Montag, 9. August 2010

Das Netz der Hungerleider?

Im April 2004 bin ich - damals noch als Referendarin oder vielleicht sogar noch Studentin - in ein Netzwerk eingetreten, das hieß damals noch openbc. Das sollte Open Business Community bedeuten. Nun wissen wir ja alle, was Business heißt, Geschäfte sollten da gemacht werden. Als Referendarin war ich eine Exotin, alle anderen Nutzer waren erfolgreiche Geschäftsleute mit Porsche vor der Villa und mindestens zwei Sekretärinnen. Damals zumindest. Heute ist jeder zweite Nutzer entweder Coach oder "Berater". Jeder andere Zweite hat bei Firma "Hier könnte Ihr Name stehen!" eingesetzt.

Vielleicht haben andere Menschen Millionendeals abgewickelt und andere Rechtsanwälte haufenweise sogenannte A-Mandanten da gewonnen, ich nicht.

Nach nunmehr sechs Jahren Mitgliedschaft kommen ca. fünf ordentliche Mandate auf ca. 150 unverschämte Anfragen. Menschen, deren "Unternehmen mit mir wachsen will", was bedeutet, dass ich erst einmal das Problem mit diesem Verfahren wegen Untreue löse und dann in ferner Zukunft - so Gott will - einmal dafür bezahlt werde. Andere Nutzer teilen sofort freudig mit, dass eine Bezahlung ja nicht nötig sei. Schließlich handele es sich ja nur um einen kurzen Tipp, den ich so aus dem Ärmel schüttele und denn ich gerne erteile. Man kennt sich ja schließlich fast und quasi.

Wieder andere Mitglieder wollen anwaltliche Leistung gegen etwas anderes tauschen: gegen ein Coaching, eine Reikibehandlung, gegen Dienste als Hundesitter, gegen einen gestrickten Schal oder einen feinen Schokoladenkuchen. Ich will meine Anwaltstätigkeit aber nicht gegen eine Bachblütenbehandlung tauschen, ich will damit Geld verdienen.

Vergessen habe ich die Unmenge an Menschen, die gerne irgendeine Art der Kooperation mit mir wollten oder die Kollegen, die ihre Kanzlei zum Kauf anboten. Alle Anfragen dieser Art kamen völlig aus dem Nichts. So wie der Typ aus der Sesamstraße schnell und unbürokratisch ein "X" verkaufen will, so bieten andere Menschen Firmenbeteiligungen und Ähnliches an.

Bei mir und einigen Kollegen heißt das bekannte Netzwerk jedenfalls nur noch "Das Netz der Hungerleider". Wir sind der Meinung, dass Akquise in "Benni´s Bierbar" um ein Vielfaches besser klappt als in Business Communities.

Und jetzt warte ich geduldig auf Kommentatoren, die mir erklären, was ich alles falsch mache - Foto zu nett, Profil zu unscharf - und die selbst schon Millionen dortselbst verdient haben.

Kommentare:

  1. Also mit 5 ordentlichen Mandaten warst Du direkt erfolgreich! Wenn ich ganz fest nachdenke, komme ich für den Zeitraum auf ganze 3 Mandate! ;-)

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  2. Dank sichtbaren Kontakten in sozialen Netzwerken kann man als Anwalt endlich öffentlich am schlechten Ruf der Mandantschaft teilhaben - und umgekehrt.

    "Ach, man zählt einen Rechtsanwalt zu den Kontakten, da streitet man sich wohl gern mit den Vertragspartnern. Und dann auch noch Rechtsanwalt Muckel aus der Kanzlei Piefke und Geldschneider..."

    "Ach, die Frau Rechtsanwältin Holzapfel hat schon die Herren Pleitowski, van Klau und Eidleister in die Insolvenz beraten... hm, vielleicht doch jemanden anderes."

    Anwaltliche Verschwiegenheit hat(te) schon 'was feines für beide Seiten.

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  3. Aus dem gleichen Grund habe ich meine Premium-Mitgliedschaft dort gekündigt. Zum Aufbau von Geschäftskontakten eignet sich XING nicht wirklich - und für alles andere ist Facebook weit nützlicher. :-)

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  4. "Das Netz der Hungerleider" werde ich mir merken. Besser kann man es kaum ausdrücken.

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  5. Mir fallen zum allseitigen Kostengejammer die Sprüche "Wer mit Peanuts zahlt wird nur Affen gewinnen" bzw. etwas älter "Guter Rat ist teuer" ein. Leider vermisse ich in den Selbstdarstellungen der Anwälte jegliche statistische Kennzeichen zur Entscheidungshilfe bei in Frage kommender Mandatierung:

    Wie viele Mandate haben Sie (bzw. allgemeiner: "hat der Anwalt") bereits geführt ?

    In welchen Kategorien ?(Zivilrecht/Strafrecht/sonstiges)

    Wie hoch ist der Anteil an Mandaten mit Prozesskostenhilfe nach Kategorien ?

    Wie endeten die Mandate im Zivilrecht ? (Gewonnen/Vergleich/Verloren/Mandat entzogen/Mandat niedergelegt/sonstiges)

    Wie endeten die Mandate im Strafrecht ? (Verurteilung/Einstellung nach §153a StPO/Einstellung nach §170(2) StPO/Freispruch/Mandat entzogen/Mandat niedergelegt/Ablehnung durch Gericht/sonstiges)

    Es sollte einleuchten, dass es sich beim Kauf einer Katze im Sack leichter feilscht als beim Kauf einer solchen im Käfig.

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  6. @Anonym 16:13
    Man kann sicher darüber diskutieren, ob man als Anwalt seine Kontakte nicht für andere freigeben sollte.

    @Anonym 16:23
    Freut mich, dass Ihnen die Wortschöpfung gefällt.

    @Anonym 16:30
    Aha. Und die Angaben soll dann wer kontrollieren? Die Anwaltskammer? Da Gedanke hinter Ihren Wünschen leuchtet ein. Um eine tolle Erfolgsquote zu erreichen würde ich dann nur noch Mandaten annehmen, die ein tolles Alibi haben und in der Zwischenzeit von ererbtem Geld leben.

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  7. An den Namenlosen um 16:13: ist ja nicht so, dass man die Kontakte nicht unsichtbar stellen könnte.

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  8. Vielleicht hilft der Hinweis "kostenpflichtig"? ;-)

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  9. @RAinBraun auf Anonym16:30
    Eine Transparenz zu Erfahrungsjahren, Mandatszahlen und PKH-Anteil wäre mit Hilfe der Anwaltskammer machbar & aus Mandantensicht wünschenswert; bzgl. der Erfolgsquoten gebe ich Ihnen freilich recht.

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  10. @Anonym 16:30: Und diese Informationen wären für Sie dann genau von WELCHEM Wert? Glauben Sie ernsthaft, dass es Ihnen hilft zu wissen, ob ein Rechtsanwalt im Zivilrecht 54, 74 oder 90 % seiner Mandate erfolgreich gestaltet hat? Und zur Erstellung einer derart sinnlosen Information soll ein Rechtsanwalt Ihrer Meinung nach unbezahlte Zeit aufwenden? Oder beabsichtigen Sie, den Rechtsanwalt für die Bereitstellung dieser statistischen Daten zu bezahlen? Sagen Sie jetzt nichts - die Antwort ist "nein". Habe ich Recht?
    Beliebter Irrtum übrigens auch: Sie kaufen nicht den Rechtsanwalt ("Katze im Sack"), sondern seine Dienstleistung.

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  11. @Nebgen
    Ich erinnere mich an Kollegen, die von einer 100% Erfolgsquote sprechen. Oder von so Dingen wie "Einen verlorenen Prozess pro Jahr gönne ich mir."
    Dumm nur, wenn das - sagen wir mal "beschönigend" formuliert ist.

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  12. :-)..am Liebsten sind mir immer die Einladungen zu irgendwelchen Treffen in Shanghai;-)..ach, das alles darf man nicht so ernst nehmen..ist schließlich nur Fun..und Unterhaltung und letzten Endes günstige Werbung für einen selbst, naja, obwohl für Außenstehende ja nicht alles sichtbar ist, insbesondere die Firmenadresse, was natürlich ziemlich nachteilig ist;-)...

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  13. Dieses Netzwerk ist sicher per se kein Nutzwerk. Aber durch die eine oder andere interessante Gruppe werden die Mitgliedsbeiträge der Premiummitgliedschaft gerechtfertigt, selbst wenn ich keine Einladungen nach Shanghai wahrnehme...

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  14. @RA Munzinger
    Wo ich Dich sehe: Nicht zu vergessen sind natürlich die überaus reizenden Kollegen, die ich über eine gewisse Gruppe kennengelernt habe. :-)

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  15. hüstel, hüstel, ich freue mich auch sehr Ihre Bekanntschaft gemacht zu haben, Frau Braun;-))

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  16. @RAinJuharos
    Jaja, Sie auch. Und Bettina, Klaus, Thomas, Berti und Schorschi und so weiter. ;-)

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  17. RA Stühler-Walter9. August 2010 um 17:54

    Ja, so eine komische Gruppe kenn ich da auch :-)

    Einladungen nach Shangai (wird man da eigentlich dann shanghait?) nehme ich auch eher selten wahr und auch die diversen übermäßigen Millionenerbe, sie mir dort schon offeriert wurden (tatsächlich habe ich - mir nicht näher bekannte - Verwandtschaft in den USA; ich nehme allerdings bei meinem Glück an, dass mir meine reiche jüdische Erbtante dann eher die rosa Pudel und nicht die 50 Mios vermachen würde ...

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  18. @RA Stühler-Walter: Shanghait kann man überall werden, nur nicht in Shanghai! ;-)

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  19. Also ich habe keine Probleme mit Anwälten offene, also für dritte erkennbare Bekanntschaften zu führen. Der Beruf hat schließlich nichts Unanständiges wie im Mittelalter der Henker. Allerdings habe ich auch kein Problem mit der Erstberatungsgebühr und den dann festzulegenden weiteren Kosten. Von befreundeten Friseuren lasse ich mir die Haare ja auch nicht kostenlos schneiden - ggf. verzeihe man mir den Vergleich so qualitativ unterschiedlicher Dienstleistungen.

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  20. Danke für diese frische Diskussion hier. Auf openbc wurde ich zufällig aufmerksam gemacht. Gehört hatte ich davon "viel Schlimmes", wie man ständig belästigt wird, wie man es da nicht lange aushält.

    Gekommen ist es anders. Viele (echte, leibhaftige, aus dem realen Leben bekannte) Freunde und Bekannte sind hier vernetzt. Einige Gruppen und die dadurch entstehenden Kontakte finde ich sehr bereichernd. Entgegen ersten Befürchtungen sind via dieser Plattform entstandene Kontakte echt, authentisch und zuverlässig. Meine Erfahrung bis jetzt ist: "what you see is what you meet".

    Und - ich gebe es wirklich zu - manchmal beschleicht mich ein Gefühl, dass ich jetzt in diesen Foren abgestiegen bin - von der Geschäftsleitung zu Commodity. Vom Leiter Personal und Organisation zum Berater und Coach. "Heute ist jeder zweite ein Berater oder ein Coach" - ich bin gleich beides! Hilfe. OK - dann denke ich mir, dass ja auch wohl praktisch jeder zweite ein Mann ist. Und damit kann ich ja schliesslich auch sehr gut leben...

    Schöne Grüsse in die Runde....

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  21. @Charles
    Mich würde interessieren, ob andere Berufszweige (wie Coachs) auch umunwunden um kostenlose Leistungen gebeten werden.

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  22. Kostenlose Leistungen in anderen Berufsgruppen?
    Ja sicher, z.B. IT-Spezialisten: "Du, mein PC macht seit vorgestern so komische Sachen, kannst du nicht mal...". Dann versucht man zu erklärt, dass man beruflich mit den Maschinen in den handlichen 2-Meter-Schränken arbeitet und von Windoof auch keinen Ahnung hat.

    Aber, ich hatte das vor längerer Zeit schon mal erwähnt, eine kostenlose Erstberatung gehört bei vielen (Handwerks-)Berufen dazu. Danach folgt dann der Kostenvoranschlag und, mit etwas Glück, auch der Auftrag.
    Anwälte sind da wohl etwas anders...

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  23. Hach Frau Braun, ich glaube nicht das Sie was falsch machen.

    Die üblichen Verdächtigen aus dem Netz der Hungerleider
    nagen an jedem der den Eindruck macht ne müde Mark übrig zu haben.
    Von warmherzigen wortreichen Coaches über Schneeballsystme zu
    omiösen Begleitservices und ähnlichem, das gelesene Wort ist doch Hach so vetrauenswürdig...

    So aktiv so präsent sind einige, da kommt man sich selbst mickrig und unwichtig vor.

    Tja, manchmal ist mein Beruf spannend.
    Da werde ich dafür bezahlt an den Veranstaltungen diverser Netzwerke teilzunehmen. Der Blick hinter den Kulissen. Dabei sein wenn sich Menschen selbst feiern.
    Soviel Glanz auf Profilen, soviele Berufe und Auszeichnungen, schöne Profilphotos, Hach so erfolgreiche Menschen.
    So Grau ist die Realität, so arm ist der Umgang miteinander.

    Fazit nach drei Jahren und ca 20 internen und externe Superdupermegaevents: irgendwo müssen die ja hin, woanders gibst Einlasskontrolle und Dresscode ;-)

    P.S.
    ich muss aber auch zugeben in einer guten Zeit habe ich wirklich gute Menschen kennengelernt, beruflich wie privat. Habe oft profitiert, natürlich auch dementsprechend auf "die Fresse" gefallen.
    Anfragen beantworte ich nur noch mit der Bitte um ein persönliches Gespräch. Und schon hat sich das meiste erledigt.

    P.P.S.
    Schal? Kuchen? Coaching? Wie, das reicht doch zum Leben, alles andere wäre gierig! ;-))
    Ich habe mal einem weiblichen Coach auf den Zahn gefühlt, so präsent und aktiv im Netz, so wortreich und mitfühlend, so politisch korrekt. Seitenweise Artikel waren zu lesen, ob ich wollte oder nicht Da muss doch was dahinter stecken!
    Nachgefragt, genau gesagt was ich suche.
    Die Antwort:
    "Mmmh, Ja interessant. Sie wollen beraten werden? Ja mmh. Rufen Sie mich an, ich rufe Sie erst an wenn ich darüber nachgedacht habe.
    Kunden rufe ich nicht an. Bitte überlegen Sie sich selbst ein Konzept wie wie das umsetzen möchten. Dann können wie gemeinsam an Ihrer Idee denken und arbeiten, irgendwie bekommen wir das gemeinsam hin. umarmende liebevolle Grüsse"
    ???
    Na, dafür brauche ich keinen Coach, so mickrig bin ich dann doch nicht.

    In diesem Sinne

    J. Hanf!

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  24. RAin Petra Hildebrand-Blume9. August 2010 um 22:05

    Über Xing habe ich einige Mandate erhalten, die alle auch zu persönlichen Kontakten führten. Meine Rechnungen wurden ordnungsgemäß bezahlt.
    Nassauer-Anfragen hatte ich nie.

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  25. Mitmach-Community oder Möchtegernseilschaft?

    So ganz hab ich das nicht verstanden, worum es eigentlich geht hier.
    Ich möchte aber mal anmerken, daß unter Softwareentwicklern es ganz normal ist, sich in Foren gegenseitig bei fachlichen Problemen gegenseitig zu helfen. Das ging damals (also bei mir) auf Compuserve los, und geht jetzt im Berufsalltag weiter. Wenn man mal nicht weiter kommt, kann man ne blöde Frage stellen, und da gibt es nette Leute wie man selber, die über ein solches Problem schon mal gestolpert sind, und allen an ihrer Lösung teilhaben lassen.
    Im Gegenzug mach ich das selbe -selbst wenn eine Frage schon zum 20tenmal gestellt wurde, es gibt einen Lösungshinweis, wenn ich einen weiß.
    Da investiert man halt mal etwas Zeit. Ohne das Geld fließt..
    Haben Juristen sowas nicht? *blödfrag*
    Unterm Strich ist das eine win-win Situation.

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  26. @ anonym 16:30 und 16:47

    M.E. wäre eine solche Angabe von statistischen Daten ohnehin berufsrechtlich nicht zulässig.

    Abgesehen davon, kann man anhand solcher Daten kaum auf die Fähigkeiten eines RAs schließen. Die Erfolgsquote im Zivilrecht hängt nämlich von vielen verschiedenen Faktoren ab.


    Die Erfolgssaussichten eines Prozesses hängen nur zu einem Teil von der Qualität der anwaltlichen Vertretung ab. Bei manchen Prozessen sind die Erfolgsaussichten halt einfach schlecht. Will der Mandant dann - trotz entsprechender Warnung des Anwalts - unbedingt klagen (etwa weil er rechtsschutzversichert ist), dann ist es nicht die mangelnde Qualität des Anwalts, die zum ggf. schlechten Ausgang führt.

    Des Weiteren gibt es Rechtsgebiete, in denen die Bereitschaft zum Prozessieren nur teilweise von finanziellen Interessen geprägt ist. Beispielsweise hat ein Mandant, der wegen einer sittenwidriger vorsätzlicher Schädigung zur Zahlung verurteilt wurde, ggf. Interesse an einer Berufung, auch wenn die Erfolgsaussichten finanziell in keinem Verhältnis zum Prozessrisiko steht. Insb. auch im Presse- und Nachbarschaftsrecht wird viel prozessiert ohne dass es nur ums Geld geht.

    Man erlebt es immer wieder, dass Anwälte viel mehr einklagen, als eigentlich begründet ist. Die Klagebegründung ist dann häufig chaotisch und lässt erkennen, dass der Anwalt eigentlich keine Ahnung hat. Dann schlägt der Richter einen Vergleich vor, der Mandant lässt sich schließlich darauf ein und der Anwalt kassiert dann noch eine Vergleichsgebühr. Der Mandant steht nachher viel schlechter da, als wenn er einen geringeren Betrag eingeklagt hätte und die Sache durchgezogen hätte. -- Solche Fälle gibt es ständig, aber Anwälte die so handeln wird man an bloßen statistischen Daten nicht erkennen können...

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  27. @anonym 22.56:
    "Man erlebt es immer wieder, dass Anwälte viel mehr einklagen, als eigentlich begründet ist." Reine Taktik: In jede Nullsummenverhandlung (egal welche !) geht man mi der "MEF", der Maximalen Ernstzunehmenden Forderung hinein, signalisiert geringe Elastizität und kommt mit einem hoffentlich akzeptablen Ergebnis heraus.

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  28. @ Anonym 00:33

    Der Schuss geht m.E. meistens nach hinten los. Folgendes Beispiel:

    Der Mandant hat relativ sicher einen Anspruch in Höhe von EUR 6.000. Eingeklagt werden EUR 8.000. Man einigt sich auf EUR 6.300 (wenn es gut läuft). Der Mandant trägt 20% der Verfahrenskosten, die sich insgesamt auf ca. EUR 4.088,- (2x mal Anwaltskosten, inkl. Vergleichsgebühr, plus UmSt, plus Gerichtskosten) belaufen, d.h. insgesamt EUR 818. Im Ergebnis hat er dann EUR 500 weniger, als wenn er nur die EUR 6.000,- eingeklagt hätte (dabei sind eventuelle Auslagen usw. noch nicht berücksichtigt).

    Im Einzelfall mag es sinnvoll sein, etwas mehr einzuklagen, z.B. wenn man von Anfang an die Taktik verfolgt, einen hälftigen Vergleich anzustreben. Leider erlebt man es aber immer wieder, dass Klagen mit offensichtlich unbegründeten Forderungen aufgebläht werden. Dann kommt es natürlich zur streitigen Verhandlung und anstatt ein Anerkenntnis anzuregen, schägt der Richter dann natürlich einen für den Mandaten teuren Vergleich vor.

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  29. @Anonym
    Diesen fachlichen Austausch gibt es - auch in besagtem Netzwerk - unter Juristen auch. Man diskutiert irgendwas, erzählt sich, wie Richter XY in der fremden Stadt so ist und so weiter. Da haben sich sehr nette Kontake - sogar Freundschaften - ergeben.

    @J.Hanf!
    Naja, zumindest ein paar warme Schuhe für den Winter sollten im Tausch dann noch drin sein. ;-)

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  30. Wie bitte?
    fünf (!) (5!) ordentliche Mandante? so viel?
    also ich komm auch auf diverse Anfragen bezüglich arbeiten für lau, das wars aber schon. Bei mir genau 0 (keines, zero, nada, nüscht) ordentliche Mandate.

    @ Stefan: die "Erstberatung" zur groben Skizzierung was man prinzipiell so machen kann (innerhalb 3 Wochen Klage erheben, Ziel: Unwirksamkeit der Kündigung, eventuell Abfindung) inkl Kostenvoranschlag im Sinne eines Verkaufsgesprächs sollte beim Anwalt auch umsonst sein. Das bedeutet aber nicht, dass ich jemandem 1/2 Stunde erkläre, wie er sein Problem selbst löst.

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  31. @rg
    Ok, ich jammere nie wieder über die 1,4285 Mandate pro Jahr über jenes Netzwerk. Waren immerhin zwei feine OWIs von Mandanten mit RSV.

    Und Ihren Ausführungen @Stefan schließe ich mich an. Jemandem in 2 Minuten sagen, dass der Strafbefehl rechtskräftig ist und das dann abrechnen wollen, das ist albern.

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  32. Für Rechtsanwälte mag Xing und ähnliches vielleicht tatsächlich etwas bringen, aber für Produktion und Handel ist das absolut sinnlos.
    Einfach nur Zeitverschwendung.
    Etwas anderes ist es, wenn man das als Unterhaltung sieht.

    Ein guter Rechtsanwalt gibt eine kostenlose Darstellung der Sachlage und legt die Kosten einer Klage dar.
    Das ist seriös und schafft Vertrauen.
    Leider bin ich mir nicht sicher, ob das Vorgehen auch bei "normalen Leuten" sinnvoll ist, da diese wohl nur einmal zu einem Anwalt gehen.

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  33. Ich habe es nie streng beruflich genutzt, sondern eher meine anderen Musen dort ausgelebt und richtig nette Menschen, richtig nette Kollegen kennen gelernt. Ich möchte es nicht missen. Habe gute Anregungen zu vielen verschiedenen Themen und oft auch Hilfestellung unter Kollegen erfahren. Nassauer habe ich freundlich in ihre Schranken gewiesen und Geld habe ich dort auch etwas verdient, auch wenn es kein Jahresbudget ist. Die Premiumgebühr ist damit für Jahre drin.

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  34. @rg und RAinBraun:

    volle Zustimmung hinsichtlich dessen was hier unter Erstberatung verstanden wird. Die Erwartungshaltung vieler Mandanten geht meiner Erfahrung nach aber durchaus in die Richtung einer kostenlosen 30 bis 60-minütigen Beratung. Man muss halt hart bleiben, ob nun im Hungerleidernetzwerk oder außerhalb.

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  35. Es ist halt wie im echten Leben: da glauben auch immer alle, dass man alles "für lau" bekommt.
    Das habe ich nun im meinen bisherigen Berufen reichlich erlebt: "Kannst Du nicht mal meinen Fernseher auf den Zahn fühlen? Ist bestimmt nur was Kleines"...
    Später als ich meine Ausbildung zum Informatiker hatte, kamen alle Nase lang Leute, die sich ihr Windows zerschossen hatten oder meinten, dass es ja "ein Klacks" sei einen "Heimserver" aufzusetzen...

    Seit ich nun mit meinem Jurastudium angefangen habe, häufen sich die Anfragen zu Mietrecht und Verkehrs-OWis.
    Aber diesmal habe ich eine (fiese) Antwort:
    "Ich darf Dich GAR NICHT beraten...."
    :-P
    Meine Moral zu der Geschicht' von den Leuten, die Fachwissen zum Nulltarif wollen: "Nicht mal ignorieren".
    Gruß
    Alexander K.

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  36. Heute hatte ich in dem Netz, welches nunmehr den warum-auch-immer-Namen-xing-trägt eine Anfrage zur "Wissensspende". Kannte ich noch nicht in all den Jahren, in denen ich dabei bin.
    Aber beinhaltete eine Anfrage und die kompetente Antwort sollte ich dann spenden, nur wie ich die gespendete Antwort von der Steuer absetzen sollte, wollte der gemeinnützige Verein mir nicht verraten. Denke ich zu materiell? ... fragt sich da der Lipper

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  37. @RA Gerth
    Derartige Anfrage habe ich auch schon bekommen. Bzw. ich sollte umsonst beraten und dafür den "überall empfohlen" werden.
    Für Anwälte ist Xing eine Katastrophe!

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  38. Bei mir funktioniert Xing eher umgekehrt: ich stelle fest, dass Mandanten auch bei Xing sind und stelle eine Vernetzung her, wer weiß, wofür es gut ist.

    Nicht zu unterschätzen: Xing als Möglichkeit, abgetauchte Schuldner wiederzufinden :-) Das ist halt die Kehrseite des Selbstdarstellungswahns.

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  39. Ich habe bei Xing oder LinkedIn das Gefühl, dass uns Unterlingen glauben gemacht werden soll, jeder habe eine Chance. Es erinnert mich auch an die Unikontaktbörsen, die mir schon damals so vorkamen als biete man sich dem Frei... äh ... Unternehmen billig und willig an und hin.

    Dass die richtigen Geschäfte ganz woanders gemacht werden, ist eigentlich klar, aber bei sowas wie Xing dürfen wir als nützliche Idioten auch mal mitspielen. Weil nunmal nur die Masse und nicht die Klasse den Umsatz bringt.

    Aber solange sich genügend Deppen (auch ich - denn Hoffnung ist ein verführerisches Gift, das einen betäubt) da anmelden und dabei bleiben, hat wenigstens der Netzwerksbetreiber was davon. Jeden Tag eine gute Tat.

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  40. Ach ja, Facebook, die VZs etc kochen für mich nur unsere Emotionen ab. Den Menschen als soziales Wesen strebt nach Freundschaft und Austausch, und schon sitzen da welche die damit den globalen Reibach machen wollen. Widerlich.

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  41. Ich habe es geschafft seit 7/2007 ALLE meine Aufträge von XING Mitgliedern zu erhalten.

    Mit besten Grüßen,

    Alexander E. Schröpfer
    www.AKQUISE.in

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  42. @Herr Schröpfer (nomen est omen ? )

    so wenig Aufträge hatten Sie seit 7/2007 insgesamt ?

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  43. @anonym

    Schröpfer wie schröpfen aus Raubling wie Räuber

    Es geht dabei nicht um die Menge sondern den Profit.

    Für die Absicherung meiner Familie, der lfd. Kosten, eines Jahresurlaub und der Neuanschaffung eines Cabrios hat gerade so gereicht :)

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