Samstag, 7. August 2010

Hin - und Hergerissen

Der Mandant möchte in einer kleinen Strafsache verteidigt werden. Naja, so richtig verteidigt werden vielleicht auch doch nicht. Besorgt fragt er mehrfach (persönlich, dann nochmals telefonisch, jetzt per Mail) nach, ob die Beauftragung eines Anwalts keine Nachteile mit sich bringe. Die (ja, genau, DIE) könnten nun ja denken, dass er über mich den Akteninhalt in Erfahrungen bringen wolle und sich so auf alles Weitere vorbereiten wolle. Anmerkung: genauso ist es!

Das sei ja aber schlechter als eine ehrliche und umfassende Aussage. Meint der Mandant.

Ich habe ihm nun mit Engelszungen mehrfach erklärt, dass es sein gutes Recht sei, einen Anwalt zu beauftragen und dass die Polizei und Staatsanwaltschaft durchaus daran gewöhnt sei, dass Anwälte sich meldeten, Verteidigung anzeigten und Akteneinsicht beantragten. Das wird bei DENEN keine tiefere Sinnkrise auslösen.
Auf den Aktendeckel wird auch nur mein Name bei "Verteidiger" eingetragen und kein böser Vermerk ("will nicht in den Knast, die Ratte!!") gemacht.

Dieses Hin - und Hergerissensein bei "unerfahrenen" Mandanten finde ich wirklich spannend. Die Filme, in denen Polizisten sagen: "Es ist besser für Sie, wenn Sie mit uns kooperieren und alles sagen." haben wohl einen nachhaltigen Eindruck in der Bevölkerung hinterlassen. Da könnte sich die Imagekampagne des Deutschen Anwaltsvereins noch was abgucken.

Kommentare:

  1. Die Sorge Ihres (offenbar in solchen Dingen unerfahrenen) Mandanten kann ich nachvollziehen.

    Lassen Sie ihn doch einfach seine "ehrliche und umfassende" Aussage machen. Daraus wird er fürs Leben lernen.

    Danach hat er die usprüngliche Sorge sicherlich nicht mehr, sondern vermutlich andere "Sorgen". ;-)

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  2. Das Aufsuchen eines Anwalts ist eben keine Normalität, denn "wenn man schon einen Anwalt braucht" scheint "da" auch was drann zu sein. Dieses Bild wird durch die Medien befördert, nicht zuletzt durch dolle amerikansiche Serien.

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  3. HAHA, wenn man einen Anwalt braucht, wird man schon "irgendwas" gemacht haben..........
    Der Justizvollzug ist nach Schätzung mit so viel wie 10% der Häftlinge bevölkert, die "irgendwas" gemacht haben sollen. Viele davon, hatten sogar Anwälte. Ich auch....

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  4. Fragt sich jetzt, auf wen man als Anwalt eher sauer ist - die Macher von "Ein Fall für Zwei", oder "Tatort"?

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  5. "Ich lege beim Richter ein gutes Wort für Sie ein", ist auch so ein Polizistensatz, der bei vielen Beschuldigten offenbar Eindruck macht. Allein habe ich noch nie einen Kommissar getroffen, der den zuständigen Richter kannte oder auch nur irgendetwas zugunsten des Beschuldigten hätte vortragen können/wollen, was für den Richter relevant und beeindruckend gewesen wäre.

    Es ist das gute Recht eines Polizeibeamten "kriminalitische List" anzuwenden. Es ist aber auch das gute Recht eines Beschuldigten, hiervor unbeeindruckt zu schweigen.

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  6. @Anonym 09.08.10 13:13
    "Nicht ganz" bzw. "Durchaus, aber ...": Es unterliegt der HM, was noch unter kriminalistischer List zu subsummieren ist. In jedem Fall ist konsequentes Schweigen freilich die bessere Alternative; neugierig bin ich jedoch auf das Reaktionsspektrum, welches sich dem "Zur Sache äußere ich mich generell nicht." bei der Polizei anschließt.

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  7. Herr Karsten, wie man unter www.der-fall-helmut-k.de sehen und nachlesen kann, gehen Sie von falschen Annahmen aus, liefern unvollständige Unterlagen, widersprechen sich ständig selbst, und sind sogar durch Amokdrohungen im Internet aufgefallen. Hier das "Opfer" einer "ach so bösen Justiz" zu spielen, ist in Anbretracht Ihrer rechtlichen Situation mehr als unangemessen.

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