Mittwoch, 28. Juli 2010

Besser ein ehrlicher Mord, als eine Scheidung!

Bei einem Telefonat mit einer im Familienrecht tätigen Freundin ist mir mal wieder deutlich bewusst geworden, warum ich eine Aversion gegen Familienrecht habe. Zu viele Tränen, zu viele alte Geschichten, zu viele traurig guckende Kinder, zu viele Emotionen, zu viele Packungen mit Taschentüchern im Besprechungsraum.

Ich bin mir nur noch nicht sicher, ob Erbrecht nicht noch schlimmer ist.

Kommentare:

  1. Doch, isses!!wenn man um ein paar Socken des Erblassers unter Geschwistern streitet:))...im Übrigen, das ist mein Spruch, den Sie als Titel wählten (wohl Gedankenübertragung??);)))...Scheidungen sind fürchterlich...aber, wahrscheinlich härtet man auch als Scheidungsanwalt irgendwann ab!

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  2. Echt? Das sagte mein Ausbilder im Referendariat immer.

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  3. 1. Man härtet genauso ab, wie der Chirurg oder der Nebenklage-Vertreter. Man kann nicht alles Unrecht wieder gutmachen.

    2. 80% der Scheidungen sind problemlos, die anderen verursachen 80% der Arbeit und kosten 80% der Nerven, insbesondere, wenn Kinder involviert sind. Zu allem Überfluss bringen diese 20% meist nicht einmal 20% des Einkommens. So ist halt ein Teil pro bono/Idealismus dabei.

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  4. in abgewandelter Form kenne ich diesen Spruch auch noch von einem Amtsrichter: lieber einen (ehrlich) geständigen Straftäter als eine Scheidung;DD...

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  5. wir nannten als Studis damals den Erblasser auch gerne mal Er-blasser;))...und den Wide-Ruf..aber das führt jetzt zu sehr ab..:)

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  6. Die Scheidung an sich dürfte sogar in mehr als 80% der Fälle unproblematisch sein.
    Aber die daran hängenden weiteren Verfahren (insbesondere Hausrat, Sorgerecht etc.) sorgen dafür, daß man sich den einen oder anderen "ehrlichen" Straftäter herbeiwünscht.

    Gerade in Familiensachen neigen einige Mandanten zudem dazu, dem Anwalt möglichst alle 2-3 Tage die neuesten Entwicklungen gaaanz ausführlich mitzuteilen. Es könnte ja wichtig sein, daß das Auto des Ex jetzt schon 2x in einem Stadtviertel gesichtet wurde, in das er sonst nie und nimmer nich gefahren ist.

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  7. @kanzleiundrecht
    Genau. Und damals, auf dem Geburtstag von Tante Grete vor acht Jahren, da war der/die Ex auch schon irgendwie so komisch.

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  8. "Ich bin mir nur noch nicht sicher, ob Erbrecht nicht noch schlimmer ist."

    Kommt auf die Erbmasse, den damit verbundenen Streitwert und die Verbissenheit der Parteien an. Kleines Beispiel dazu:
    Junior übernimmt die Kanzlei des Vaters.
    1 Woche später berichtet er ihm, dass er die Erbengemeinschaft Meier zu einem Vergleich gebracht hat und fragt den Alten, warum er das nicht geschafft hat.
    Kommentar des Vaters: Wozu? Immerhin haben die dein Studium bezahlt.

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  9. Rain Hildebrand-Blume28. Juli 2010 um 18:20

    Scheidungen komplett: 20 % Rechtsberatung, 80% psychologische Betreuung, Krankenschwester, Beichtvater( gibt es auch das Wort Beichtmutter?).
    An schönsten sind die mit Verfahrenskostenhilfe mit diversen Versöhnungen zwischendurch, bevor der Bewilligungsbeschluß vorliegt.

    Übernehme daher, wenn überhaupt, nur noch einvernehmliche Scheidungen.

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  10. "Ich bin mir nur noch nicht sicher, ob Erbrecht nicht noch schlimmer ist."

    Hm, im Wort Erbrecht steckt der Imperativ "erbrecht!" drin ...

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  11. @RAin Hildebrand-Blume:
    Ist ja fast wie im Sozialrecht! Da sind die Verhältnisse -> 10% Rechtsberatung zu 90% psychologische Betreuung. ;-)

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  12. Angesichts der Kommentare frage ich mich denn doch,
    warum das Familienrecht das mit Abstand am häufigsten vertretene Rechtsgebiet wäre.

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  13. @laertes

    Dann sollte man aber auch den Stundensatz eines Psychologen vereinbaren. Es ist in meinen Augen nicht einzusehen, weshalb eine 300,- Euro Rechnung eines Anwalts als Unverschämtheit angesehen wird, obgleich man dafür stundenlanges Palaver, Tränen und die Kanzlei verwüstende Dreckwänste ertragen mußte, die alle zwei Minuten aufs Klo rennen oder die FamRZ aus den Regalen zerren, während jeder andere Selbstständige ganz selbstverständlich auf Stundenbasis abrechnet.

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  14. Mein Kanzleikollege macht ja Familien- und Strafrecht und erklärt mir regelmäßig, dass beides sehr eng zusammenhängt. ;-)

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  15. @Anonym, 29.07.2010, 09:37 Uhr:
    Vielleicht wäre eine Doppel-Qualifikation sinnvoll, denn dann kann man auch gleich doppelt abrechnen.

    @Stadler:
    Ihr Kanzleikollege hat recht, nur sollte man ergänzend erwähnen, wo der wesentliche Unterschied zwischen beiden liegt: Familienrecht ist gefährlich - für Leib und Leben.

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  16. Meine Ausbilderin (Fachanwältin für Familienrecht) erörterte im Kollegenkreis öfter ihre Theorie, ob scheidungswillige vermögende Ehegatten mit einem gut verteidigten Totschlag "im Affekt" im Zustand einer zumindest vorübergehend verminderten Schuldfähigkeit nicht billiger und besser wegkommen als mit Zugewinnausgleich und Unterhaltszahlungen: "6 Jahre fangen und 3 absitzen ist doch besser als 6 Mio. verdienen und 4 Mio. hergeben."

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