Donnerstag, 29. Juli 2010

Trolle bitte in den Wald!

Hier, hier und hier und dort hat sich in den letzten zwei Tagen eine Diskussion über die Blogkultur und den gesellschaftlichen Diskurs entwickelt. Spannend zu lesen und für mich interessant zu sehen, wie ernst man das Thema angehen kann. Ich persönlich blogge, weil ich gerne in dem von mir verwendeten Stil schreibe und mich das Schreiben zwischendurch entspannt. Aus die Maus.

Unentspannt werde ich allerdings, wenn Dinge wie gestern passieren. Am gestrigen Abend klingelte in der Kanzlei mein Telefon und ich wurde unter Bezugnahme auf mein Blog von einem Menschen bepöbelt. Über die Einschätzung des Herren kann ich noch amüsiert lächeln, das geht schon in Ordnung.

Nicht in Ordnung ist, dass am selben Abend jemand - der offensichtlich niemnals Mandant des Kollegen war - dem Kollegen Nebgen über ein Suchportal für Anwälte eine Bewertung gegeben hat, die schon nahezu strafrechtlich relevanten Inhalt hatte. Auch dort erfolgte eine Bezugnahme zu dem Blog und es ist auszuschließen, dass der geschilderte Sachverhalt zutrifft. Fast möchte ich Dinge murmeln wie: Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein und so.

Es gibt also offenbar Menschen, die Zeit dafür solchen pubertären Unsinn aufwenden. Erstaunlich. Meines Wissens wird keine Person gezwungen, irgendein Blog zu lesen. Die Blogs erscheinen auch nicht plötzlich auf wundersame Weise auf dem Bildschirm und brennen sich dann ins Auge.

Meine Oma hätte früher gesagt: "Die sind nur neidisch." Hm. Ich halte mich lieber an die Aussage eines mir bekannten Neurologen und Psychiaters: "Das erleichtert die Diagnose."

Kommentare:

  1. Ach liebe Kollegin, ich würde auch zur Aussage Ihrer Oma tendieren!:)...Sie machen das schon gut und Ihre Beiträge entspannen nicht nur Sie beim Schreiben, sondern mich auch beim Lesen;)...und Irre gibt es überall!!!

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  2. ...und ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, weil ich in den letzten 2-3 Wochen bei Ihnen und Herrn Nebgen sehr häufig (und zuweilen etwas albern) kommentiert hatte. Jetzt habe ich mir den betreffenden Beitrag und die gefühlt 1 Mrd. Kommentare im Blog des Nebgen mal durchgelesen bzw. überflogen... meine Fresse... Das nimmt ja wirklich langsam "heise'sche" Formen an. 8-o

    Aber was soll man sagen? Viel Feind, viel Ehr'. Viel Erfolg, viele Neider. Viele Blogleser, viele Trolle. Mit zunehmenden Erfolg Ihrer beider Blogs werden sie mit genau denselben Problemen konfrontiert, die auf allen beliebten Webseiten auftreten. So lange Ihre Blogs nur einem kleinen Leserkreis internetaffiner Juristen bekannt waren, war das sicher anders.

    Was mich aber immer erstaunt ist, dass der Übergang vom patzigen Kommentator zum Troll kurz und fließend ist. In den Kommentaren zu Herrn Nebgens Blog-Eintrag über die Blog-Kultur regt sich einer der (stets anonymen) Kommentatoren mehrfach darüber auf, dass die seiner Ansicht nach berechtigte Kritik am Blog (weiße Schrift auf schwarzem Grund - hier musste ich Lachen: haben die nichts besseres zu tun???) nicht angenommen wurde, begreift aber nicht, dass nicht der Inhalt seiner Beschwerde, sondern die Form das Problem darstellte. Begreifen solche Leute nicht, dass zwischen einer vernünftig formulierten Reklamation ("Entschuldigen Sie bitte, Sie stehen auf meinem Fuß.") und einer Unverschämtheit ("Ey Du A....loch, geh von meinem Fuß runter, Du W.....r.") ein Unterschied besteht?

    Ach was solls? Manche Leute kann man nicht umerziehen. Da hilft nur ignorieren.

    Grämen Sie Sich also nicht Frau Braun! :-)

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  3. @Alleswisser
    Ich gräme mich nicht, ich wundere mich nur.
    ;-)

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  4. "...und mich das Schreiben zwischendurch entspannt. Aus die Maus."

    Und Auszeit für die Mausi. :-)

    Ansonsten: Links rein, rechts raus. Wenn's natürlich schon um rechtlich relevante Bereiche geht, muss man reagieren. Was ich mir schon alles in den 5,5 Jahren meines Blogs anhören durfte, ist kaum zu beschreiben. Früher habe ich mir jegliche Pöbeleien und Vorwürfe stets sehr zu Herzen genommen, aber irgendwann bin ich dagegen resistent geworden. :)

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  5. Ich handhabe es mittlerweile so, daß üble Kommentare kommentarlos und schlicht gelöscht werden; die IP des anonymen Dummschwätzers packe ich in den Filter und gut ist. Probleme gibt es damit keine, jedenfalls keine für mich.

    Nebenbei: Ein auf diese Weise rausgeschmissener, mir namentlich bekannter Kommentator hat mich gleichwohl weiterempfohlen an jemanden, der einen streitbaren Verteidiger in Berlin gesucht hat. Manchmal ist Konsequenz eben auch bei der Blog-Kommentar-Zensur hilfreich.

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  6. Ich finde, bei Blogs, die man sehr schätzt, die man häufig liest, ist eine angemessere Form der Wertschätzung durchausangebracht. Mache ich auch gerne mal.

    Blogs, die man nicht mag, sollte man nicht lesen. Und was sollte es bringen, einen Blogger für sein Blog zu beschimpfen?

    (Berechtigte) Kritik an einzelnen(!) Artikeln könnte man auch in den Kommentaren der jeweiligen Artikel äußern. Aber einen Menschen für sein Blog an sich zu beschimpfen...

    Lassen Sie den Kopf nicht hängen, ich wüßte einen Ort, an dem man über derlei Dinge herzhaft schmunzeln kann... Sie erinnern sich bestimmt...

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  7. @Nik
    Ich lasse den Kopf nicht hängen, aber ein Stück Torte hilft auch gegen nichts. ;-)

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  8. Also den Herrn Hönig sollten Sie sich lieber nicht zum Vorbild nehmen: kaum ein eigener Beitrag, in dem nicht irgendjemandem totale Inkompetenz oder Böswilligkeit bis hin zur Rechtsbeugung vorgeworfen wird, aber nicht bereit, selbst höflich formulierte Gegenpositionen zu tolerieren.

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  9. Entweder man macht aus einem Blog eine Müllhalde, wofür ich den Lawblog halte, oder man hält den Blog auf ein gediegeneres Niveau.
    Wofür man dann halt leider gelegentlich Zensur ausüben muss.
    Diesem Problem müssen sich nicht nur juristische Blogs stellen, sondern auch Blogs die völlig andere Schwerpunkte haben.


    Carsten Hoenig macht das meiner Ansicht nach am geschicktesten.
    Trollen zeigt er gelegentlich, wo sie einen eigenen Blog machen können.

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  10. RAin Hildebrand-Blume29. Juli 2010 um 15:48

    Ehre, wem Ehre gebührt.

    Neid muß man sich erwerben, Mitleid bekommt man/frau geschenkt.

    Wenn es zu arg wird, nicht kommentieren,sondern löschen.

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  11. @Carsten R. Hoenig ("Ich handhabe es mittlerweile so, daß üble Kommentare kommentarlos und schlicht gelöscht werden")

    Richtig. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass eine moderate Moderation mit anmaßender Empörung - anstelle Einsicht oder Klappehalten - kommentiert wird und immer unverschämter wird.

    Gleich rauswerfen nach dem Motto: Deinungsfreiheit ;-) gibt's in Deinem Blog.

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  12. Ach, Kopf hoch, Ohren anlegen und nicht irrtieren lassen von den Trollen. Es ist schon erstaunlich, dass ein Troll sich überhaupt einen Schritt weit aus dem Schatten des Internets rauswagt und tatsächlich seine Stimme benutzt. Die meisten scheinen mir ein Dasein vor dem heimischen PC zu fristen, zerfressen vom Neid auf andere Blogs.

    Mein Mentor sagt immer: Neid muss man sich erarbeiten, Mitleid bekommt man geschenkt.

    Übrigens, wer Ihren Blog nicht lesen möchte der kann es auch sein lassen. Es ist ja nicht so dass sie jeden potentiellen Besucher mit Handschellen festketten und zum Lesen zwingen :)

    Ich komm gern wieder, auch ohne Handschellen. Denn wenn ich mal groß bin, werd ich Trolljägerin :)

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  13. Und ich säch noch, Frau Braun, säch ich, mach das nich! (Kommentare freigeben). Aber sie hört ja nich!
    (Erinnert sich noch jemand an die Werner-Comics?)
    Jetzt haben Sie den Salat.
    Najagut, Salat soll gut sein für die Figur.
    Werner, die Russen kommen!

    Ich schließe mich der Ansicht von Herrn Hoenig und Tourix an.
    Bis auf das Sperren von IP Adressen - das bringt nix, die werden in der Regel dynamisch vergeben. Da sperrt der Herr Hoenig die falschen, die zufällig irgendwann mal diese Adresse bekommen.

    Frau Braun, eine positive Affirmation für Sie (als alter Esoheini hab ich gelernt, sowas soll helfen, und das tut es unerklärlicherweise oft tatsächlich *imbartkratz*):
    Möge es in Ihrem Blog niemals so (ver)kommen wie in dem von Herrn Vetter!
    Hugh!

    Viele Grüße vom
    Waldbaer

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