Dienstag, 1. Juni 2010

Fachanwalt für kleine Streitwerte?

In der heutigen Ausgabe der Mitteilungen des Hanseatischen Rechtsanwaltskammer findet sich ein Aufruf an die Anwaltschaft. Es sollen sich diejenigen Anwälte melden, die bereit sind, Mandante mit niedrigen Streitwerten und Mandate auf PKH-Basis ohne Berechnung zusätzlicher Gebühren zu übernehmen.
In der Anwaltssuche der Rechtsanwaltskammer sollen diese Anwälte mit einem speziellen Suchkriterium auffindbar sein.

Nach etwas Grübeln sind drei Kollegen und ich zu der Meinung gelangt, dass mit den zusätzlichen Gebühren bei der Prozesskostenhilfe nur die Gebühren für das PKH-Prüfverfahren gemeint sein können. Offensichtlich sollen sich also Anwälte in eine Liste aufnehmen lassen, die für lau eine Klage fertigen und mal abwarten, ob denn Prozesskostenhilfe bewilligt wird oder nicht.

Der Aufruf unserer geheiligten Kammer steht etwas im Gegensatz zu deren Hinweis, man müsse als Anwalt - um wirtschaftlich zu arbeiten - mindestens 150,- Euro/Stunde abrechnen. Aufgenommen wurde das Kriterium des Experten für kleine Streitwerte in die Suchmaske aber noch nicht.

Kommentare:

  1. "man müsse als Anwalt - um wirtschaftlich zu arbeiten - mindestens 150,- Euro/Stunde abrechnen"

    Um wirtschaftlich zu arbeiten und den 7er-BMW (Dienstfahrzeug), den Porsche 911 (Dienstfahrzeug für eilige Termine) und den Ferrari (Repräsentationsfahrzeug) halten zu können.

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  2. Fachanwalt für Mikropekuniäre Angelegenheiten
    würde ich das beschönigend nennen. Klingt doch gleich so erhaben

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  3. als ich die überschrift las, dachte ich erst, im posting ginge es um den wirklichen experten für 'mikropeknuiäre angelegenheiten', den fachanwalt - für sozialrecht...

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  4. Ich hoffe nur, dass der rote Maserati neben dem Bentley noch Platz in der Garage findet, sonst wird der am Ende draußen noch nass...

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  5. @ Nebgen:
    Dann stellen Sie ihn bei mir unter, in meiner Zweitgarage ist noch Platz, neben dem GolfelektroCaddy. Also keine Bange, das gute Stück wird schon nicht nass.

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  6. zur Not, kann ich auch hier in Münster einen Parkplatz anbieten :-). Bei uns ist neben dem Fahrrad noch Platz :-)

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  7. @ Friseurin

    Vielleicht sollte man berücksichtigen, dass die EUR 150/Stunde kein Reinverdienst sind. Als RA braucht man eine Kanzlei mit entsprechender Einrichtung, teurer Fachliteratur und juristischen Datenbanken. Daneben zahlt man dann noch sein Personal, Miete, Haftpflichtversicherung, usw.

    Anwälte, die regelmäßig kleine Streitwerte auf RVG-Basis annehmen, liefern in der Regel äußerst schlechte Arbeit ab. Das Gegenteil habe ich in meiner fünfmonatigen Station am Amtsgericht nie erleben dürfen und kommt wohl in der Realität auch nicht vor. Selbst bei Streitwerten von mehreren Tausend Euro ist es bei RVG-Vergütung nämlich schon schwer, gute Ergebnisse abzuliefern.

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  8. Hm, dieser Aufruf zeigt doch das große Dilemma von PKH&Co: Um diese zu bekommen, muss ein Teil der Arbeit bereits erfolgt sein, was einerseits von der Partei nicht bezahlt werden kann, andererseits vom Anwalt nicht umsonst erledigt werden kann.

    Das Dilemma ist doch bei allem Gejammere über hohe Prozesskostenhilfeausgaben (die im Europaschnitt eher gering hierzulande sind) durch Bundesrat&Co, dass eigentlich die Anwaltschaft (mit wenigen Ausnahmen) die Beratungshilfe und die Prozesskostenhilfe trägt. Nein, ich jammere hier explicit nicht über die Gebührenhöhe. Ich will nur feststellen dass WIR ANWÄLTE die Aufgabe des Staates zu einem großen Teil übernehmen, für Rechtsstaatlichkeit zu sorgen. Das wäre, als würden wir pauschal alle Angestellten verdonnern, die Lücken der Rentenkassen zu tragen (ich weiss, der Vergleich hinkt).

    Also nicht über Autos diskutieren, sondern vielleicht einmal die längst notwendige Öffentlichkeit dafür schaffen, wer tatsächlich die Beratungshilfe und die Prozesskostenhilfe trägt.

    Ein Aufruf wie der obige der RAK HH ist damit doch eine Kapitulation.

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  9. @Friseurin

    Stimmt! Von den mittlerweile 150.000 Anwälten fahren alle mindestens 3 Fahrzeuge der absoluten Oberklasse, wie sich auch an den Verkaufszahlen von Ferrari, Porsche & Co absehen läßt. 450% der aktuellen Produktion von Sportwagenherstellern werden an deutsche Anwälte ausgeliefert.

    Ich nehme an, alle Friseure in Deutschland verdienen soviel wie Udo Walz oder Marlies Möller und bedienen zu 90% Prominente und Millionäre zum Preis von 250,- Euro für's Spitzennachschneiden? Friseure im allgemeinen schwimmen doch im Geld!

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  10. @Kollege Burhoff
    Passen die Polopferde auch noch neben das Rad? ;-)

    @Anonym 16:44
    Danke. Ich habe ähnliche Erklärungen gefühlte 100000 abgegeben, mir fehlt da mittlerweile die Gelduld.

    @Kollege Langhans
    Der Kollege Nebgen hat die Kammer angeschrieben und ich habe es ebenfalls geplant. Ich finde den Aufruf nämlich sehr unglücklich.

    @Anonym 00:42
    740% der gelben Maseratis gehen an Anwälte!

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  11. Als RA braucht man eine Kanzlei mit entsprechender Einrichtung, teurer Fachliteratur und juristischen Datenbanken. Daneben zahlt man dann noch sein Personal, Miete, Haftpflichtversicherung, usw.

    Alles Dinge die anderen Selbstständigen völlig unbekannt sind.



    #k.

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  12. @ Kand.in.Sky

    Natürlich brauchen andere Selbstständige auch eine entsprechende Einrichtung. Bei RAen wird das aber häufig gar nicht gewürdigt. Da heißt es denn, dass die ja eh nur fürs Briefchenschreiben ihr Geld kriegen.

    Außerdem sind die Kosten für eine ordentliche Literaturausstattung, die regelmäßig akutalisiert werden muss, und die juristischen Datenbanken schon ziemlich happig.

    Nicht zuletzt sollte man beachten, dass im Friserusalon alle Mitarbeiter Geld erwirtschaften. In einer Kanzlei sind es nur die Berufsträger. Das muss entsprechend eingepreist werden.

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  13. @Kand.in.Sky: Ganz schlechtes Argument. Auch ein Angestellter wird bei seinem Chef auf Granit beißen, wenn er sagt, ich habe jetzt Frau, Kind und Haus und brauche deswegen ein höheres Gehalt.

    Die Betriebskosten sind meiner Meinung nach Sache des Unternehmers/Selbsständigen

    Wie einer seine Kosten in Griff bekommt ist dessen Sache. Und wenn es nicht klappt, kommt eben die Insolvenz.

    Wo steht denn, dass Anwälte das Recht haben als in ihrer eigenen Kanzleioder gar in ihrem beruf zu arbeiten zu arbeiten?

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass mir meine Kunden an die Stirn fühlen würden, wenn ich ihnen erkläre, dass ich gerne 150 Euro/h Honorar hätte, weil ich einen PC, ein Auto und ein Büro bezahlen muss. Die einzige Rechtfertigung für die 150 Euro/h sind Leistung und Zuverlässigkeit (was nützt der beste Anwalt, wenn er Termine und Fristen versemmelt? ;-)

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  14. Bei RAen wird das aber häufig gar nicht gewürdigt

    Alles Dinge die anderen Selbstständigen völlig unbekannt sind... ich mein, es ist jetzt gut mit der Nabelschau.


    Auch ein Angestellter wird bei seinem Chef auf Granit beißen, wenn er sagt, ich habe jetzt Frau, Kind und Haus und brauche deswegen ein höheres Gehalt.


    Soso, alleinstehende und Familienoberhäupter gleichen sich also im Verdienst.

    Kommen noch weitere Lacher? Ich kann morgen zwar nicht ausschlafen aber das soll es mir wert sein.


    #k.

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  15. oh... da schlägt mal wieder die Neidgesellschaft zu.

    ja mein Gott, man kann doch auch für 10 euro die stunde arbeiten und dafür dann halt nen Wollpulli anziehen anstatt die Kanzleich zu heizen!!!

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  16. Wieso Neid? (Und selbst wenn: Neid bringt die Wirtschaft voran. Der Neid der Mobiltelefonhersteller auf das iPhone hat einen ganzen Satz Touchscreen-Geräte auf den Markt gebracht. Also was sehr leistungsförderndes. :-)

    Kein Freiberufler sollte drauflegen müssen (wäre ja noch schöner) nur bin ich gegen Gründe, die keine sind. Kosten als Grund für bestimmte Honorare ist nunmal Rumjammern. Ich habe kein Büro und keine Sekretärin, weil das meine Einnahmen nicht hergeben. Und nur weil ich sowas gerne hätte (bzw. behalten will), zahlt mir keiner mehr für meine Dienste. Aber bei Anwaälten soll das nicht gelten?

    Echte Gründe sind "meine Arbeit ist das wert" oder etwas dreister: "Andere zahlen das oder mehr".

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  17. @verwickeltes

    So sehe ich das auch. Meine Arbeit - in den Bereichen, von denen ich etwas vestehe - ist ihren Preis wert. Wer den nicht bereit ist zu zahlen, soll eben woanders hingehen. Auf Diskussionen über die Höhe meines Honorars lasse ich mich überhaupt nicht ein.

    Natürlich arbeite ich für "arme Schweine" auch pro bono. Solchen, denen Unrecht getan wird und die sich keinen Anwalt (oder nur einen sclechten, der alles noch schlimmer macht) leisten können. Irgendwelche Nassauer, die meinen, sie hätten kraft ihrer Geburt einen gottgegebenen Anspruch auf einen "Staranwalt" für lau, können hingegen wegbleiben.

    Wenn ich sehe, wie konsequent andere ihre Arbeit einstellen, wenn die Kohle nicht fließt, habe ich den Eindruck, die meisten Anwälte sind noch viel zu gutmütig.

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  18. @Anonym (2. Juni 2010 00:42):
    Die gemeinen Feld-Wald-und-Wiesen-Anwälte ohne BMW, Porsche und Ferrari müssen von der Anwaltskammer noch beigebracht bekommen, wie man kontinuierlich die 150 Euro/h erreicht (Serienabmahnungen?, Katja-Inkasso?, Gebührenüberhebung?).

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  19. @ RAin Braun
    Gelbe Maseratis ???
    Diese Farbe macht doch aus diesen Autos Kanarienvögel. Schlimmer gehts nimmer (außer mit Lila).

    Mal durchrechnen.
    Es wird wohl jede Anwalt eine Reno brauchen.
    Dürfte mit mind. 30 € / Stunde kosten.
    Anwalt selbst minimum 15 € + Sozialgeld (quasi Arbeitgeberanteil) ca 5 € / Stunde + Ersatz für Leerlauf und Weiterbildung = mind. 45 € + Ersatz für langes Studium + 30 % = 58 € / Stunde.
    Miete + Umlagen = 3,50 € / Stunde (ganz grob)
    Kosten für Büroausstattung + Schreibkram ca 2 € / Stunde. Weitere Auslagen wie Fahrtkosten, Weiterbildungen, etc dürften auf 3,5 € / Stunde kommen dann noch die Versicherung, Gebühren, etc. bestimmt weitere 3 € die Stunde.
    Das macht zusammen genau 100 €.
    Und das entspricht genau dem Lohn eines normalen Facharbeiters.
    Dürfte also einem Anwalt nicht ganz angemessen sein.

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  20. Das mit den 150,- Euro pro Stunde, die immer wieder kolportiert werden, ist in dieser Allgemeinheit nicht richtig. Eine kleine Kanzlei benötigt nicht 1.200,- Euro Umsatz pro Anwalt und Tag, um gut zu leben. Wer in einer 1-3 Mann Kanzlei arbeitet, die zu einem Gutteil von Pflichtverteidigungen, PKH-Mandaten und relativ kleinen Streitwerten lebt, weiß ohnehin, daß es unrealistisch ist, 150,- Euro Umsatz pro Stunde zu generieren, man aber königlich leben würde, wenn es so wäre.

    So wirft z.B. eine Pflichtverteidigung nur dann 150,- Euro pro Stunde ab, wenn ich die Akte nicht lese und den Mandanten zu einem Geständnis dränge. Ein Zivilmandat mit einem Streitwert von unter 8.000,- Euro erzeugt nur dann 150,- Euro pro Stunde, wenn man ein paar lieblose Schriftsätze "hinrotzt", mit denen man kaum gewinnen kann (es sei denn, man findet die durchgreifende Einrede der Verjährung).

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  21. Aus welchen Fakten leitet sich denn der Anspruch "Ersatz für langes Studium" und "Dürfte also einem Anwalt nicht ganz angemessen sein" ab?

    Ist das Standesdünkel oder die Sorge in der Peer-Group nicht mehr ganz ernst genommen zu werden, wenn man weniger verdient? Oder einfach nur "mehr ist besser" und der Grund ist eigentlich beliebig.

    Mal sehen, wie man auf den taxifahrenden Doktor der Philosophie reagiert, wenn der einen Aufschlag wegen "Ersatz für langes Studium" fordert. Dann heißt das bestimmt "Pech gehabt."

    Ist zwar selbstgerecht, aber wenigstens etwas Gerechtigkeit.

    Und zum Schluss noch ein Witz: Was sagt ein arbeitloser Biologe zu einem promoviertn Biologen? "Einmal Pommes rot-weiß, bitte."
    :-D

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  22. Ich möchte das nur mal so zum Vergleich in den Raum werfen:
    Als einfacher, angestellter EDV-Mensch wird unseren Kunden 800 Euro Tagessatz in Rechnung gestellt, wenn ich vor Ort was machen muss. Und die zucken da nicht mit der Wimper, sondern mit der Schulter.
    Davon sehe ich natürlich nichts auf meinem Konto, außer einem sicheren Gehalt. Immer das selbe.
    Und das ist noch vergleichsweise wenig. Leute von z.B. IBM oder SAP kosten mehr.
    Wobei ich gelegentlich erkennen musste, daß einige von solchen mit ihrer - wie Herr Munzinger das formulieren würde - "prekären interlektuellen Prädisposition" zu kämpfen haben. Dafür tragen sie aber dann Anzug und Krawatte. Sehr hübsch anzuschauen, sehr dekorativ..

    Anwälte und EDV-Leute haben etwas gemeinsam: sie erschaffen nichts, was man anfassen kann.
    Die Leistung, die solche Menschen erbringen, ist schwer in Euro zu erfassen.
    Seine neue Frisur z.B. kann man anfassen. Und wenn man Bundeskanzler ist, braucht man Anwälte, um Leute zu verklagen, die behaupten, das sei gefärbt.

    Sollte ich mal einen Anwalt brauchen, werde ich den anständig bezahlen, damit der mich anständig vertritt.
    ..hoffentlich gerate ich dabei nicht an einen unanständigen Anwalt.. *grübel* ;-)

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  23. "interlektuellen" - auweia, das is mir jetzt schwer peinlich. Kann man das noch korrigieren? *gaanzliebaustreuenaugenguck* :o)

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  24. Wir wissen doch alle, was gemeint ist. ;-)

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  25. @Anonym 10:57
    Sie liegen mit Ihrer Einschätzung natürlich richtig. Bei 150,00/Stunde könnte ich mir den gelben Maserati leisten. ;-)

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  26. wenn man nur abrechenbare Stunden hat, dann ja ;-)

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