Freitag, 23. Juli 2010

Nichtzahler - Modell Elite

Jaja, liebe Leser, da müssen Sie jetzt durch. Es gibt wieder einen Nörgelartikel. Im Zweifel lesen sie nicht weiter.

Die Kollegen Hoenig und Siebers meckerten ja auch schon über Schnorrer und zumindest der Anfrage bei Herrn Hoenig hätte einen Anwalt wohl bezahlen können. Er wollte wohl nicht. Warum Mandanten nicht zahlen WOLLEN, hat verschiedene Gründe: Unzufriedenheit mit dem Ergebnis, Prioritäten (der Golfurlaub ist gerade wichtiger) und so weiter.

Eine Spezies will generell nicht bezahlen: hanseatische Kaufleute. Einen Anwalt bezahlen, das ist irgendwie unanständig (achten Sie jetzt bitte darauf, dass "st" auszusprechen wie einst Heidi Kabel). Wenn man als Angehöriger dieser Gruppe Ärger hat, dann kennt man einen Anwalt, der das Problem diskret löst. Bei dem wird sich überschwänglich bedankt, und wenn er sich das Honorar bei den Gegnern - z.B. diesen unverschämten Mietern des Hauses auf Sylt - holt, dann ist alles in Ordnung.

Wenn man aber beispielsweise den missratenen Sohn vor dem Jugendarrest bewahrt, dann wird die Kostennote ignoriert und nur höchst widerstrebend, nach einigen Erinnerungen und Mahnungen, bezahlt. Beauftragt wird man nie wieder und auf dem Poloplatz nur noch säuerlich angelächelt. Nicht mal einen Champagner will man mehr mit dem einst hofierten Anwalt trinken.

Merken: auch von Mandanten, die aussehen wie Ole von Beust im eleganten blauen Anzug mit Goldknöpfen einen dicken Vorschuss verlangen. Zwar sind die dann auch weg, man hat aber wenigstens nicht gearbeitet.

Kommentare:

  1. [Achtung fieser Kommentar:] Als wenn dem Anwalt dabei zuzusehen, wie er sich selbst in die Hände tackert, eine Leistung wäre, die bezahlt werden müsste... [*lol* Ende fieser Kommentar] Na gut: Ich würde dafür bezahlen, denn für die Show wäre ich gerne bereit Eintritt zu bezahlen... ;-)
    [Ups, das war ja eher das Thema von gestern...]

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  2. Lieber Alleswisser, in diesem beschämenden Moment war ich alleine. :-) Nicht mal bei einem Mandat mit einer Bezahlung auf Stundensatzbasis ist das passiert.
    ;-)

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  3. Liebe Frau Braun, dass heißt also, dass Ihre zahlenden Mandanten nichteinmal diese Showeinlage für ihr Geld geboten bekommen? Schwache Dienstleistung! Traurig, traurig... ;-)

    Aber um auf das ursprüngliche Thema Ihres Blogeintrages zurückzukommen: Ich finde die Beschreibung dieses sehr speziellen, vorgeblich "elitären" hanseatischen Menschenschlages sehr treffend und habe spontan einige Bilder und Erinnerungen vor Augen.

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  4. Du könntest Papa ja mal im Poloclub ansprechen, ob Sohnemann mittlerweile die Entziehung begonnen und auch die übrigen Auflagen erfüllt hat. Du würdest ja gerne bei den zuständigen Behörden nachfragen und ggf. intervenieren, allerdings erst nach Ausgleich der Kostennote. Verdammt, hinter Ihnen stand ja der Präsident, den hatte ich ganz übersehen...
    Vielleicht nicht ganz standesrechtskonform, aber anschließend sollte das Problem geklärt sein :-)

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  5. @RA F. Schneider
    Eine Variante, die durchaus eine gewisse Eleganz besitzt. ;-) Aber, böse, böse. ;-)

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  6. Ersetze "Anwalt" durch "Softwareentwickler" und "hanseatischen Kaufmann" durch "Rechtsnwalt".

    RA: Ich komme nicht mehr in meine Datenbank. Gucken Sie mal schnell drüber, ist für Sie doch nur ein Klacks.
    SW stellt fest, dass RA mit der Registry experimentiert hat, setzt die Kiste neu auf, spielt das letzte Backup (3 Monate alt) ein und berechnet den halben Stundensatz, den RA üblicherweise verlangt.
    Preisfrage: Wie reagiert RA?

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  7. Meiner Erfahrung nach halten diese Menschen eine zu niedrige Rechnung für unständig. Wenn ich nach einem halben Jahr Tätigkeit bescheiden 526,30 Euro nach RVG abrechne und auch noch sämtliche Auslagen aus eigener Tasche vorgelegt habe, laufe ich dieser Rechnung erfolglos hinterher.

    Eröffne ich dem hohen Herrn Kaufmann von vornherein, daß ich meine wertvollen Dienste für seinen mißratenen Sohn nur zu einem Vorschuß von 4.000,- Euro anbiete, wird anstandslos gezahlt. Wer selber hochnäsig ist, hält eine unverschämte Forderung für ein Zeichen von Qualität.

    Das war ein Tip meines Ausbilders während der Referendarzeit. Wir saßen gerade am Hafenbecken, als eine Yacht vorbeifuhr und er traurig anmerkte, daß der stolze Kapitän ihm noch 3.000,- Euro schulde.

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  8. @Axel John
    Sehr unschön.

    @Anonym
    Das habe ich so auch schon gehört. Aber dazu braucht es vielleicht auch ein Büro am Neuen Wall und nicht Beim Schlump, oder?

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  9. @Axel John: Nun, da in Ihren Ausführungen nicht einmal das Wort "Kostenvoranschlag" auftaucht, gehe ich davon aus dass der RA sich darauf berufen wird, die geleisteten Dienste mit Ihnen gar nicht vereinbart zu haben. Oder? Fehlende oder zu Alte Backups sind zudem ja immer Schuld des Dienstleisters - niemals nie nicht desjenigen, der es verbummelt hat. Und überhaupt: Die hälfte seiner Daten ist weg und Sie wollen jetzt auch noch Geld dafür. Da ist es doch schon fast ein Schuldeingeständnis, dass sie nur den halben Stundensatz berechnen. ;-)

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  10. Ts Ts, da hat sich der hanseatische Kaufmann schon so erniedrigt bei Ihnen vorbeizuSchlumpen anstelle seinen guten Kumpel, den "Wirtschaftsanwalt", zu fragen (wäre ja auch zu peinlich, würde die Zöglingsthematik vlt. auch noch im "Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg eV" breitgetreten) und dann haben Sie auch noch die Chuzpe eine Kostennote zu erstellen. [Böse on] Am Ende essen Sie Ihren Kollegen auch noch den Fleischsalat weg. [Böse off]

    .... ein starkes Stück.........

    Chapeau

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  11. @ Alleswisser

    ... nur Hasenfüsse sichern!

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  12. Wie heißt es so schön "Geld hat man nicht vom ausgeben, sondern vom behalten" ;-)

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  13. Bei hanseatischen Kaufleuten gilt doch "über Geld spricht man nicht, Geld hat man". Daher sind Honorarforderungen und auch noch -nachfragen vollkommen daneben. ;-)

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  14. "Aber dazu braucht es vielleicht auch ein Büro am Neuen Wall und nicht Beim Schlump, oder? "

    Ist das so eine schlechte Adresse, wo Sie Ihre käuflichen Dienste anbieten?

    Sieht für mich doch recht zentral gelegen aus? Sitzen die Nobel-/Bonzenanwälte alle an der Alster direkt?

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  15. @Anonym 13:18
    Nein, es ist keine schlechte Adresse. Kein übles Viertel, zentral gelegen, Bahn und Bus direkt vor der Tür. Bestimmte Adressen (Neuer Wall, Elbchaussee und so) machen aber mehr her. Wer da sitzt, der muss gut sein. ;-) Einige Kollegen mieten sich da stundenweise Büroraum.

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  16. Und ich dachte doch tatsächlich noch, daß Hamburger Kaufmannsdenken, ob mit oder ohne Handschlag Synonym für Charakter und An-st-and ist. Der Tipp mit den 4.000 Euro Honorar - nicht Vorschuss- ist gut.

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  17. @Petra Hildebrand-Blume: Naja, mit den an-st-ändigen Hamburger Kaufleutein ist das wie mit katholischen Priestern. Es gibt welche, die wirklich achtbare Menschen sind, und solche, die sich einfach nur für was besseres halten, hinter deren Fassade sich aber Abgründe auftun...

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  18. Gelegentlich habe ich mit Kaufleuten aller Art zu tun (auch hanseatische).
    Die Typen die gerne Show machen kann ich nicht wirklich als Kaufleute bezeichnen. Und mit diesen gibt es auch immer Ärger.
    Die anderen handeln und feilschen und fragen einen Löcher in den Bauch. Aber mit dem bezahlen gibt es keinerlei Probleme.

    Noch einen wesentlichen Unterschied gibt es. Bei den ersteren steckt meist wenig Geld dahinter, weil alles für die Show rausgeschmissen wird. Bei den letzteren erkennt man dagegen nicht unbedingt, dass echtes Vermögen dahintersteckt.

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  19. Scharnold Warzenegger25. Juli 2010 um 11:40

    Die mangelnde Zahlungsmoral hat einen einfachen Hintergrund: der fehlende Erfolg.

    Sohnemann vor dem Knast bewahren kann sich ein Anwalt nicht als Erfolg anrechnen. Woher soll man wissen, daß es ohne Anwalt nicht auch so gekommen wäre? Also sind dessen Dienste überflüssig gewesen. Und wer will dafür schon bezahlen? Besser: Sohnemann aus dem Knast holen. DAS Erfolgserlebnis erhöht die Zahlungsmoral ganz erheblich.

    Es ist generall ein Problem, daß man oft Anwälte bezahlen soll, obwohl einem deren Einsatz nichts oder nur wenig genutzt hat. Muß nicht die Schuld des Anwalts sein, ist aber eben oft so. Und wer will schon für "nichts" bezahlen?

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  20. Naja, da bescheisst oft ein Gauner den anderen.

    Typische Fälle Anstatt einem offensichtlich unvermögenden Kunden zu einem Kollegen zu schicken, der bereit ist, auf PKH Basis den Fall zu übernehmen, werden Betrugsanzeigen gestellt, wenn die dreistellige Rechnung nicht für einen Brief nicht bezahlt wird. Und kann man einen rechtschutzversicherten Klienten nicht gleich mitteilen, das Anwalt nicht bereit ist, für das Rechtschutzhonorar zu arbeiten. Und wenn Anwalt eine Pflichtverteidigung annimmt, die nur deshlab bestellt wurde, weil die Sache schwierig ist, darf auch erwartet werden, dass der Verteidiger die Akte liest und mal in Kommentar und Gesetz schaut.

    Sind vielleicht nicht alle Anwälte so, aber viele. Ist so wie mit den Bauprozessen, da gibt es zahlungsunwillige Bauherrn, aber auch grobe Pfuscher bei den Bauunternehmen.

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