Donnerstag, 19. August 2010

Hallo Echo?

Ich berichtete hier über ein Schreiben, welches fröhlich durch Hamburg reiste. Von hier nach da, mit einigen Umwegen. Irgendwann kam es an, bekam einen feinen Eingangsstempel und wurde bearbeitet. Die richterliche Anfrage wurde fristgerecht beantwortet.

Gestern kommt ein Schreiben des Gerichts:

"Das Schreiben des Gerichts vom 17.07.2010 ist beidseitig reaktionslos verhallt. Das mag daran liegen, dass es nur formlos übersandt wurde. Vielleicht hat es die Prozessbevollmächtigten niemals erreicht. Anbei erhalten Sie das Schreiben des Gerichts nunmehr gegen Empfangsbekanntnis."

Reaktionslos verhallt? Beidseitig auch noch? Von mir gar? Ich bin ja auch für mehr Blumigkeit in der Kommunikation. So was wie "..ist unbeantwortet geblieben.." klingt einfach zu nüchtern.

Kommentare:

  1. Freue man sich doch, dass da jemand eine unschädliche Ausnahme vom tristen "Amtsdeutsch" gemacht hat.

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  2. @Anonym
    Genau. Nörgle sie nicht so herum.

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  3. Ich finde es auch gut. "...wurde tatenlos zur Kenntnis genommen...." verwende ich ja selber auch ganz gerne mal.

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  4. Damit etwas verhallen kann, muß man es erst einmal hinausrufen. Schreiben nützt da nicht viel...

    Gestern im Amtsgericht:

    Richter: "Bevor wir anfangen, muß ich erst einmal ein paar Entscheidungen verkünden."

    (Anwälte und Parteien bleiben derweil auf den Zuschauerbänken sitzen. Richter blickt verständnislos)

    Richter: "Was ist los mit Ihnen? Keine Lust? Oder warum hocken Sie dahinten?"

    Anwalt: "Sie wollten doch erst noch verkünden..."

    Richter: "Habe ich innerlich ja schon. Kommt ja eh keiner."

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  5. Wie ein Schreiben verhallen kann, ist mir ein Rätsel. Hat das Gericht gar möglicherweise gar nicht geschrieben, sondern nur aus dem Fenster gerufen? In den Wald hinein? Und wundert sich nun, dass es dort nicht herausruft? Und dann gleich beidseitig verhallt....wie lange mag der Richter über dieser Formulierung gebrütet haben? Erinnert mich an einen Leitsatz von heute morgen, in dem von einem "zurruhegesetzten" Beamten die Rede war. Die Jungs und Mädels ind er Justiz sind wirklich gut im Worte vergewaltigen....

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  6. In 6 Schritten zum juristischen Satz:
    http://ml.42.org/nick-fun/msg00408.html
    ;-))

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  7. @ Axel John: Wobei der gute Anwalt sich Mühe gibt, die Kommata so in den Satz bei Schritt 6 zu streuen, dass dieser garantiert vollkommen unverständlich ist.

    Der Effekt ist, dass derjenige, der so einen Brief bekommt, sich - vorsichtshalber - auch einen Anwalt nimmt. Im Prinzip haben wir hier einen klassischen fall von Marketing vorliegen.

    Als Redakteur und Lektor kann ich übrigens versichern, dass es einige Kollegen gibt, die auch Buchmanuskripte derartig verschraubt abliefern.

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  8. Wortverdreher99bzl19. August 2010 um 17:02

    Aber es geht doch nichts über das verrückt gewordene Grenzzeichen in § 919 Abs. 1 BGB.

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  9. Also, "beidseitig gelähmt" kenn' ich ja, aber "beidseitig verhallt"?

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