Sonntag, 4. Juli 2010

"Die is´ nich´ am Platz"

Bis man sich als Junganwalt eigenes Personal leisten kann, vergeht in der Regel eine Weile. Keine Schande, wie ich finde.

Das Fehlen einer Rechtsanwaltsfachangestellten wird von einigen Kollegen auf höchst unterschiedlich kompensiert.

Einige - vorwiegend männliche Kollegen - setzen die bereits verrentete Mutti ans Telefon und lassen Mama auch Mahnanrufe machen. Ob es bei einem renitenten Nichtzahler allerdings hilfreich ist, wenn Mutti darauf hinweist, dass "der Junge auch was essen müsse", das sei dahin gestellt. Bisweilen bekommt man als Kollegin dann tiefe Einblicke in´s Private und weiß genau, darum der Kollege nicht da ist (entzündeter Zahn, schwangere Freundin, Beerdigung von Onkel Franz etc. pp.).

Ein Praktikant oder eine Praktikantin ist auch nicht immer die beste Lösung. So verkündete mir die Praktikantin einer Kollegin neulich vertraulich, dass "die Frau Anwältin gerade aufm Klo sei". Aha. Ich hoffe, es war nichts Ernstes.

Eine Kollegin hat den Vogel abgeschossen, indem sie sich am Telefon regelmäßig für ihre eigene Sekretärin ausgegeben hat und dann zu sich "verbunden" hat. Dumm nur, dass er Hörer einfach neben das Telefon gelegt wurde und jeder Anrufer deutlich bemerkte, dass er mit ein und derselben Person sprach. Die meisten Anrufer dürften das irritierend gefunden haben. ;-)

Kommentare:

  1. Die letzte Episode erinnert mich an den Junganwalt, der einen vermeintlichen Klienten nahen hört, den Telefonhörer ergreift und ebenso hektisch wie wichtig in die Leitung brüllt, sich schliesslich verabschiedet und dem inzwischen im Büro stehenden Besucher zuwendet. Auf die Frage, worum es denn gehe, antwortet dieser, er habe den Auftrag, das neue Telefon anzuschliessen...

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  2. Nach einem Telefonat mit meiner Mutter hat sich die Meinung verstärkt, dass Mutti als Sekretärin keine gute Idee gewesen wäre. Verstanden hätte den Dialekt hier in Hamburg eh keiner.

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  3. Als Vorzimmerersatz gibt es doch "virtuelle Büros". Die nehmen Telefonate an etc.

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  4. www.anwaltssekretariat.de

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  5. "Das Mausi muss auch mal was essen." Welch´ Vorstellung.

    *lach*

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  6. @fernetpunker
    Eher: "Horche Se ma, so geht das awwer net, dass Sie die Rechnung vom Mausi net bezahle. Des muss schließlich unsere Rente emol zahle, gelle!"
    ;-)

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  7. War die Kollegin, die sich selbst verband männlich?

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  8. So teuer ist Personal nicht. Ein Azubi verdient kaum etwas. Und wenn man fast keine Skrupel mehr, dann greift man in die Resterampe der Schulabsolventen und lässt sich das Ganze auch noch vom Arbeitsamt fördern.

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  9. rechtsleidenschaftler6. Juli 2010 um 08:56

    Hehe lol, das sind ja mal Geschichten, ich bin gelernte RA-Fachangestellte, bald ein Jahr im Berufsleben und weiß ganz genau, was ich in solchen Fällen sagen kann. Da bietet sich ja ne riesen Palette an. Ich liebe es, wenn sich die Anwälte verleugnen lassen, ich finde das lustig

    @rain braun: Ich lese schon länger ihren blog, super sache und ihr humor ist super. Freu mich schon auf meine neue kanzlei in nbg

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  10. @rechtsleidenschaftler
    Vielen Dank!

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  11. das ist doch ganz einfach zu lösen auf professionelle und kostengünstiger Weise. Es gibt externe, hervorragende Sekretariate mit festen zugehordneten Mitarbeitern. Nutze ich selbst. Bitte darauf achten, dass jede einzelne Angestellte des externen Sekretariats die Verschwiegenheitsverpflichtung in DEINEM Büro unterschreibt, nicht in deren Büro (wie bei anwaltssekretariat). eine quasi "Verschwiegenheitserklärungskette" nur erfüllt sonst nicht die berufsrechtlichen Vorgaben der Hamburger Kammer. Ich nutze seit langem für Sachbearbeitung und Telefon - passiv und aktiv -
    compactel.de

    Gruß Iris

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