Montag, 31. Mai 2010

Und dafür hab´ ich studiert

Die Erwartungshaltung von Mandanten ist gelegentlich erstaunlich und wird immer wieder in den juristischen Blogs thematisiert. Ein wunderbares Beispiel dafür, was Anwälte können sollen, habe ich mit einer lieben Verwandten gerade erlebt. Die Frage war folgende:

"Wieviel Unterhalt muss denn der Bernd zahlen?!"


Nachdem wir geklärt hatten, wer Bernd ist (nämlich ein entfernter Cousin 3. Grades) fragte ich einige Dinge. Interessant ist die Frage, wer Unterhalt bekommen soll (Ehefrau oder Kinder), wie alt die Kinder sind und was der Bernd verdient. Um zwei Kinder ginge es und der Bernd sei Bäcker, hieß es. Man wusste weder das Alter der Kinder, noch den Verdienst von Bernd.

Ich konnte daher letztlich keine fundierte Auskunft darüber treffen, wieviel Unterhalt Bernd nun zahlen müsse und habe zu einem Gang zum Fachanwalt für Familienrecht geraten. Es folgte ein tiefer Seufzer und ein resigniertes:

"Und dafür hast Du jahrelang studiert!!"

Kommentare:

  1. Letzten Monat kam übrigens ein Mandant, der wissen wollte, ob eine Forderung gegen ihn berechtigt sei. Unterlagen dazu hatte er keine - gar keine. Das Mandatsverhältnis war für beide Seiten nicht erfüllend.

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  2. War die Forderung möglicherweise auch schon rechtskräftig tituliert und er fragte aufgrund des ersten persönlichen Besuchs des Gerichtsvollziehers, den er sich nicht erklären konnte, weil er ja vorher nie irgendwas Schriftliches bekommen hatte?! ;-)

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  3. Eine typische Frage in der Steuerkanzlei, nachdem der Mandant mir gerade eine Pack Belege in die Hand gedrückt hat:

    "Was kommt den ungefähr raus?"

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  4. Wer braucht heuzutage schon Unterlagen, da muss man flexibler sein. Die besten Mandaten sagen am Anfang immer:

    "Stellen Sie sich folgenden Fall vor...:" ;)

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  5. Naja, man kann ja vielleicht schätzen oder einen Bereich angeben. Das macht man natürlich ungern, weil es ziemlich ungenau ist, und man nicht darauf festgenagelt werden will.

    Aber wir Menschen wollen es im allgemeinen gar nicht so genau wissen, wir fühlen uns wohl im Ungefähren. Warum haben wohl so wenig Leute Ahnung von Mathe? ;-)

    Muss nun der Bernd sein halbes Einkommen, ein Viertel oder drei Viertel rüberschieben? Und greift da diese Pfändungsgrenze?

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  6. Strafrechtler sollten halt keine Unterhaltsberechnungen vornehmen, wenn überhaupt, geht es um Tagessatzhöhe.

    Bernd muss übrigens im Monat 527,19 € zahlen, ist doch klar.

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  7. @Werner Siebers
    Vielleicht kommt Bernd ja bald mit einem Mandat - Verletzung der Unterhaltspflicht. ;-)

    @verwickeltes
    Vielleicht ist Bernd ja auch schuldig geschieden und muss nun viel mehr...Ähm. ;-)

    @Sebi
    42?

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  8. @RAinBraun
    Nein, raus kommt 4815162342. ;-)

    @verwickeltes
    >> und man nicht darauf festgenagelt werden will. <<
    Das ist das Problem. Sage ich zum Mandanten, dass er eine Erstattung von 500 Euro erhält und am Ende sind es nur 300 Euro, will er von mir wissen warum.

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