Dienstag, 24. August 2010

Synergieeffekte

So als Rechtsanwalt allein im Büro zu sitzen ist langweilig. Und teuer. Viel schöner uns sinnvoller ist es doch, in Bürogemeinschaft mit anderen Menschen zu sitzen. Man kann sich den Kopierer und das Fax teilen und gemeinsam Kaffee und Toilettenpapier kaufen.

Andere Rechtsanwälte sind zum Zusammenwohnen nur bedingt geeignet, da schnappt man sich nur gegenseitig die Mandanten weg und geht sich auf die Nerven.

Viel spannender ist es doch mit Menschen aus anderen Berufsgruppen. Modedesigner, Friseure, Journalisten, Trainer oder Diätberatern. Es entstehen dann diese tollen Synergieeffekte und alle haben etwas von der Zusammenarbeit.

Leider gibt es so berufsrechtliche Dunkelnormen, die etwas dazu sagen, mit wem ich als Rechtsanwalt beruflich zusammenarbeiten darf und mit wem nicht. Das sind erschreckend wenig Berufsgruppen. Sehr dumm.

Wenn es die Regelungen nicht gäbe und ich nicht mit meinem Kollegen ganz zufrieden wäre, dann hätte ich Interesse an einer Bürogemeinschaft mit einer Polizeiwache oder einem Gefängnis. Wegen der Synergieeffekte eben.

Kommentare:

  1. Moin, moin!

    Wo stehen denn nun diese Dunkelnormen oder mit wem darf man denn?

    JCL

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  2. hier in giessen gibt's eine fachanwältin für familien-& erbrecht, die sich die räumlichkeiten mit einer bestatterin teilt..

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  3. @Anonym
    § 59a Bundesrechtsanwaltsordnung wäre gut.

    @Anonym
    Ähm, ja. Eine besonders schöne Idee. Da kann man die Großpackungen Papiertaschentücher teilen.

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  4. Warum eigentlich nicht mal ein Friseur mit Rechtsanwalt? Oder gleich ein ganzer Schönheitssalon? Zielgruppe: Damen der Oberschicht mit wenig Zeit. Rechtsberatung während der Maniküre.

    Du könntest auch einen Weiterbildungskurs machen und die Maniküre selbständig durchführen. Wenn dann die Nagelpflege noch ein bisschen Strafrecht lernt sind das doch wirklich tolle Synvergieeffekte?

    Gruß
    Joe

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  5. Interessante Frage, über die ich bislang noch nie nachgedacht habe. Unmöglich ist eine solche Büroteilung aber nach § 59 III BRAO aber nicht, sie muss nur rechtlich und tatsächlich richtig ausgestaltet sein.

    Hierzu von der Recke in: Büchting, Beck'sches RA-Handbuch, 9. Aufl. 2007, Kap. N.6 Rn. 137:
    "Eine Bürogemeinschaft entsteht dann nicht, wenn der Anwalt z. B. im Wege der Untervermietung einem anderen Kollegen einige Räume überlässt und sich das Vertragsverhältnis hierin erschöpft. Dem Rechtsanwalt ist es unbenommen, auf diese Weise auch an berufsfremde Personen und Unternehmen unterzuvermieten, sofern die Einhaltung der Verschwiegenheitspflicht gewährleistet ist (® Rdnr. 139)."

    Dem gemeinsame Benutzen der Küche und der Toiletten dürften damit keine Hindernisse entgegenstehen :-) ... bei Kopierer und Fax wird es wohl kritisch... :-(

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  6. § 59a III BROA natürlich...

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  7. @Anonym 18:17
    Richtig. Problematisch wird es dann, wenn z.B. der Wartebereich geteilt wird. Oder eben Fax und co.

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  8. @ RAin Braun

    Beim Wartebereich würde ich keine Probleme sehen, da im Wesentlichen die Geheimhaltung der Mandanten sichergestellt werden sollen. Das ist allenfalls unter dem Aspekt bedenklich, dass durch das gemeinsame Warten mit anschließendem Herreinrufen ein Mandatsverhältnis offen gelegt wird. Ob das aber gegen § 203 StGB verstößt, wage ich zu bezweifeln...

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  9. @Anonym 18:36
    Ich würde bloß nicht auf die Idee kommen und denke mir, dass einige meiner Mandante nicht soooo gerne mit den Kunden beispielsweise der Bestatterin im Wartebreich säßen. Wer weiß, nachher begegnet man der Dame, deren Mann man unter die Erde gebracht hat? ;-)

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  10. P.S. Ein Testanruf bei der Kammer zu der Frage könnte ein großes Späßchen sein. ;-)

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  11. @ RAin Braun

    Na ja, ob das ein guter Vermarktungstrick ist, wage ich etwas zu bezweifeln. Jedenfalls würde ich mich wenn, dann mit etwas cooleren Leuten als einem Bestatter zusammen tun. In Sachen Professionalität dürfte es aber etwas den Touch von Danni Lowinski haben...

    A propos Kammer: Bei meinem Einführungslehrgang in die RA-Station meinte der für Berufsrecht zuständige RA (zugleich stellv. Kammer-Geschäftsführer), dass wir uns im Hinblick auf Kanzlei-Eröffnung ruhig etwas Kreatives ausdenken könnten, wie z.B. Anwaltskanzlei für Verkehrsrecht im Gebäude eines Autohauses... Auch bei den Kammern gehen die Leute wohl mit dem Zeitgeist :-)

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  12. Man könnte auch an eine Bürogemeinschaft mit einer Imbissbude oder einem Café denken. Hier ergeben sich unegahnte Möglichkeiten, z.B. wenn die Bestellung aufgenommen wird. "Kann ich Ihnen noch den Rechtsrat des Tages empfehlen?"

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  13. wenn man Zivilrecht macht, ist wahrscheinlich das einmieten in eine Arztpraxis für Privatpatienten ganz förderlich.

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  14. Man kann ja klein Anfangen, bei einer Überlandfahrt sah ich heute eine Polizeistation und eine RA-Kanzlei im selben Gebäude (allerdings getrennte Räume). Da sind die Wege allerdings trotzdem recht kurz.

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