Montag, 26. Juli 2010

Wer isn mein Anwalt, Mann?

Gerade klingelte eine junge Dame an der Tür, die der festen Überzeugung was, dass ich ihre Anwältin sei und sie - genau jetzt - einen Termin mit mir habe. Den Namen hatte ich noch nie gehört, es war kein Termin eingetragen, niemand hatte von der Dame je gehört, alles sehr verwunderlich.

Die junge Dame kramte dann einen Zettel hervor, einen Beschluss eines Hamburger Amtsgerichts: Ihr war eine Kollegin am anderen Ende der Stadt als Plichtverteidigerin bestellt worden. Namensähnlichkeit mit mir bestand nicht, die Kollegin hieß nicht Alexandra Schwarz oder ähnlich.

Ich habe die junge Dame mit einer Wegbeschreibung auf den Weg zu ihrer Anwältin geschickt und hoffe für sie, dass sie am Tag der Hauptverhandlung besser organisiert ist. Eine Entpflichtung wegen "göttlicher Fügung" oder so hätte sich wohl nicht hinbiegen lassen.

Wenn ich bedenke, dass mich schon mehrfach Menschen angerufen haben, die fälschlicherweise dachten, ich sei ihre Anwältin, dann ist das erstaunlich. Naja, Braun, Müller, Meier, da kann man schon durcheinander kommen.

Kommentare:

  1. Die Sorgfalt, mit der Mandanten sich die von ihnen beauftragten Anwälte merken, lässt in der Tat mitunter zu wünschen übrig. Hier stehen regelmäßig Menschen vor der Tür, die nicht wissen, WELCHEN Anwalt aus dem Haus sie beauftragt haben. Etwas seltsam finde ich das schon. Was machen die, wenn sie einen Termin beim Proktologen haben? Gehen die dann versehentlich zum Zahnarzt?

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  2. Und dann muss man sich mal vorstellen, dass es sich bei solchen Leuten ja oft nicht nur um eine vorrübergehende Verwirrung handelt. Es gibt da draußen scheinbar viele Menschen, die anscheinend die elementarsten Zusammenhänge nicht begreifen und dann zu solch grandiosen Schlüssen kommen, wie: "Da bin ich schon mal vorbeigekommen. Da steht Anwältin auf der Tür. Das muss sie sein." Die Frage: "Wieviele weibliche Anwälte mag es in Hamburg schon geben?" kommt ihnen dabei nichteinmal in den Sinn - wäre aber im vergleich dazu ja fast schon eine Spur von Intelligenz.

    Solche Individuen mit zerebraler Einfachstverdrahtung bekommen allenfalls ansatzweise mit was in der Welt, die sie umgibt und die immer schneller und komlizierter wird, eigentlich passiert. Gäbe es einen Lebensführerschein, hätten sie ihn nie bekommen. Aber sie dürfen ohne fremde Hilfe autofahren oder Handy- und Versicherungsverträge abschließen und sollen auf wichtige Schreiben von Werbemüll unterscheiden können.

    Insofern ja eine Glanzleistung, dass sie die Behördenpost als solche erkannt und auf die Anweisung "Gehe zum Anwalt - jetzt" überhaupt fristgerecht reagiert hat.

    Ich will hier nicht spotten, aber ich bin immer wieder erschrocken, dass es so viele Menschen mit solchen Schwierigkeiten überhaupt gibt und frage mich, wie die überhaupt durchs Leben kommen.

    Noch mehr Frage ich mich, wie ein Anwalt, der einen so gelagerten Mandanten betreuen muss, überhaupt sicherstellt, dass dieser nicht von der Gegenseite vor Gericht total zerpflückt wird?

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  3. Ja, das ist ein Thema, über das wirklich mal gesprochen werden musste. Und geteiltes Leid ist es auch: Wir haben ein Haus voller Anwälte. Aber unsere Kanzlei liegt - leider - im 1. Stock. Vor diese Tür gelangt man zuerst, es sei denn, man nimmt ohnehin den Aufzug. Darüber gibt es noch 3 Etagen voller Kollegen. Statt der Beschilderung Vertrauen zu schenken, setzen die meisten Mandanten dieser Kollegen (die uns dafür gelegentlich verspotten, statt Gegenmaßnahmen zu ergreifen) aber auf persönliche Ansprache - unseres Empfangs. Wir wissen auch immer, wer gerade wo ausgeschieden ist und wo er/sie jetzt ist. Und natürlich, wer neu irgendwo dazu gekommen ist. Uneigennütziger Service. Auch das kann man aber noch steigern: Neulich kommt eine ganze Gruppe Verirrter. Sie wollten ein Stockwerk höher zum Notariat. Wegen der freundlichen Auskunft, dieses Notariat jedenfalls befinde sich ein Stochwerk höher, wurde dann reihum erst noch einmal unsere Besuchertoilette in Anspruch genommen (reihum!), bevor man die Wanderung nach oben antrat. Die Partnerversammlung hat sich vorbehalten, ein Schild anzubringen, das man aus der Gastronomie kennt: "Toilettenbenutzung für Mandanten frei. Gäste 50 Cent." Machen wir bei einer Wiederholung des Vorfalls. @Nebgen - ja, diese Leute gehen m.E. auch versehentlich zum falschen Arzt, und man müsste einen darauf spezialisierten Kollegen fragen, ob der Arzt immer merkt, dass er den falschen Patienten hat...

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  4. Meine Fresse: Wenn ich Orthographie und Ausdruck meines letzten Kommentars so betrachte, bewege ich mich offenbar mit Lichtgeschwindigkeit auf die von mir beschriebene Personengruppe hinzu. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum ich mir um die genannten überhaupt Sorgen mache: Ich will nur sichergehen, dass ich gut betreut werde, wenn bei mir mal die letzte Kerze ausgeht... also nächste Woche oder so...

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  5. @Nebgen und Wolf J. Reuter
    Hier im Haus sind mein Kollege und ich die einzigen Anwälte. Da finde ich solche Verwirrungen noch erstaunlicher. Aber Ihre Idee, Herr Reuter, Toilettengeld zu verlangen, hat einen gewissen Charme. ;-)

    @Alleswisser
    Alles wird gut. ;-)

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  6. @RAinBraun: Äh wie jetzt?! Jahrelang Jura studiert, um Toilettenfrau zu werden? Beim nächsten Gang zum stillen Örtchen, werde ich mich also mal diskret mit juristischen Problemen und Fachfragen an die freundliche Dame mit dem Mop wenden? Wie hält man da die im Mandatsverhältnis gebotene Vertraulichkeit aufrecht? Die Kabinen sind ja (leider!) nicht gerade schalldicht.

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  7. Nur zur Vermeidung von Peinlichkeiten: Mein Vorschlag ist nicht, dass Frau Kollegin Braun Toilettenfrau wird. Angeblich ist das Geschäft sowieso fest in der Hand einer rumänischen Mafia, da ist ohnehin kein Reinkommen.

    Aber andererseits: Vielleicht probieren wir mal so ein Schildchen aus? Der Gedanke, ein Mandant könnte einfach hängenbleiben (nicht auf der Toilette) ist mir noch nicht gekommen...aber warum nicht...

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  8. @Alexandra und Wolf Reuter:
    auch der Gedanke, den Psychotherapeuten die Kundschaft streitig zu machen, kommt mir langsam. Wie oft kommen hier in der letzten Zeit Anfragen, die nicht im Ernst Geld ausgeben wollen für einen Anwalt und eine rechtliche Beratung, aber wenn sie schon die Anwältin, die ihnen bekannt ist oder ihnen so empfohlen wurde, an der Strippe einmal haben, die Gelegenheit nicht unverstreicht lassen wollen, das ganze psychische Leid ihrer Sache einmal zu erzählen, gern seeeehr lange, um dann zu hören, dass man einen Termin in der Kanzlei machen müsse, um das RECHTLICH zu besprchen, was durchaus Beratungsgebühr auslöst, und hier und jetzt aber nichts für sie tun könne - und wenn noch so sehr um die sofortige psychische Verarbeitung statt ihrer am Telefon ersucht wird. Da ist doch eigentlich mein Dauerhinweis, dass mein anwaltlicher Stundensatz nicht nur höher ist, als der der Psychotherapeuten, dafür aber auch meine Ausbildung dafür nicht so geeignet mit Jura und der Konzentration auf das Rechtliche ihres Problems, oft hilfreich. Vielleicht aber mal diese Personengruppen dann einbestellen und den anwaltlichen Stundensatz für nicht gelernte therapeutische Massnahmen berechnen ? Kann wohl nicht wirklich richtig sein, hilft aber zur schnellen Beendigung dieses "low cost" Phänomens dieser Tage bei den Betreffenden.

    Gruß Iris

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  9. sorry "die die Gelegenheit nicht unverSTRICHEN lassen wollen "

    mein Gott, die Hitze schwächelt schon das Hirn

    Iris

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  10. @ Iris

    Kurz die Ausbildung zum Psychotherapeut (HPG) gemacht und schon muss man den Stundensatz nicht unbedingt nach unten schrauben.

    @ RAin Braun

    Wenn man das Thema Strafverteidigerin Hamburg in eine Suchmaschine mit dem G am Anfang eingibt und dann einen Link HH Web öffnet, stehen Sie ob Ihres Names ziemlich weit oben. Ausserdem sind dortens nur wenige Frauen verzeichnet. Ergo hat die Dame (wohl wegen der Alleswisser-ischen Einfachstverdrahtung) 1 + 1 zusammengezählt und ist bei einem Näherungswert von 1,56 (aufgerundet 2) darauf gekommen: Strafverteidiger, Frau -> passt.

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  11. Ich habe auch mitunter den Eindruck, daß Menschen vor allem deshalb zum Anwalt gehen, weil sie zuhause keine Toilette haben...

    Davon abgesehen scheinen nicht nur Mandanten Schwierigkeiten bei der Anwaltssuche zu haben, sondern auch Postboten. Jeden Tag müssen wir Post zur Nachbarkanzlei tragen, die versehentlich bei uns eingeworfen wurde. Macht man ja gerne. Umgekehrt erhalten wir auch immer unsere Post von den Kollegen. Leider stets schon geöffnet, abgestempelt und Tage später mit dem Schriftzug "Irrläufer" versehen. Kann man die Post nicht vor dem Öffnen daraufhin überprüfen, ob sie an einen selbst gerichtet ist? Ich habe die Kollegen in Verdacht, einfach neugierig zu sein....

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  12. Wobei ich mir gut vorstellen kann, warum Menschen den Namen ihres Anwalts vergessen haben, wenn sie vor der Tür stehen. Sie merken sich nur beispielweise "Anwalt, Beim Schlump 58". Ist ja auch am effektivsten, Namen sind unter Umständen kompliziert und folgen sowieso keiner Rechtschreibung.

    Blöd, wenn dann mehrere Anwälte in der Kanzlei unter der Adresse arbeiten. Dann kann man nicht vorher beim Türschild spicken.

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  13. @Anonym 27. Juli 2010 09:14

    Würden Sie doch die Post der "netten" Kollegen genauso zurück, auch mit zeitlicher Verzögerung, bringen wie Sie ihre bekommen, würden Sie sich heute nicht mehr beschweren.

    ~Alphan~

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  14. Hallo und danke für die unterhaltsame Geschichte und die Verwirrungen darum wer nur der Rechtsanwalt ist . Verwechslungen gibt es aber nicht nur dort.

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