Mittwoch, 11. August 2010

Keine Damen da!

Der Zeuge ist Inhaber einer Gaststätte. Wobei, "Gaststätte" schon
sehr freundlich ausgedrückt ist. Es handelt sich eher um ein Etablissement, was man guten Gewissens als "versifft" bezeichnen würde. Also, keine weißen Tischdecken, keine Servietten aus Leinen und keine Weingläser aus Kristall. Eher Erbrochenes auf der Toilette.

Der Wirt des Ladens hat nun einen Gast angezeigt. Er soll von diesem geschlagen worden sein. Der Schlag soll eine Reaktion auf ein Hausverbot gewesen sein. Das Hausverbot soll wegen des Gebrauchs unanständiger Worte erteilt worden sein.

Nachdem er sich lange geziert hatte ("Es sind Damen in Raum!") hat der Zeuge endlich das böse Wort gesagt.

Es war eine große Freude, bei der Vernehmung mal ein wenig nachzuhaken und zu erfragen, was denn in dem Laden sonst so für ein Umgangston gepflegt wird. Schön, wenn ein Zeuge sich um Kopf und Kragen redet und von der Anklage schließlich nichts mehr übrig bleibt.

Einen Punkt für Coolness bekommt übrigens die Vorsitzende wegen des Satzes: "Hier sind keine Damen im Raum. Hier sind nur die Verteidigerin und ich."

Kommentare:

  1. Und wenn Sauberkeit und Umgangston in einer Gaststätte zu wünschen übrig lassen, darf man auch den Wirt schlagen??

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  2. @Gast
    So weit ist es dann doch noch nicht. Hier war der Bösewicht aber wohl nicht der Gast, sondern der Wirt. Klassische Verteidigungsstrategie, als Erster eine - falsche - Strafanzeige zu erstatten.

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