Sonntag, 6. Juni 2010

Das musste doch mal gesagt werden...

Die Schlussvorträge der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung sind von extrem unterschiedlicher Qualität. Viele Staatsanwälte halten wirklich hervorragende Plädoyers, viele Verteidiger ebenso. Im Referendariat habe ich einigen Anwälten und Staatsanwälten aus Interesse zugehört. Ob ein Schlussvortrag allerdings noch mal alles ändert und das Gericht urplötzlich alles ganz anders sieht, das wage ich zu bezweifeln.

Vor einigen Tagen hatte ich die große Freude, einem besonders schrecklichen Plädoyer (Anklage wegen Körperverletzung) zu lauschen. Die Staatsanwältin konnte mal richtig alles loswerden, was ihr offensichtlich so auf der Seele lag. Dass man früher noch auf die Straße gehen konnte und heute nicht mehr, dass die alten Leute sich nicht mehr in die U-Bahn trauen und dass dies nicht sein könne, dass es ja so nicht weitergehen könne mit der Gewalt im öffentlichen Raum und dass da was gemacht werden müsse.

Jaja, es geht den Menschen wie den Leuten und wir müssen alle den Gürtel enger schnallen.

Was der hoch emotionale Schlussvortrag mit der Anklage gegen meinen Mandanten zu tun hatte, das hat auch der Vorsitzende wohl nicht so genau verstanden. Das Ergebnis war dann sehr erfreulich für fast alle - nur nicht für die Staatsanwältin.

Kommentare:

  1. Vielleicht sassen ja die Eltern der Frau Staatsanwältin im Zuschauerbereich?

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  2. Oder die Oma, der letzte Woche im öffentlichen Raum die Handtasche geraubt wurde.

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  3. Oder der Richter und die Anwältin verkehren ausschließlich im Auto und wurden daher noch nie in der U-Bahn fast totgetreten oder -geschlagen?

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  4. Letzteres wird wohl stimmen

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  5. neulich beim Jugendgericht: die "Strafpredigt" des Staatsanwaltes machte sichtlich Eindruck, vor allem beim Angeklagten, hoffen wir für alle das der sich die "hinter die Ohren schreibt", war sie doch eindrucksvoller als die gerichtl. Auflagen.

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