Freitag, 16. April 2010

Neutral oder nicht

Im Referendariat hat man uns beigebracht, dass die Staatsanwaltschaft die neutralste Behörde der Welt sei. Immer müsse sie auch entlastende Umstände ermitteln. In der Theorie klingt das mit der Neutralität sehr schön, es geht aber an der Praxis oft vorbei.

Vor mir liegt gerade eine Akte, da spricht aus den Vermerken des Staatsanwalts die blinde Verfolgungswut. Mein Antrag, das Hauptverfahren nicht zu eröffnen, muss den Herren nahezu persönlich beleidigt haben. Er weiß auch schon vor der Hauptverhandlung, was die Zeugen "gegen ihren Willen" bekunden werden. Sensationell, diese hellseherischen Fähigkeiten.

Dumm nur, dass die Richterin gar keine Zeugen geladen hat und aus ihren Vermerken hervor geht, dass sie meine Bedenken hinsichtlich Beweisverwertungsverbot, Zeugnisverweigerungsrechten etc. teilt. Die Sache läuft auf einen Freispruch hinaus, da mag der Staatsanwaltschaft auch noch so unneutral sein.

1 Kommentar:

  1. Uns hat man im Referendariat beigebracht, die Staatsanwaltschaft sei die Kavallerie der Justiz: schneidig aber dumm. :-D

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