Mittwoch, 25. Januar 2012

Piratenplädoyer

Im Hamburger "Piratenprozess" hat heute die Staatsanwaltschaft hohe Haftstrafen gefordert. Zwischen vier und elfeinhalb Jahren Haft hat die Staatsanwaltschaft beantragt.

Nun folgen die Plädoyers der Verteidiger. Da jeder der zehn Angeklagten zwei Pflichtverteidiger hat, kann das mit den Schlussvorträgen etwas dauern.

Der Spiegel berichtet hier.

Montag, 23. Januar 2012

Guten Tag, ich bin Medium und ich suche Arbeit

Es ist keine sonderlich neue Information, dass gerade Strafverteidiger ab und an seltsame Anrufe bekommen. Ein Highlight hatte ich aber heute. Es meldet sich eine Dame und teilt mit, dass sie mich um Informationen bitte. "Information", da weiß der erfahrene Anwalt schon: ein bezahltes Mandat wird das nicht unbedingt werden.

Die Anruferin wollte aber nicht nur nichts bezahlen, sie wollte auch noch Geld verdienen. Sie habe nämlich, so sagte sie, hellseherische Fähigkeiten und wolle diese in den Dienst der Justiz stellen. Wie denn das sei. In Amerika ging das.

Mir sind ein gutes Dutzend Richter und Staatsanwälte eingefallen, deren Durchwahl ich der Dame gerne gegeben hätte. Habe ich mich aber wieder nicht getraut.

Montag, 28. November 2011

Kollege von Betrugsmasche betroffen

Über meine Erfahrungen mit Gewinnspielbetrügereien hatte ich im August hier berichtet. Zum Glück hörte der Spuk irgendwann auf. Meine schlimmsten Befürchtungen (Hausdurchsuchung, Konto dicht, ich werde in Handschellen abgeführt) haben sich alle nicht realisiert.

Heute rief mich der Kollege Lauck aus Potsdam an (Homepage). Er ist sozusagen mein Nachfolger und nun steht bei ihm das Telefon nicht still. Auch der Kollege hat mit den Gewinnspielanrufen nichts zu tun. Er hat eine Erklärung auf seiner Homepage veröffentlicht und Strafanzeige erstattet.

Ich wünsche dem Kollegen gute Nerven und alles Gute!

Montag, 29. August 2011

Die Staatsanwaltschaft und google

Wer vor einer Zeit die Adresse der Hamburger Staatsanwaltschaft suchte, der fand bei Google einen Link zu einer Schmähseite. Diese trug den bezeichnenden Titel "vor-verurteilung", und ist nun gesperrt.

Google hat sich nun bei der Hamburger Staatsanwaltschaft freundlich entschuldigt, das Hamburger Abendblatt berichtet hier. Grund sei wohl ein Computerfehler gewesen, so heißt es.

Herr Möllers, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Hamburg, weist im Interview darauf hin, dass durch diese Verlinkung eine Prangerwirkung entstehe, der man entgegentreten müsse.

Recht hat er. Wo kämen wir denn da hin, wenn die neutralste Behörde der Welt in Zusammenhang mit Vorverteilungen genannt würde.

Mittwoch, 17. August 2011

Über die Relativität von Erfolg

Wird einem Menschen die Fahrerlaubnis vorläufig entzogen (§ 111a StPO), so kann man gegen diese Entscheidung Beschwerde einlegen.

Statistische Daten sind mir keine bekannt, aber natürlich hat längst nicht jede Beschwerde Erfolg. Umso mehr freut man sich als Verteidigerin, wenn eine Beschwerde erfolgreich ist. Schließlich hat man zuvor gegrübelt, sich Mühe gegeben, an Formulierungen gefeilt...

Meine Freude über erfolgreiche Beschwerden wird nun in Zukunft nicht mehr so hoch sein.

Habe ich doch gerade eine Akte in den Händen, in der der Mandant (vor meine Beauftragung) selbst Beschwerde gegen die vorläufige Entziehung der Fahrerlaubnis eingelegt hat. Mit dünnen Worten ("Ich brauche aber mein Auto") und siehe da, das Landgericht gibt der Beschwerde statt und hebt den Beschluss des Amtsgerichts auf. Natürlich nicht, weil der Mandant sein Auto braucht, sondern mit einer anderen -zutreffenden - Begründung.

Für die mündliche Verhandlung sind das aber schöne Voraussetzungen.

Montag, 15. August 2011

Wer nicht fragt...

Die Mandantin beauftragt mich in der letzten Woche mit ihrer Verteidigung in einer Strafsache. Der Vorfall, der dem Strafverfahren zugrundeliegt, war im Januar diesen Jahres.

Ich nehme das Mandat an, beantrage Akteneinsicht und übersende - wie in Strafsachen üblich - eine Vorschussrechnung über die voraussichtlich anfallenden Gebühren.

Ups, denkt sich die Mandantin. Und dann denkt sich vermutlich auch, dass das ja ganz schön teuer sei. Aber, sie hat eine tolle Idee und schließt eine Rechtsschutzversicherung ab und verweist mich an diese. Natürlich lehnt die Versicherung die Gewährung von Rechtsschutz ab.

Eine kurze Frage vorher wäre sinnvoll gewesen. In einer Minute hätten wir klären können, dass der Abschluss einer Rechtsschutzversicherung zumindest für diesen Fall nicht mehr sinnvoll ist..