Sonntag, 22. August 2010

Ich weiß, dass ich nichts weiß

Ich habe für den Mandanten in einer Bußgeldsache Akteneinsicht beantragt und gleich beim ersten Gespräch mitgeteilt, dass es möglicherweise ein wenig dauern kann. Einen Anruf pro Woche kann sich der Mandant nicht verkneifen. Da kann ich noch so oft erwähnen und versprechen, dass er über alle Neuigkeiten informiert wird.

Dann: Spannung. Post von der Bußgeldstelle.

"Die Akte ist gerade nicht entbehrlich bzw. anderweitig versandt."

Pflichtbewusst leite ich das Schreiben an den Mandanten weiter und finde prompt ca. 24 Stunden später eine Mail vor. "Was heißt das denn? Was soll das? Was bedeutet das genau? Warum wissen Sie das nicht genau"

Es wird endlich Zeit für das hier.

Kommentare:

  1. Na, die Verjährung dürfte doch damit immer weiter in greifbare Nähe rücken, was man dem Mandanten schon mal kredenzen könnte als Zuckerl, um sich in Geduld zu üben? Die Zeit laufe doch für ihn!

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  2. Immerhin haben Sie Ihren Mandanten ja auf eine mögliche Verzögerung hingewiesen. Ärgerlich - und ich finde in diesem Fall sind wöchentliche Anrufe auch berechtigt - ist es, wenn man Rechtsberatung sucht, wie vereinbart die Unterlagen sendet und dann nichts mehr hört.

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  3. "Die Akte ist gerade nicht entbehrlich bzw. anderweitig versandt."

    Was denn nun? Weiss die Bußgeldstelle nicht was mit der Akte ist? Oder ist sie etwa "ausser Kontrolle" geraten?

    Sie müssen den Mandanten auch verstehen, ist ja ein bischen wie Weihnachten. Man bekommt etwas, aber man weiss nicht was. Da kann man schon mal ungeduldig werden.

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  4. @Yosh: Finden Sie wirklich? Welche Unterlagen soll die Rechtsberaterin denn versenden? Die, die gerade nicht entbehrlich bei der Bußgeldstelle liegen? Oder wie wäre es mit folgendem Mandantenschreiben: "(...) teile ich Ihnen mit, dass ich Ihnen nichts mitzuteilen habe." Das wäre doch mal was.

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  5. Eine nette Idee. Dann aber das vollständige Equipment. Es fehlt noch ein langer, wallender Umhang (nein, keine Anwaltsrobe!) und Räucherstäbchen für die richtige Seherinnen-Stimmung und zum Einnebeln der Mandanten, damit die auch glauben, was zu sehen. Und natürlich ein passender Künstlername. Madame Mausi wäre jetzt wenig überzeugend. :-)

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  6. Ich würde eher sagen, es ist Zeit für das hier: § 9 RVG. Das Telefon wird schlagartig schweigen.

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  7. Inspiriert durch die Glaskugel: kennen Sie eigentlich die Heisenbergsche Unschärferelation? Auf Ihren Bereich angewendet würde diese besagen: je exakter Sie das Ergebnis einer Gerichtsentscheidung voraussagen, desto unwahrscheinlicher ist es, dass diese Entscheidung genau so eintrifft ;-)
    Ein Naturwissenschaftler

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  8. @Naturwissenschaftler:

    Jetzt haben Sie Schrödingers Katze aber mit Füßen getreten. ;o)
    So stimmt das aber ganz und gar nicht.
    Die Theorie mit dem Unwahrscheinlichkeitsantrieb für Raumschiffe stammt von Douglas Adams.
    Sie haben einen Blumentopf mit einer Petunie gewonnen.

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