Samstag, 22. Mai 2010

Weltfremd

Die Kollegen Siebers, Flauaus und Vetter schreiben in ihren Blogs über den weltfremden Prädikatsjuristen als Richter.

Das erinnert mich an einen Prozess wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln, bei dem ich als "Öffentlichkeit" hinten saß und die blutjunge Richterin zu der Referendarin während einer kurzen Pause sagte:


"Ich weiß gar nicht, wie man dieses Zeug konsumiert. Raucht man die ganze Pflanze?"


Autsch. Nicht, dass ich denke, dass jeder Richter mal besoffen Auto gefahren sein sollte, gekifft haben sollte und sich mindestens einmal geprügelt haben sollte, das ginge doch zu weit. Die ganzen Richterinnen mit Abitur mit 1,2 auf dem humanistischen Gymnasium, Studium und Referendariat in Rekordzeit, die machen mir aber irgendwie Sorgen. Besonders, wenn sie Perlenkette und Haarreifen aus Samt tragen.

Kommentare:

  1. Perlenkette und Haarreifen aus Samt:

    Das ist doch Grundausstattung! Dann noch das weiße Kunstseidentuch fluffig um den Kopfhalter geschwungen, und fertig ist die Richterin, die weinend darum bettelt, nie freisprechen zu müssen.

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  2. Ja, und das gibts oft.

    Ich habe in meiner Funktion als StA auch mal in einer Verhandlungspause aufklären dürfen.

    Da fragt man sich dann doch...

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  3. Ich halte es auch für eine mäßig gute Idee, besonders junge Richter als Jugendrichter einzusetzen. Karl-Friedrich-Johannes aus den Elbvororten hat zu den Angeklagten Kevin und Justin nicht automatisch dadurch mehr Bezug, dass er nur ca. 10 Jahre älter ist.

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  4. Wie halten Sie das aus, Frau Kollegin? In meinem Bereich trifft man glücklicherweise nie auf Richter.

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  5. Wieviel Neid steckt eigtl. in diesem Prädikatsjuristenbashing?

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  6. Es ist doch sehr zu bezweifeln, dass ein Richter, der aussähe wie Rechtsanwalt Werner "Kantholz" S. aus B., auf jugendliche Intensivtäter einen wesentlich positiveren Eindruck hinterlassen würde (jedenfalls, soweit sich das anhand der grotesken Filmchen auf seiner Homepage beurteilen lässt).

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  7. Perlenketten und Samthaarreifen lassen sich schön mit tiefen Dekolltés und hohen Absätzen kombinieren... ;-)

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  8. das wäre ungefähr so, als würde man bevorzugt Kriminelle mit dem Amt des Strafrichters betrauen ;-)

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  9. Ich habe schon seit sehr langer Zeit eine Aversion gegen Perlenohrringe und Perlenketten. Wenn ich mich recht erinnere ging das im Referendariat los...

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  10. Gut ist auch die Frage des Gerichts an die StA, was ein Gay-Shop sei und wieso es da Gummipuppen gäbe. Spontanantwort der Verteidigung: Das würde die StA sicherlich gerne nach der Verhandlung näher erläutern.
    Die erwartete Frage, woher die Räuber die Handschellen hatten, kam allerdings nicht.

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  11. RAin Katharina W.23. Mai 2010 um 00:30

    Da hat offenbar jemand ein Problem mit Frauen, die besser als er selbst in der Lage waren, unter Druck Leistung zu bringen.

    Ich trage übrigens auch Seidentücher und Perlenketten. Finde ich halt schön. Was sagt das jetzt noch gleich über mich aus?

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  12. Die Säufer, Kiffer und Raufbolde sind eben hoffnungslos in der Unterzahl. Von Roberto Blanco ist mir noch der empörte Satz bekannt: "Ich habe noch nie Marihuana getrunken!".

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  13. zu weltfremd fällt mir u.a. das hier ein
    http://www.kanzlei-hoenig.info/wolkenkuckucksheim


    #k.

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  14. Ich könnte ja wetten, dass Herr Siebers an sich auch Vorurteile gegenüber Rechtsanwältinnen hat, die Alexandra heißen, eigene Pferde besitzen, in gutbürgerlichen Vierteln Hamburgs wohnen und arbeiten und, nicht zu vergessen, ebenfalls noch nicht sehr lange im Beruf tätig sind.

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  15. "Die ganzen Richterinnen [...] die machen mir aber irgendwie Sorgen."
    Mir aber auch, darüberhinaus macht mir, Anonym 4:04, mittlererweile aber das gesamte Rechtssystem, hier in diesem unserem Lande, ganz große Sorgen ... schmeckt irgendwie alles nach Banane!

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  16. Also mal so ganz aus der philosophischen Perspektive betrachtet:
    Dieter Nuhr hat gesagt: "Wenn man keine Ahnung hat, besser die Schnauze halten". Oder so.
    Das halte ich nu(h)r für begrenzt richtig.
    Viel interessanter ist es, sich zu trauen, auch mal ganz doofe Fragen zu stellen. Da lernt man dazu.
    Ich finde Leute, die auch mal doofe fragen stellen, interessant. Das sind in der Regel die intelligenten. ;o)

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  17. Lieber doppelfish,
    man kann das auch trinken.
    Es gibt interessante Zubereitungen, z.B. mit Kakao.
    Rückblickend muss ich sagen: Klug ist der, der das nie wissen wollte.
    Das Zeug ist mit der Verrichtung alltäglicher Geschäfte ziemlich inkompatibel.

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  18. Samthaarreifen trage ich nicht ( aus dem Alter bin ich locker ´raus), aber Perlen mag ich sehr...Unabhängig von Optik, Examensnote und Herkunftsgymnasien gibt es gute und schlechte Richter, Staatsanwälte, Anwälte und sonstige Juristen. Und ob Juristen, die mit 4,01 bestanden haben, automatisch die besseren Praktiker sind....... ???

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  19. @Silke
    Vegetarierin haben Sie vergessen.

    @Anonym 01:35
    Keine Frage, dass Fragen grundsätzlich immer eine gute Idee ist. Vielleicht aber vorher und nicht dann, wenn das Urteil zumindest schon im Kopf -wenn nicht schon auf Papier- gefällt ist.

    @Anja
    Yo. Und die Frage, wer ein guter Anwalt oder Richter ist, die ist komplex.

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  20. Na, Frau W.,

    erstens üben wir das mit der Genuszuweisung bei Pronomina nochmals,
    zweitens scheint Ihre Druckresistenz doch auch sehr selektiv angelegt zu sein.

    Ich nehme an, Sie beißen auf die Seidentücher und schichten pro zwischenmenschlich verursachter Träne eine Perle nach.

    PS: Zwei Prädikatsexamina, Doppelstudium und Promotion. Und zu der Tatsache stehend, dass manchem gender bashing im Netz einfach Entsprechendes entgegengesetzt werden muss.

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  21. wenn ein richter (oder eine richterin) danach fragt, auf welche weise man cannabis konsumiert, beruhigt mich das sehr. weil diese kenntnis dieses umstands für ihre entscheidung von erheblichkeit war und sie die information rechtzeitig eingeholt hat.
    gut, man kann kritisieren, dass sie das evtl. VOR dem termin hätte klären können, aber immerhin: besser die eigene unwissenheit ehrlich zugeben, sich belehren lassen und dann sachgerecht urteilen als mit 'mut zur lücke' eine falsche entscheidung zu produzieren.
    unabhängig davon verstehe ich die arroganz gegenüber sogenannten "weltfremden" nichtunterschichtsjuristen schon deswegen nicht, weil der richter eben gerade KEIN sachverständiger ist. deshalb hand aufs herz: welcher - medizinisch durchaus erfahrene - sozialrichter verzichtet in zweifelsfällen auf den ärztlichen gutachter?, welcher - in bausachen durchaus erfahrene - zivilrichter auf den bausachverständigen? etc. pp.
    und last not least: wer sich darüber lustig macht, dass die richterin im hiesigen beispiel keinen plan von hasch hat, der soll mir mal aus dem stand - also ohne nachzulesen - die konsumformen von LSD, MDMA und psilocybinen pilzen erläutern. auch das sind - neben THC, koks und heroin - gängige BtM. wer's nicht weiss, muss aber nicht verzweifeln: wird schon irgendwo ein staatsanwalt oder verteidiger sein, der's erklären kann - hoffentlich ruhig, sachlich und ohne überhebliches lächeln.

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  22. @laertes
    Klar, Fragen ist gut. Aber nicht in der Pause eine Referendarin, die es im Zweifel auch nicht weiß (und in dem Fall auch tatsächlich nicht sagen konnte).
    Konsequent wäre es gewesen, einen der anderen Verfahrensbeteiligten zu fragen und nicht zu warten, bis nahezu alle draußen sind.

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  23. Das erinnert mich an einen Richter beim Landgericht Frankfurt/Main, dem ich als Zeugin der Anklage erklärte wie lästig Werbung am Telefon sei. Davon habe er ja noch nie etwas gehört.

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