuerhehlerei, das hat doch gar nix mit Strafrecht zu tun, oder?

    AntwortenLöschen
  2. @FrankR
    Ist nicht eigentlich alles, wo kein Blut fließt, irgendwie ein Kavaliersdelikt? ^^

    AntwortenLöschen
  3. Das sehen Autofahrer aber nur so lange so bis sie den Beschluß über die vorläufige Entziehung der Fahrerlaubnis erhalten ;)

    AntwortenLöschen
  4. Immerhin weiß man bei "Strafverteidiger", woran man ist. Ich wurde schon mehrfach gemacht "Was macht denn ein Rechtspfleger?" - die schärfste Interpretation ist noch gewesen "Ach, du kümmerst dich um Nazis?" ^^

    Vielleicht sollte ich auch anfangen zu bloggen, Gesprächsstoff gibt's im Gerichtsalltag allemal!

    P.S.: Nicht auf mich schimpfen, ich bearbeite keine Strafsachen und kürze daher keine 73 von 267 Kopien ;-)

    AntwortenLöschen
  5. Kann man eigentlich bei einem Strafverteidiger einen Kostenvorschuß auf zukünftige, noch nicht begangene Straftaten leisten,prophylaktisch,für den Fall das was schief geht?
    Nicht das ich gerade was plane, aber ich wollt´s immer schon mal wissen.........

    AntwortenLöschen
  6. @Anonym: Nicht direkt, man muss bei dem prophylaktischen Vorschuss dem Umweg über die Rechtsschutzversicherung nehmen. :-D

    AntwortenLöschen
  7. Das leistet jedes Sparbuch auf zuverlässige Art. Die Rechtsschutzversicherung wird sich mit der Zahlung bei Straftaten vornehm zurückhalten.

    Aber vielleicht sollte man schon mal einige Casting-Gespräche bei dem/der zukünftigen Strafverteidiger/in führen, damit man im Notfall auch schnell "seinen Anwalt" anrufen kann.

    Da staune ich ja bei Krimis immer, dass die alle immer sofort die richtige Nummer und einen passenden Anwalt parat haben und selbiger auch sofort angebraust kommt, noch bevor der Kaffee des Ermittlers kalt wird. Wie läuft das in echt ab, Frau RAin? (nein, ich plane gerade auch nix) ;-)

    AntwortenLöschen
  8. @Claudia
    Bei einem sehr "erfahrenen" Mandanten kann das so ablaufen. Ansonsten wundere ich mich oft über das "Ich habe Sie im Internet gefunden."

    AntwortenLöschen
  9. ...."werde ich nie brauchen", so habe ich, bis ich 47 Jahre alt war auch gedacht...........
    Heute bin ich 53, verurteilt, einen Strafverteidiger habe ich nie gehabt.

    AntwortenLöschen
  10. Man, Herr Karsten, Sie lassen wirklich kein Blog aus, um sich einzutragen,mhh?

    AntwortenLöschen
  11. Man wundert sich eigentlich gar nicht mehr, wo man überall die KollegInnen der Strafrechtszunft antrifft. Da unser Recht immer komplexer wird und selbst in den abseitigsten Gesetzen sich Strafvorschriften befinden, ist es in der Tat angebracht, auch bei gestaltender Tätigkeit diese Dimension zu beachten.

    Habe vor kurzem an der Erstellung einer Betriebsvereinbarung zur innerbetrieblichen Fortbildung mitgewirkt, die auch das Thema Comliance zum Gegenstand hatte und - schwupp - war man mitten im Strafrecht....Gerade beschäftige ich mit Fragen der Internet-Nutzung des beruflichen PC zu privaten Zwecken. Spätestens beim Besuch von Communities ist der Arbeitnehmer auch schon im "halbseidenen" Bereich unterwegs.

    AntwortenLöschen