Montag, 12. Juli 2010

Die Methoden der Danni L.

In einer Fernsehserie um eine junge Anwältin gewinnt selbige die Fälle gerne mal mit etwas ungewöhnlichen Methoden, z.B. eigener Detektivarbeit. Ähnliche Arbeit habe ich in einem Rechtsstreit an den Tag gelegt, in dem es um die Frage geht, ob die Verkäuferin eines Pferdes Unternehmerin ist oder nicht.

Der gegnerische Anwalt schrieb, es bliebe mein Geheimnis, wie ich darauf käme. Naja, nicht ganz: Zum einen haben meine Mandanten die Vermutung geäußert und dann habe ich recherchiert. In der mir vorliegenden Verkaufsanzeige war eine sehr prägnante Formulierung, die ich mal bei google eingegeben habe. Treffer, massenhaft Pferde, Hunde und andere Tiere wurden zum Verkauf angeboten. Selbst noch einmal angerufen und die Beklagte am Telefon gehabt.

Bei dem Streitwert ist der Einsatz unwirtschaftlich, aber ich freue mich auf die mündliche Verhandlung. Vielleicht bildet Fernsehen ja doch?

Kommentare:

  1. Der Anwalt als Detektiv. Man könnte sicher viel mehr Fälle gewinnen, wenn man den Vortrag des Mandanten durch eigene Recherchen unterstützen würde. In den wenigen Fällen, in denen ich Gelegenheit dazu hatte, hat sich das immer als hilfreich erwiesen. Leider geben die gesetzlichen Gebühren und die verfügbare Zeit das meistens nicht her und der Mandant ist regelmäßig nicht gewillt, den Mehraufwand zu bezahlen.

    Mitunter ist es aber schon erhellend, wenn man sich vor Ort ein eigenes Bild machen kann und feststellt, daß die Firma "Import Export International Group" in einer baufälligen Scheune in Hintertuttelbach residiert und außer einem handgeschriebenen Klingelschild nichts zu bieten hat. Manchmal gönne ich mir das kleine Erfolgserlebnis auch auf eigene Kosten, wenn es gilt, den Gegner in die Pfanne zu hauen.

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  2. Was wird aus den Matulas der Republik, wenn die Anwälte das jetzt schon selber machen?!

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  3. Dank google (und google maps) und social networks ist der Zeitaufwand bei vielen kleinen Dingen des Lebens ja recht überschaubar.

    Vielleicht verlangt ja der BGH in naher Zukunft sogar, dass ein Anwalt zumindest kurz strittige Tatsachen googelt, um sich nicht schadensersatzpflichtig zu machen? ;)

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  4. Sehr lobenswert, und wohl auch selten. Ein Anwalt meinte zu mir mal: "Anwälte sind Rechtsexperten, nicht Sachexperten".

    Wobei Sie Danni L. nicht erwähnen sollten. Die Dame hat in der Serie bereits mindestens 2x Mandantenverrat begangen.

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  5. @Tilmann Hausherr
    Danni tut in jeder Folge mindestens eine Sache, die "in echt" zumindest eine Rüge der Kammer nach sich ziehen würde.

    @Anonym
    Könnte gut sein.
    ;-)

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  6. Ich habe die Frau Danni L. heute zum Ersten mal versucht anzuschauen. Es ist beim Versuch geblieben. Da kenne ich genügend bessere Anwälte, egal ob im Straf-, Zivil- oder Insorecht.

    Das Ding ist ja sogar noch schlimmer als die Pseudoverhandlungen die nachmittags stattfinden. Beim Mandantenverrat mal nur ganz vorsichtig angefangen.

    RL sieht doch irgendwie gänzlich anders aus. Möge diese Serie alsbald, genauso wie die Nachmittagsgeschichten endlich von dem Bildschirm entschwinden. Da gab es insgesamt schon bessere Anwaltsserien.

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  7. Danni L. kenne ich nicht, aber solange Sie nicht zu den Methoden von Alan Shore oder Denny Crane greifen müssen :)

    gruß
    Andreas

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  8. Ich finde die Art der Mandantsbearbeitung durchaus interessant und lustig. Mancher Kollege sollte sich tatsächlich ein wenig abschauen.

    @RainBraun: Ich hoffe, dass lediglich die Methodik als Vorbild dient und nicht das Beziehungsleben ;-)

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  9. ...gestern Abend war der Plot der Sendung auch wieder haarsträubend. Wobei mir immer noch nicht klar ist, aus welchem Grund D.L. von der Kammer die Zulassung vorläufig entzogen wurde...

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  10. RAin Braun bald im Privatfernsehen? :-)

    Ist doch schön wenn Anwälte ihre Mandate nicht nur schlichtweg verwalten.

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  11. @Sven
    Och nö. Wobei, so eine Rolle bei Frau Salesch..

    @Anja
    Ich habe es nicht gesehen (Du weißt ja, der mangelnde Fernseher). Gibt es überhaupt vorläufige Entziehungen der Zulassung? Kenne ich nur bei der Fahrerlaubnis.

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  12. @RAinBraun
    ..keine Ahnung - war selbst noch nicht betroffen ;-))

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  13. Auffällige Unterschiede zwischen TV und RL finde ich immmer bei den Zuschauerplätzen. Im Fernsehen ist immer voll, im Gericht nie - klar wer hat auch um 9 Uhr Zeit?

    Und dann laufen die Anwälte nie herum, weder beim Fragen noch beim Plädieren - ist hier auch selten Platz, die neuen Säle sind recht klein.

    Und provokative Befragungen bei denen dann der Täter sich schließlich genervt offenbart kenne ich auch nur aus dem Film.

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