Montag, 7. Juni 2010

So klappt es auch mit der Selbstständigkeit - todsicher

Der Kollege Nebgen hat hier einen Tipp veröffentlicht, der jedem Referendar, der sich selbstständig machen möchte, weiterhelfen wird. Der Post des Kollegen hat mich schmerzlich an die Ratschläge erinnert, die ich zu Beginn meiner Tätigkeit bekommen habe. Die schönsten möchte ich meinen Lesern natürlich nicht vorenthalten:

1. Du brauchst jeden Tag ein neues Mandat.

Super. Und in flauen Zeiten (Weihnachten, Sommer, Schweinegrippe, Fußball-Weltmeisterschaft) zerre ich einen arglosen Passanten in die Kanzlei und nötige ihn, eine Vollmacht zu unterzeichnen. Irgendein Rechtsproblem hat schließlich jeder!


2. Du musst jeden Tag mindestens eine Rechnung schreiben.


Gut. Sollte gerade nichts abzurechnen sein, dann rutscht man leicht in den kriminellen Bereich. Aber sind nicht alle Anwälte leicht kriminell?


3. Zur Sicherheit brauchst Du ein zweites Standbein.


Genau. Damit das Sekretariat den Leuten mitteilen kann: "Frau Braun ist heute nicht im Haus. Heute ist doch Dienstag, da arbeitet sie immer als Hundepsychotherapeutin."


Muss ich noch erwähnen, dass keiner der Ratgeber selbstständig war?

Kommentare:

  1. Der schönste Tipp zur Akquise ist und bleibt aber: "Du musst in die Vereine gehen!"

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  2. Mein Tip, von Anonymus 3:04:
    Einfach supergute anwaltliche Leistungen erbringen, ... sowas spricht sich ganz von selbst rum und die Bude ist voll!

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  3. @Anonymus 3:04
    Genau, einfach nur Freisprüche. ;-)

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  4. @ Anonym: Wenn das wirklich so wäre, gäbe es auch ganz schnell keine unzufriedenen Mandanten mehr!

    Denn die Mandanten bräuchten ja nur zu einem guten Rechtsanwalt zu gehen.

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  5. Klar, am Montag einfach sieben Rechnungen schreiben und den Rest der Woche fereimachen.

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  6. @NEBGEN ja, aber wenn die Einfahren, kommen die so schnell nicht wieder. Merkense was? ;)

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  7. Mietrecht oder Gesellschaftsrecht kann man ganz leicht über Vereine wie Haus und Grund oder der IHK abdecken.

    Aber in welchen Verein sollten Strafrechtler gehen ?

    Meine diesbezügliche Überlegungen führen zwar zu merkwürdige Ergebnisse, aber zu nichts verwertbaren.

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  8. Zur Not einfach auf ein anderes Rechtsgebiet "umschulen". Mein auf das Thema Hartz IV spezialisierter Anwalt etwa hat wohl immer gut zu tun - schon allein deswegen, weil viele Sachbearbeiter viel zu dusselig dafür sind, anständige Bescheide zu fertigen. ;-)

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  9. "zweites Standbein"

    Klar, und plötzlich ist man kein Freiberufler mehr sondern Gewerbetreibender mit schöner IHK-Zwangsmitgliedschaft etc.

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  10. Der Tip mit jeden Tag eine Rechnung ist so schlecht übrigens nicht. Ich habe den von einem Anwaltskollegen bekommen und mich auf die Weise dazu diszipliniert zumindest regelmäßig über den Sinn und Unsinn von so manchem Mandat nachzudenken - und ggf. auch ein solches abzulehnen, wenn es eben unrentabel ist.

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  11. Wenn man nicht so konsequent ist, jeden Tag für mindestens (!) 400,- Euro netto Rechnungen zu schreiben (pro Anwalt), kann man die Bude bald zumachen. Bei zweifelhaften Mandanten (ca. 50% aller Fälle) nur gegen Vorschuß loslegen. Dann erledigt sich ein Großteil der Akten ganz schnell.

    Bei "todsicheren" Fällen, in denen die Erstattung der Anwaltskosten durch den Gegner gewiß ist, kann man für ganz arme Willis auch mal "kostenlos" arbeiten. Da spricht sich ganz schnell rum, daß mein warmherziger Gewinner ist. Leider spricht sich das zu 50% auch bei unbrauchbaren Mandanten herum. Dann gilt wieder die Regel Nr. 1.

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  12. @Anonym:"Wenn man nicht so konsequent ist, jeden Tag für mindestens (!) 400,- Euro netto Rechnungen zu schreiben (pro Anwalt), kann man die Bude bald zumachen."

    Wie kommen Sie darauf ? Hat uns die nette Frau Braun + Anhang nicht erst kuerzlich erklaert "man müsse als Anwalt - um wirtschaftlich zu arbeiten - mindestens 150,- Euro/Stunde abrechnen. " ? Das macht bei 8 h 1200 Euro. Mit Ihren laecherlichen 400 EUR/Tag ist nicht weit kommen..

    Mario

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  13. "NEBGEN - rough justice hat gesagt…"

    Klar merke ich was. Nämlich wenn die Bude voll ist, dann - ist sie voll.

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  14. Ich wusste gar nicht, dass Anwälte auch „nur“ Menschen sein „könnten“. Liegt wahrscheinlich aber an meiner Unerfahrenheit im Umgang mit jener Gilde. Und selbige welche ich die Ehre aber weniger das Vergnügen hatte auch noch persönlich kennen zu lernen, waren halt „nur“ Anwälte.
    Was ich aber nicht ganz verstehe, wie es dennoch ein Teil jener Rechts – schaffenden „Menschen“ fertig bringt, ohne Zuhilfenahme eines zweiten, dritten oder sonstigen Standbeines, gesunde Arbeitszeit auf einem aussergerichtlichen Golfplatz zu verbringen. Fällt das vielleicht dann unter Rubrik:“…jeden Tag eine 400 € Rechnung zu verfassen?“ Könnte aber wahrscheinlich an der Freiburger Luft, oder deren „Mandantenschaft“ liegen.
    Mit „nachdenklichen“ Grüssen

    rolf

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