Dienstag, 27. Juli 2010

Mulder, übernehmen Sie!

Erstaunlich, was bei einem Kanzleiumzug so alles mit der Post schiefgehen kann. Seit über einem Jahr bin ich nun in den neuen Räumen. In dieser Zeit habe ich mit dem Nachsendeauftrag mal tagelang keine Post bekommen, dann einmal die gesamte Post der Damen aus der früheren Bürogemeinschaft. Manchmal kamen auch Briefe, die für ganz andere Menschen bestimmt waren.

Das Amtsgericht Barmbek schafft es heute, mir in einer Sache ein Schreiben an die alte Anschrift zu schicken. Seltsam nur, wie die jetzt noch auf die Idee kommen. Klage habe ich unter der neuen Anschrift erhoben, erwidert unter der neuen Anschrift und das Protokoll der Verhandlung hat man mir auch an die richtige Anschrift geschickt. Hat nun der Vorsitzende in sein Anwaltsadressbüchlein geguckt? "Hach, die Braun, die kenne ich doch aus dieser Strafsache von vor zwei Jahren..? Da isse ja, die Adresse."
Dieses Anwaltsleben ist doch immer wieder voll Mysterien.

Kommentare:

  1. Unsere Kanzlei ist Ende 2005 von Charlottenburg nach Kreuzberg gezogen. Manche Briefe landen heute, 4 1/2 Jahre später, immer noch in der alten Kanzlei. Ich rechne damit, daß das auch in 100 Jahren noch so sein wird.

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  2. @Carsten R. Hoenig
    Naja, irgendwie ist das ja auch beruhigend, so eine Konstante im Leben.
    ;-)

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  3. Man sollte genauso sie beim Mobiltelefon die Rufnummer auch die Adresse zum neuen Büro portieren können ;)

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  4. @Anonym: Diese möglichst Deutschlandweit gültige Adresse wird dann unter dem Namen Deutschland-Post oder neudeutsch DE-Mail erfunden?
    Alternativ könnte natürlich auch gleich eine zentrale Kennummer eingeführt werden oder die steuerliche Identifikationnummer nachgenutzt werden.

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  5. Fluch des Internet. Alte Daten schwirren noch nach Jahren bei Google & Co., erst recht bei diesen merkwürdigen Diensten wie "yasni" herum. Mein Vater ist bereits vor Jahren in Rente gegangen, wird jedoch immer noch täglich mit Anfragen behelligt. Eine Google Recherche ergibt, daß sein Geschäft im Internet noch immer in voller Blüte steht...

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  6. @Anonym
    Das Problem ist bekannt. Aber die Geschäftsstelle wird Anwälte doch nicht googeln.
    Denke ich, lasse mich aber ggf. belehren.

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  7. Da hat wohl die Geschäftsstelle geschlampt und den Datensatz im Computer nicht aktualisiert... Vielleicht mal mit etwas Süßem die Damen bestechen? ;)

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  8. @Anonym 17:40
    Aber es hat doch bei den Ladungen etc. immer geklappt.
    ;-)

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  9. Die Lösung ist recht einfach: das AG Barmbek hat vor einigen Wochen auf eine neue Geschäftsstellen-Software umgestellt, die auch eine "neue" Datenbank mit Anwaltsadressen enthält - diese Datenbank wurde vermutlich noch vor Ihrem Umzug erstellt...

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  10. @Anonym
    Klingt einleuchtend und logisch. Aber wenig mysteriös. ;-)

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  11. Geht mir auch so, Alexandra. Bekomme nach nun über einem Jahr an der neuen Adresse nicht nur an die vorherige adressierte Gerichtspost, sondern auch an die vor-vorherige, was nun glaub 3 Jahre her ist. Und dann bitterböse Anrufe der Geschäftsstelle, warum ich denn nicht endlich nun mal das EB zurücksende, und nun wird man wohl mal sich beim Obersten beschweren, dem Gerichtspräsidenten womöglich, wenn nicht noch ne Etage höher, über mich !! wohl dem im Himmel auf den Wolken. Nachdem die Worte dann ausgegangen waren, kam meine Frage, wo sie es denn hingeschickt hätten und dann aber nicht "Entschuldigung", sondern "ja wieso ziehen Sie denn um und melden das nicht zur den laufenden Akten!" Meine Antwort: "Ja wieso haben Sie denn die letzten 6 Monate in dieser Prozesssache meine Meldung verinnerlicht und es hierher geschickt, und jetzt plötzlich an Uralt-Adresse" und dann den Vorschlag: bitte direkt aufs Postfach, das läuft immer und schnell. Und dann gibts auch ein EB am nächsten TAg zurück. Das lehnen manche Gerichte ab, manche knurren, machens aber. Weil sie das ja mit der neuen Adresse seit über 12 Monaten nicht hinkriegen und kein EB zurück dann. Meine Güte, wenn das Leben doch bloß mal komplizierter wäre, gell.
    Den Vogel schoss ein Versicherer mit A... vorne ab, der über die berühmten Zentralnummern und fehlende Zuständigkeiten verfügt. In großer Schadensache - immer feste Sachbearbeiterin erstaunlicherweise - wird meine Mandantin angeschrieben direkt plötzlich, und auf ihre telefonisch Beschwerde hin, die Frage gestellt "ach, haben Sie diese Anwältin noch mandatiert, wo die Post doch zurück kommt (alte Adresse genommen wieder, neue wieder rausgelöscht aus Speicher)". Cooler Trick, funktioniert bloß nicht, denn Mandantin leitet sofort weiter und ich beschwer mich beim Obersten !

    Gruß Iris

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  12. Hmm...auch wenn ich gleich haue bekomme: Die gerichtlichen Versender sind im öD. Die sind nicht so schnell. Nach einem Jahr schon den Anspruch haben das alle Bediensteten die neue Adresse kennen ist, einfach gesagt, auch ein wenig unverschämt.

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  13. @FrankR
    Den Anspruch habe ich nicht. Wie oben geschrieben: in diesem Verfahren habe ich nur unter der neuen Anschrift mit dem Gericht kommuniziert (Klage erhoben, Ladung erhalten etc.).

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  14. Letztendlich gibt es 2 Wege Abhilfe zu schaffen.

    Der eine davon wäre schnell und effizient: Der Bearbeitungsprozess wäre so abzuändern, dass der Sachbearbeiter die Adresse (wenn möglich) grundsätzlich zu prüfen hat, indem er sie mit den Schreiben abgleicht, die unmittelbar zuvor der Akte beigefügt wurden. (Ich habe es so verstanden, dass in den meisten Fällen ja schon ein Schriftwechsel stattgefunden hat.) Diese einfache Arbeitsanweisung würde, wenn sie denn beherzigt wird, sicher viele Irrläufer gar nicht erst entstehen lassen. (Aber das wäre ja auch viiiieeeel zu logisch.)

    Der andere Weg wäre, es zu verbieten, eigene Adressdatensammlungen anzulegen. Stattdessen müsste ein zentrales System zur Verfügung stehen. Dieser Weg ist aufwändiger und birgt das Risiko (wenn nicht gar die 100%ige Wahrscheinlichkeit), dass der IT-Dienstleister ein System auf die Beine stellt, was entweder zu kompliziert ist oder nicht richtig funktioniert oder gar das Problem verschlimmert anstatt es zu lösen. Am Ende würde dann wieder jeder Hansel seine eignen Excel-Listen oder Access-Datenbanken pflegen und alles ist wie vorher.

    Die Welt lässt sich nicht ändern - nur ertragen! ;-)

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  15. Vermutlich ist es eine Holzhammer-Werbeaktion der Post-AG für den E-Brief...
    Stand da nicht irgendwas mir Vertraulich und Zuverlässig, ähnlich, wie bei der Papierpost?

    Beispielsweise teile mir mit einer Frau im Haus, die einen ähnlichen Namen trägt die Post. Mal bekomme ich ihre Rechnungen, und sie meine oder die Post verschwindet ganz. Wenn es sich trifft, dass wir wenigstens einmal im Monat nicht reisen, tauschen wir unsere fremden Briefe.
    Genau im Sinne der Post-Werbung: Zuverlässig und vertraulich...

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  16. Das Problem gibt es wohl öfter mit Behörden.
    Das Problem dürfte sein, dass nur sehr wenige die Adressdaten ändern können / dürfen.

    Von der Stadt Frankfurt wurde ich etwas 3 Jahre lang als Frau Stadträtin angeschrieben (ich bin ein Mann und KEIN Stadtrat).
    Das witzigste dabei ist, dass die Stadträtin, die soviel Wert auf ihren Titel legt in dieser Zeit als Herr angeschrieben wurde.
    :-)

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  17. Mein Tipp: Alte Daten standen noch in der Datenbank.

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