Donnerstag, 8. Juli 2010

Ausfallhonorar

Der Anrufer will zuerst eine wichtige Frage stellen. "Haben Sie den Mut, gegen einen Richter vorzugehen?"

Diese Frage gehört, die ich früher arglos mit "Ja" beantwortet hätte, ist mittlerweile zu einem Trigger geworden. Besonders aufmerksam werde ich, wenn mir erklärt wird, dass die Anwälte im Ort des Anrufers alle für diesen Fall nicht gebrauchen seien, weil sie alle in das Geschehen involviert sein.

Ich frage also nach, um was es denn genau gehe und biete dann einen Termin an. Zu dem Termin, so sage ich, soll bitte ein Vorschuss mitgebracht werden. Jetzt raten Sie mal, wer um 12:00 Uhr nicht erschienen ist.

Mein Augenarzt hat auf seinem Terminzetteln einen Hinweis, dass er bei Terminen, die nicht mindestens 24 Stunden vorher abgesagt werden, ein Ausfallhonorar in Rechnung stellt. Das wäre mal was.

Kommentare:

  1. Ne Anspruchsgrundlage wird sich da sicherlich finden lassen. c.i.c. oder pVV ;-)

    AntwortenLöschen
  2. Man ist eigentlich geneigt, solche Termine überhaupt nicht mehr zu vergeben. Aber im Laufe der Jahre sind genug "Spinner" in meine Kanzlei gekommen, die am Ende gut gezahlt haben und an deren Anliegen durchaus etwas dran war. Wenngleich sich wenigstens 60% dieser Kandidaten sowohl in rechtlicher als auch in finanzieller Hinsicht als Fehlanzeigen erweisen, sollte man diese Leute nicht von vornherein abschreiben. Zumindest bleiben sie einem nachhaltig im Gedächtnis haften.

    Zuviel wurde es mir nur einmal, als ein Mandant begann, mein Büro nach Kameras und Mikrofonen abzusuchen und mich fragte, ob ich auch gerade diese Stimmen höre...

    AntwortenLöschen
  3. Hmm, für mich hört sich das eher so an, als wenn der Mandant sich schon am Telefon disqualifiziert hätte...
    Gegen einen Richter vorgehen, alle Anwälte im Ort sind in die Sache verstrickt - da müssen doch eigentlich alle Alarmglocken klingeln, dass der Mandant mutmaßlich ein Spinner mit etwas falschen Vorstellungen ist-

    AntwortenLöschen
  4. @Anonym der 1.
    Sehe ich auch so. Zuviel wurde mir mal ein Herr, der unangemeldet erschein - nachdem ich seinen sehr wirren Brief mit einer Mandatsablehnung beantwortet habe.

    @Anonym der 2.
    Auch ein "Spinner" kann ein berechtigtes Anliegen haben. Siehe auch Post Ihres Vorschreibers.

    AntwortenLöschen
  5. Reden Sie wie Lidl Klartext mit Ihren (potenziellen) Geschäftpartnern: "Ich bin nicht Ihr Ansprechpartner für allgemeine Beschwerden, Unmutsäußerungen und Querulantentum!"
    http://www.derhandel.de/news/unternehmen/pages/show.php?id=5897

    AntwortenLöschen
  6. Vielleicht sollten Sie das "I WANT TO BELIEVE" Poster mal abhängen.
    http://bharmon.files.wordpress.com/2008/07/x-files-believe.jpg
    und stattdessen Aluhüte verkaufen. Das würde auch das Sendesignal von Kameras in den Augen abschirmen. *imbartkratz*
    Und ich dachte, Sie seien Fachanwältin für Pferderecht?
    Wenn man Ihrem Blog folgt, sieht es eher so aus, als ob Sie sichstatt dessen auf Rübennasen spezialisieren sollten *g,d&rvf*

    AntwortenLöschen
  7. Hallo Alexandra,

    dieses Elend mit nicht zum Termin erscheinenden Mandanten, die spüren, dass Beratung auch Gebühr kosten wird, nimmt ja zu. Ich schreibe stets eine Terminbestätigung und bitte um Rückbestätigung per Fax oder email, da der Termin erst dann in der Kanzlei vorgehalten wird. Auch der Arzt übrigens kann das "Ausfallhonorar" nicht durchklagen, nur probieren, ob der Patient es überweist. Er muß ja nachweisen können, dass er den Termin weder mit einem anderen, nachrückenden, Patienten oder mit sonst beruflicher Tätigkeit (etwa Labor, Büro) nicht füllen konnte und den ganz konkreten Verdienstausfall in der Höhe mit Steuererklärungen und EÜR etc. Das wird praktisch nie was. Es ist dann halt wie im Kaufhaus, Ausfälle durch Diebstahl, hier "Zeitdiebstahl", müssen leider die anderen ausgleichen durch höhere Preise.
    Viele Grüße Iris

    AntwortenLöschen
  8. Gilt nicht sowieso § 615 BGB, so dass das "Ausfallhonorar" kraft Gesetz gefordert werden kann?

    AntwortenLöschen
  9. und das Ausfallhonorar wollen Sie, weil Sie 30 Minuten mit leerem Blick auf die Wand gestarrt haben? Oder weil Sie für diesen Termin mehr getan haben, als diesen im Outlook (wahlweise Ihrem bevorzugtem elektr. Kalender) einzutragen? Das Risiko, eine Akte zuhause weiter bearbeiten zu müssen war ja aufgrund Ihres Erfahrungsschatzes bei der Erkennung von Fake-Mandaten ziemlich gering.
    Und was Ihren Augenarzt angeht: gehen Sie halt zu Kassenärzten, die nehmen keine Stornogebühr/-honorar

    AntwortenLöschen
  10. @ Sven:
    § 615
    Vergütung bei Annahmeverzug und bei Betriebsrisiko.Kommt der Dienstberechtigte mit der Annahme der Dienste in Verzug, so kann der Verpflichtete für die infolge des Verzugs nicht geleisteten Dienste die vereinbarte Vergütung verlangen, ohne zur Nachleistung verpflichtet zu sein. Er muss sich jedoch den Wert desjenigen anrechnen lassen, was er infolge des Unterbleibens der Dienstleistung erspart oder durch anderweitige Verwendung seiner Dienste erwirbt oder zu erwerben böswillig unterlässt. Die Sätze 1 und 2 gelten entsprechend in den Fällen, in denen der Arbeitgeber das Risiko des Arbeitsausfalls trägt.

    AntwortenLöschen
  11. @ NR
    Zählt Beratung nicht eher zu den Werkverträgen ?
    Ändert allerdings in der Sache wenig.

    Bei Ortschaften / Kleinstädten kann es durchaus sein, dass sämtliche Juristen dieses Bereichs gepflegte Kontakte zu der Politik und Wirtschaft unterhält.
    Etwas gesundes Misstrauen zu den örtlichen Juristen ist also durchaus angebracht.

    AntwortenLöschen
  12. Beratung durch einen Anwalt ist geradezu das klassische Beispiel für einen Dienstvertrages.

    AntwortenLöschen
  13. hmm... wie wärs mit "Geschäftsbesorgungsvertrag", oder ist der bei irgendeiner xx-Rechtsreform abgeschafft worden ?

    AntwortenLöschen