Donnerstag, 15. Juli 2010

Vorsorge ist alles!

In der letzten Woche haben zwei meiner Freundinnen entbunden und ich stehe vor der Frage eines Geschenks. Tja, was soll man einem kleinen Schreihals schenken?
Silberner Löffel mit Initialien? Irgendwie spießig.
Kucheltier? Da kriegen die so viele, da könnte man das Baby drunter begraben.
Sparbuch? Nee, das ist auch nix.
Strampler mit albernen Aufdruck? Auch irgendwie abgegriffen.
Bilderbuch, Kinderbibel? Lass mal.

Ich dachte mir nun, ich schenke was für die Zukunft und schreibe den Kleinen einen Brief nebst Gutschein für eine Verteidigung im Jugendstrafrecht. Das kann das Kind später wenigstens gebrauchen!

Liebe Leonie-Marie,

Du weißt es vielleicht noch nicht, aber Jugendkriminalität ist ubiquitär. Das heißt, dass Du - obwohl Deine Eltern Neurochirugin und Atomphysiker sind - trotzdem mal einen Lippenstift oder ein Shirt klauen wirst. Deine Eltern werden kreischen, Dir das Taschengeld kürzen oder streichen und Dir furchtbar Angst einjagen. Vielleicht sagen sie auch was von Gefängnis. Mach Dir aber keine Sorgen, ich hol´ Dich da raus und erkläre Dir dann ein neues Fremdwort: Diversion. Und nach der Verhandlung lade ich Dich zu einem Eis ein, aber nicht in der Gerichtskantine.
Deine Tante Alexandra

Kommentare:

  1. Das ist mal wenigstens ein nützliches Geschenk.

    Neurochirugin und Atomphysiker? Was haben Sie denn für Freunde, da kommen ja nie Mandate bei rumm ;)

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  2. Wenn's was wirklich nützliches sein soll: Strampler bekommt man wie Sand am Meer. Dass das Kind aber nach sechs Monaten auch mal andere Kleider braucht, scheint nicht vorstellbar zu sein. Deswegen lieber einen hübschen Pulli in entsprechender Größe.

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  3. Das finde ich wirklich toll, kann ich den Text klauen äh... verwenden? Alternativ könnte man auch die Verteidigung im Owi-Verfahren einschließlich im anschließenden Verwaltungsverfahren verschenken, wenn der/die Racker/in mit dem ersten Joint intus Papis/Mamis Wagen spazieren fährt.

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  4. Babyöl oder andere Verbrauchsgüter - und davon die Großpackung aus der Klinik.

    Den Brief sollte Leonie-Marie aber erst öffnen dürfen, wenn es soweit ist. Sonst meint die noch, um das Geschenk effektiv nutzen zu können, es so effektiv krachen zu lassen, dass der Richter von "Ersttäterin mit Einstieg auf Championsleague-Niveau" spricht.

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  5. So einen Gutschein - in altersgemäßer Abwandlung - hätte ich auch gerne :) Darf ich Sie "Tante Mausi" nennen? :-D

    Yosh

    PS: Einer geht noch: "Praktisch denken, Särge schenken"

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  6. @Anonym
    Wegen der Privatsphäre der Beteiligten habe ich die Berufe leicht verändert. In der Realität ist es noch viel schlimmer. ;-)

    @Marcus und Mausflaus
    Das sind zwei sehr wertvolle Vorchläge.

    @ra kuemmerle
    Dürfen Sie, klar. (hätte ich jetzt Lizenzgebühren verlangen sollen)? ;-)

    @verwickeltes
    Wenn nur die erste Verteidigung umsonst ist, dann könnte ich natürlich eine Einnahmequelle von einiger Dauer..

    @Yosh
    Lassen Sie mich mal kurz nachdenken..Äh. Nein.
    ;-)

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  7. @verwickeltes

    und wenn dann die Champions-League, auch was das Strafmaß angeht, gleich beim ersten Anlauf "gewonnen" würde, wäre dies äußerst unerfreulich

    im Übrigen könnte man ja auch kostenlose Vertretung in einer Zivilsache verschenken und folgenden Kartentext verwenden:
    "Kannst den Nachbar du nicht leiden, lässt du dich beizeiten Scheiden, warst unachtsam du auf der Straße in nicht unerheblich'm Maße, kurz wenn's privat mal wieder knallt, brauchst du einen Rechtsanwalt.Drum will ich als Geschenk es fassen und die Gebühren Dir erlassen. ;-)

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  8. ...arrh...das war jetzt juristisch unpräzise (vgl. letzter Satz). Hätte sich anders aber nicht gereimt.

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  9. Ein Gutschein für ein aktuelles Apple-Gadget im Wert von - heute - 150 EUR, aufgezinst auf das Jahr 2025...das wäre was gewesen ;)
    Vielleicht aber zu zivilrechtlich ;)

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  10. Zum Glück wurde der "Gutschein" personalisiert, nicht auszudenken diesen bei einem großen Auktionshaus meistbietend zu verhökern :)

    .... Obwohl mich die Idee an ein bekanntes Brettspiel erinnert.

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  11. Wichtig ist auch, das Kind parallel in dem "Familiengerichtsverfahren" zu vertreten, wenn Mami die Anklage vertritt und Papa richtet: Taschengeldentzug, Hausarrest, kein Internet, Handy weg --- gegen diese drakonischen innerfamiliären Strafen muss mit aller Härte vorgegangen werden. Wenn also die Eltern zu einem ernsten Gespräch rufen: Erst Tante Braun anrufen...

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  12. Großartig! Ich könnte noch eine kostenlose Beratung bieten, wenn das Tauf- oder Konfirmationsgeld in Zertifikate oder Fonds angelegt wird und dann "wech" ist......

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  13. haben Sie so was auch für Leute, die kurz vor der Rente stehen. Man kann "Vorsorge" ja auch anders verstehen :-)

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  14. @Detlfe Burhoff
    Kollege Nebgen hat wunderbare Patientenverfügungen. ;-)

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  15. heisst der Sohn 'zufaellig' "Niklas-Lasse"?
    *seuftz*...

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