Donnerstag, 22. Juli 2010

Vergewaltiger und Schmuddelkram wollen wir hier aber nicht!

Völlig zu Unrecht (jaja) bekommen in den Blogs immer nur Richter, Staatsanwälte und Polizisten ihr Fett weg. Allein die Suche nach einer Bürogemeinschaft lässt mich für alle Zeiten glauben, dass viele Kollegen psychische Auffälligkeiten haben, die zumindest mit Bachblüten behandelt werden sollten. Übrigens waren da selten Strafrechtler darunter, aber in Einzelfällen mag es auch komische Strafverteidiger geben. Blogger waren wohl auch keine dabei.

Eines der absonderlichste war die Besichtigung einer Kanzlei, die gerne eine Strafverteidigerin aufgenommen hätte - der so genannten Synergieeffekte wegen. Deren Mandanten hätte ich gerne wegen Trunkenheit am Steuer oder Steuerhinterziehung verteidigen können, meinen "Schmudelkram" wollte man aber nicht im Wartebereich sitzen haben.

Verständlich, da ist einem ja der Tag verdorben, wenn man morgens schon einem echten Straftäter über den Weg läuft. Nachher klaut der einem noch die Kaffeetassen oder so. Mit mir und den Kollegen wurde es dann nichts. (Ja, liebe Zivilrechtler, das ist nachvollziehbar. Dann soll man aber nicht nach einem Strafrechtler suchen, bzw. explizit nach einem Wirtschaftsstrafrechtler).

Mit meinem Kollegen in der Bürogemeinschaft jetzt bin ich glücklich und zufrieden. Sicher würde er mich auch nie irgendwelcher Gemeinheiten verdächtigen, wie z.B. des Diebstahls von Fleischsalat aus dem Kühlschrank. Ist mir - der krassen Vegetarierin - schon passiert.

Kommentare:

  1. P.S. Ein Mitverteidiger hat mir mal berichtet, dass sein Exkollege seine Akten gerne mal durchlas und Anmerkungen an den Rand schrieb. So Sachen "stilistisch unschön" und so. Hat auch nicht lange gehalten mit denen.

    AntwortenLöschen
  2. Stilistisch sehr schön wie Sie die Steuerhinterziehung aus der Schmuddelecke heraus gehalten haben, durch Trennung zwischen "Kavaliersdelikten" und "Schmuddeldelikten".

    Die Herrschaften haben sicher mal das Lied von den Schmuddelkindern internalisiert.

    Tja und Salat ist Salat, da darf man auch schon mal die Vegetarierin befragen.

    AntwortenLöschen
  3. Moment Kollegin! Im Vollzug findet man für WKriminelle auch ein eigenes (schöneres) Plätzchen. Warum sollen denn im Wartezimmer die Kapitalanlagegesellschaftsverträge neben den gewöhnlichen Betrügern sitzen? Das machen sie im Golfclub doch auch nicht.

    Fleischsalat und Wirtschaftszivilrecht sind gar nicht so übel. Es kommt eben auf den Metzger und Anwalt an.

    Grüße aus Stuttgart

    AntwortenLöschen
  4. @Anonym
    Hm, zwei verschiedene Wartbereiche wären eine Lösung gewesen, ja. Im einen Zimmerchen als Lektüre das "Handelsblatt" und nebenan "Bild".

    AntwortenLöschen
  5. @RAin Braun:

    Geben Sie mir mal die Adresse dieser netten "Bürogemeinschaft". Ich beauftrage die mal wegen einer für sie lukrativen Zivilsache. Und erwähne dann - so ganz en passant - mal meinen Status als Schwerverbrecher.

    Ob die mich dann wohl rausschmeißen?

    AntwortenLöschen
  6. @Vollzugsteilnehmer
    Wenn Sie schon einen ordentlichen Vorschuss gezahlt haben, dann nicht. Dann kriegen Sie einen schönen Kaffee.

    AntwortenLöschen
  7. Ich bin mit Leidenschaft Strafverteidiger. Aber es gibt so Tage, wie z.B. nach der gestrigen Verhandlung, da möchte ich auch keinen "Schmuddelkram" mehr für Pflichtheini-Vergütung machen....

    AntwortenLöschen
  8. Schön war auch meine Erfahrung in einer Bürogemeinschaft - die erste und letzte Bürogemeinschaft, es hatte mir gereicht -, dass nach meiner Rückkehr eine Strafakte (die ich für Schadensache von der StA zur Einsicht hatte) - und unter Verschluß war, auf dem Flur fand (??), die Sekretärin die Tür zugemacht hatte, um in Ruhe zu telefonieren privat über Stunden und meine Anrufe ins Leere gingen, und nach vielen Gesprächen über "Vertraulichkeit" meiner jeweiligen RA-Kanzlei und der Vermieter-StB-Kanzlei dann bei meiner Rückkehr ein Jurist aus der freien Wirtschaft in meinem Zimmer probe platzgenommen hatte. Er fragte, ob er da mal drin arbeiten könne, weil er jetzt nach Kündigung sich auch selbständig machen will nach über 20 Jahren in der Immobilienwirtschaft. Man brauche ja "nur" 100,- für die Zulassung - und halt mal ab und an ein Büro zum arbeiten, und da passts doch gut, dass ich im öffentlichen Baurecht und Wirtschaftsrecht so oft unterwegs bin.

    Der Mann fand sich schneller wieder aus meinem Zimmer draußen, als ich mir die Brille putzen konnte, und der Bürogemeinschafts-Vermieter hatte binnen 5 Minuten danach meine Kündigung auf dem Tisch.

    Seitdem: Augen auf bei der Gemeinschaftswahl - ich bleib lieber im eigenen Büro

    AntwortenLöschen