Mittwoch, 22. Dezember 2010

Szenen einer Haftprüfung

Vorsitzender zur Staatsanwältin: "Frau Staatsanwältin, was haben Sie denn für konkrete Anhaltpunkte für das Vorliegen von Fluchtgefahr."

Staatsanwältin: "Allgemeine Lebenserfahrung."

Vorsitzender: "Ich meinte mehr so konkrete Anhaltspunkte."

Staatsanwältin: "........" (schweigt)



Wie schön, dass der Mandant nun Weihnachten mit seiner Familie unterm Tannenbaum sitzt und nicht mehr in der Untersuchungshaftanstalt.

Montag, 20. Dezember 2010

Der Weihnachtsmann geht in den Knast

Lieber guter Weihnachtsmann,
jetzt ist's so weit, jetzt bist du dran.
Mein Chef ist nämlich Rechtsanwalt,
der klagt dich an, der stellt dich kalt.

Schon seit vielen hundert Jahren
Bist du nun durch's Land gefahren,
ohne Nummernschild und Licht
auch TÜV und ASU gab es nicht.

Der Schlitten eignet sich nur schwer
Zur Teilnahme am Luftverkehr.
Es wird vor Gericht zu klären sein:
Besitzt du ,nen Pilotenschein ?

Durch den Kamin ins Haus zu kommen
Ist rein rechtlich strenggenommen
Hausfriedensbruch - Einbruch sogar
Das gibt Gefängnis, das ist klar.

Und stiehlst du nicht bei den Besuchen
Von fremden Tellern Obst und Kuchen ?
Das wird bestraft, das muss man ahnden,
die Polizei wird nach dir fahnden.

Es ist auch allgemein bekannt:
Du kommst gar nicht aus diesem Land.

Wie man so hört steht wohl dein Haus
Am Nordpol, also sieht's so aus
Als kämst du nicht aus der EU
Das kommt zur Klageschrift dazu.

Hier kommt das deutsche Recht zum Tragen,
ein jeder Richter wird sich fragen
ob deine Arbeit rechtens ist
weil du ohne Erlaubnis bist.

Der Engel der dich stets begleitet
Ist minderjährig und bereitet
Uns daher wirklich Kopfzerbrechen:
Das Jugendamt will mit dir sprechen !

Jetzt kommen wir zu ernsten Sachen.
Wir finden es gar nicht zum Lachen,
dass Kindern du mit Schlägen drohst,
darüber ist mein Chef erbost.

Nötigung heißt das Vergehen
Und wird bestraft, das wirst du sehen,
mit Freiheitsentzug von ein paar Jahren !
Aus ist's bald mit Schlittenfahren !

Das Handwerk wird dir bald gelegt,
es sei denn dieser Brief bewegt dich
die Kanzlei reich zu beschenken
dann wird mein Chef es überdenken!




Allen Bloglesern ein schönes und friedliches Weihnachtsfest und bereits an dieser Stelle einen guten Start ins neue Jahr!

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Falsch verbunden

Wer im Strafrecht tätig ist, der erlebt komische Dinge. Heute empfing mich die Auszubildende mit einem Zettel mit Namen und Telefonnummer und der Mitteilung, dass der Anrufer um Rückruf bitte. Es gehe um eine "private Mission".

Hm. Naja. Die Neugier hat gesiegt und er ergab sich ein seltsames Gespräch. Der Anrufer sagte, es ginge um eine "private Angelegenheit" und einige Sekunden später meinte er, er wolle sich bei mir entschuldigen.

Ich kannte den Mann nicht. Es war weder ein Klassenkamerad, der mich in der Schule nicht abschreiben ließ; kein mieser Exfreund und auch nicht der Gemüsehändler, der neulich keine Pastinaken mehr hatte.

Was sollte das also? Der Anrufer hatte gedacht, er könne sich mal mit einer Rechtsanwältin treffen. Privat.

Äh. Ach. Hm. Nö. Nö.

Dienstag, 7. Dezember 2010

Zappenduster bei der Staatsanwaltschaft?

In einer Ermittlungsakte befindet sich eine Beiakte und in dieser folgender Vermerk des Staatsanwaltes:

"Wegen meines Erholungsurlaubes vom 02.08.10 bis 16.08.10 und der Stromabschaltung kann das Verfahren nicht gefördert werden."


Ok. Licht aus, Klappe zu, Affe tot und Verfahren eingestellt.

Montag, 6. Dezember 2010

Unhöflich auf platt

Heute mal ein Ausflug ins Arbeitsrecht. Gestern las ich in der Wirtschaftswoche von einem Urteil des Arbeitsgerichts Hamburg.

Das Gericht hat entschieden, dass die Äußerung "Klei mi ann Mors" (plattdeutsch für "Kratz mich am Hintern") keine fristlose Kündigung rechtfertige. Ein Link zu dem Urteil hier.

Man sollte aber davon absehen, beispielsweise einem kontrollierenden Polizeibeamten so anzusprechen und auf diese Weise mitzuteilen, dass man nicht weiterdiskutieren wolle.

P.S. Oh, ich und die Wirtschaftswoche sind weit hinterher. Bei der Rechtslupe wurde zu dem Urteil schon vor Ewigkeiten schon gebloggt.

Sonntag, 5. Dezember 2010

Nice try

Mandatsanfrage. Der Anfragende möchte wissen, wie ernst es ist und berichtet freimütig über seine Vorstrafen - darunter einige wegen Betruges. Alle völlig zu unrecht, aber leider rechtskräftig.

Nun sucht er einen Verteidiger für eine in wenigen Tagen stattfindende Hauptverhandlung. Tatvorwurf ist...Betrug. Er möchte in Raten zahlen.

Hm. "Betrug" ist ein Signalwort für extensivee Awendung des § 9 RVG. Es dürfte schwer werden einen Kollegen zu finden, der einer Ratenzahlung zustimmt.

Spruch des Wochenendes

Unterhaltung mit einem Kollegen über zahlungsunwillige Mandanten und den Standardsatz: "Sie haben doch nur ein Schreiben gemacht!"

Der Kollege: "Gebühren werden nicht verdient, Gebühren fallen an."

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Avanti, avanti

Irgendwo weit hinten in der Strafprozessordnung (§ 417 StPO) gibt es das sogenannte beschleunigte Verfahren. Dieses Verfahren hat im gerichtlichen Alltag kaum Bedeutung. Dahinter steht - grob gesagt - der Gedanke, dass die Strafe am besten der Tat auf dem Fuße folgen sollte. Was was Hunden und Kindern gilt, das hat fürs Strafrecht ja auch Geltung.

Das beschleunigte Verfahren setzt einen Antrag der Staatsanwaltschaft voraus, Voraussetzungen für den Antrag ist entweder ein einfacher Sachverhalt oder eine klare Beweislage. Wie man bei einer Sache, in der die Tat vehement bestritten wird, "Gegenanzeige" erstattet wurde und sechs Zeugen zu hören sind auf die Idee des beschleunigten Verfahrens kommen kann, das konnte mir keiner erklären. Macht ja nix.

Nach einem Anruf hätte man aber auf die Idee kommen können, dass der Plan nicht ganz so super ist und entscheiden können, ob das Hauptverfahren eröffnet werden soll oder nicht. Nun wird das Gericht wohl im Hauptverhandlungstermin feststellen, dass diese Sache für ein beschleunigtes Verfahren ungeeignet ist und entweder einen Eröffnungsbeschluss erlassen oder die Akte an die Staatsanwaltschaft zurückgegeben.

Alles irgendwie mit der heißen Nadel gestrickt.

Montag, 29. November 2010

Eisberg voraus

Offenbar habe ich zu viel über Piraten und Verletzungen gepostet, das muss sich ausgewirkt haben.

Am Freitag war die Weihnachtsfeier der Kanzlei, an der ich verletzungsbedingt nicht teilgenommen habe. Ein paar Stunden auf einem Schiff, das erschien mir unklug. Als Hessin bin ich eh nicht so richtig seetüchtig. Gute Entscheidung, wie sich heute zeigte.

Heute Vormittag kam ich ins Büro und sah eine Sekretärin mit schmerzverzerrtem Gesicht, die etwas von "Titanic" murmelte. Die Auszubildende fehlte.

Was ist passiert? Das Schiff mit Anwälten und anderen Gästen an Bord hat eine Kaimauer gerammt, einige Leute sind gestürzt und haben sich verletzt. Sehr unerfreulich und bedauerlich.

Ob der Kapitän eine Verteidigerin braucht, das ist bisher unklar.


P.S. Die hessische Landratte erkannte mein Kollege - ein Segler - gleich im Gespräch mit mir.
Kollege: "Hm, welches Recht da wohl anwendbar ist?"
Ich: "Ähm..Du meinst so mit Zwölf-Seemeilen-Zone, oder so was??"

Freitag, 26. November 2010

Mitleidsbonus....

Ob das bei Richtern und Staatsanwälten für milde Urteile für meine Mandanten sorgt???
Naja, es gibt immerhin kurzen Small Talk vor der Verhandlung, das kann die Atmosphäre verbessern. Hält aber oft nicht lange an....


Mittwoch, 24. November 2010

Home, sweet Homeoffice

Während an anderen Orten Anwälte bis um Mitternacht an ihrem Schreibtisch sitzen und dann das Sparetimejackett über der Stuhllehne hängen lassen, bin ich seit zehn Tagen im "Homeoffice". Nach einem kleinen Unfall kann ich nicht so recht laufen und insbesondere nicht meine Wohnung im vierten Stock verlassen. Es klappt ganz gut, Internet und Sekretariat sei Dank.

Eine Bekannte fragte mich kürzlich, ob man denn wirklich ein Büro brauche und die Antwort ist ein klares JA.

Auch wenn es nett sein kann, sich im Schlafanzug an einen Schriftsatz zu setzen - Besprechungen in der eigenen Wohnung scheiden aus. Außerdem ist die Arbeit immer da und der Rechner läuft 24 Stunden am Tag. Und es ist doof, wenn man mit einem Staatsanwalt telefoniert und währenddessen die Pizza im Ofen verbrennt.

Montag, 22. November 2010

Ruhm und Ehre - oder Geld?

In meinem Blogbeitrag über den Piratenprozess in Hamburg fragt der Kollege Hoenig neckisch, ob nicht doch ein klein wenig Neid auf den tollen Prozess vorhanden sei, und stellt fest, dass eine OWI-Sache wesentlich lukrativer ist.

Das stimmt.

Spannende Prozesse mit Mandanten in Haft sind in aller Regel wirtschaftlich gesehen ein Desaster. Die wenigsten Mandanten haben die finanziellen Mittel, Besuche in der Haftanstalt, Telefonate mit Angehörigen etc. angemessen zu entlohnen und man arbeitet sich an solchen Mandaten fast arm.

Im Fachanwaltskurs war ich die einzige Teilnehmerin, die gerne und häufiger Verkehrsstrafsachen oder gar Ordnungswidrigkeiten bearbeitet. Dabei kann man in diesen Bereichen oft den Mandanten schnell glücklich machen, hat meist keine Probleme mit der Bezahlung und verdient meist ganz gut. Seinen Enkelkindern erzählen kann man von den Heldentaten in Harburg und anderswo aber nicht. ;-)

Ahoi, ihr Landratten

Heute hat in Hamburg der Prozess gegen zehn somalische Piraten begonnen. Das erste Mal seit 400 Jahren findet wieder ein Verfahren gegen Seeräuber in Hamburg statt.

Das Verfahren sorgt für Aufmerksamkeit, die FAZ berichtet hier ziemlich ausfühlich.

Piratenprozess, das klingt irgendwie nach Totenkopf, nach Jack Sparrow, nach Störtebecker, nach Papageien und Abenteuer.

Vielleicht gab es deshalb eine regelrechten Kampf - wenn wohl auch unbewaffnet - um die Mandate. Man murmelt von regelrechten Bewerbungen von Anwälten, die gerne einen Piraten verteidigen wollten. Verständlich, das ist ja mal ein Highlight und irgendwie cooler als Insolvenzverschleppung oder Ebay-Betrug.

Ob es neben den Pflichtverteidigergebühren allerdings noch eine Entlohung der Anwälte in Gold gibt, das bezweifele ich stark.

Donnerstag, 18. November 2010

Zweite Meinung

Ein dringlicher Anruf, alles ganz eilig. Nach kurzem Zuhören wird mir auch das Anliegen des Anrufers klar: er hat einen Anwalt, hat den schon bezahlt und ist nicht zufrieden. Das dauert alles so lange, die Ermittlungsakte ist noch nicht da und der Anwalt meldet sich nicht, um mitzuteilen, dass die Ermittlungsakte noch nicht da ist.

Diese bohrende Gefühl des Zweifels möchte man nun bekämpfen und zwar durch Einholung einer zweiten Meinung - meiner Meinung. Bezahlen möchte man dafür aber nicht, denn der erste Anwalt hat ja schon genug Geld gekostet.

Einen kostenlosen Rat habe ich dem Anrufer aber geben können: Bei Unzufriedenheit sollte man erst einmal den eigenen Anwalt ansprechen.

Dienstag, 9. November 2010

Mein schönster Fall

Sollte ich jemals einen Aufsatz "Mein schönster Fall" schreiben müssen, dann wird es - trotz aller Liebe zum Strafrecht - etwas Zivilrechtliches.

Im Referendariat ging es um einen Menschen, der in ein früheres Leben zurückreisen wollte. Ein Mann komischerweise, so etwas Esoterisches ist doch sonst eher Frauensache. Jedenfalls hat das nicht geklappt und er wollte nun sein Geld zurück. Verständlich. Wer etwas Tolles erwartet ("Ich war mal Julius Caesar!") und dann passiert nichts, der ist zurecht enttäuscht.

Der Richter in Hessen auf dem Lande war sehr bodenständig und hat der Klage stattgegeben. Verlassen würde ich mich auf so einen Ausgang aber auch nicht immer. Bei der Antfaltencreme wird man mit "Ich habe ein Wunder erwartet." nicht unbedingt eine Klage gewinnen.

Donnerstag, 4. November 2010

Wer zuerst kommt...

Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Das Sprichwort stimmt zumindest häufig bei der Erstattung einer Strafanzeige. Wer bei einer Auseinandersetzung zuerst zur Polizei rennt und den Kontrahenten anzeigt, der hat erst einmal die besseren Karten. Frei nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung.

Mein Mandant hat bei einem Streit, der zu gegenseitigen Beleidigungen und Verletzungen führte, auf eine Strafanzeige verzichtet. Er war in dem Glauben, das bringe nichts. Schließlich gebe es keine neutralen Zeugen, alles also Quatsch. Eine ganz vernünftige Einstellung eigentlich.

Der andere Beteiligte, der jetzt Geschädigter heißt, sah das anders. Direkt nach dem Vorfall wurde von ihm Anzeige erstattet und nun hat mein Mandant - zu seinem großen Erstaunen - eine Anklageschrift bekommen.

In Zukunft wird er wohl - sobald ihn jemand schief anguckt - Strafanzeige erstatten. Sicher ist sicher.

Dienstag, 2. November 2010

Untauglicher Versuch?

Ob darauf echt noch Menschen reinfallen?

Hallo Gast Visa Europe,

Ihre Kreditkarte wurde ausgesetzt, weil wir ein Problem festgestellt, auf Ihrem Konto.

Wir haben zu bestimmen,dass jemand Ihre Karte ohne Ihre Erlaubnis verwendet haben. Für Ihren Schutz haben wir Ihre Kreditkarte aufgehangen. Um diese Suspension aufzuheben Klicken Sie hier und folgen Sie den Staat zur Aktualisierung der Informationen in Ihrer Kreditkarte.

Vermerk: Wenn diese nicht vollständig ist , werden wir gezwungen sein, Ihre Karte aussetzen

Wir bedanken uns fur Ihre Zusammenarbeit in dieser Angelegenheit.

Wes Brot ich ess..

Die geschätzte Kollegin Rueber überprüft in ihrem Blog gelegentlich Sprichwörter auf ihren Wahrheitsgehalt. Die Besprechung heute hat mich zu einer Überprüfung des Sprichwortes "Wes Brot ich ess, des Lied ich sing" inspiriert.

Manchmal möchte der Mandant unbedingt, dass in einem Schriftsatz etwas Bestimmtes steht. Gerne sind das dann Sätze wie: "Der Zeuge lügt sowieso, alle aus dessen Familie sind Drecksäcke."

Ich versuche in der Regel, dem Mandanten Dinge auszureden, die sich für ihn nur nachteilig auswirken würden. Wenn man in dem Punkt gar nicht zueinanderfindet, dann muss man sich eventuell trennen. Ein "Mietmaul" möchten die wenigstens Anwälte sein.

Also: Das Sprichwort stimmt nicht.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Die war´s!

Wahllichtbildvorlage bei der Polizei. Der Zeuge hat die Beschuldigte als sehr gepflegte, elegante Frau beschrieben.

Es werden dem Zeugen neun Bilder gezeigt, ein Foto der Beschuldigten (mit Bluse und Blazer, dies ist zu erkennen) und acht andere Bilder von Frauen etwa gleichen Alters. Alle anderen acht Damen sehen aus, als ob sie in der Mülltonne übernachtet hätten. Mindestens zwei machen den Eindruck, als ob sie der Drogenszene zuzurechnen sein.


Ich freue mich schon auf die Verhandlung.

Sehr Lesenswertes zur Wahllichtbildvorlage und Wahlgegenüberstellung vom Kollegen Siebers gibt es hier.

Dienstag, 26. Oktober 2010

Kurz und knapp

Die Leser strafrechtlicher Blawgs dürften mittlerweile wissen, dass man als Zeuge bei der Polizei keine Aussage machen muss. Zudem könnte sich herumgesprochen haben, dass man als Zeuge das Zeugnis verweigern kann, wenn man sich selbst in die Gefahr der Strafverfolgung bringen würde oder mit dem Beschuldigten verwandt ist.

Darüber ist ein Zeuge - natürlich - zu belehren. Der Kollege Vetter hat hier einen Anhörungsbogen gebloggt, bei dem die Belehrung in der Tat etwas holprig ist.

Die Polizei in Hamburg denkt sich da wohl: "Besser nicht lang schnacken, macht man auch nix verkehrt."

Die Belehrung auf dem Anhörungsbogen, der vor mir liegt, lautet kurz und prägnant:

Beachten Sie bitte die Vorschriften der §§ 52, 55 StPO.


Fein, da kann der Empfänger erst einmal google bemühen und nachschauen, was da drin steht. Vielleicht schreibt der Zeuge dann auch gleich zurück, dass er sich nicht selbst belasten wolle und daher nichts sage.

Montag, 25. Oktober 2010

Erschwerte Arbeit

Meine Mandantin schweigt auf meinen Rat hin. Kein Ton kommt über ihre Lippen. Zumindest nicht, bevor wir nicht den Akteninhalt kennen. Ein anderes Verhalten wäre dumm und schädlich.

Leider befindet sich die Akte noch bei der Polizei und nicht einmal das Protokoll der Vernehmung des Anzeigenerstatters ist schon geschrieben. Es heißt also warten. Für mich ist das weniger nervig als für die Mandantin. Ich rufe also bei der Polizei an und frage freundlich, wann denn mit einer Abgabe an die Staatsanwaltschaft zu rechnen sei.

Das kann man mir nicht mitteilen. Wohl aber kann man mir sagen, dass das "unkooperative Verhalten" meiner Mandantin die Ermittlungen erschwere.

Ja, verstehe ich. Mit einem feinen Geständnis - so ohne konkrete Kenntnis der Vorwürfe - wäre alles viel einfacher.

Montage

Montage haben bekanntlich ihre Tücken:

Zum dritten Male habe ich statt "Fristablauf" den schönen Begriff "Frustablauf" getippt. Vielleicht bessert sich das im Laufe des Tages noch. Ansonsten verlege ich mich besser auf das Lesen von Ermittlungsakten und gehe Psychoanalytikern für heute aus dem Weg.

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Rein statt raus

Von einem Einbruch in das Gefängnis Hamburg Glasmoor berichtet die Hamburger Morgenpost
hier.

Eigentlich wird in der Regel ja eher versucht, aus dem Knast auszubrechen, aber umgekehrt scheint es einfacher zu gehen.

Großartige Beute wurde in den Zellen von den Einbrechern übrigens nicht gefunden. Genau genommen wurde gar nichts entwendet. Ich bezweifle auch stark, dass sich in den Zellen viel Stehlenswertes befindet.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Keine Polizeigewalt, sondern Alltag

In der Hamburger Morgenpost von heute findet sich eine Mitteilung über den Ausgang eines Verfahrens vor dem Amtsgericht St. Georg, die ich recht bemerkenswert fand:

Eine Polizisten hatte Strafanzeige erstattet, weil ihr Kollege einen Dealer im Gewahrsam misshandelt haben soll. Laut Mopo hat die Beamtin ausgesagt, dass es keinen Grund gegeben habe, den Mann zu schlagen.

Das Verfahren wurde gegen Zahlung einer Geldauflage von 750,00 Euro eingestellt. Die Mopo berichtet weiter, dass der Staatsanwalt gesagt haben soll, "es handele sich nicht um einen Fall von Polizeigewalt, sondern eher um etwas Alltägliches."

Tja, wie wohl der Alltag des Staatsanwaltes aussehen mag? Der Arbeitsalltag der Polizistin dürfte wohl in Zukunft etwas unschöner sein.

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Formen der Kontaktaufnahme

Normalerweise erfolgt - zumindest hier in der Kanzlei - der Erstkontakt zu einem neuen Mandanten telefonisch. Der Anwaltssuchende teilt mit, was er für ein Anliegen hat, fragt nach etwaigen Kosten und vereinbart einen Termin. Manchmal kommt auch eine kurze Anfrage mit der Bitte um einen Termin per Mail oder jemand steht plötzlich im Büro. Alles nicht sonderlich ungewöhnlich.

Alle paar Monate bekomme ich aber dicke Umschläge von mir komplett unbekannten Menschen. Gerne lautet die Anrede "Sehr geehrte Damen und Herren Anwälte" und das beigefügte Schreiben ist seitenlang und kopiert.

Gerade liegt ein mehrere Zentimeter hoher Stapel Unterlagen vor mir. Das anonym gehaltene Schreiben enthält den Hinweis, dass man sich keinen Anwalt leisten könne, aber dringend Hilfe brauche.

Da es sich bei dem Anliegen um ein Rechtsgebiet handelt, welches ich nicht bearbeite, habe ich dem Anfragenden dies freundlich mitgeteilt. Per Post, eine andere Möglichkeit der Kontaktaufnahme gab es nicht. Berufsrechtliche Pflichten (z.B. aus § 44 BRAO) habe ich damit nahezu überobligatorisch erfüllt. Ich gehe davon aus, dass über 80% der Kollegen die Unterlagen in die Tonne geworfen hätten.

Echte Profis schreiben übrigens oben auf den Briefbogen: Das Lesen dieser Unterlagen löst keinen Gebührenanspruch aus. Da kann man dann überlegen, ob man 34 Seiten lesen möchte oder besser nicht.

Ob Ärzte auch manchmal einen dicken Umschlag bekommen? Vielleicht mit Fotos der Symptome?

Sollten Sie einmal einen Anwalt suchen und nicht wissen, wie sie Kontakt aufnehmen sollen, rufen Sie ihn doch einfach an. Am Telefon müssen Sie auch nichts unterschreiben. ;-)

Dienstag, 12. Oktober 2010

Mandantentypologie Teil I - Der Vollmachtsleser

Welcher der werten Leser und Nichtjuristen war schon einmal beim Anwalt? Ja, doch einige, schön. Wer hat da eine Vollmacht unterschrieben? Ja, habe ich mir gedacht. Wer hat die genau vorher gelesen? Ah, interessant.

Meist droht Ungemach, wenn ein Mandant die zu unterschreibende Vollmacht von vorne bis hinten liest. Komisch eigentlich, ist aber ein Erfahrungswert. Wer die Vollmacht liest oder gar eine Kopie möchte, mit dem gibt es in der Regel Ärger, meist mit der Bezahlung.

Dabei wollen wir Anwälte mit der Vollmacht doch nichts Böses. Weder einen Staubsauger verkaufen, noch uns als Alleinerben bestellen. Im Zweifel dient sie allein dazu, die Beauftragung nachweisen zu können. Meist bleibt sie bei der Akte und kein anderer Mensch bekommt sie je zu Gesicht.

Wissenswertes zur Vollmacht findet sich übrigens hier.

Montag, 11. Oktober 2010

Kühe unter dem Eis

Der Anrufer teilt mit, er habe einen Strafbefehl bekommen. Im Juli. Er habe sich da nicht so drum gekümmert und den jetzt erst aufgemacht. Wie man denn nun die Kuh vom Eis bekomme, möchte er wissen.

Tja, diese Kuh liegt bereits verwest auf dem Grunde des Sees.

(Zur Einspruchsfrist beim Strafbefehl siehe hier.

Merke: Post aufmachen, auch wenn man dazu so gar keine Lust hat. Post besonders schnell öffnen, wenn sie in einem grellen, gelben Umschlag daherkommt.

Dienstag, 5. Oktober 2010

Chronisch unterbezahlt

Der Gegner hat Probleme. Sehr viele Probleme. Einige davon groß, andere eher klein. Unter anderem wollen viele Gläubiger Geld, der Staat will Geld, alles sehr ungenehm.

Bezahlt werden sollen die Schulden nicht. Er könne das alles nicht bezahlen, sagt er, denn er sei chronisch unterbezahlt.

Durchaus eine zutreffende Bezeichnung für Arbeitslosengeld II, leider aber nicht hilfreich.

Montag, 4. Oktober 2010

Dolles Angebot?

Ein Anruf einer Kollegin. Ob ich an einer Kooperation interessiert sei. Sie bearbeite kein Strafrecht, habe da aber häufig Anfragen und schicke die Leute dann weg. Gerne würde sie die Mandanten zu mir schicken.

Klingt grundsätzlich erst einmal gut, hat aber einen Haken. Ich soll nämlich 50 % der eingenommen Gebühren abgeben - an die Kollegin. Noch mal zum Mitschreiben: Kollegin macht kein Strafrecht, ich kann diese Mandate bekommen und bearbeite sie dann. Dafür gebe ich dann 50 % der Einnahmen an die vermittelnde Kollegin ab.

Aha. Den Vorschlag finde ich irgendwie doof - nicht nur wegen des Verstoßes gegen berufsrechtliche Vorschriften.

Freitag, 1. Oktober 2010

Ja, watt denn nun?

Der Kollege hat am Nachmittag eine längere Besprechung und ist daher nicht zu sprechen. Ein Mandant möchte ihn erreichen und versucht es auf vielen Wegen: Telefon, Fax und Mail. Gefehlt hat nur das persönliche Erscheinen und das singende Telegramm.

Aus dem leichten Stöhnen des Kollegen und der Frage: "Ja, was denn nun?" kann man einen Merksatz ableiten: Viele Köche verderben den Brei bzw. alles auf einmal ist nicht unbedingt nötig. Umgehend zurückgerufen wurde der Mandant aber trotzdem.

Donnerstag, 30. September 2010

Doch kein Zeuge deluxe

Ein gewisser Prozentsatz von Mandanten redet bei der ersten Besprechung selbstbewusst davon, dass ihnen gar nichts passieren könne. Man habe da einen super Zeugen, echt. Ein Premiumzeugen sozusagen. Der könne ganz toll für einen aussagen.

Es ist sinnvoll, den Mandanten zu dem vermeintlichen Zeugen genau zu befragen. Unter Umständen sollte man den Zeugen auch selbst vernehmen - sonst kann es in der Hauptverhandlung sehr unangenehm werden.

Bei einem Verfahren wegen mehrerer Einbruchsdiebstähle wurde mir ein mysteriöser Zeuge angedient wie trockenes Brot. Der könne total entlastende Sachen sagen, wirklich. Was das für entlastende Dinge sein sollten, das konnte der Mandant nicht sagen. Er war da sehr unkonkret. Besorgniserregend unkonkret.

Ich bekomme die Akte, schaue auf den Aktendeckel und werde überrascht. Der Name eines Mitbeschuldigten kommt mir sehr bekannt vor. Der Akteninhalt spricht dann dafür, dass der potentielle Zeuge sich auch einen Anwalt nehmen sollte - einen Verteidiger.

Mittwoch, 29. September 2010

Arbeitsmotivation

Der Mandant hat keine Erfahrung mit Strafverfahren und hat das erste Mal in seinem Leben ein Ermittlungsverfahren am Hals.

Ich erläutere ausführlich das Vorgehen und die Kostenfrage. Die Zahlung eines Vorschusses ist dem Mandanten augenscheinlich sehr suspekt und schließlich sagt er auch, warum.

"Wenn Sie vorher das Geld haben, dann haben Sie doch keine Lust mehr, sich anzustrengen."


Ich konnte ihm versichern, dass genau das Gegenteil der Fall ist.

Montag, 27. September 2010

Anwalt für Strafrecht - brauch ich doch nicht!

Wenn Menschen erfahren, was ich beruflich mache, dann heißt es meistens:

"Ich brauche Sie/Dich nie!"

In den meisten Fällen ist das auch so und das ist in Ordnung - zumindest wenn es sich um gute Bekannte oder gar Freunde handelt. Ich möchte ja iregendwie doch nicht, dass eine Freundin den Ehemann erschlägt, nur damit ich ein schönes Mandat habe. Ab und dann benötigt aber doch jemand Hilfe, das ist bisweilen ganz amüsant.

Apropos erschlagen: Bei Strafverteidiger denkt offenbar jeder Mensch sofort an Mord, Totschlag und Banküberfälle. Die Überraschung ist dann groß, dass die Kollegen und ich auch weniger spektakuläre Fälle bearbeiten wie Unfallflucht und co.

So schnell ist der vermeintlich hochspannende Beruf weniger spektakulär. Macht aber nichts.

Freitag, 24. September 2010

Sieht aus wie immer

Zeugenvernehmungen können mitunter sehr amüsant verlaufen. Über das Modell "leicht unwilliger Klassenclown" berichtete der Kollegen Hoenig kürzlich hier. In ungeahnte Höhen des schlechten Humors können sicht Vernehmungen hochschaukeln, wenn Richter, Staatsanwaltschaft und Anwalt auch mal etwas Leben in die Bude bringen wollen.

Die Geschichte, die mir ein Kollege neulich erzählt hat, die dürfte er allerdings aus einem Witzebuch für Anwälte haben, halbwegs nett ist sie trotzdem.

Richter: "Wie lang war das Auto?"
Zeuge: "Na, so drei Meter."
Richter: "Und wie breit."
Zeuge: "Auch drei Meter."
Richter (diktiert): "Ich habe ein quadratisches Auto gesehen."

Meine Lieblingsantwort eines Zeugen auf die Frage des Richters, ob er den Angeklagten wiedererkenne, lautet übrigens:
"Er sieht so aus, wie er heute aussieht."
Ahhh ja.

Donnerstag, 23. September 2010

Weisheit des Donnerstags

Laufkundschaft heißt so, weil sie in der Regel ohne Geld dazulassen schnell wieder wegläuft.

Mittwoch, 22. September 2010

Saubere Verträge

Ordentliche Verträge mit Hand und Fuß sind wichtig, das stellen die Kollegen Reuter und Göhle zufreffend fest. Leider sind solche Verträge teuer und daher nicht für jeden Mandanten von Interesse. Der Ärger kommt dann oft später.

Ein beeindruckendes Telefonat hatte ich vor einigen Tagen:

Anrufer: "Guten Tag, ich suche einen Anwalt, der mir einen Vertrag erstellt. Ich will eine Tierwaschanlage betreiben und AGB und so erstellen. Machen Sie das?"

Ich: "Wasch..was?"

Anrufer: "Eine Tierwaschanlage, in der Tiere sanft mit einer milden Seifenlösung schonend gewaschen werden. Sie machen doch auch Pferderecht?!"

Ich: "Hm, ich kann Ihnen einen Kollegen empfehlen, der schwerpunktmäßig in diesem Bereich tätig ist. Der erstellt AGB für Firmen."

Anrufer: "Ach, so Anwälte die AGB erstellen, so Vertragsanwälte und so, das ist mir zu teuer. Kann man da nicht was aus dem Internet laden und Sie schauen mal drüber?"

Wir haben nicht zueinander gefunden. Ich wünsche dem Anrufer aber viel Glück. Tierwaschanlagen kenne ich bisher nur aus Schlachthöfen.

Und immer wieder: Aktenversendungspauschale

Die Staatsanwaltschaft Pusemuckel Süd übersendet mir zwei Ermittlungsakten des Mandanten Ede Langfinger. Zwei Ermittlungsverfahren, zwei Akten, in einem Umschlag. In dem Päckchen sind dann zwei Kostenrechnungen über je 12,00 Euro.

Hm. Über das spannende Thema "Aktenversendungspauschale" weiß ich mittlerweile so einige Dinge. Die Aktenversendungspauschale deckt Hin- und Rücksendung der Akte, der Kostenschuldner ist nicht immer der Anwalt und die Aktenversendungpauschale fällt nicht an, wenn die Akte in das Gerichtsfach gelegt wird und mit der Umsatzssteuer war da auch was.

Aber: Fallen die 12,00 Euro nun pro Akte oder pro Sendung an? Sind zwei Akten in einem Umschlag eine Sendung? Spannung pur! Herr Burhoff, übernehmen Sie. :-)

Typische Straftaten in Hamburg

Zwei junge Herren aus dem Allgäu haben die Erfahrung machen müssen, dass so ein Besuch in einer Tabledance-Bar teuer werden kann. 15.300,00 Euro sollten die Jungs für den Besuch auf dem Kiez zahlen, 50,00 Euro gab es zuvor als Zuschuss von Mama.

Die Hamburger Morgenpost berichtet hier über das nun gegen den Betreiber der Bar laufende Strafverfahren.

Das Problem ist mir - aus beruflichen - also, Anwältin jetzt- Gründen - nicht unbekannt. Jede Gegend hat eben ihre regionalspezifischen Strafraten. Im Allgäu werden dafür vielleicht mehr Kühe geklaut oder so.

Und merke: Beim Bummel auf dem Kiez Geld in den ledernen Brustbeutel und gut drauf aufgepasst. Wie im Italienurlaub. ;-)

Montag, 20. September 2010

Versuchen kann man es ja mal

Das Telefon klingelt. Mensch, das wird ein Mörder sein, ein Totschläger oder zumindest ein HSV oder St. Pauli Fan, der gestern Ärger mit der Polizei hatte.

Weit gefehlt.

Ein zartes Stimmchen sagt: "Guten Tag, ich habe Sie auf einer Homepage für kostenlose Rechtsanwälte gefunden."

Na klar. Versuch macht kluch, oder wie heißt das. Ich suche gerade noch nach der Homepage "kostenlose Einkommenssteuer", die finde ich leider nicht.

Freitag, 17. September 2010

Ungesunde Gescheke

Hm. Es gibt Mandantengeschenke, die gemahnen zur Vorsicht. Allein des Gesundheit wegen.

Als Strafverteidiger bekommt man immer Alkohol. Wein, Wodka und andere hochprozentige Sachen. Kürzlich bekam ich einen selbst gebackenen Kuchen. Zwar habe ich den Mandanten weder in einem Betäubungsmittelverfahren, noch wegen Verstoßes gegen lebensmittelrechtliche Vorschriften vertreten, trotzdem war mir komisch. Ob die Küche des Mandanten so ordenlich ist wie bei Muttern? Ich weiß nicht. Und dann meine Laktoseallergie, die Glutenunverträglichkeit und die Eier waren sicher auch nicht bio. Wer also gerne ein Stück Marmorkuchen hätte, kommen Sie vorbei.

Mein Ausbilder im Referendariat bekam übrigens einmal eine Flasche mit einer trüben, leicht bräunlichen Flüssigkeit überreicht. Der Mandant sagte dazu, es handele sich um "Zauberwasser", welches er selbst gebraut habe. Müsse man unbedingt probieren. Dann bot der Mandant mir eine Zigarette und eine 0,5 Liter Dose Bier an. Beides habe ich dankend abgelehnt, es war ja gerade mal 10 Uhr am Vormittag. Der freundliche Herr meinte dann:

"Willst gesund verrecken, hm?"


So isses. Und deswegen wird Alkohol weiter verschenkt und Kuchen an die Enten verfüttert. So eine Gemüsekiste, die nehme ich aber gern.

Montag, 13. September 2010

Nicht mal ein Snickers

Über Kollegen, die fachlichen Rat brauchen und zum Dank Wein, teure Pralinen oder Geschmeide versprechen schreibt der Kollege Göhle hier. Gegen Austausch unter Kollegen ist natürlich rein gar nichts zu sagen und ich z.B. diskutiere gerne mal und bin froh jemandem weiterhelfen zu können. Es gibt aber auch Leute, die in schöner Regelmäßigkeit andere für sich arbeiten lassen wollen und zum Dank nicht einmal eine Packung Kekse oder ein Pfund Kaffee anbieten.

Manche Kollegen treiben es aber echt auf die Spitze. Wer vor einem Anruf noch nicht einmal ins Gesetz - von Kommentar wollen wir ja gar nicht reden - guckt, dem sollte man mit der Schippe kräftig auf den Kopf hauen. Da nützt es auch nichts, das Gespräch schleimig mit einem: "Da weißt Du ja ganz sicher, und bevor ich jetzt lange selbstnachdenke.." zu beginnen.

Mein Gegenanruf wird in wenigen Tagen erfolgen: "Du, das weißt Du ganz sicher überhaupt nicht, aber Du hast mich in den letzten Wochen zu Tode genervt und da dachte ich...!"

Wieder da

So, ich bin heil wieder zurück am Schreibtisch. Nachdem ich keine Fotos aus dem Urlaub gepostet habe, hier nun ein kleines Bild NACH dem Urlaub.

Freitag, 3. September 2010

Keine Fotos...

..wird es aus meinem am morgigen Tage beginnenden Urlaub in Wien geben.

Es werden keine bildlichen Dokumente von mir beim Essen von Palatschinken, Sachertorte, Kaiserschmarrn, Germknödeln, Topfenstrudel und co. angefertigt werden.

Hier werde ich erst wieder ab dem 14. September wieder zu lesen sein. Seien Sie schön brav hier, bleiben Sie mir gewogen.

P.S. Gute Tipps gegen Flugangst werden noch bis 15 Uhr entgegengenommen.

P.P.S. Während meines Urlaubs ist die Moderationsfunktion aktiviert. So rein aus anwaltlicher Vorsicht. ;-)

Mittwoch, 1. September 2010

Leichte Anwaltsauswahl?

Der Kollege Nebgen gibt in seinem Blog einen kurzen Abriss über die Geschichte der Fachanwaltschaften. Ein Kommentator meint, dass es dem Bürger doch in der Regel gelinge, sich den richtigen Anwalt zu suchen. Das trifft nicht immer zu, wie mir kürzlich ein Anruf zeigte.

Anrufer: "Hallo, Sie kennen sich doch mit Pferderecht aus, sind Sie da Fachanwältin?"

Ich: "Einen Fachanwalt für Pferderecht gibt es nicht, als Reiterin kenne ich mich mit Pferden aber sehr gut aus und bearbeite auch Mandate im Pferderecht. Was ist denn ihr Problem?"

Der Anrufer schildert recht ausufernd eine hoch komplizierte Geschichte, in der es im Wesentlichen um Insolvenzrecht, Gesellschaftsrecht und am Rande Steuerrecht ging. Er gehörte in die Hände eines Kollegen, der im Insolvenzrecht fit ist und an einen solchen habe ich ihn verwiesen. Ein bisschen besorgt war der Anrufer, ging es doch um Pferde und mit denen hat der empfohlene nichts am Hut.

Eine andere Anruferin mit einem pferdischen Problem fragte besorgt, ob ich mich auch mit gescheckten Pferden auskenne.

Solche Fehleinschätzungen des eigenen Problems gibt es häufiger. Vielleicht wird ein Fachanwalt für Medienrecht auch angerufen, wenn der gekaufte Fernseher mangelhaft ist?

Heyho, Cowboy

Heute wurde ich wieder mit dem für mich vorgesehenen Brufsbild konfrontiert: Berittene Polizistin.

Ein Kollege und Follower schickte mir dann den Link zu einer Seite der Polizei Sachsen, die allerlei Infomationen über die Aufgaben berittener Polizisten bietet. So habe ich gelernt, dass das Dienstpferd "Hilfsmittel der körperlichen Gewalt im Sinne des sächsischen Polizeigesetzes" ist.

Wow. Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu. Apropos Kuh. Auf der Seite findet sich auch noch folgende Frage:

"Was tun, wenn ein entlaufener Bulle eine Gefahr für den öffentliche Sicherheit wird?"
Quelle: http://www.polizei.sachsen.de/lpdzd/2101.htm

Das habe ich mich auch schon manches Mal gefragt. Jetzt weiß ich: Eingefangen wird der. Ob mit oder ohne Lasso, davon steht da nichts. Heyho!

Montag, 30. August 2010

Kleider machen Straftaten

Die Polizei Hamburg berichtet in ihren Pressemeldungen von einer "politisch motivierten Sachbeschädigung".

Es heißt:

"Die Täter, die alle Kapuzenpullover trugen, flüchteten anschließend mit Fahrrädern. (..)Es wird von einer politisch motivierten Tat ausgegangen."

Quelle: http://www.hamburg.de/pressemeldungen-polizei/2481894/100830-1-farbbeutel.html

Kapuzenpullover. Fahrräder. Das können ja nur linke Chaoten gewesen sein. Wahrscheinlich war der Pullover auch noch schwarz.

Sonntag, 29. August 2010

Plaudertasche

In der Strafsache vor mir ist der Mandant des Kollegen nicht erschienen. Der Vorsitzende fragt: "Kommt er denn noch? Wann hatten Sie denn das letzte Mal Kontakt zu Ihrem Mandanten?"

Der Kollege blättert in seiner Akte und berichtet dann treudoof, wann die Besprechung mit dem Mandanten stattgefunden habe, wann es das letzte Telefonat gab und dass er den Mandanten gestern noch erinnert habe, doch pünktlich zu erscheinen. Das sei ja aber schwierig, wegen des bekannten Alkoholproblems. Verständnisvolles Lächeln bei dem Vorsitzenden.

Auf der Liste "Kollegen, deren Dienste ich nie in Anspruch nehmen würde" ist auf jeden Fall ein neuer Name dabei.

Freitag, 27. August 2010

Unmoralische Angebote

So eine Rechtsschutzversicherung kann eine tolle Sache sein. Allerdings wissen 98% der Versicherten nicht, ob sie eine Selbstbeteiligung haben, wie hoch diese ist und was von ihrer Versicherung überhaupt umfasst ist.

Binnen einer Woche habe ich zwei unmoralische Angebote bekommen. Beinah-Mandant1 bat darum, doch einfach eine um 150,00 Euro höhere Rechnung auszustellen. So plante er, die Selbstbeteiligung in Höhe von 150,00 Euro diskret auf den Versicherer umzulegen. Ein Spitzenvorschlag, den ich leider abgelehnt habe.

Noch pfiffiger war ein rechtsschutzversicherter Anrufer, gegen den wegen Betrugs ermittelt wird. Da dieses Delikt nur vorsätzlich begangen werden kann, besteht (in aller Regel) kein Versicherungsschutz. Ich habe dem Herren erklärt, wie es sich so mit Rechtsschutzversicherungen und Straftaten verhält und er war sichtlich enttäuscht. Plötzlich sagt er verschwörerisch: "Und wenn Sie angeben, dass Sie mich wegen einer anderen Sache vertreten und so abrechnen, dass es passt?!"

Toller Plan. Vielleicht fälsche ich auch ein paar Unterlagen. Mit etwas Tipp Ex müsste sich doch auch aus einem Strafurteil ein zivilrechtliches Urteil machen lassen, oder?

Dienstag, 24. August 2010

Synergieeffekte

So als Rechtsanwalt allein im Büro zu sitzen ist langweilig. Und teuer. Viel schöner uns sinnvoller ist es doch, in Bürogemeinschaft mit anderen Menschen zu sitzen. Man kann sich den Kopierer und das Fax teilen und gemeinsam Kaffee und Toilettenpapier kaufen.

Andere Rechtsanwälte sind zum Zusammenwohnen nur bedingt geeignet, da schnappt man sich nur gegenseitig die Mandanten weg und geht sich auf die Nerven.

Viel spannender ist es doch mit Menschen aus anderen Berufsgruppen. Modedesigner, Friseure, Journalisten, Trainer oder Diätberatern. Es entstehen dann diese tollen Synergieeffekte und alle haben etwas von der Zusammenarbeit.

Leider gibt es so berufsrechtliche Dunkelnormen, die etwas dazu sagen, mit wem ich als Rechtsanwalt beruflich zusammenarbeiten darf und mit wem nicht. Das sind erschreckend wenig Berufsgruppen. Sehr dumm.

Wenn es die Regelungen nicht gäbe und ich nicht mit meinem Kollegen ganz zufrieden wäre, dann hätte ich Interesse an einer Bürogemeinschaft mit einer Polizeiwache oder einem Gefängnis. Wegen der Synergieeffekte eben.

Blind Date mit der Strafverteidigerin

Ich bin einem Menschen als notwendige Verteidigerin beigeordnet worden und der möchte mich nicht kennenlernen.

Nach Erhalt des Beiordnungsbeschlusses schreibe ich ihn an. Keine Reaktion. Nachdem ein weiteres Verfahren mit dem Ursprungsverfahren verbunden wurde, schreibe ich ihn nochmal an und rege einen Besprechungstermin an. Keine Reaktion.
Ich rufe die in der Akte befindliche Nummer an. Anschluss nicht mehr erreichbar. Dritter Versuch der schriftlichen Kontaktaufnahme. Keine Reaktion.

Am Donnerstag werde ich nun vor dem Saal warten und nach einem Mann Ausschau halten. Das Alter weiß ich immerhin. Fotos sind leider nicht in der Akte. Vielleicht sollte ich eine Nelke im Knopfloch tragen?

Naja, immerhin gibt es mit großer Wahrscheinlichkeit einen zweiten Verhandlungstag und ich kann den Mandanten vorher besuchen.

Sonntag, 22. August 2010

Ich weiß, dass ich nichts weiß

Ich habe für den Mandanten in einer Bußgeldsache Akteneinsicht beantragt und gleich beim ersten Gespräch mitgeteilt, dass es möglicherweise ein wenig dauern kann. Einen Anruf pro Woche kann sich der Mandant nicht verkneifen. Da kann ich noch so oft erwähnen und versprechen, dass er über alle Neuigkeiten informiert wird.

Dann: Spannung. Post von der Bußgeldstelle.

"Die Akte ist gerade nicht entbehrlich bzw. anderweitig versandt."

Pflichtbewusst leite ich das Schreiben an den Mandanten weiter und finde prompt ca. 24 Stunden später eine Mail vor. "Was heißt das denn? Was soll das? Was bedeutet das genau? Warum wissen Sie das nicht genau"

Es wird endlich Zeit für das hier.

Donnerstag, 19. August 2010

Hallo Echo?

Ich berichtete hier über ein Schreiben, welches fröhlich durch Hamburg reiste. Von hier nach da, mit einigen Umwegen. Irgendwann kam es an, bekam einen feinen Eingangsstempel und wurde bearbeitet. Die richterliche Anfrage wurde fristgerecht beantwortet.

Gestern kommt ein Schreiben des Gerichts:

"Das Schreiben des Gerichts vom 17.07.2010 ist beidseitig reaktionslos verhallt. Das mag daran liegen, dass es nur formlos übersandt wurde. Vielleicht hat es die Prozessbevollmächtigten niemals erreicht. Anbei erhalten Sie das Schreiben des Gerichts nunmehr gegen Empfangsbekanntnis."

Reaktionslos verhallt? Beidseitig auch noch? Von mir gar? Ich bin ja auch für mehr Blumigkeit in der Kommunikation. So was wie "..ist unbeantwortet geblieben.." klingt einfach zu nüchtern.

Mittwoch, 18. August 2010

Traut die Davidwache mir nicht?

In einem Ordnungswidrigkeitenverfahren habe ich die Verteidigung der Mandantschaft angezeigt und Akteneinsicht beantragt. Knappe 14 Stunden später finde ich einen Telefonvermerk, dass ich die Akte dort - auf der Davidwache - einsehen könne.

Na, denke ich mir. Ganz neue Sitten, die ich nur von der Ausländerbehörde kenne. Verteidigern sollen die Akten, in die Geschäftsräume mitgegeben werden, wenn keine wichtigen Gründe entgegenstehen. Keiner der in der Kommentierung genannten Gründe kommt in Betracht.

Mit viel Boshaftigkeit kann ich auf die Idee kommen, dass Verfahren gegen einen Beamten wegen Körpervereltzung im Amt - welches mit "meinem" Verfahren in Zusammenhang steht - vielleicht etwas damit zu tun haben könnte.

Montag, 16. August 2010

Kost und Logis?

Letzte Woche trudelte hier eine Bewerbung ein. Junger Kollegen, Zulassung seit wenigen Tagen. Zwei Mal "befriedigend". Schwerpunkt Strafrecht.

Für Erheiterung sorgte der letzte Satz:

"Meine Gehaltsvorstellung beträgt 70.000,00 Euro/Jahr."

Für die hervorgerufene Erheiterung müsste ich den jungen Mann direkt mal zu Kaffee und Kuchen einladen. Bei der Beratung beim Arbeitsamt hätte man ihm raten sollen, sich nicht unbedingt bei Einzelanwälten zu bewerben. Ich wünsche aber weiter viel Erfolg bei der Jobsuche und beim Erlernen von realistischen Vorstellungen.

Bonne chance!

Freitag, 13. August 2010

Eskalation

Freitag. Das Telefon klingelt. Beschwingt gehe ich ran und erwarte etwas Spannendes. Eine Geiselnahme. Einen Raub. Mindestens. Naja. Mindestens eine ordentliche Körperverletzung. Oder wenigstens eine Unfallflucht.

Aber nein. Der Anrufer hat Ärger mit seinem Nachbarn im Kleingartenverein und will nicht mit diesem zu dem vorgesehenen Schlichtungstermin.

Für die Zukunft lautet meine Antwort auf die Frage:

"Machen Sie auch Nachbarschaftsstreitigkeiten?"

"Nein, lassen Sie das erst mal schön eskalieren. Mit Gewalt und so. Dann rufen Sie wieder an."

Showmaster?

Der Vorsitzende einer Zivilabteilung bittet mich mitzuteilen, ob in dem Rechtsstreit Miesepeter ./. Pusemuckel eine richterliche Moderation versucht werden soll.

Moderation? Meint er nicht eventuelle Mediation? Nein, meint er nicht, die wird eine Zeile weiter gebeten, in Erwägung zu ziehen.

Vielleicht wird mit richterlicher Moderation eine Verhandlung wegen ausstehender Vergütung ein echtes Highlight. Ich hoffe, der Vorsitzende ist mehr Jauch und weniger Gottschalk.

Mittwoch, 11. August 2010

Keine Damen da!

Der Zeuge ist Inhaber einer Gaststätte. Wobei, "Gaststätte" schon
sehr freundlich ausgedrückt ist. Es handelt sich eher um ein Etablissement, was man guten Gewissens als "versifft" bezeichnen würde. Also, keine weißen Tischdecken, keine Servietten aus Leinen und keine Weingläser aus Kristall. Eher Erbrochenes auf der Toilette.

Der Wirt des Ladens hat nun einen Gast angezeigt. Er soll von diesem geschlagen worden sein. Der Schlag soll eine Reaktion auf ein Hausverbot gewesen sein. Das Hausverbot soll wegen des Gebrauchs unanständiger Worte erteilt worden sein.

Nachdem er sich lange geziert hatte ("Es sind Damen in Raum!") hat der Zeuge endlich das böse Wort gesagt.

Es war eine große Freude, bei der Vernehmung mal ein wenig nachzuhaken und zu erfragen, was denn in dem Laden sonst so für ein Umgangston gepflegt wird. Schön, wenn ein Zeuge sich um Kopf und Kragen redet und von der Anklage schließlich nichts mehr übrig bleibt.

Einen Punkt für Coolness bekommt übrigens die Vorsitzende wegen des Satzes: "Hier sind keine Damen im Raum. Hier sind nur die Verteidigerin und ich."

Dienstag, 10. August 2010

Buddha hinter Gittern

Am Sonntag war ich mit Freunden da brunchen. Einige der Anwesenden sind Buddhisten und fragten sich, inwiefern Meditation und buddhistische Geistesschulung für Strafgefangene hilfreich sein können. Gut, ich habe da leichte Zweifel, dass in der Strafhaft Menschen zu Gott oder zu Buddha finden, schaden kann es aber wohl nicht.

Warum aber gerade Buddhismus besonders gut ankommt, das wusste eine der Anwesenden zu berichten: Ein buddhistischer Lehrer bot Meditation hinter Gittern an und wunderte sich, dass ca. 100 Gefangene kamen. Nach der Meditation fragte ein Häftling den Lama: "Wenn man viel meditiert, dann bekommt man doch so besondere Kräfte. Man kann schweben, oder?"
"Ja, das kann sein", sagte der Lama, "dafür wirst Du aber sehr lange praktizieren müssen, viele Leben lang gar. Diese Fähigkeiten erlangen nur sehr wenige Praktizierende."

Tja, beim nächsten Mal waren es nur noch drei Gefangene, die gerne meditieren wollten. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. :-)



Montag, 9. August 2010

Das Netz der Hungerleider?

Im April 2004 bin ich - damals noch als Referendarin oder vielleicht sogar noch Studentin - in ein Netzwerk eingetreten, das hieß damals noch openbc. Das sollte Open Business Community bedeuten. Nun wissen wir ja alle, was Business heißt, Geschäfte sollten da gemacht werden. Als Referendarin war ich eine Exotin, alle anderen Nutzer waren erfolgreiche Geschäftsleute mit Porsche vor der Villa und mindestens zwei Sekretärinnen. Damals zumindest. Heute ist jeder zweite Nutzer entweder Coach oder "Berater". Jeder andere Zweite hat bei Firma "Hier könnte Ihr Name stehen!" eingesetzt.

Vielleicht haben andere Menschen Millionendeals abgewickelt und andere Rechtsanwälte haufenweise sogenannte A-Mandanten da gewonnen, ich nicht.

Nach nunmehr sechs Jahren Mitgliedschaft kommen ca. fünf ordentliche Mandate auf ca. 150 unverschämte Anfragen. Menschen, deren "Unternehmen mit mir wachsen will", was bedeutet, dass ich erst einmal das Problem mit diesem Verfahren wegen Untreue löse und dann in ferner Zukunft - so Gott will - einmal dafür bezahlt werde. Andere Nutzer teilen sofort freudig mit, dass eine Bezahlung ja nicht nötig sei. Schließlich handele es sich ja nur um einen kurzen Tipp, den ich so aus dem Ärmel schüttele und denn ich gerne erteile. Man kennt sich ja schließlich fast und quasi.

Wieder andere Mitglieder wollen anwaltliche Leistung gegen etwas anderes tauschen: gegen ein Coaching, eine Reikibehandlung, gegen Dienste als Hundesitter, gegen einen gestrickten Schal oder einen feinen Schokoladenkuchen. Ich will meine Anwaltstätigkeit aber nicht gegen eine Bachblütenbehandlung tauschen, ich will damit Geld verdienen.

Vergessen habe ich die Unmenge an Menschen, die gerne irgendeine Art der Kooperation mit mir wollten oder die Kollegen, die ihre Kanzlei zum Kauf anboten. Alle Anfragen dieser Art kamen völlig aus dem Nichts. So wie der Typ aus der Sesamstraße schnell und unbürokratisch ein "X" verkaufen will, so bieten andere Menschen Firmenbeteiligungen und Ähnliches an.

Bei mir und einigen Kollegen heißt das bekannte Netzwerk jedenfalls nur noch "Das Netz der Hungerleider". Wir sind der Meinung, dass Akquise in "Benni´s Bierbar" um ein Vielfaches besser klappt als in Business Communities.

Und jetzt warte ich geduldig auf Kommentatoren, die mir erklären, was ich alles falsch mache - Foto zu nett, Profil zu unscharf - und die selbst schon Millionen dortselbst verdient haben.

Samstag, 7. August 2010

Hin - und Hergerissen

Der Mandant möchte in einer kleinen Strafsache verteidigt werden. Naja, so richtig verteidigt werden vielleicht auch doch nicht. Besorgt fragt er mehrfach (persönlich, dann nochmals telefonisch, jetzt per Mail) nach, ob die Beauftragung eines Anwalts keine Nachteile mit sich bringe. Die (ja, genau, DIE) könnten nun ja denken, dass er über mich den Akteninhalt in Erfahrungen bringen wolle und sich so auf alles Weitere vorbereiten wolle. Anmerkung: genauso ist es!

Das sei ja aber schlechter als eine ehrliche und umfassende Aussage. Meint der Mandant.

Ich habe ihm nun mit Engelszungen mehrfach erklärt, dass es sein gutes Recht sei, einen Anwalt zu beauftragen und dass die Polizei und Staatsanwaltschaft durchaus daran gewöhnt sei, dass Anwälte sich meldeten, Verteidigung anzeigten und Akteneinsicht beantragten. Das wird bei DENEN keine tiefere Sinnkrise auslösen.
Auf den Aktendeckel wird auch nur mein Name bei "Verteidiger" eingetragen und kein böser Vermerk ("will nicht in den Knast, die Ratte!!") gemacht.

Dieses Hin - und Hergerissensein bei "unerfahrenen" Mandanten finde ich wirklich spannend. Die Filme, in denen Polizisten sagen: "Es ist besser für Sie, wenn Sie mit uns kooperieren und alles sagen." haben wohl einen nachhaltigen Eindruck in der Bevölkerung hinterlassen. Da könnte sich die Imagekampagne des Deutschen Anwaltsvereins noch was abgucken.

Donnerstag, 5. August 2010

Rechtsprobleme, überall Rechtsprobleme

Hach ja, die angebliche Unfähigkeit der Strafrechtler - zu finden in den Kommentaren zu diesem Beitrag - ist ein schönes Sommerlochthema. Einfach immer wieder gerne genommen.

Glücklicherweise bin ich raus aus der Verantwortung, da urlaubsbedingt abwesend. Ich kann fragend und missbilligend über den Rand meiner Sonnenbrille gucken, an dem Schirmchendrink nippen und muss mir nicht den Kopf über den fiktiven Mandanten X zerbrechen, der eine fiktive Packung Kekse aus der fiktiven Minibar eines fiktiven Hotels genommen haben soll. Hab ich das gut! In einer ähnlich positiven Lage sind die ebenfalls urlaubenden Kollegen Nebgen, Siebers, Burhoff und der StrafrechtsBlog.

Und der Rest? Die anderen Strafrechtler? Wissen die dazu nichts, wie der Beobachter nicht beobachtet, sondern schlussfolgert?

Mitnichten, denke ich. Die Kollegen haben wohl nur gelernt, sich den Kopf nur an den Stellen zu zerbrechen, an denen es nötig ist. Ein - nicht bloggender - Hamburger Kollege spricht gerne davon, dass er eine Denkschwäche habe. Ja, eine Art Lähmung sogar. Diese schlimmen Beschwerden sind schlagartig weg, wenn der geforderte Vorschuss da ist. Dann klappt das mit dem Denken tadellos. So schont der Kollege Nerven und Gehirn, eine vernünftige Einstellung. Der wird sich denken: "Das ist nicht meine Schachtel Kekse!"

So, und jetzt gehe ich wieder zu den schweigenden Strafrechtlern. Gleich 16 Uhr, Kaffeezeit und Gehirn abschalten. Wobei: an der Pferdeweide nebenan hängt so ein Warnschild, dass die Tiere beißen könnten. Wenn da jetzt ein Kind käme und gebissen würde, wie wäre das denn dann? Weia, überall Rechtsprobleme, überall. Prost.

Dienstag, 3. August 2010

Statistisches aus der Urlaubszone

Ich bedauere sehr, dem Kollegen mit den Handschellen kein Urlaubsbild zeigen zu können, aber anderer Stelle gab es für andere Kollegen schon Schelte. Daher von mir nur schnöde - statistische relevante - Informationen:

- auf den linken Unterschenkel einer mittelkleinen Frau passen 21 Mückenstiche
- 50 Gramm Fenistil Gel kosten 8,75 Euro
- die Linderung des Juckreizes durch Auftragen von Fenistil hält 4 Minuten und 23 Sekunden an
- die durchschnittliche Anzahl von gesichteten Tieren (pro Stunde) in der Einöde beträgt acht, Mücken nicht mitgezählt

Besonders herzliche Grüße an die Urlaubskollegen Siebers, Burhoff und co.

Freitag, 30. Juli 2010

Kurz und schmerzbefreit?

Die Qualitätsdebatte und kein Ende? Heute hat sich der Kartellblog von (oder aus?) Jurablogs verabschiedet und in den Kommentaren findet eine interessante Diskussion statt.

Die im Strafrecht tätigen Kollegen, wir seien ein Mikrokosmos, so heißt es da. Naja, es ist doch allgemein bekannt, dass Strafrechtler gerne unter sich bleiben und den Kontakt zum restlichen Anwaltsvolk vermeiden. Wir drängen uns halt gerne zusammen wie die Schafe bei Regen, so sagt man zumindest.

Zudem wird die besorgte Frage aufgeworfen, ob die Strafrechtler denn alle unterbeschäftigt seien.

Nein, sage ich und ich bin mir recht sicher, dass auch die Kollegen Nebgen, Siebers, Hoenig, Rueber und Burhoff, Dieler, Feltus, Vetter und alle anderen Strafrechtler nicht den ganzen Tag über traurig die Wand anstarren und die Büropflanzen streicheln. Strafrecht eignet sich nur ganz besonders für schnelle Blogeinträge, die im Wesentlichen unterhalten. Schnelle Schüsse aus der Hüfte sozusagen oder "quick and dirty". Zumindest manchmal, wenn Verteidigungsstrategien für den Exhibitionisten oder ähnliches erörtert werden.

Aber wo ist der viel zitierte Mehrwert? Für mich liegt er darin, dass ich - allein über das Bloggen - einige Kollegen kennengelernt habe, mit denen ich fachliche Diskussionen führen kann, denen ich bei einem Problem vielleicht eine Anregung geben kann und die mir ebenfalls breitwillig bei Fragen als Diskussionspartner zur Verfügung stehen. Zudem stolpere ich über Entscheidungen, die mir ohne bloggen wahrscheinlich (noch) nicht begegnet wären.

Und - das Wichtigste zuletzt - mir macht bloggen Freude. So, das war mein Wort zum Wochenende. Nettoschreibzeit acht Minuten. Es bleibt also genug Zeit, mich Mandanten und Akten zu widmen. Selbst die Büropflanze kann ich noch gießen.

Schokoriegel gefällig?

Über Xing erreichte mich heute eine persönliche Nachricht. Jemand fragte, ob er mir Fragen zum deutschen Strafrecht stellen könne, wenn dazu Bedarf bestünde.

Zitat: Dafür bezahl ich sehr gerne mit Schweizer Schokolade. Ist das nen Deal???

Nun ja, es gibt ja sehr teure Schokolade. Die kann man sicher auch in nicht haushaltüblichen Mengen erwerben, nicht wahr? Auf der anderen Seite drohen Fettleibigkeit und schlechte Zähne.

Fazit: Ich nehm lieber Fränkli! So sind sie eben, die Anwälte.

Donnerstag, 29. Juli 2010

Trolle bitte in den Wald!

Hier, hier und hier und dort hat sich in den letzten zwei Tagen eine Diskussion über die Blogkultur und den gesellschaftlichen Diskurs entwickelt. Spannend zu lesen und für mich interessant zu sehen, wie ernst man das Thema angehen kann. Ich persönlich blogge, weil ich gerne in dem von mir verwendeten Stil schreibe und mich das Schreiben zwischendurch entspannt. Aus die Maus.

Unentspannt werde ich allerdings, wenn Dinge wie gestern passieren. Am gestrigen Abend klingelte in der Kanzlei mein Telefon und ich wurde unter Bezugnahme auf mein Blog von einem Menschen bepöbelt. Über die Einschätzung des Herren kann ich noch amüsiert lächeln, das geht schon in Ordnung.

Nicht in Ordnung ist, dass am selben Abend jemand - der offensichtlich niemnals Mandant des Kollegen war - dem Kollegen Nebgen über ein Suchportal für Anwälte eine Bewertung gegeben hat, die schon nahezu strafrechtlich relevanten Inhalt hatte. Auch dort erfolgte eine Bezugnahme zu dem Blog und es ist auszuschließen, dass der geschilderte Sachverhalt zutrifft. Fast möchte ich Dinge murmeln wie: Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein und so.

Es gibt also offenbar Menschen, die Zeit dafür solchen pubertären Unsinn aufwenden. Erstaunlich. Meines Wissens wird keine Person gezwungen, irgendein Blog zu lesen. Die Blogs erscheinen auch nicht plötzlich auf wundersame Weise auf dem Bildschirm und brennen sich dann ins Auge.

Meine Oma hätte früher gesagt: "Die sind nur neidisch." Hm. Ich halte mich lieber an die Aussage eines mir bekannten Neurologen und Psychiaters: "Das erleichtert die Diagnose."

Mittwoch, 28. Juli 2010

Besser ein ehrlicher Mord, als eine Scheidung!

Bei einem Telefonat mit einer im Familienrecht tätigen Freundin ist mir mal wieder deutlich bewusst geworden, warum ich eine Aversion gegen Familienrecht habe. Zu viele Tränen, zu viele alte Geschichten, zu viele traurig guckende Kinder, zu viele Emotionen, zu viele Packungen mit Taschentüchern im Besprechungsraum.

Ich bin mir nur noch nicht sicher, ob Erbrecht nicht noch schlimmer ist.

Dienstag, 27. Juli 2010

Mulder, übernehmen Sie!

Erstaunlich, was bei einem Kanzleiumzug so alles mit der Post schiefgehen kann. Seit über einem Jahr bin ich nun in den neuen Räumen. In dieser Zeit habe ich mit dem Nachsendeauftrag mal tagelang keine Post bekommen, dann einmal die gesamte Post der Damen aus der früheren Bürogemeinschaft. Manchmal kamen auch Briefe, die für ganz andere Menschen bestimmt waren.

Das Amtsgericht Barmbek schafft es heute, mir in einer Sache ein Schreiben an die alte Anschrift zu schicken. Seltsam nur, wie die jetzt noch auf die Idee kommen. Klage habe ich unter der neuen Anschrift erhoben, erwidert unter der neuen Anschrift und das Protokoll der Verhandlung hat man mir auch an die richtige Anschrift geschickt. Hat nun der Vorsitzende in sein Anwaltsadressbüchlein geguckt? "Hach, die Braun, die kenne ich doch aus dieser Strafsache von vor zwei Jahren..? Da isse ja, die Adresse."
Dieses Anwaltsleben ist doch immer wieder voll Mysterien.

Voll mies drauf gewesen

Der Kollege Nebgen regt sich hier über die Frage: "Warum haben Sie das denn gemacht?" im Prozess auf.

Eine Frage, die ich noch - fast - nie einen geständigen Angeklagten so habe beantworten hören, dass dies strafmildernd gewertet wurde.

Klassische Antworten sind - nach meiner Erfahrung - folgende:
- Ich war voll mies drauf.
- Ich war irgendwie total blöd drauf.
- Ich hatte einen total schlechten Tag.
- Weiß ich auch nicht so genau, ist blöd gelaufen.

Alles nicht unbedingt Antworten, die für die Verfahrensbeteiligten nachvollziehbar sind. Im schlimmsten Fall heißt es dann im Urteil so oder so ähnlich: Strafschärfend wirkt sich dass, dass die Tat aus nichtigem Anlass begangen wurde.

Wie heißt es doch: wenn man keine Ahnung hat, Klappe halten. Oder so ähnlich.

Montag, 26. Juli 2010

Wer isn mein Anwalt, Mann?

Gerade klingelte eine junge Dame an der Tür, die der festen Überzeugung was, dass ich ihre Anwältin sei und sie - genau jetzt - einen Termin mit mir habe. Den Namen hatte ich noch nie gehört, es war kein Termin eingetragen, niemand hatte von der Dame je gehört, alles sehr verwunderlich.

Die junge Dame kramte dann einen Zettel hervor, einen Beschluss eines Hamburger Amtsgerichts: Ihr war eine Kollegin am anderen Ende der Stadt als Plichtverteidigerin bestellt worden. Namensähnlichkeit mit mir bestand nicht, die Kollegin hieß nicht Alexandra Schwarz oder ähnlich.

Ich habe die junge Dame mit einer Wegbeschreibung auf den Weg zu ihrer Anwältin geschickt und hoffe für sie, dass sie am Tag der Hauptverhandlung besser organisiert ist. Eine Entpflichtung wegen "göttlicher Fügung" oder so hätte sich wohl nicht hinbiegen lassen.

Wenn ich bedenke, dass mich schon mehrfach Menschen angerufen haben, die fälschlicherweise dachten, ich sei ihre Anwältin, dann ist das erstaunlich. Naja, Braun, Müller, Meier, da kann man schon durcheinander kommen.

Freitag, 23. Juli 2010

Lange Eckzähne?

Was ist der Unterschied zwischen Graf Dracula und einem
Anwalt?

Der eine ist durch und durch böse, lebt in einem
Schloss und saugt die Menschen in seiner Umgebung komplett aus.
Und der andere war im Mittelalter Wojwode der Walachei.


Schönes Wochenende!
:-)

Nichtzahler - Modell Elite

Jaja, liebe Leser, da müssen Sie jetzt durch. Es gibt wieder einen Nörgelartikel. Im Zweifel lesen sie nicht weiter.

Die Kollegen Hoenig und Siebers meckerten ja auch schon über Schnorrer und zumindest der Anfrage bei Herrn Hoenig hätte einen Anwalt wohl bezahlen können. Er wollte wohl nicht. Warum Mandanten nicht zahlen WOLLEN, hat verschiedene Gründe: Unzufriedenheit mit dem Ergebnis, Prioritäten (der Golfurlaub ist gerade wichtiger) und so weiter.

Eine Spezies will generell nicht bezahlen: hanseatische Kaufleute. Einen Anwalt bezahlen, das ist irgendwie unanständig (achten Sie jetzt bitte darauf, dass "st" auszusprechen wie einst Heidi Kabel). Wenn man als Angehöriger dieser Gruppe Ärger hat, dann kennt man einen Anwalt, der das Problem diskret löst. Bei dem wird sich überschwänglich bedankt, und wenn er sich das Honorar bei den Gegnern - z.B. diesen unverschämten Mietern des Hauses auf Sylt - holt, dann ist alles in Ordnung.

Wenn man aber beispielsweise den missratenen Sohn vor dem Jugendarrest bewahrt, dann wird die Kostennote ignoriert und nur höchst widerstrebend, nach einigen Erinnerungen und Mahnungen, bezahlt. Beauftragt wird man nie wieder und auf dem Poloplatz nur noch säuerlich angelächelt. Nicht mal einen Champagner will man mehr mit dem einst hofierten Anwalt trinken.

Merken: auch von Mandanten, die aussehen wie Ole von Beust im eleganten blauen Anzug mit Goldknöpfen einen dicken Vorschuss verlangen. Zwar sind die dann auch weg, man hat aber wenigstens nicht gearbeitet.

Donnerstag, 22. Juli 2010

Vergewaltiger und Schmuddelkram wollen wir hier aber nicht!

Völlig zu Unrecht (jaja) bekommen in den Blogs immer nur Richter, Staatsanwälte und Polizisten ihr Fett weg. Allein die Suche nach einer Bürogemeinschaft lässt mich für alle Zeiten glauben, dass viele Kollegen psychische Auffälligkeiten haben, die zumindest mit Bachblüten behandelt werden sollten. Übrigens waren da selten Strafrechtler darunter, aber in Einzelfällen mag es auch komische Strafverteidiger geben. Blogger waren wohl auch keine dabei.

Eines der absonderlichste war die Besichtigung einer Kanzlei, die gerne eine Strafverteidigerin aufgenommen hätte - der so genannten Synergieeffekte wegen. Deren Mandanten hätte ich gerne wegen Trunkenheit am Steuer oder Steuerhinterziehung verteidigen können, meinen "Schmudelkram" wollte man aber nicht im Wartebereich sitzen haben.

Verständlich, da ist einem ja der Tag verdorben, wenn man morgens schon einem echten Straftäter über den Weg läuft. Nachher klaut der einem noch die Kaffeetassen oder so. Mit mir und den Kollegen wurde es dann nichts. (Ja, liebe Zivilrechtler, das ist nachvollziehbar. Dann soll man aber nicht nach einem Strafrechtler suchen, bzw. explizit nach einem Wirtschaftsstrafrechtler).

Mit meinem Kollegen in der Bürogemeinschaft jetzt bin ich glücklich und zufrieden. Sicher würde er mich auch nie irgendwelcher Gemeinheiten verdächtigen, wie z.B. des Diebstahls von Fleischsalat aus dem Kühlschrank. Ist mir - der krassen Vegetarierin - schon passiert.

Berufsrisiken

Anwalt ist an sich ja ein eher ungefährlich Beruf. Trotz der Sorgen von Mama und Oma hat mich z.B. noch nie ein Mandant ausgeraubt, geschlagen, ja nicht einmal beschimpft. Pöbelenden Zeugen auf Gerichtsfluren konnte ich immer weiträumig ausweichen und noch nie hat ein Richter mit einem Aktenordner nach mir geworfen. Tja, bei dem Job als Reitlehrerin früher habe ich mir den Finger gebrochen. Welcher Beruf ist da wohl - auf den ersten Blick - risikoreicher?

Nun hat mich ein schlimmes Schicksal ereilt, zwei typische Berufsrisken haben sich realisiert. Nach einer zweitstündigen Besprechung mit einem Mandanten ist meine Stimme so gut wie weg und dann habe ich mir in die Hand getackert.

Vielleicht suche ich mir einen riskoloseren Job, Rodeoreiterin oder so. Aua.

Mittwoch, 21. Juli 2010

Coach mich mal - oder besser nicht

Gestern erledigte ich die Gerichtspost und konnte daher einen feinen Ausflug in das Ziviljustizgebäude machen und einen Blick auf die Aushänge werfen. Das ist schon auch irgendwie wichtig, da erfährt man so viel. Warum z.B. sucht der Kollege Muffelmann schon wieder einen neuen Bürogemeinschaftler? Hat der nicht erst vor einem halben Jahr..?

Besonders aufgefallen ist mir Werbung, die sich an mich - an uns alle - richtete. An "den Juristen als Profi und Mensch". Als Mensch? Aha. Bei genauererm Hinsehen stellte sich heraus, dass es sich um Coaching für Rechtsanwälte handelte. Insbesondere sollten Anwälte in der Gesprächsführung gecoacht werden. Anlass gibt es dafür sicher, sind Missverständnisse zwischen Mandant und Anwalt doch an der Tagesordnung.

Aber: Wie soll das laufen? Bitte ich den Serieneinbrecher Ede darum, dass unser Gespräch auf Video aufgezeichnet werden kann? Sitzt der Coach daneben? Alles berufsrechtlich doch mehr als bedenklich.

Vielleicht spielt man Gespräche mit dem Coach nach, keine Ahnung. Realistisch dürfte das dann auch nicht sein.

Für mich scheidet das Gesprächscoaching daher aus und ich wende mich bei Diskussionsbedarf zur Frage "Wie sage ich es meinem Mandanten?" lieber an einen alten Hasen.

Dienstag, 20. Juli 2010

Sag doch mal einen Paragraphen!

Dieser Wunsch wurde gestern in der aktuellen Folge von "Danni Lowinski" von einer Mandantin an Danni herangetragen. Erfüllen konnte Danni den Wunsch nicht.

Es ist aber eine Bitte, die mir SEHR bekannt vorkommt. Insbesondere von Verwandten und Freunden, die mal eben eine kurze "Info" haben wollen und den bösen Vermieter/Arbeitgeber/Autoverkäufer/Nachbarn mal mit so einem ordentlichen Paragraphen richtig erschrecken wollen. Kostet nix und macht wirklich Eindruck.

Ich nehm dann immer § 242 BGB. Passt immer, kann man gar nichts mit falsch machen.

Das Leiden der Nebenklagemausis

Heute war ich nebenklagend in einer Berufungsstrafsache unterwegs (quasi ein Ausflug), es ging um § 176 StGB. In der ersten Instanz war der Angeklagte geständig und bekam ein recht mildes Urteil, Berufung wurde nur durch den Angeklagten eingelegt, ein Verteidigerwechsel fand statt.

Zu Beginn der Verhandlung ein Paukenschlag: Geständniswiderruf. Ich erwartete spannungsvoll etwaige Anträge der Verteidigung. In der ersten Instanz sei er - der Angeklagte - von dem Verteidiger zu einem Geständnis gedrängt worden, sagte er. Hm, mag sein, vielleicht war der Rat des sehr erfahrenen Kollegen aber auch durchaus sinnvoll. Naja, ich wartete und der Angeklagte redete. Und redete. Und es war furchtbar.

Wie man als Verteidigerin in der Berufungsinstanz den Angeklagten dann - nach dem Geständniswiderruf - seine Angaben aus der ersten Instanz wiederholen lassen kann, das ist mir unerklärlich. Ich fing an, auf meinem Stühlchen neben der Staatsanwältin unruhig zu werden, mir kribbelte es in den Fingern und ich wollte nichts lieber als die Plätze mit der..ähm..Verteidigerin tauschen.

Berufung wurde dann irgendwann nach einer kurzen Unterbrechung zurückgenommen. Kollegin lächelt lieb und fragt die Vorsitzende:"Hm, kann mein Mandant vielleicht ein halbes Jahr mehr bekommen und dafür fällt die Bewährungsauflage weg?" Weia. Die Kollegin sah offene Münder - und einen leidenden Gesichtsausdruck. Meinen.

Montag, 19. Juli 2010

Grüner statt roter Karte


Wenn mal wieder jemand sagt: "Ja, aber der Schwager des Bruders des Freundes meines Bekannten, der hat sich damals selbst verteidigt und gesagt..."
Dann zücke ich die:

Freitag, 16. Juli 2010

Heidnische Strafverteidigung?

Kürzlich wurde ich telefonisch gefragt, ob ich auch "christliche Strafverteidigung" anböte. Mein Erstaunen und meine etwas verwirrte Nachfrage haben dem Anrufer wohl vermittelt, dass ich nicht die richtige Anwältin für ihn bin. Die Frage, was der Anrufer erwartet hat, bleibt daher leider für immer unbeantwortet. Ein Kruzifix im Besprechungszimmer? Ein gemeinsames Gebet vor der Verhandlung? Eine Bibel im Wartebereich? Ich habe keine Ahnung. Und was biete ich an? Heidnische Strafverteidigung? Verteidigung für Atheisten und Agnostiker? Ich weiß es nicht.

Das Telefonat brachte mich aber auf den Gedanken - da ich einige buddhistische Freunde und Bekannte habe - kurz über buddhistische Verteidigung nachzudenken. Ich war immerhin mal beim Dalai Lama.

In einem Plädoyer könnte man wunderbar über die schweren Folgen der Tat für das Karma des Angeklagte sprechen ("Herr Vorsitzender, mein Mandant wird nun viele Male als Fliege wiedergeboren werden, das ist schlimm genug."). Vielleicht hagelt es da massenhaft Einstellungen, bei den außerstrafrechtlichen Folgen.

Der Plan wurde wegen der wenigen zu erwarteten Straftaten des Klientels wieder verworfen. Schade, dass hätte ein Heidenspass werden können.

Burn out

Puh, ich kann mit diesem Leistungsdruck nicht mehr umgehen. Jeden Morgen diese Anspannung, dieser Stress, diese Angst, diese Nervosität. Diese Phasen der Hoffnung, des Resignation. Das drohende Burnout Syndrom.

Mit zitternden Händen schalte ich morgens den Rechner ein, um einen Blick auf das Ranking bei Jurablogs zu werfen. Heute liegt der Kollege Nebgen wieder einen Hauch vor mir. Hach, Mensch. Wie heißt es doch: der Zweite ist der erste Verlierer.

Naja, ich sehe das jetzt sportlich. Wer vorne liegt, der bezahlt das Mittagessen.

Donnerstag, 15. Juli 2010

Vorsorge ist alles!

In der letzten Woche haben zwei meiner Freundinnen entbunden und ich stehe vor der Frage eines Geschenks. Tja, was soll man einem kleinen Schreihals schenken?
Silberner Löffel mit Initialien? Irgendwie spießig.
Kucheltier? Da kriegen die so viele, da könnte man das Baby drunter begraben.
Sparbuch? Nee, das ist auch nix.
Strampler mit albernen Aufdruck? Auch irgendwie abgegriffen.
Bilderbuch, Kinderbibel? Lass mal.

Ich dachte mir nun, ich schenke was für die Zukunft und schreibe den Kleinen einen Brief nebst Gutschein für eine Verteidigung im Jugendstrafrecht. Das kann das Kind später wenigstens gebrauchen!

Liebe Leonie-Marie,

Du weißt es vielleicht noch nicht, aber Jugendkriminalität ist ubiquitär. Das heißt, dass Du - obwohl Deine Eltern Neurochirugin und Atomphysiker sind - trotzdem mal einen Lippenstift oder ein Shirt klauen wirst. Deine Eltern werden kreischen, Dir das Taschengeld kürzen oder streichen und Dir furchtbar Angst einjagen. Vielleicht sagen sie auch was von Gefängnis. Mach Dir aber keine Sorgen, ich hol´ Dich da raus und erkläre Dir dann ein neues Fremdwort: Diversion. Und nach der Verhandlung lade ich Dich zu einem Eis ein, aber nicht in der Gerichtskantine.
Deine Tante Alexandra

Freundlicher Zerberus

Früher hatte bei der Generalstaatsanwaltschaft noch alles seine Ordnung. Wollte man Zugang zu dem sehr hässlichen Innenbereich, so musste man an einem sehr grimmigen Pförtner vorbei. Manche Kollegen sollen sich vor dem Kontakt mit dem Pförtner mittels Bachblüten zu sedieren versucht haben, aber das sind alles nur Gerüchte.

Ich hatte mich gestern innerlich schon auf eine unangenehme Begegnung vorbeireitet und war völlig baff von der Kundenfreundlichkeit. "Ah, zur Abteilung 0815 wollen Sie, Frau Braun. Da gehen Sie bitte 20 Meter den Flur entlang, dann rechts um die Ecke und dann die siebte Tür auf der linken Seite."

Ok, sehr nett. Nachdem ich meine Akten hatte und einen Beweismittelordner eingesehen hatte, wollte ich wieder raus aus dem Gebäude.

"Oh, Frau Braun, haben Sie alles bekommen, was Sie gesucht haben?", fragte da der höfliche Herr. Mich erinnerte die Frage an Supermarktkasse und ich wollte schon mitteilen, dass ich kein Bestellmagazin mitnehmen möchte, habe es dann aber gelassen und mich höflich bedankt.

"Schön", sagt der Pförtner, "möchten Sie vielleicht ein Eis?" Naja, ok, das stimmt nicht, das habe ich mir ausgedacht. Er wünschte mir aber einen sehr schönen Tag im hoffentlich nicht zu heißen Büro. Wirklich ganz reizend, aber ich muss mich an die geänderten Verhältnisse erst etwas gewöhnen. Zerberus stelle ich mir doch anders vor.

Mittwoch, 14. Juli 2010

Leben am Limit

Einige der Kollegen haben Hobbies, die gemeinhein als eher gefährlich eingeschätzt werden. Der Kollege Siebers fährt recht flott Motorrad, der Kollege Feltus fliegt. Das ist aber alles nichts gegen meine Beschäftigung am heutigen Mittag - der Besuch der Gerichtskantine mit zwei lieben Kollegen und das Einnehmen einer Mahlzeit dort.

Zunächst fährt man mit dem Aufzug in den 4. Stock des Ziviljustizgebäudes. Die Kantine liegt mehr oder weniger direkt unter dem Dach. Es ist angenehm warm, gefühlte 50 Grad und kein Luftzug stört den Besucher. Das Angebot ist gigantisch und ich wähle aus den drei angebotenen Gerichten die "Andalusische Tortilla mit Tomaten, Oliven, Paprika und Pepperoni". Eine gelb-gräuliche Masse in der Größe eines DIN A4 Blattes wird liebevoll auf meinen Teller geknallt.

Das Gericht hat eine plastikartige Konsistenz, die durch schleimige Gemüsestücke etwas aufgelockert wird. Gekrönt wird das ganze durch eine Schicht Analogkäse, der die Masse am Auseinanderfallen hindert. Köstlich.

Für knapp zwei Euro mehr gibt es wenige Meter entfernt die Tagespasta in Bioqualität. Beim nächsten Treffen drücke ich den beiden Kollegen je zwei Euro in die Hand und beantrage eine Verlegung des Sitzungsortes. Guten Appetit!

Ende der Zensur

Zahlreiche Leser beschwerten sich, dass Kommentare erst durch mich freigeschaltet werden müssten. Klar, eine Strafverteidigerin, die zensiert, das geht gar nicht. Stand ich gar im Verdacht, Unliebsames zu löschen und nur mir Genehmes zuzulassen? Und das mir!

Grund für dieses Vorgehen war allerdings weniger der Wunsch nach Kontrolle, als technisches Unverständnis. Ich ging davon aus, über Kommentare sonst nichts zu erfahren.

Nachdem ich nun gelernt habe, dass ich mich bei neuen Kommentaren per Mail informieren lassen kann, habe ich die Einstellung geändert.

Hochachtungsvoll

Dem Mandanten bin ich bezüglich der Zahlung meiner Rechnung entgegenkommen. Es wurde Ratenzahlung vereinbart und bis zur Hauptverhandlung klappte das mit den Raten auch ganz gut. Das Verfahren wegen Trunkenheit im Verkehr wurde eingestellt.

Voller Dankbarkeit nahm der Mandant in der Verhandlung seinen Führerschein in die Hände und war der glücklichste Mensch auf Erden. Selbstverständlich wolle er nun umgehend den noch offenen Betrag in einer Summe begleichen, notfalls werde er sich das Geld leihen.

Tja, dieser Vorsatz war schnell vergessen und seit dem erinnere ich, mahne ich, schreibe ich böse Mails und Briefe. Eine Rate kam, die Restzahlung wurde für den 01.07.10 angekündigt.

Eine Woche später sprach ich auf seine Mailbox, schickte eine Mail, keine Reaktion. Heute dann eine Antwort, man werde sich um Zahlung bemühen. Unterzeichnet war das Schreiben mit "Hochachtungsvoll".

Nun überlege ich, ob ich noch ein paar warme Worte erwidere oder in der Zeit in Eis essen gehe.

Dienstag, 13. Juli 2010

Ich atomisier Dich!

Der Kollege Burhoff - der Strafrichter steckt noch irgendwo in ihm - hat gerade Widersprüche in den Blogbeiträgen des Kollegen Nebgen und mir herausgearbeitet und mich damit konfrontiert. Immerhin hat er nichts von "Schutzbehauptungen" und Ähnlichem gesagt.

Bei mir musste ich neulich feststellen, dass auch ich gelegentlich (naja, ok, oft) im Gespräch zu vernehmungsähnlichen Methoden greife. Will die Freundin die Affäre mit dem verheirateten Mann, den Betrug des Freundes oder sonstiges Fehlverhalten nicht freiwillig offenbaren, dann greife ich schon mal zu Vernehmungsmethoden wie dem Fragenkreisel, der Atomisierung oder der konfrontativen Befragung. Mein sehr gutes Gedächtnis ist dabei hilfreich ("Wie? Montag? Du hast doch vor zwei Wochen gesagt, dass Du am Montag nach dem Yoga direkt..."). Das Fragerecht lasse ich mir dabei nur selten entziehen.

Der Kursleiter im Fachanwaltslehrgang hat - nach seinen Erzählungen - mal seine kleine Tochter zum Weinen gebracht. So weit habe ich es noch nicht geschafft, aber ich arbeite daran. Komisch nur, dass meine Sozialkontakte irgendwie weniger geworden sind. Wirklich seltsam.

Miss Mausis Chauffeur

Heute hatte ich Verhandlungstermin in der Einöde in Niedersachsen. Ich war mit dem Zug angereist, zwei Stunden in stickigen Bimmelbahnen. Nach dem Termin fragte der Mandant dann freundlich, ob er mich mit zurück nach Hamburg nehmen solle.

Normalerweise vermeide ich es, mich von Mandanten mitnehmen zu lassen. Insbesondere dann, wenn gerade das Verfahren wegen Trunkenheit am Steuer wegen eines Beweisverwertungsverbotes eingestellt wurde. Wer weiß, vielleicht trinkt der Mandant auf den Erfolg auf der Gerichtstoilette erst mal einen kleinen Schnaps. Oder im Auto hängen 20 Duftbäume Vanille. Oder ich muss stundenlang DJ Ötzi oder Xavier Naidoo hören. Außerdem fahre ich ungern als Beifahrer, da ist mir unwohl.

Auf Befragen versicherte der Mandant aber, keinen Punkt in Flensburg zu haben und ein verkehrssicheres Fahrzeug zu haben. So war es auch und ich war 1,5 Stunden früher als erwartet zurück im Büro. Nett unterhalten wurde ich auch noch.

Vielen Dank!

Montag, 12. Juli 2010

Die Methoden der Danni L.

In einer Fernsehserie um eine junge Anwältin gewinnt selbige die Fälle gerne mal mit etwas ungewöhnlichen Methoden, z.B. eigener Detektivarbeit. Ähnliche Arbeit habe ich in einem Rechtsstreit an den Tag gelegt, in dem es um die Frage geht, ob die Verkäuferin eines Pferdes Unternehmerin ist oder nicht.

Der gegnerische Anwalt schrieb, es bliebe mein Geheimnis, wie ich darauf käme. Naja, nicht ganz: Zum einen haben meine Mandanten die Vermutung geäußert und dann habe ich recherchiert. In der mir vorliegenden Verkaufsanzeige war eine sehr prägnante Formulierung, die ich mal bei google eingegeben habe. Treffer, massenhaft Pferde, Hunde und andere Tiere wurden zum Verkauf angeboten. Selbst noch einmal angerufen und die Beklagte am Telefon gehabt.

Bei dem Streitwert ist der Einsatz unwirtschaftlich, aber ich freue mich auf die mündliche Verhandlung. Vielleicht bildet Fernsehen ja doch?

Ich als Frau und Strafverteidigerin

Gestern im klimatisierten ICE las ich in der Frankfurter Rundschau eine Kolumne, in der die Juristen nicht gut wegkamen. Mir fallen viele Gründe ein, Juristen nicht zu mögen: Burberryjacken, Siegelringe, ach, es gibt so vieles. Was ist eigentlich aus den Leuten im ersten Semester geworden, die schon am ersten Tag des Studiums eine Aktentasche dabei hatten und sagte: "Ich will ja mal Diplomat werden!"?

Die Autorin der Kolumne meckerte allerdings über etwas, dass ich noch nie erlebt habe. Sie schrieb, dass Juristen jeden Satz mit "Ich als Jurist.." anfingen. So wollten sie wohl Distanz zum Gesagten schaffen. Aha. Kennt jemand Anwälte, Verwaltungsjuristen, Richter oder sonstige Juristen, die so sprechen? Vielleicht teste ich - so als Anwältin und Frau - das mal eine Woche lang.

Heute Abend beim Essen fange ich an:
"Ich als Mensch bin mit Ihrem Tiramisu ganz zufrieden. Als Strafverteidigerin muss ich Ihnen aber sagen, dass es den Tatbestand der Körperverletzung erfüllen könnte."

Sonntag, 11. Juli 2010

Verbrannte Erde

Momentan bin ich für einige Tage in Hessen bei meiner Familie. Vielleicht hätte ich mich doch hier selbstständig machen sollen, hier scheint mehr zu pasieren - also Straftaten jetzt.

Freimütig erzählen flüchtige Bekannte vom letzten Versicherungsbetrug und dem Herren aus Polen, der gerade das Haus baut - schwarz. Naja, so Naturvölker haben eben ein ganz besonderes Verhältnis zum Recht.

Beeindrucken fand ich die Pflegeleiterin des Heims, in dem ein Verwandter untergebracht wird. Die Dame fragte mich, ob ich in freiheitsenziehende Maßnahmen einwillige, das könne ich doch als Beteuerin. Der Dame fehlte jegliches Problembewusstsein, was sie dann aber plötzlich im Gespräch mit mir erlangt hat.

Eine ähnlich lustige Einstellung zum Thema Rechte und Pflichten hatte der Vermieter des betreuten Verwandten. Wir hatten ein nettes über Endrenovierungsklauseln in Mietverträgen.

Freunde gemacht habe ich mir in den Tagen hier jedenfalls nicht. Aber, naja, in 400 km Entfernung fühle ich mich sicher und geborgen.

Donnerstag, 8. Juli 2010

Ausfallhonorar

Der Anrufer will zuerst eine wichtige Frage stellen. "Haben Sie den Mut, gegen einen Richter vorzugehen?"

Diese Frage gehört, die ich früher arglos mit "Ja" beantwortet hätte, ist mittlerweile zu einem Trigger geworden. Besonders aufmerksam werde ich, wenn mir erklärt wird, dass die Anwälte im Ort des Anrufers alle für diesen Fall nicht gebrauchen seien, weil sie alle in das Geschehen involviert sein.

Ich frage also nach, um was es denn genau gehe und biete dann einen Termin an. Zu dem Termin, so sage ich, soll bitte ein Vorschuss mitgebracht werden. Jetzt raten Sie mal, wer um 12:00 Uhr nicht erschienen ist.

Mein Augenarzt hat auf seinem Terminzetteln einen Hinweis, dass er bei Terminen, die nicht mindestens 24 Stunden vorher abgesagt werden, ein Ausfallhonorar in Rechnung stellt. Das wäre mal was.

Mittwoch, 7. Juli 2010

Wehmütiger Blick zurück

Hach, da sehnt man sich doch richtig zurück an die Uni. Sogar rauchen durfte man da noch - in gemütlicher Umgebung.

Dienstag, 6. Juli 2010

Da gehn Sie mal zum Arzt mit

Der Anrufer teilt mit, dass er gegen den Staat vorgehen wolle. Die Regierung - vermutlich Westerwelle selbst - habe ihm Kameras in die Augen eingesetzt.

Ok. Sicher hat er genau recherchiert und herausgefunden, dass ich Strafrecht und Arzthaftungsrecht mache. Klar, ich hätte mich bei einem solchen Problem auch angerufen. Das weitere Telefongespräch verlief eher konfus und wurde von mir nach wenigen Minuten beendet. Der Herr hatte wohl schon erfolglos einige Anwälte angerufen und war unter anderem an einen Augenarzt verwiesen worden.


Sehr bösen Humor hat der Kollege. Muss man nicht machen.

Voll krass HighTech

Mein Vater ruft mich an. Folgender Dialog entsteht.

Vater: "Hier, Du benutzt doch so einen Laptop oder wie das heißt. Da habe ich noch einen für Dich."
Ich: "Laptop? Wo hast Du das denn her? Vom Laster gefallen?"
Vater: "Gekauft. Ich habe jetzt auch so einen anderen Computer, der hat auch dieses Internet, der hat alles. Ich weiß nur noch nicht, wie ich das Internet anschalte."

Anmerkung: Die Telefonnummer meiner Eltern hat noch vier Stellen. Sie haben einen analogen Telefonanschluss.

Ich: "Ok, Du hast also einen Computer und ein Laptop gekauft. Wie teuer war es denn?"
Vater: "Der Laptop war total billig, 299,00 Euro. Beim Aldi."
Ich: "Ist das vielleicht ein NETBOOK???"
Vater: "Ja, genau, so heißt das. Das hat auch Internet und das alles. Das ist da alles drin."

Nun lasse ich mich beim Heimatbesuch überraschen, was da tatsächlich steht. Vor ca. acht Jahren kaufte mein Vater einen Monitor, eine Tastatur und einen Drucker. Die Freude über den Kauf hielt nicht lange an, denn irgendwie gab es mit dem
"Rechner"
nur Probleme. Das hat alles nicht so geklappt, wie es sollte.
Langsam ist wohl mal der Computerkurs für Senioren fällig.

Mit etwas Glück habe ich nun also ab dem Wochenende ein Netbook. Fein.

Montag, 5. Juli 2010

Einleuchtende Erklärung

Der Mandant hat - vor meiner Beauftragung - den ihm übersandten Anhörungsbogen ausgefüllt und an die Polizei geschickt. Sehr pflichtbewusst. Er hat "Ich gebe die Tat zu" angekreuzt. Bei dem Feld "Wie kam es zu der Tat" schrieb er dann "war voll daneben".

Ich kann mir in etwa vorstellen, in was für einem Zustand der Mandant sich befand. Den Staatsanwalt hat die Einlassung des Mandanten komischerweise nicht zu einer Einstellung des Verfahrens gebracht.

Jetzt ist es passiert...

Heute war es so weit. Ein Brief des Amtsgerichts. Spannung. Und, was ist es? Eine Beiordnung als Pflichtverteidigerin.

Mensch, da hat mich erstmals ein Richter von sich aus beigeordnet. Und den kenne ich nicht mal. Mir war das zunächst sehr unheimlich und ich stellte mir viele Fragen. Hat der "Geständnisberater" gegoggelt und ist hier im Blog gelandet?

Die Lösung drängte sich dann aber auf. Der Richter hat einen Blick in der Pflichtverteidigerliste der Rechtsanwaltskammer geworfen. Da stehen auch reine Zivilrechtler drauf, wie mir auffiel. Da hat der Mandant direkt Glück gehabt.

Sonntag, 4. Juli 2010

Kein Fußballfan?

"Die is´ nich´ am Platz"

Bis man sich als Junganwalt eigenes Personal leisten kann, vergeht in der Regel eine Weile. Keine Schande, wie ich finde.

Das Fehlen einer Rechtsanwaltsfachangestellten wird von einigen Kollegen auf höchst unterschiedlich kompensiert.

Einige - vorwiegend männliche Kollegen - setzen die bereits verrentete Mutti ans Telefon und lassen Mama auch Mahnanrufe machen. Ob es bei einem renitenten Nichtzahler allerdings hilfreich ist, wenn Mutti darauf hinweist, dass "der Junge auch was essen müsse", das sei dahin gestellt. Bisweilen bekommt man als Kollegin dann tiefe Einblicke in´s Private und weiß genau, darum der Kollege nicht da ist (entzündeter Zahn, schwangere Freundin, Beerdigung von Onkel Franz etc. pp.).

Ein Praktikant oder eine Praktikantin ist auch nicht immer die beste Lösung. So verkündete mir die Praktikantin einer Kollegin neulich vertraulich, dass "die Frau Anwältin gerade aufm Klo sei". Aha. Ich hoffe, es war nichts Ernstes.

Eine Kollegin hat den Vogel abgeschossen, indem sie sich am Telefon regelmäßig für ihre eigene Sekretärin ausgegeben hat und dann zu sich "verbunden" hat. Dumm nur, dass er Hörer einfach neben das Telefon gelegt wurde und jeder Anrufer deutlich bemerkte, dass er mit ein und derselben Person sprach. Die meisten Anrufer dürften das irritierend gefunden haben. ;-)

Freitag, 2. Juli 2010

Stille Treppe

Wenn es in der Hauptverhandlung darum geht, ob das Verfahren eingestellt werden soll, dann murmeln einige Vorsitzende mysteriös: "Wir können ja mal ein Rechtsgespräch führen, Ihr Mandant soll mal vor die Tür gehen."

In der Regel schaffe ich es gerade noch, den Mandanten am Hemdzipfel zu packen, ihn auf seinem Platz zu halten und dem Vorsitzenden zeitgleich zu erläutern, warum mein Mandant nicht den Saal verlassen wird. Allein das Bild, das dadurch entsteht, möchte ich meinen Mandanten nicht vermitteln. Er steht wie ein kleines Kind, das Mist gebaut hat, vor der Tür, während die Erwachsenen reden. Erinnert an die Supernanny und die stille Treppe. Nee.
Von der StPO ganz zu schweigen.

Meist sind die Richter sehr einsichtig und es gibt keine Probleme. Warum man es dann erst mal fordert, das verstehe ich nicht.

Mittwoch, 30. Juni 2010

Kaltakquise an der Tür

Gerade stehe ich auf dem Weg zum Kühlschrank im Flur, als es an der Tür klingelt. Vor mir steht ein junger Mann, den ich optisch den Deliktsbereichen Betrug, Untreue oder Unterschlagung zugeordnet hätte und sagt: "Ich wollte einen Termin bei Frau Braun und den mit ihr abstimmen."

Da hier durchaus manchmal Laufkundschaft auftaucht, habe ich den Herren in mein Zimmer gebeten und ihn gefragt, was ich für ihn tun könne. "Ha," sagt der junge Mann, "ich will was für Sie tun. Ich will Ihnen helfen, Steuern und Geld zu sparen!" Dabei reicht er mir seine Visitenkarte. Ein Versicherungswicht.

Seine Verweildauer in der Kanzlei betrug dann noch ca. 54 Sekunden. Da ich grundsätzlich ja ein freundlicher Mensch bin, habe ich ihm von einem solchen Besuch bei meinem Kollegen abgeraten und ihm den Tipp gegeben, bei unserer Kanzleiadresse besser mal einen Totenkopf hinter die Daten zu zeichnen.

Besser ist das.

Dienstag, 29. Juni 2010

Leichte Geburt

So, nach ganz kurzer Zeit ist meine neue Homepage unter www.verteidigerin-braun.de bzw. www.alexandra-braun.de online.

Mein herzlicher Dank geht an die Webdesignerin Ania Groß von www.gross-im-netz.com. Sie hat super schnell gearbeitet und die Zusammenarbeit hat großartig geklappt. Insbesondere das Foto-Shooting war sehr amüsant!

Danke, liebe Ania!

Rechtsrat von den Strafverfolgern

Ein Mandant von mir kommt mit einem Anhörungsbogen vorbei und fragt, was er nun tun soll. Es folgt mein Rat, keine Aussage zu machen und das weitere Vorgehen nach erfolgter Akteneinsicht zu besprechen.

Das wundert den Mandanten etwas. Hatten ihm doch zwei Polizisten - die die vermeintliche Straftat beobachtet hatten - genau erklärt, was er in einen solchen Anhörunsgbogen schreiben solle. Wenn er ihrem Rat folgte, so sollen die Polizisten gesagt haben, dann könne gar nichts passieren.

Das fand der Mandant auch ganz überzeugend und wollte eigentlich auch so vorgehen. Ihn machten dann aber bestimmte Fragen in dem Anhörungsbogen stutzig, z.B. ob er mit dem Strafbefehlsverfahren einverstanden sei. Der Gang zum Anwalt wurde also schließlich doch angetreten.

Gute Idee.

Montag, 28. Juni 2010

Frauengespräche im Gerichtssaal

In einer Zivilsache bin ich für eine Kollegin in Untervollmacht tätig. Der Beklagte erscheint nicht und die Vorsitzende und ich müssen 15 Minuten warten. Da ich die Gerichtspost schon geholt habe, die Kantine nichts zu bieten hat und ich auch nicht rauche, bleibe ich im Saal sitzen.

Die Vorsitzende - eine sportliche Frau um die 50 - hat offenbar modischen Gesprächsbedarf und fängt ein Gespräch über Hüftjeans und die darunter passenden Slips an. Zur Verdeutlichung der Problematik zieht sich die Dame erst mal im Stehen die Hose wieder hoch.

Ähm, ja. Vielleicht bin ich zu alt für den Job - ich habe keine Hüftjeans.

Sonntag, 27. Juni 2010

Die 10 besten Fussballersprüche

Passend zum heutigen Spiel Deutschland gegen England eine - subjektive - Liste der besten Fussballersprüche.

Platz 10:
Ein Drittel? Nee, ich will mindestens ein Viertel.


Mathematisches Können beweist Horst Szymaniak

Platz 9:
"Mailand oder Madrid - Hauptsache Italien!"


Geografie vom Feinsten von Andreas Möller

Platz 8:
"Ich hab gleich gemerkt, das ist ein Druckschmerz, wenn man drauf drueckt."


Knallharte medizinsche Diagnose von Lothar Matthäus

Platz 7:
"Die Sanitäter haben mir sofort eine Invasion gelegt."


Noch mehr Medizinisches von Fritz Walter jun.

Platz 6:
"Ich habe ihn nur ganz leicht retuschiert."


Mit dem Duden unterm Kopfkissen hat Olaf Thon geschlafen.

Platz 5:
"Wenn wir hier nicht gewinnen, dann treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt."


Verbrannte Erde hinterließ Rolf Rüssmann

Platz 4:
"Die Schweden sind keine Holländer - das hat man ganz genau gesehen."


Ethnologie mit Franz Beckenbauer

Platz 3:
"Die Situation ist aussichtslos, aber nicht kritisch."


Positives Denken mit Stefan Effenberg

Platz 2:
"Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben... Den Rest habe ich einfach verprasst."


Finanztipps von George Best

Platz 1:

"Zuerst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu."


Tief philosophisch wurde da Jürgen Wegmann.

Freitag, 25. Juni 2010

Beehren Sie uns bald wieder!

Gestern bekam ich -über Xing- eine Mail, in der eine tolle Dienstleistung angeboten wurde. Man bietet mir an, meine Mandanten nach ihrer Zufriedenheit mit mir und meiner Kanzlei zu befragen. So könne ich kleine Details, die unzufrieden machten, abstellen und Mandanten dauerhaft an mich binden. Viele Mandanten seinen froh, einmal ihre Meinung sagen zu können.

Eine hübsche Idee. Ich sehe den Fragebogen bildlich vor mir:
"Lieber Räuber X, vor einigen Monaten haben Sie die Dienste von Frau Rechtsanwältin Braun in Anspruch genommen. Wir möchten Sie nun bitten, den anliegenden Fragebogen auszufüllen und an uns zurückzusenden. Sollten Sie keine Briefmarke zur Hand haben, so holen wir den Brief gerne an der Gefängnismauer ab."


Mir erscheint das Konzept - von der Durchführbarkeit wegen anwaltlicher Schweigepflicht mal ganz abgesehen - nicht sehr erfolgversprechend. Vielleicht schicke ich ein Gegenangebot - für die Durchführung eines Insolvenzverfahrens oder so.

Donnerstag, 24. Juni 2010

Die Zahl des Tieres ist 32,50

..und zwar netto!

Der Kollege Burhoff berichtet in seinem Blog über einen voreilig kastrierten Kater. Der geschilderte Fall wird sicher auch einen sensationellen Streitwert haben und hat mich inspiriert, mal alle Mandate im Tierrecht hinsichtlich der Einnahmen Revue passieren zu lassen.

Ja, da gab es auch mal schöne Streitwerte, die einen vernünftigen Verdienst brachten. Leider haben aber viele Tiere und deren Halter rechtliche Probleme, die sich streitwertmäßig unterhalb der 300,00 Euro bewegen. Wenn Herrchen oder Frauchen dann erhöhten Betreuungsbedarf haben, dann kann man sich als Anwalt an solchen Mandaten arm arbeiten. Es sei denn, man schließt eine Vergütungsvereinbarung ab und hört sich dann für 150,00 Euro die Stunde in epischer Breite an, dass Fifi seit der Behandlung bei dem unfähigen Tierarzt irgendwie komisch sei.

So viel Geld möchten die Besitzer für ihr geliebtes Haustier dann aber auch nicht ausgeben. Der wird doch der Hund in der Pfanne verrückt.

Was ich mich am Rande noch frage: Dürfte ich in dem hier geschilderten Fall alle 1510 Ratten verteidigen, oder gibt es berufsrechtliche Probleme?

Mittwoch, 23. Juni 2010

Wir müssen mehr Schwarzgeld machen!

Liebes Finanzamt, plant ihr schon eine Betriebsprüfung bei mir?


Einsicht in die Lebensakte??

Eine Dame ruft an und möchte als Nebenklägerin vertreten werden. Ok, mir geht es wie der Kollegin Rueber, ich mache in der Regel keine Nebenklage.
Allerdings kam ich gar nicht dazu, das zu sagen, die Anruferin redete und redete über das Leid, das ihr ein Arzt vor einigen Jahren angetan habe. Sie wolle vor allem umfassende Akteneinsicht, betonte die Dame deutlich.

Ich wurde bei den Erzählungen stutzig und fragte, in welchem Stadium denn das Verfahren gegen den Arzt sei. Und siehe da, es gibt kein Verfahren, da niemals Strafanzeige erstattet wurde. Etwas erstaunt sage ich, dass es doch gar keine Ermittlungsakte gebe und ich demnach keine Einsicht nehmen könnte.

Da sagt die Dame: "Vielleicht gibt es ja eine andere Akte über den Arzt, in die Sie Einsicht nehmen können??!!"

Gute Idee. Vielleicht wäre es auch sinnvoll, mal in die Akte irgendeines anderen Arztes zu gucken? Vielleicht findet man ja was..