Montag, 17. Mai 2010

Lustige Anwaltswechsel

Wahrscheinlich ist es nicht nur in Hamburg Usus, dass ein Untersuchungshäftling den Anwalt häufiger wechselt als die Hemden.

Meistens läuft es so, dass der Häftling zunächst Anwalt Ehrlich beauftragt. Dann begegnet ihm Anwalt Raffzahn, der ihm -dem Untersuchungshäftling- in die Hand verspricht, dass er ihn noch diese Woche rausholen könne, wenn er nur 3000,00 Euro bekäme und er ihm eine Vollmacht unterschreibe.

Anwalt Raffzahn kündigt dann Anwalt Ehrlich das Mandat - wobei Raffzahn das meist nicht mal richtig macht und unwirksam kündigt.

Möglicherweise kommen dem Untersuchungshäftling dann doch wieder Zweifel und er hält an Anwalt Ehrlich fest. Ehrlich und Raffzahn schicken sich dann munter Mandatskündigungen hin und her. Unter Umständen taucht auch noch Rechtsanwalt Schmierlapp auf, der besonders gute Beziehungen zu dem Personal der Haftanstalt hat und so in Kontakt mit den "Neuen" in der UHA kommt. Dann gibt es natürlich auch noch die Anwaltsempfehlungen von Mithäftlingen, denen der "Neuling" gerne Glauben schenkt ("Rechtsanwalt Wadenbeißer hat den Ede nach zwei Tagen draußen gehabt und später gab es nen Freispruch.")

Es ist abolut nachvollziehbar, dass ein Untersuchungshäftling sich in einem psychischen Ausnahmezustand befindet und unsicher ist - das macht anfällig für Versprechungen. Sinnvoll sind die häufigen Anwaltswechsel wohl nicht. Und mit den Änderungen hinsichtlich der Pflichtverteidigerbeiordnung bei U-Haft dürfte der Anwaltswechsel auch schwieriger geworden sein.

Kommentare:

  1. Raffzahn und Schmierlapp nennt man auch "Zellenmolch" :-)

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  2. Ein Staatsanwalt17. Mai 2010 um 20:02

    Ich nehme übrigens meistens mit gewisser Belustigung zur Kenntnis, dass die Verteidiger, die offensichtlich in den U-Haftanstalten einander empfohlen werden, in aller Regel diejenigen sind, die es schaffen, ihre Mandanten so richtig in Grund und Boden zu verteidigen.

    Und wenn man dann in der Haftpost liest, wie der Häftling seiner Freundin schreibt, sein neuer Anwalt hätte ihm versprochen, dass er dieses Jahr Weihnachten wieder zuhause feiern darf, um dann ein paar Monate später bei der Urteilsverkündung das lange Gesicht des besagten Häftlings (und die gespielt-empörte Miene des in Wahrheit wahrscheinlich völlig gleichgültigen "Verteidigers") zu sehen, wenn dann feststeht, dass es nicht nur dieses, sondern auch nächstes und übernächstes Jahr nichts mit Weihnachten zuhause werden dürfte - dann hat man manchmal fast schon Mitleid mit jemandem, der auf falsche Versprechungen reingefallen ist und dafür wahrscheinlich auch noch eine richtig fette Kostennote zahlen (lassen) muss.

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  3. Lustig sind für den Leser hier vor allem die "Namen" der Anwälte.

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  4. @Kollege Burhoff
    "Zellenmolch" kannte ich noch nicht. Auch ganz hübsch.

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  5. Ich kann diese Kämpfe um U-Haft-Mandate ohnehin nicht verstehen. Ich bin froh, wenn ich keine U-Haft-Sachen machen muß. Wenn es sich doch einmal nicht vermeiden läßt, prophezeihe ich meinem Mandanten von vornherein das Allerschlimmste ("Und siehe, es wird großes Unglück über Dich und Deine Familie kommen und die eisernen Pforten werden sich schließen hinter Dir für viele Monde!"). Nur so ist gewährleistet, daß er mich für ein echtes Wunderkind hält, wenn er früher als vermutet 'rauskommt... Wer damit nicht umgehen kann und den Heilsversprechern verfällt: bitte schön! Reisende soll man nicht aufhalten.

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  6. Was kann man denn bei der Kündigung des Mandats falsch machen ?

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  7. Es sprach der Rechtsanwalt zum Strolch,
    ab heut' bin ich dein Zellenmolch.
    Da fragt' der Strolch den Anwalt,
    Wann komm' ich raus aus dieser Anstalt?
    "Da mach Dir keine Sorgen,
    wenn Du mir Geld gibst, morgen".
    Was wohl der Strolch dabei vergisst,
    dass morgen immer morgen ist.

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  8. @Frank Theumer
    Z.B. keine Vollmacht für die Kündigung vorlegen.
    Kein Fehler, sondern eine Sauerei, ist die Kündigung des Mandates durch einen Kollegen, wenn er gar nicht mal dazu beauftragt wurde.

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  9. Ich denke, man könne eine Vollmacht auch anwaltlich versichern? Da gibt´s doch sonst immer großen Ärger mit Anwälten, wenn man eine Vollmachtsurkunde verlangt... !?

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  10. @met@box: Ja nein. Kann man. Reicht aber dann nicht, wenn man für einen Mandanten eine Willenserklärung abgibt, z. B. eine Kündigung ausspricht. Dann muss man eine Original-Vollmacht beilegen. Das vergessen viele Strafrechtler gerne, wenn sie einem Kollegen dessen Mandat abschnacken wollen. Viele Strafrechtler können nämlich kein Zivilrecht. Macht aber nichts, dafür können viele Zivilrechtler kein Strafrecht... ;-)

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  11. Ach, so! § 174 BGB, alles klar.

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  12. soweit ich weiß reicht nach § 15 BORA die Mitteilung, dass das Mandat gekündigt ist. Die Vorlage einer originalen Vollmacht wird hier nicht gefordert.

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